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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1938-10-02 · 13 (2.10.1938) · p. Seite 108

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
15 (1938)
Issue
13 (2.10.1938)
Date
1938-10-02
Page
Seite 108 (sequence 4)
Language
German
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103 Jüdisches Gemeindeblaft für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 2. 10 38 XV. Nr. 13 Jüdischen Frauenbund sind wie Kroßen idee en Kräfte tanerhalb .des Judentums in .Deutschland erfaßt und in die Gesamtheit ein^e^ieJer:. r!s kein Streit um civ>e Eingliederung. •Wir a'so wissen: in Ziisammenfa.ssur.it und frtichtbarmachunK alier Kräfte und in fester DjszipÜii müssen :- laden in Deutschland, ein .--.-der d_-. wo er. hinsfestelh ist. unsere s.:.v.ere Aufgabe erfüi'tn." ' (Aus der.C.V.-Zeitung) In einer palästinensischen . Arbeiterküche Von Studienrat a. D. Dr. Willy Cohn. Breslau Im Kibbuz sreht das Leben de- Einzelnen weinen jn den Gesan>tab!aui des Tages eingeordneten Gang. Aber man darf nrc-.t vergessen, daß in den großen Städten von ftrez Israel eine sehr erhebliche Zahl jüdischer Arbeiter -im Hafen, in der Industrie, auf det: freien. Arbeitsmarkt tätig ist. deren tagliches Löben auch eine Regelung verlangt. Aus ihrem Alltag -vVird meist weniger berichtet als aus dem Leben der jüdischen Siedlung.- Dfe 'jüdische Arbeiterschaft hat sich in vorbildlicher Organisation eine Reihe von Einrichtungen geschaffen, die dem Arbeiter das Leben erleichtern und ihm einen starken Zu-i sammenhah geben. Wie jeder Arbeiter, so mmmt auch der jüdische Arbeiter Palästinas sich auf seine Arbeitsstelle Essen und Trinken für die kleine Pause mit. Die Mittagsmablzeit aber nimmt er. wenn es sich zeitlich ermöglichen läßt, in einer Arbeiterküche ein. und von solch einer Arbeiterküche, wie sie in Haifa, aber auch in Jerusalem und Tef-Aviv vorhanden ist. soll im folgenden die Rede sein. Der flüchtige Tourist, der bei dem Besuch der Städte vielleicht nur durch die eleganien Hauptstraßen pendelt, könnte leicht vergessen, daß im Grunde unser junges jüdisches Land ein Land ist. in dem der Arbeiter dem Werden -ci'ie Prägung aufdrückt. — Es ist uro die Mittagsstunde. Wir treten in die Arbeiterküche ein und lösen an der Kasse gegen Zahlung von r> Piastern eine Karte. Auf dieser Karte, die nur in hebräischer Sprache gedruckt i^t. sind diese 5 Piaster in einzelne Werianschnitte eingeteilt. Kein Arbeiter ist er; fliehtet, etwa den Gesamtbetrag auszugeben: das bedienende Mädchen markiert auf der Karte, für welchen Betrag Speisen entnommen worden -sind und der Rest wird gegen Rückgabe der Karte beim Verfassen des Speisesaals zurückerstattet. Damit entfällt die Notwendigkeit, während des Essens Geld in die Hand zu nehmen: selbstverständlich ist es auch, daß niemals ein Trinkgeld oder Bedienungszuschlag angeboten oder angenommen wird. Und nun lassen wir uns an einem dieser sauberen Tische nieder und studieren die Speisekarte. Ein nicht unerheblicher Teil der jüdischen Arbeiterschaft ist dem Vegetariertum unbedingt ergeben, und dem trägt auch die Speisekarte weitgehend Rechnung. Wenn man daran denkt, in welcher Fülle das Land Gemüse darbietet, so kann man diese Abwendung von