Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Volume
- 15 (1938)
- Issue
- 4 (16.5.1938)
- Date
- 1938-05-16
- Page
- Seite 38 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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38 Jüdisches Gemeindebkatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 16. 5. 38 XV. Nr. 4 Trauerversammlung erwies dem Bruder die letzte Ehre. Der Verstorbene war ein hochgeachteter Mann, er war Repräsentant der Jüdischen Gemeinde seines Wohnorts, innigst geliebt von seiner Familie, der sich die aufrichtigste Teilnahme unserer Gemeinschaft zuwendet. Nach der Grabrede von Rabbiner Dr. Auerbach sprach der Vorsitzende der Ortsgruppe des Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten. Adolf Emrich. Leopold Stern so führte er aus. war ein treuer Anhänger des Bundes. Im Krieg und im Frieden erfüllte er als aufrechter stolzer Jude bis zum letzten Atemzuge seine Pflicht — und nun wurde er auf dem Anmarsch im Ringen um eine neue Existenz dahingerafft. Er starb in Pflichterfül hing für seine Familie. Möge der Allmächtige den Hinterbliebenen in ihrem Schmerze bei stehen und sie einer gesegneten Zukunft entgegenführen. — Aite jüdische Frontsoldaten trugen dann den Kameraden zum Grabe. Er möge -auf unserem ..guten Ort" in Frieden ruhen! Stuttgart Wir machen hiermit auf folgende Veranstaltungen aufmerksam, soweit sie uns bei Redaktionsschluß bekannt waren: Am 19. Mai findet die 33. Jahresversammlung des ..Jüdischen Schwesternheims" e. V. Stuttgart statt. Jedes Gemeindemitglied kennt die segensreiche Tätigkeit, die unsere jüdischen Schwestern ausüben. Wir alle sind dein Verein, der seit so vielen Jahren im Dienste unserer Kranken wirkt, zu Dank verpflichtet. So mögen auch unsere Leser durch den Be such der Jahresversammlung Gelegenheit nehmen, sich über die VereTnsarbeiten zu orientieren und ihr Interesse für das Schwesternheim zu bekunden. — Die Mitgliederver Sammlung des ..Israel. Landes-Asyl- und Unterstützungsverein für Württemberg" e. V. findet am 2. Juni statt. Die Tagesordnung wird in dieser Nummer veröffentlicht. Auch hier möge es jeder Leser als seine Pflicht betrachten, diese Versammlung zu besu.hen. Ist doch der Asylverein der Betreuer so vieler betagter Brüder und Schwestern, denen ein schöner Lebensabend in vorbildlich geführten Heimen bereitet wird. . Stuttgart. Wie das ..Israel. Familienblatt" ' mitteilt, hat der Präsident des Werberats der I Putschen Wirtschaft den jüdischen Unternehmungen die Anwendung der Grußform ,.M it deutschem Gruß" untersagt. Das Verbot dieser Grußform ist. "\vie mitgeteilt wird, erfolgt, weil sie geeignet .ist. über die jüdische Eigenschaft eines Betriebes hinwegzutäuschen. Stuttgart. Anläßlich des 40jährigen Bestehens des „Israelitischen Familienblatts" erschien in diesen Tagen eine Jubiläumsausgabe, die einen hervorragenden Ueberbück über 40 Jahre jüdischen Lebens in Deutschland und eine Analyse der Entwicklung der Judenheit im Verlauf dieser Jahrzehnte gibt. I>ie führenden Persönlichkeiten unserer Gemeinschaft haben an dieser inhaltlich und drucktechnisch gleich ausgezeichneten Ausgabe mitgearbeitet. £.ftem Mcchan. Kleider-Fabrik Horb a. N. Spezialität: J€os^n Werbet fUr unser Blatt! Buchau. Unerwartet wurde unser Synago gendiener, Josef Einstein, am 8. Mai nach einem arbeitsreichen Leben im Alter von 75 Jahren in die Ewigkeit abgerufen. Nahezu vier Jahrzehnte hat er sein Amt treu ver sehen. Er ruhe in Frieden! Bad Cannstatt. Am 22. Mai darf Frau Esther Rothschild in beglückender körperlicher und geistiger Frische ihren 85 Geburtstag feiern. Die Jubilarin zog vor kur zem von ihrer Heimatstadt Rottweil nach Bad Cannstatt. Sie ist der wahre patriarchalische Mittelpunkt einer großen Familie, die mit Innigkeit an dieser echten jüdischen Frau hängt. Wer jemals Frau Esther Rothschild kennenlernte, der ging von ihr mit dem Bewußtsein, daß diese Begegnung für ihn eine innere Bereicherung bedeutete. Die Jubilarin ist die Witwe des verstorbenen Buchdruk kereibesitzers und Zeitungsverlegers Moritz Rothschild. In trefflicher Weise erzog sie ihre sieben Kinder — fünf Söhne und zwei Töch ter — und unterstützte ihren Gatten dabei noch bei der Herausgabe der von ihm ver legten ..Schwarzwälder Bürgerzeitung". Vier ihrer Söhne zogen in den Weltkrieg, drei wurden Offiziere, einer blieb vor dem Feinde Noch heute bringt sie allen Tagesereignissen regstes Interesse entgegen; in echt jüdischer Mütterlichkeit umsorgt sie ihre Familie, und ihre tiefe Religiosität läßt sie auch die Prü fungen dieser Tage standhaft ertragen. So vereinen wir uns heute mit ihren vielen Freundeft und Bekannten, und wünschen