Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Volume
- 15 (1938)
- Issue
- 6 (16.6.1938)
- Date
- 1938-06-16
- Page
- Seite 56 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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56 Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 16. 6. 38 XV. Nr.6 lichkeit zu zeigen. Dies ist durchaus auch eine wichtige Aufgabe der Künstgemeinschaft der das eigene Musizieren ja besonders am Herzen liegt. Es war immer ein erfreulicher Eindruck, die Kinder in natürlicher Frische und Ungezwungenheit musizieren zu sehen und zu hören. Nicht nur bei den Angehörigen der jungen Musikantenschar. die mit Stolz ihre Kinder aufdem Podium beobachten, sondern auch hei.allen denen, die an der musikalischen Entwicklung unserer Jugend Freude haben, wird dieser Abend Interesse finden. Erwachsene Mitgliedsausweise mitbringen! AikIi in diesem Jahr soll in der Kunstgemeinschaft — vielfachen Publikumswünschen entsprechend - als Abschluß der Saison wiederum die heitere Muse im Rahmen eines Kleinkunstabends zu Worte kommen. Im Mittelpunkt des Programms wird der berühmte Operetten-Star Lilly Flohr (Gunzhurger), die neben Fritzi Massary der gefeiertste (last aller großen Operetten-Theater des In- und Auslandes war. stehen. Sie wird Chansons. Couplets. Lieder und Parodien bringen. „Die Künstlerin ist die einzige Vertreterin von Rang und Namen in diesem Genre".....W as die bekannte und beliebte Lilly Flohr-diinzburger mit Charme. Schmiß und Temperament hinlegte . . . das ist grandiose Kunst von Operette und Kabarett." Zwei jugendliche Frankfurter Tänzerinnen werden den Charakter des ..Bunten Abends" noch unterstreichen. Hierüber schreibt die Presse: ..Den größte« Beifall des Abends errang die kleine Dodo Hirsch mann mit ihren allerliebsten und bemerkenswert sicher dargebotenen Grotesktänzen** ......eine wundervolle Leistung ... riß alle Zuschauer Jung und Alt mit".....Sowohl als Akrobatin in der Zeitlupe wie auch als Grotesktänzerin bewies sie eine erstaunliche Körperbeherrscl'.ung.".....Aparte Phantasie und zuweilen mädchenhaft /arten Ausdruck zeigten die Tänze der jungen Tutti Stern, einer Sonderbegabung." Der bekannte Pianist Max Firnberg, der bereits beim letzten Kleinkunstabend mitwirkte, wird wieder die Begleitung übernehmen. - Dieses heitere Sommerabendprogramni wird am Samstag, den 25. Juni. 21J0 I hr Uiustav-Siegle-Haus. Großer Saal) im Hinblick auf den Sabbathausgang und in Rücksicht auf die heiße Jahreszeit ais Spätvorstellung geboten werden. Da mit einem starken Andrang zu rechnen ist. empfiehlt sich rascheste Kartenbesorgung. . Stuttgart. Im Jüdischen Lehrhaus spricht am 29. Juni Sanitätsrat Dr. Carl Ries über ..Die Bedeutung der seelischen Behandlung". Wir machen unsere Leser auf diesen Vortrag ganz besonders aufmerksam. Wer die Referate von Dr. Ries kennt, weiß, daß er es besonders versteht, auch wissenschaftliche Stoffe in einer für den Laien verständlichen Form darzubieten. Göppingen. Am?I. Mai feierte Göppingen sein altes, traditionelles Kinderfest, den ..Maientag". Auch heuer wurde unsere jüdische Jugend zum Feiern in die Veitsche Hütte auf dem Kornberg eingeladen. Mit Privatautos ging es morgens hinauf auf die Alb und abends wieder zurück, und dazwischen lag ein wunderschöner Tag. Ihn füllte nicht ■ Ii ein frohes Spielen aus, sondern immer . oder gab es auchzu futtern und zu trinken. Gebete Von Bertha Pappenheim sei. Ang. Wir entnehmen dem Hefte „Oebete". herausgegeben vom Jüdischen Frauenbund, Philo-Verleg, (olgende drei Oebete Kraft, Kraft Send auf den Gang mir die Flamme, Daß sie mir leuchtend den Weg weis' Und ich nicht fehle den Pfad durch dich zu dir! Kraft, Kraft Hilf mir im Gewirre der Stimmen, Daß ich nicht, irrend im Lärm, Nicht mehr fände das Wort durch dich für dich! Kraft, Kraft Lasse in Atem und Herzschlag Mich von dem Rhythmus erfüllt sein Der Recht und Wahrheit trägt aus dir zu dir! Vielmal schwer getroffen und verletzt von Menschen — was liegt daran! Laß mich aufraffen den einen Weg zu gehn — den Königsweg. Und nicht gehört und nicht verstanden — was liegt daran! Laß mich weiter reden und sagen, was wahr ist. Und wenn es kalt ist, und wenn es finster ist. und wenn die Luft übel zu atmen, — und ich erkenne den Sinn und will ihn verkünden, und die Menschen sind blöde — was Hegt daran! Ich kann den Sinn auch künden ohne