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Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden · 1909-05-01 · 4 (5.1909) · p. Seite 2

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Journal
Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
Volume
3 (1909)
Issue
4 (5.1909)
Date
1909-05-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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er bewältigt«, and nicht die einzelne Leistung waren es, die seinen Wert ausmachten. Edmund Lachmann war nicht'einer von vielen, nicht einer von den vielen Tüchtigen in unserer Mitte, er war viel mehr eine Persönlichkeit, ein Mann von edler Eigenart, wie sie unsere Zeit nicht allzu häutig aufzuweisen hat. Auf dem Grunde des, vollen und doch von jeder Ueberhebung freien Bewusstseins seines Wertes schuf er sich eine einzigartige Unabhängigkeit nach allen Richtungen hin. Er war unabhängig von allen nicht in der Sache begründeten Einflüssen, von. welcher Stelle sie auch ausgehen mochten, unabhängig von jeder Eitelkeit, die in Anerkennung und in Auszeichnungen ihre Befriedigung sucht, unabhängig von jeder Rücksicht auf Personen, mochten sie ihm nahe stehen oder, nicht: in seinem Urteile die verkörperte Objektivität. Und doch wieder bei aller Selbstständigkeit des Urteils frei von jedem eigenwilligen Bestehen auf der eigenen Absicht. Jeder vernünftigen Erwägung zugänglich und immer bereit, sich durch Gründe überzeugen zu lassen. Dabei von ^Wohlwollen gegen Peräonen, stets bestrebt Härten, welche die Sache erforderte, auszugleichen. Ein Mann, mit dem man sachlich nicht übereinstimmen, aber nie persönliche Diöerenzen haben konnte. Zugleich ein guter, stets hilfsbereiter Mensch, dessen Herz auch für die Bedürftigen und Unterdrückten schlug. Und da sein warmes Interesse in erster Reihe auch seinen Glaubensgenossen galt, da er mit jener grossen Begabung und jenen glänzenden Charaktereigenschaften ein umfassendes Wissen und eine reiche Erfahrung auf mannigfachen Gebieten verband und da er ein aufrechter Mann war, der, was er als Recht erkannt, zu jeder Zeitt und gegen Jedermann ohne Scheu vertrat, so war Edmund Lachmann wie kein anderer berufen, an der Spitze des Verbandes der Deutschen Juden zu stehen. Allzufrüh ist er von uns geschieden und bangen Herzens fragen wir, wohin uns unser Weg führen wird, wenn seine Hand uns nicht mehr leitet. Aber wie es nicht seine Art war, den Mut sinken zu lassen, auch wenn die Schwierigkeiten sich türmten, so wollen auch wir uns mühen, nach seinem Vorbilde erhobenen Hauptes und frohen Mutes weiter zu kämpfen für die Sache unserer Glaubensgenossen, das Ziel fest im Auge, furchtlos und treu, durch Einigkeit stark. Dann werden wir das Andenken an Edmund Lachmarin in Ehren halten. Edmund Lachmann 4 - ,' wurde am 31. 12. 185oals Solln des Geheimen Kommerzienrats Salomon Laclimann geboren. Er besuchte zunächst die Knabenschule der jüdischen Gemeinde und sodann das französische (i vm-nasium in Berlin, bestand im Herbst 1873 als priinus oninium die Keifeprüfung, studierte in Berlin und Heidelberg Rechtswissenschaft." bestand am- 10. 3. 1877 die Staatsprüfung und promovierte im Sommer desselben Jahres in Leipzig zum do'ctor juris. Während der Studienzeit diente er (1874-1875) als Einjährig-Freiwilliger bei dem eisten Garde Dragoner-Regiment in Berlin, machte später Jseine Offiziersaspirantenübung beim 2/Brandenburgischen Ulanen- Regiment Xo. 1 und wur^e nach bestandenem Ofliziersexamen mit Patent am 13. Mai 1880 Leutnant der Reserve. Als" Referendar war er in Freienwalde a. 0.. Berlin und Frankfurt a M. tätig. Am 9. 10. 1882 bestand er das Assessor-Examen, verwaltete sechs Monate lang kommissarisch eine Richters^lle In Bernau und liess sich Anfang 1884 in die Liste der Rechts? auwulte beim Königlichen Landgericht I eintragen, ohne jedoch eine Praxis auszuüben. Am

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