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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1938-08-01 · 9 (1.8.1938) · p. Seite 82

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
15 (1938)
Issue
9 (1.8.1938)
Date
1938-08-01
Page
Seite 82 (sequence 6)
Language
German
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82 Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg l. 8. 38 XV. Nr. 9 mögen. Denn gerade die Nachrichten dieser Beschneidungsbücher sind häufig ein Schlüs •sei zur Erforschung schwieriger Familien zusammenhänge. Sie sind besonders wichtig für die Familiengeschichte der verstreut auf dem Lande ansässig gewesenen jüdischen Familien und aufschlußreich für die Wände rungsgeschichte der Juden. Zeitlich über sie hinaus reichen häufig noch die T o r a w i m p e I n . die besonders in Mittel-. West- und Süddcutschland üblich waren. Auf diesen, bemalten oder bestickten Torabändern finden sich die Geburtsdaten der Knaben, in deren Namen diese Wimpeln dem Dienste der Synagoge geweiht wurden Sie stellten daher einen allerdings mit Schwierigkeiten deutbaren Ersatz für alte Geburtsregister dar. Im Gesamtarchiv der Juden in Deutschland sind Tausende dieser Wimpeln — besonders aus Hessen-Nassau — aufbewahrt. Diese Sammlungen zu vermeh ren. ist ebenfalls Aufgabe des Archivschutzes, und auch hierbei kann das jüdische Publikum durch Einwirkung auf die Heimatgemeinden helfend mitwirken. Schon häufig schien eine familiengeschicht liehe Forschung rettungslos versanden zu müssen, da tauchte plötzlich ein bisher nicht beachtetes hebräisches Gebiet- oder Studierbuch auf. in dem biographische Daten. Geburten von Kindern. Sterbetage von Eltern Großeltern und Urgroßeltern in hebräischen „Lettern verzeichnet waren — und die-Forschung war über den toten Punkt hinweg In den vielen kleinen Gemeinden, die jetzt zusammenschrumpfen und zum Erliegen kommen, finden sich unzählige hebräische Bücher in den kleinen Synagogen und ihren Lernzimmern. Es.gehört ebenfalls zu den Aufgaben des Archivschutzes, daß man diese Bücher, mögen sie gut erhalten oder schon stark zerlesen sein, daraufhin genau durchsieht, ob sie hebräische oder deutsche handschriftliche Eintragungen enthalten. Unter den Sorgen des Tages mag die Sorge um Akten. Register. Beschneidungsbücher Torawimpcln und Bucheinträge merkwürdig klein erscheinen: es wäre aber ein verhäng nisvoller Fehler und bewiese einen sträflichen Mangel an Vorsicht und Gemeinsinn, wollte man sich dieser Sorge verschließen Jener Gemeindevorsteher, der erst kürzlich bevor er nach Amerika auswanderte, das Archivgut seiner Gemeinde unaufgefordert dem Gesamtarchiv überwies, hat jedenfalls die Zeichen der Zeit verstanden, und mag allen denen, die es angeht, als Muster hingestellt sein. Aus den Gemeinden Württembergs Stuttgart. Das Jüdische Lehrhaus beabsichtigt zur gründlichen Erlernung der englischen, spanischen, portugiesischen und neuhebräischen Sprache Kurse zu veranstalten, in denen täglich oder zweitägig mehrere Stunden unterrichtet werden soll. Das Lehrhaus bittet alle Interessenten, sich sofort schriftlich bei seiner Geschäftsstelle anzumelden, damit mit der Einrichtung dieser Intensivkurse begonnen werden kann. (Siehe Anzeige.) LehrenstejnsfekL Am 26. Juni wurde in der Synagoge, die infolge Baufälligkeit abgebrochen w:rd, ein feierlicher Abschiedsgottes- Die Bevölkerungsbewegung der Juden in Baden im Jahre 1937 Eine Veröffentlichung des „Mannheimer Jüdischen (iemeindeblatts" Der Rückgang der jüdischen Bevölkerung in Baden hat sich im Jahre 1937 in verstärktem Umfang fortgesetzt. Nach den vom Oberrat getroffenen Feststellugen ist die Zahl der jüdischen Einwohner Badens im Jahre 1937 von 15 400 auf rund 1,5 900 zurückgegangen. Gegenüber den Feststellunge:) der amtlichen Volkszählung vom 16. Juni 1933 mit 20 617 Juden beträgt der Rückgang in 4Jo Jahren über 6 700 oder annähernd 1 f des früheren Bestandes. Die Minderung der Bevölkerung ist in der Hauptsache bedingt durch die starke Auswanderung, die im Jahre 1937 trotz des Rückgangs der Zahl der ortsansässigen Juden eine steigende Tendenz zeigt und mit 1 163 festgestellten Auswanderern eine Höhe erreicht hat. die weit über dem Durchschnitt der jü dischen Auswanderung im gesamten Reichsgebiet liegt. (Für das Reichsgebiet wird die Zahl der jüdischen Auswanderer im Jahre 1937 von sachverständiger Seite auf etwa 24 000 geschätzt. Nach den Bevölkerungszahlen im Reich kämen hiernach anteilmäßig auf Baden etwa 800 Auswanderungen. Die tat sächlichen Feststeilungen ergeben aber eine Ueberschreitung des Reichsdurchschnitts um über 40^.) Die wirklichen Auswanderungsziffern sind vermutlich noch wesentlich höher, da einzelne Gemeinden nicht in der Lage waren, alle Auswanderungen statistisch genau zu erfassen. Der Rückgang der jüdischen Bevölkerung Badens wird neben der Auswanderung erheblich durch den Ueberschuß der Sterbefälle über die Zahl der Geburten bedingt. 