der würdigen Greisin auch weiter einen geseg neten Lebensabend, zu ihrer Freude und zur Freude aller, die sie verehren. Heilbronn. Dr. H o r w i t z vom „Hilfs verein der Juden in Deutschland" wurde für einen Vortrag über das Thema ..Wege und Ziele der Auswanderung" gewonnen. Der Redner schilderte zunächst die Aufgaben des Hilfsvereins und gab dann ein zahlenmäßiges Bild von der Entwicklung der Ueberseewanderung. Er behandelte anschließend die Voraussetzungen jeder Auswanderung — Fachkenntnisse. Organisationstalent und Charakterbildung, glicht zuletzt aber auch Beherrchung der Sprache des Einwanderungslandes — und verbreitete sich dann über die Verhältnisse in USA. und in den südamerikanischen Staaten. Rabbiner Dr. H e i m a n n dankte ihm für die wertvollen Ausführungen; die einleitende Worte sprach Oberlehrer Krämer als Vertrauensmann des Hilfsvereins. Der diesjährige Gemeindeseder wurde von Oberlehrer Kahn im Gemeindelokal gegeben. Der Besuch von 50 Gemeindemitgliedern bewies, daß für diesen gemeinschaftlichen Sederabend ein wirkliches Bedürfnis vorhanden war. Ludwigsburg. Zur Einweihung des neu erworbenen Gemeindehauses. Seestraße 75. lud das Israel. . Vorsteheramt die Gemeindemitglieder ein. Herr Greilsamer begrüßte die Anwesenden und erklärte die Gründe, die zum Erwerb des Hauses führten. Oberlehrer Metzger gab durch seinen Vortrag „Aus der Geschichte der Juden in Polen" einen wertvollen Beitrag zu dem gemütlichen Abend. Ulm. Der „Hilfsverein der Juden in Deutschland" eröffnete seine diesjährige Werbeaktion am 25. April mit einer sehr stark besuchten Versammlung, bei der der geschäftsführende Vorsitzende des Vereins, Dr. Werner Rosenberg, das Hauptreferat hielt. Nach Begrüßungsworten von Dr. Leopold Hirsch schilderte der Redner an Hand eines umfangreichen Zahlenmaterials die gewaltigen Leistungen des Hilfsvereins und richtete zum Schluß an alle Anwesenden den dringenden Appell, diese einzigartige Organisation mit besten Kräften zu unterstützen, um ihr die Durchführung der täglich größer werdenden Aufgaben zu ermöglichen. Dr. Fleischer (Göppingen) schloß sich den Worten des Referenten als Vertreter der Juden Württembergs im Kuratorium an und versicherte, daß diese ihre Pflicht erfüllen werden. Auch von zionistischer Seite wurde in der Aussprache die große Bedeutung des Hilfsvereins für eine planvolle Auswanderung unterstrichen. Rabbiner Dr. Cohn sprach ebenfalls eindrucksvolle Worte für den Hilfsverein. Dr. Hirsch dankte zum Schluß den Rednern. Am 23. April sprach Hugo Rosenthal (Herrlingen) bei einem Abend der Zionistischen Vereinigung über „Erez Israel vor 15 Jahren und heute". Der Redner, der einige Jahre an der Realschule in Haifa tätig war. besuchte vor kurzem wieder das Land und gab seine Eindrücke nun in vergleichender Weise vor zahlreicher Hörerschaft wieder. Vor allem hob er das palästinensische Schulwerk als vorbildlich hervor. Neues vom jüdischen Sport Stuttgart. Die überaus eifrige Heilbronner .Schild"-Sportgruppe hat am 8. Mai in Stuttgart gegen „Schild" ihr Abschiedsspiel geiefert! Seit 5 Jahren sah man die wackeren Heilbronner Sonntag für Sonntag auf dem Plan; nunmehr sind sie jedoch durch die weitere Auswanderung von 4 Spielern nicht mehr in der Lage eine Fußballmannschaft auf die Beine zu bringen. Im Abschiedsspiel gegen Schild sicherten sich die Heilbronner einen ehrenvollen Abgang. Wohl beherrschten die Stuttgarter das Feld, doch brauchte der wenig durchschlagskräftige Sturm volle 50 Minuten, bis er den ersten Treffer zustande brachte. Heilbronns Verteidigung stand wie eine Mauer, so daß "trotz überlegenem Spiel von „Schild" lediglich „Bambula" noch einen Strafstoß aus 25 Meter Entfernung verwandeln konnte. Der Schild-Reichsmeister darf diesen 2:0-Sieg schon deshalb nicht allzu hoch bewerten, weil 5 Spieler der 1. Mannschaft von HeilbVonn bereits am Vormittag am Waldlauf teilgenommen hatten, während die „Schild"-EIf vollkommen ausgeruht in den Kampf ging. — Vor diesem Treffen standen sich im Handball in einem Trainingsspiel Schild und Hakoah gegenüber. Die Schild- Vlannschaft blieb 4:2-Sieger. — In den Spielen um die „Schild"-Reichsmeisterschaft hat sich „Schild" Stuttgart für die Zwischenrunde qualifiziert und muß nunmehr in Leipzig gegen „Schild" antreten. Lebu. Stuttgart. Die württembergischen Wald-? laufmeisterschaften wurden bei leidet sehr unfreundlichem Wetter von Schild und Hakoah gemeinsam im Feuerbacher Tal durch*- geführt. Bei diesem Lauf, der über 5006 un<l 2500 Meter ging, wurden an die Beteiligten: große Anforderungen gestellt; doch zum Lob der Startenden muß gesagt werden, daß fas* alle Teilnehmer das Ziel passierten. Dies*