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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1938-04-15 · 2 (15.4.1938) · p. Seite 18

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
15 (1938)
Issue
2 (15.4.1938)
Date
1938-04-15
Page
Seite 18 (sequence 8)
Language
German
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18 Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 15. 4. 38 XV. Nr. 2 dem Verein namhafte Sonderspenden gebracht. Während die Arztrechnungen gegenüber dem Vorjahr sich etwa in gleicher Höhe »hielten, sind die Apotheker-Rechnungen um einige hundert Mark, gestiegen. Die Gesamtausgaben stellen sich um etwa RM 700.- höher als im Vorjahre. Das Vermögen des Vereins ist nur unwesentlich zurückgegangen Nachdem über die erfolgte Prüfung der Kassenführung berichtet worden war, wurden beide Berichte von der Versammlung genehmigt; dem Vorstand wurde Entlastung erteilt. Da der bisherige Schriftführer. Moritz Marx, infolge anderweitiger Inanspruchnahme zurükgetreten ist. war als neuer Schriftführer Sigmund Kahn aufgestellt; seine Wahl wurde von der Versammlung bestätigt. — Dann erfolgte eine Aussprache über die Zusammenarbeit des Vereins mit dem Fürsorgeamt sowie über die prinzipielle Behandlung zweifelhafter Betreuungsfälle, an der sich Frau Oberkirchenrat Kroner, Louis Hirsch. Adolf Kops. Frau Emma Weil, Frl. Ilse Wolff. Leopold Levi, Direktor Gumbel. Dr. Neu, Eduard Weil sowie Karl Kahn beteiligten. — Stuttgart. Am 3. April wurde die 4. Ausstellung von Werken jüdischer bildender Künstler in Württemberg eröffnet. Diese zeugt wieder in besonders eindrucksvoller Weise für das Bestreben unserer Kunstgemeinschaft, die Schaffenden aller Kunstgattungen zu fördern und ihnen mit dem Publikum Kontakt zu vermitteln. Direktor Karl Adler führte in seiner Ansprache aus. daß es notwendig sei. in einer Zeit, da so viele von uns seelisch zermürbt sind, solche Veranstaltungen ins Leben zu rufen. Wir wissen, so betonte er. daß bei uns jedes Gefühl für materielle Sicherheit geschwunden ist. Aber unsere Sorgen sind nur tragbar atas dem Hintergrund heraus, der uns als freie Gestaltungsmöglichkeit unseres Lebens noch verblieben ist. Auf diese verzichten, hieße aber uns selbst aufgeben — und so werden wir unsere Lage nur durch eine Haltung meistern, die uns zum Ertragen befähigt. Die in der Kunst liegenden Kräfte der Lebensformung wollen wir uns deshalb mit größter Bemühung erhalten. Karl Adler dankte dann den ausstellenden Künstlern für den Beweis von Lebenskraft, den sie durch ihre Werke geben. Er erinnerte aber auch an die Verpflichtung, die unsere Gemeinschaft ihren Künstlern schuldet und gedachte in diesem Zusammenhang des verewigten Dr. Emil Sander, der bei der letzten Ausstellung sich in vorbildlicher Weise für den Ankauf von Kunstwerken einsetzte. Mit einem wegweisenden Wort Franz Rosenzweigs beschloß der Redner seine Eröffnungsansprache, die von Darbietungen eines Streichquartetts (Mari-Elisa Thalmessinger, Willy Colm. Karl Haas, Gerhard Löwe) umrahmt wurde. Ueber die Ausstellung selbst, bei der acht jüdische Künstler mit Malerei und Plastik vertreten sind, berichten wir demnächst. Stuttgart. Auch das dritte gemütliche Beisammensein, das die Ortsgruppe des Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten am 4. April veranstaltete, war außerordentlich gut besucht. In herzlicher Kameradschaft verbrachten die Anwesenden einige anregende Stunden, die u. a. durch die Verlesung von Briefen bereichert wurden. Willy Gideon gab zum Schlüsse des Abends einige wichtige Mitteilungen bezüglich der Jüd. Kriegsopferfürsorge bekannt. Stuttgart. Am 8. März durfte Rechtsanwalt Dr. Heinrich Wolf seinen 65. Geburtstag feiern. An dieser Stelle sollen dem Jubilar zu diesem Anlaß die herzlichsten Glückwünsche unserer Gemeinschaft ausgesprochen werden. Steht er doch seit 1936 als Präsident an der Spitze der Israel. Landesversammlung. Mit Würde und überaus großem Verständnis leitet er dieses Gremium, dem er seit 1924 ununterbrochen angehört, nachdem er schon Mitglied der Verfassunggebenden Landeskirehenyersammlung war. Darüber hinaus stellt der .Jubilar vielen anderen Organisationen seineh Rat und seine Kraft zur Verfügung. Bei allen diesen Arbeiten wird Dr. Wolf von einem vorbildlichen Interesse für die Erhaltung unserer jüdischen Institutionen geleitet. Möge es ihm vergönnt sein, noch viele Jahre im Dienste unserer Gemeinschaft, die ihm so vieles verdankt, zu wirken! Stuttgart, Am 29. März durfte Siegfried G u t m a n n seinen 60. Geburtstag feiern. Der Jubilar wohnte bis vor kurzem in Schwab. Gmünd, wo er ein weit über die Grenzen seiner Heimatstadt hinaus bestens bekanntes