48 jüdischen Geburten stehen 331 Todesfälle gegenüber. Der Sterbeüberschuß beträgt also im Jahre 1937 283 oder über 2% der derzeitigen Wohnbevölkerung gegenüber einem Sterbeüberschuß von 252 oder 1,7% im Jahre 1936. nach den Bevölke- Durch die Binnenwanderung ist getroffenen Feststellungen eine rungsminderung nicht eingetreten. Infolge der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung in Palästina hat das Jahr 1937 eine wesentliche Verschiebung im Wanderungsziel der jüdischen Auswanderer gezeigt. Gingen noch 1935 40% und im Jahre 1936 28% unserer Auswanderer nach Erez Israel, so hat sich diese Wanderung im Jahre 1937 auf 112 oder weniger als 10% der Auswanderer vermindert. Das Ziel der außerpalästinensischen Wanderung ist statistisch nicht erfaßt Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, daß sie sich zu mindestens 75% nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika gerichtet hat. Im Zuge der Entwicklung der letzten Jahre liegt es, daß die Verstädterung der jüdischen Bevölkerung weitere Fortschritte macht Allein im Jahre 1937 wurden von 120 jüdischen Gemeinden in Baden 17 aufgelöst. 7 000 Juden oder mehr als 50% leben in Mannheim und Karlsruhe, über 10 000 Juden oder fast 72'! in den 10 Gemeinden mit einer Seelenzahl von über 250 Juden. Die Zahl unserer schulpflichtigen Kinder ist im Jahre 1937 von 1 374 auf 1 117 zurückgegangen. Erfreulicherweise ist der Prozentsatz der Kinder, welche die jüdischen Schulabteilungen besuchen, von 67% auf über 75% gestiegen. Es dürfte auch heute noch eine der Hauptaufgaben der jüdischen Gemeinschaft Badens sein, für eine jüdische Erziehung der noch nicht erfaßten jüdischen Schulkinder durch ihre Umschulung in unsere Schulabteilur.gen Sorge zu tragen. Leider ist es noch nicht möglich gewesen, das Lebensalter der Angehörigen unserer Gemeinschaft in den Gemeinden festzustellen. Auch ohne zahlenmäßige Unterlagen kann als sicher angenommen werden, daß die Vergreisung unserer Bevölkerung sehr stark zugenommen hat. Vielfach sind die alten Menschen unserer Gemeinschaft, und zwar hauptsächlich auf dem Lande, nicht genügend betreut, insbesondere dann, wenn die KindeT bereits weggezogen, aber noch nicht in der Lage sind, die Eltern nachkommen zu lassen. Es wird infolgedessen von Monat zu Monat zu einer dringlicheren Aufgabe der jüdischen Allgemeinheit, die Unterbringung der alten vereinsamten Menschen in jüdischen Altersheimen sicherzustellen. Dr. Weißmann. dienst abgehalten, zu dem sich Vertreter des Israel. Oberrats, der Israel. Gemeinden Heilbronn. Geh ringen und Affaltrach sowie viele Freunde der Lehrensteinsfelder Gemeinde eingefunden hatten. Die Feier war umrahmt von Gesängen der jüdischen Schulkinder in Heilbronn, den kantoralen Teil versah Oberlehrer Kahn, einst Lehrer in der Gemeinde. Die Begrüßungs- und Dankesworte, die im Namen der Gemeinde Leopold Henle sprach, gingen tief zu Herzen. Bezirks-Rabbiner Dr. "leimann (Heilbronn) gab in seiner Ansprache einen. Ueberblick über das Werden und Vergehen der seit 200 Jahren bestehenden Gemeinde, die lange Zeit Rabbinatssitz war und bedeutende Gelehrte aufweisen konnte. (Bei dieser Gelegenheit sei an das Wirken von Lehrer Gummersheimer erinnert der über 5 Jahrzehnte zum Segen der Gemeinde in Lehrensteinsfeld wirkte. Der Berichterst) Namens des Oberrats sprach dessen Präsident Dr. Gumbel poetische, ergreifende Mahnworte. Mit dem gemeinsam gesungenen Jigdal endete dieser letzte Gottesdienst einer alten jüdischen Gemeinde, Tübingen. Unser ältestes Gemeindemitglied, Frau Fanny Liebmann Witwe, feierte in seltener geistiger Frische und in Rüstigkeit ihren 90. Geburtstag. Die Feier gestaltete sich zu einem wirklichen Freudentage der Gemeinde, und Verwandte und Bekannte aus nah und fern waren herbeigeeilt, um der Jubilarin ihre Wertschätzung zu bezeugen. Hauptlehrer Zivi überreichte ihr ein herzliches Glückwunschschreiben des Israel. Oberrats und überbrachte der verehrten Greisin die Glückwünsche der Gemeinde. Mögen ihr noch lange gesegnete Lebensjahre beschieden sein! Neues vom jüdischen Sport Stuttgart Den Höhepunkt der diesjährigen Leichtathletik-Saison in Stuttgart bildeten die Württembergisch-Badischen SchiH-Mei-

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