Laut und Wort — durch das Tun. Daß ich' stark sei dazu immer noch und wieder. Amen! Mein Gott, du bist kein Gott der Weichheit, des Wortes und des Weihrauchs, kein Gott der Vergangenheit Ein Gott der Allgegenwart bist du. Ein fordernder Gott bist du mir. Du heiligtest inxTi mit deinem „Du sollst": du erwartest meinet -Entscheidung zwischen Gut und Böse; du verfängst daß ich beweise. Kraft von deiner Kraft zu sein, zu dir hinauf zu streben, andere mitzureißen, zu helfen mit allem, was ich vermag. Fordere, fordere, damit ich jeden Atemzug meines Lebens in meinem Gewissen fühle, es ist ein Gort wobei niemand zu kurz kam. So vergnügte sich nicht nur die Jugend, sondern auch die erwachsenen Helfer, welche zur besseren Organisation mit auf den Kornberg hinaufgezogen waren. Alles in allem lösten diese netten, harmonischen Stunden innigste Freude und herzlichsten Dank für die Veitsche Gastlichkeit aus. Ulm. Der Jüdische Kulturbund hielt am 28. Mai seine Generalversammlung unter Leitung des 1. Vorsitzenden. Rechtsanwalt Ernst Moos. ab. Nach ehrenden Gedenkworten für die im Berichtsjahr verstorbenen Mitglieder trat man in die Tagesordnung ein. Für den ausgewanderten 2. Vorsitzenden. Fritz E3singer, dem Dank und Anerkennung ausgesprochen wurden, wurde Rabbiner Dr. Cohn.1 der dem Ausschuß schon angehört hatte, ernannt. Ludwig Levy wurde neu in den Ausschuß gewählt. Der Vorsitzende gab dann einen Rückblick über die rege Tätigkeit des Kulturbunds, der im abgelaufenen Jahr neben Pflege der Geselligkeit 10 Veranstaltungen verschiedenen künstlerischen Cha- Mitte Juni 1938 erhebt der Postbote bei allen Lesern unseres Blattes die Abonnementsgebühr für das III. Quartal 1938. Bitte halten Sie diese RM 1.29 bereit, damit der Postbote nicht vergebens kommt und Sie unser Blatt auch in Zukunft pünktlich erhalten. Dar Verlag. rakters geboten hat. — Emil Gundelfinger erstattete den Kassenbericht, dem zu entnehmen war, daß trotz Schrumpfung der Mitgliederzahl sämtliche Veranstaltungen aus den Beiträgen, Eintrittsgeldern usw. sowie aus den Zuschüssen der Organisationen, vor allem des Oberrats, bestritten werden konnten. — Die Bibliothekarin, Frau Dr. U r y, konnte von einer regen Inanspruchnahme der umfangreichen und gepflegten Vereinsbrbliothek berichten. Aus der Versammlung heraus wurde zum Schluß der Leitung herzlicher Dank ausgesprochen. Neues vom jüdischen Sport Stuttgart Am Sonntag, den 19. Juni, bevölkern erstmals dieses Jahr die Leichtathleten die Laufbahn auf dem Gemeindesportplatz. Der J.S.V. „Schild" führt seine Vereinsmeisterschaften durch und darf man in allen Konkurrenzen interessante Kämpfe erwarten. Die Ausscheidungen finden vormittags ab 9 l'hr, die Entscheidungen mittags 2 Uhr statt — Beim Spiel in Karlsruhe gegen Hakoah w irkten bei „Schild" Stuttgart erstmals Spieler der früheren Fußball-Abteilung von Heilbronn mit und führten sich recht gut ein. In der ersten Halbzeit konnte man sich an der ausgezeichneten Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Mannschaftsreihen erfreuen, nach der Pause fiel jedoch die „Schild"- Mannschaft stark ab. Immerhin langte es zu einem 4: 1-Sieg, nachdem Hakoah anfangs mit 1:0 in Führung lag. — Hart zu kämpfen hatte die „Schild"-Elf gegen Bar Kochba Mannheim. Die Gäste zeigten einen enormen Eifer und mußte „Schild" froh sein, daß Kaufmann nach einstündigem Spiel wenigstens einen Treffer anbringen konnte. Mannheims Ausgleich lag oft in greifbarer Nähe, doch „Bambula" erwies sich immer wieder als Retter in höchster Not — Auch „Schilds" Handballer waren sehr aktiv, unterlagen allerdings gegen Itus München nach sehr interessantem Spiel mit 6:9 und gegen Bar Kochba Mannheim mit 1:5. Die Damenmannschaft von „Schild" dagegen blieb gegen München mit 5: 3 siegreich. L. B. Neue Bücher Für Bücherfreunde. In dem sel:r rührigen Joachim Goldstein-Verlag, Berlin-Wilmersdorf ist eine Reihe von Büchern erschienen, die wir unseren Lesern ganz besonders empfehlen möchten. In dem Buche „Von Pinsker bis Weizmann — Im Kampf für eine Idee" gibt Fritz Cohn in 16 fein ausgefeilten Skizzen Abrisse von zeitgenössischen jüdischen Persönlichkeiten, die aus den verschiedensten Empfindungen, Ueberlegungen und Erfchrungen heraus Zionisten gewesen und geworden sind. Es handelt sich hier um ein Buch für jeden Juden, für die Jugend wie für die ältere Generation. (Fortsetzung folgt)