Bankgeschäft betrieb. Er genießt ob seiner vorbildlichen Korrektheit überall höchste Wertschätzung. Möge er noch viele Jahre in voller Frische in unserer Gemeinschaft wirken dürfen. Das wünschen ihm seine vielen Freunde und wir selbst herzlich! Stuttgart. Vor kurzem verließ Karl E1 - lenberg mit seiner Familie unsere Gemeinde, um nach Erez Israel überzusiedeirr. Wer Ellenberg kannte, der weiß, wie sehr er es verdient, daß ihm an dieser Stelle ein herzliches „Lebewohl" zugerufen wird. Es gab wohl kaum einen Toten in unserer Gemeinde, dem er nicht die letzten Liebesdienste erwies; kaum einen Kranken, den er nicht in treuer Erfüllung jüdischer Grundpflichten besuchte. So bewährte er sich in langen Jahren auch als Ausschußmitglied der Chewra Kadischa in vorbildlicher Weise, und mit allseitigem Bedauern sah man in ihm einen Mann scheiden, der in unserer Gemeinde Vertreter bester jüdischer Traditionen war. Wir wünschen, daß ihm und seinen Angehörigen in Palästina eine glückliche Zukunft beschieden sein möge. Stuttgart. Wir werden gebeten, zu unserer unlängst erfolgten Veröffentlichung der Namen der jüdischen Gefallenen aus Württemberg nachzutragen, daß Richard Rheingan u m aus Neckarsulm im Jahr 1918 in den Argonnen gefallen ist. Stuttgart. Die 63. Generalversammlung des Israel. Männervereins für Krankenpflege und Leichenbestattung (Chewra Kadischa) findet am 30. April statt. Wir machen auf diese Versammlung unsere Leser hiermit ganz besonders aufmerksam. Göppingen. Am 5. April beschloß die Zionistische Vereinigung die Reihe ihrer Veranstaltungen des letzten halben Jahrs mit der Vorführung der beiden im Auftrag des Keren Tora Wa'awoda hergestellten Filme „Brit Hanoar" und „Weg in die Wirklichkeit". Voran gingen die Begrüßungsworte des Vorsitzenden Heinrich Frankfurter und einleitende Ausführungen von Lehrer Felix David, Stuttgart, welcher den derzeitigen Stand der Palästinafrage, sowie die misrachistischen Leistungen und Ziele beleuchtete. Die schönen und •eindrucksvollen Aufnahmen machten den Erschienenen sichtlich viel Freude; leider ließ jedoch der Besuch sehr z» wünschen übrig. Göppingen. Das Schauspielensemble des Jüdischen Kulturbunds Hamburg spielte am 28. März im Rahmen des Jüdischen Kulturbunds „Merkuria" Franz Molnars Komödie „De 1 i I a". Um es vorwegzunehmen: mit der Bibel hat das. Stück nichts zu tun; es ist in allen Teilen „wohlgefällig", nicht etwa als ein literarisch wertvolles Werk, sondern weil man richtig vergnügt und in prickelnde Spannung versetzt wird. Auch diese Delila — alias Marianne — bringt es fertig, ihren Gatten Virag, den Unbezwinglichen, ganz klein zu kriegen und überdies derh Pärchen Ilonka und Berenyi zu seinem Glücke zu verhelfen. Ruth Mannheimer gab die Marianne ganz wunderbar, mit ebensoviel Zartheit und Demut wie klugem Raffinement; Fritz Melchiors Virag, der wilde und doch so unselbständige Kavalier, war nicht minder ein ausgezeichneter Träger seiner Rolle. Aber man freute sich nicht nur an» diesen beiden, sondern ebenso an Ursula Lieblichs Ilonka und Hans Heinz Friedebergs Berenyi sowie — vielleicht am allermeisten — an Julius Kobler, dem Schankburschen, der als ständiger Horcher an der Wand zwar niemals seine eigene Schande hört sondern nur die der andern und sie getreulich an der zuständigen Stelle anbringt. Alles in allem war die Aufführung ein Hochgenuß, und namentlich zeigte sich, daß die Bretter, die die Welt bedeuten, auch in den Kulturbünden der magnetische Boden mit der größten Zugkraft sind. Dies bewies der erfreulich gute Besuch und der stürmische Beifall, den die Künstler — jeder für sich und alle miteinander — wohl verdient für ihre Glanzleistung ernten durften. — Das Stück wurde auch in den Kulturbünden von Ulm und Heilbronn sowie in der Jüdischen Kulturgemeinschaft „Schwarzwald" (Haigerloch) aufgeführt. Schwäb. Hall. Am 23. März feierte Moses Herz seinen 60. Geburtstag. Seit langen Jahren steht der Jubilar im Ehrendienste unserer Gemeinschaft. Er gehörte schon der Verfassunggebenden Landeskirchenversammlung an und wurde dann auch in die Landesversammlung gewählt, aus der er im Jahre 1924 in deq Israel Oberrat berufen wurde. la dieser Auch Leid ist Leben . . . Auch Leid ist Leben, Ist Sein, Nimm es in formende Hand. Leid ist von Gott Dir gesandt, Schließ in Dein Wollen es ein. Warst Du des Gleichklangs satt, Der Deine Tage umspann, Fühltest, Dein Blutstrom verrann, Eben und müde und matt, Leid faßt im Sturme Dich an. Rüttelt die Kräfte Dir wach. Was auch das Leid Dir zerbrach, Fühle, was neu Dir begann. Aus .Wir-, Gedichte von Fried« Mehler, BcrttaoM Levy-VerUg, Berlin 1917.

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