der fleischigen Ernährung wohl verstehen. Gespräche ergaben, daß die nur mit Pflanzenkost ernährten Arbeiter in ihrer Arbeitsleistung durchaus nicht hinter den fleischessenden Arbeitskameraden zurückstehen. Die vorbildlichen Kürtleinrichtungen auc',i in der Arbeiterküche machen selbstverständlich auch bei der größten Hitze den Fleischgenuß unbedenklich. Man nimmt zwanglos an einem Tische Platz und andere setzen sich an denselben Tisch. Da xibt es häufig über einen Punkt Differenzen. Der Tourist aus den Ländern des Westens im besonderen ist gewöhnt, wenn er sich an einem Tische niederläßt, die dort schon Sitzenden mit dem schönen Friedensgruß ..Schalom" zu begrüßen, und er wundert sich, daß die anderen das nicht tun. Spricht man darüber mit ihnen, so hört man sie die Meinung vertreten, daß man erst dann Schalom zu jemandem sagen könnte, wenn man wüßte, mit wem man es zu tun hat und daß man nicht diesen Gruß durch zu häufiges Anwenden entwerten möchte. Beobachtet man alle diese jungen Leute beim Essen, so bemerkt man wohl auf der einen Seite, wie sehr sie aus verschiedenen Ländern hierhergekommen sind, und man erkennt wohl auch, daß nicht jeder immer damit gerechnet hat. Arbeiter zu werden. Und doch sieht man. wie aus diesen Menschen, von denen vielleicht ein nicht unerheblicher Prozentsatz einmal ganz andere Zukunftspläne gehabt hat. nun ein selbstbewußter, in sich ruhig verankerter palästinensischer Arbeiterstand erwächst. Hier sitzen keine Menschen, die sich ..deplaciert" fühlen, weil sie auf dem Bau oder im Hafen in Schwerstarbeit beschäftigt sind, hier sitzen Menschen, die ihr bescheidenes Mittagsmahl in dem Bewußtsein zu sich nehmen, daß ihre Arbeit nicht der schlechteste Teil des Aufbaues des Landes darstellt. Im übrigen ist es hier durchaus Stil, über diese Selbstverständlichkeit nicht zu sprechen. Das. was draußen in den Ländern der Zerstreuung, in der zionistischen Propaganda immer wieder gesagt werden muß. darüber schweigt man hier gern, und es ist den meisten Arbeitern geradezu peinlich, wenn von ihrer Arbeitsleistung, die tin^ oft heroisch anmutet, viel gesprochen wird. (Fortsetzung folgt.) „Der neue Weg** Ein Tonfilm des Keren Kajemeth Lejisrael Die Aufführung des neuen großen Tonfilmdes Keren Kajemeth Lejisrael am 21. Sep tember war ein Ereignis, das die vielen nun dert Anwesenden aufs tiefste beeindruckte Zu Beginn des Abends sang die SchuljugenG unter Leitung von Ilse Herz klangvolle hebräische Lieder-, dann entbot Dr. H a n s Pomeranz (Frankfurt a. M.) den Gruß der veranstaltenden Organisationen. Mit Spannung lauschten die Zuhörer der Ansprache Kleinanzeigen ::rrÄ: Gemeindeblatt! «jmm:emi«im!h Gymnastik - Unterricht fu> Groß und Klein ertei t .Diplom - Gymnastiklehrerin (CAMtSHCtlltEILIE SEIM<D>\N aus der Schule A ice Bloch Stuttgart, SilberburgstraBe 104 Telefon 333 14 5j";«n .werden jederzeit gerne entgggengenom m en 2jjnge;ud. Xäi-ls, pe-fekt :n Kjche u. Haut, suel>er. rrr '■■ f'-rt ier später Stellung la. Z«up>:-..e. Angeb. ur.r f 825 in :u <V :- Chauffeur Jude, Führersehe!:, für a'.e Klassen, 14 jX*rfge Fahrpraxis, Ausfü »lier Reparaturen. KCh* Steliung per sofort oder später Angebote unter 'E 823 an da» O.metndebiatt. 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