Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Volume
- 15 (1938)
- Issue
- 2 (15.4.1938)
- Date
- 1938-04-15
- Page
- Seite 16 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 15. 4. 38 XV. Nr. 2 sentliche Verbilligung bei der Aufstellung der Grabsteine erreicht; die Kosten, die jetzt für diese einheitliche Fundamentieruns entstehen, fließen später bei Nutzung der Gräber wieder an die Gemeinde zurück. Das gesamte Objekt kommt jetzt einschließlich gärtnerischer Anlagen, Strom- und Wasserzufuhr etc. auf etwa RM 110 000.— statt der vorgesehenen RM 145 000.— bis 150 000.— Leber die Schulabteilung berichtete Leopold Goldschmidt Es wird beschlossen, die 9. Klasse trotz der bis jetzt geringen Beteiligung auch in diesem Jahre durchzuführen, wobei man hofft, daß noch weitere Meldungen erfolgen, um so mehr als die Küche jetzt mit koscherem Fleisch beliefert wird: also auch in fleischdingem Kochen vollsandige Ausbildung gewährt wird. Die Organisation der Schule im neuen Jahre wird durchgesprochen. Nach einer Anweisung der Reichsvertretung soll keine Klasse weniger als 20 Schüler umfassen: da die unterste Klasse im kommenden Schuljahr voraussichtlich nur aus 10 Schülern bestehen wird, müßten eigentlich die beiden untersten Klassen zusammengelegt werden. Man hat aber hiervon abgesehen und wird die beiden unteren Klassen mit Rücksicht darauf getrennt durchführen, daß es für die gerade zur Einschulung gelangenden Kinder wichtig ist, daß man sich ihnen ohne Einschränkung widmet. Die Klassenverteilung der Lehrer wurde erörtert; es wurde beschlossen, daß Frau Edith Goldschmidt auch weiterhin 5 Wochenstunden Englisch gibt Rabbiner Dr. Auerbach erstattete den Bericht der Gottesdienst-Abteilung. Es ist vorgesehen, den Konfirmationsunterricht für 5 Mädchen durchzuführen und es den Eltern zu überlassen, ob sie diese später einsegnen lassen wollen. In der Gaststätte Bloch finden 2 Sederabende statt. Zu diesen ermöglicht die Gemeinde religiös Interessierten, die nicht in der Lage sind, selbst einen Seder abzuhalten oder die Kosten der Teilnahme zu tragen, die Beteiligung dadurch, daß sie die Kosten übernimmt Stuttgart. Die Schulabteilung der Reichsvertretung teilt mit: In Stuttgart legten 18 Kandidaten und Kandidatinnen die Abschlußprüfung des Sportlehrgarges C ab. der von der Schulabteilung der Reichsvertretung und dem Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs im Anschluß an das orthopädisch-gymnastische Institut von Frau Alice Bloch veranstaltet worden war. Die Aufnahmeprüfung für den neuen Lehrgang D wird voraussichtlich am 3. Mai in Stuttgart stattfinden. Stuttgart Im Rahmen des Sabbathmorgen- Gottesdienstes am 2. April wurden 12 Knaben und 25 Mädchen, die in diesen Tagen die Jüd. Schule verlassen haben, feierlich verabschiedet. Rabbiner Dr. Auerbach richtete an die jungen Menschen, die nun ins Leben treten, herzliche Worte der Mahnung, sich stets als Juden im Sinne des Prophetenworts „Dieses Volk habe .ich mir geschaffen" zu bewähren und dem jüdischen Namen Ehre zu machen. Er übergab den Schulentlassenen dann namens des Gemeindevorstcheramts zwei wertvolle jüdische Bücher und ein Erinnerungsblatt. Die Feier wurde von klangvollen Gesängen des Synagogenchors umrahmt. Stuttgart. Im Jüd. Lehrhaus sprach Rabbiner Dr. N e u w i r t h über das Thema „Religion und Moral" vor einer aufmerksamen Hörerschaft. Wenn Stadtrabbiner a. D. Dr. Rieger am Schluß des geistvollen Referats in seinem Dankeswort betonte, daß hier ein Moralist ein begeistertes und begeisterndes Bekenntnis abgelegt habe, so konnte man dieser Feststellung von Herzen zustimmen. Dr. Neuwirth machte den großangelegten, quellenmäßig bestens fundierten Versuch, nachzuweisen, daß es eine von jeder Religiosität gelöste Moral nicht geben könne. In knappem Umriß zeigte er verschiedene Systeme wissenschaftlicher Ethik auf und betrachtete besonders eingehend die auf dem subjektiven Faktor des „Gewissens" und auf der objektiven Grundlage des „Prinzips allgemeiner Wohlfahrt" beruhende unabhängige Moralphilosophie. Diese kann aber, wie der Redner im einzelnen nachwies, aus vielen Gründen niemals jene Einheitlichkeit des sittlichen Bewußtseins konstituieren, wie es in der Religion beschlossen liegt, die selbst naturhaften „Egoismus" in das Jenseits verlegt und ihre sittlichen Kräfte aus Ewigkeitsgesetzen ableitet. Die Anwesenden dankten für das wertvolle Referat mit herzlichem Beifall. Stuttgart. Die Schülerkonzerte von Ruth Hamburg sind im Laufe der letzten Jahre zu einem kleinen gesellschaftlichen Ereignis innerhalb der Gemeinde geworden; so war es nicht erstaunlich, daß die Turnhalle am 27. März wieder dicht gefüllt war. Das Programm führte Corelli, Händel, Gluck, Haydn, Vivaldi und Romberg auf, nicht aber den Namen des jungen Schülers von Ruth Hamburg, der, als Komponist und Dichter zugleich, mit einem reizenden Kanon und Chor die Gäste dieser Musizierstunde begrüßte. Ruth Hamburgs Einführungsworte hoben die Schwierigkeiten hervor, der die Gemeinschaftsarbeit durch Auswanderung und Krankheit immer wieder ausgesetzt war. Dem Konzert selbst war von diesen Störungen nichts anzumerken. Aus den kindlichen Geigenchören der ersten Jahre hat sich ein kleines Orchester entwickelt, das im Maßstab seiner Leistungsmöglichkeit mehr gibt als manches von Erwachsenen besetzte. Die Klangreinheit, Bogenführung und Sicherheit des Spiels sowie die Hingabc an die Arbeit können nicht genug hervorgehoben werden. Selbst die technisch nicht leichte Romberg-Kindersymphonie wurde von den kleinen Schülern ganz ausgezeichnet bewältigt. Die mitwirkenden Gastschüler fügten sich wie immer aufs beste ein. Allen gebührt uneingeschränktes Lob, am meisten wieder der Lehrerin Ruth Hamburg. — Stuttgart Aus der gutbesuchten Generalversammlung des Sportklubs „H a k o a h" vom 30. März ging der feste Wille des Vereins hervor, auch weiterhin für die Ertüchtigung unserer Jugend zu sorgen. Der stellvertretende Vorsitzende. S. Richter, gab einen Rückblick über das abgelaufene Vereinsjahr. Er betonte, daß die „Hakoah" als Glied des Deutschen Makkabikreises den Sport nie allein als Selbstzweck ausübte, sondern ihn in den Dienst einer jüdischen Idee — des Aufbauwerks in Palästina — stellte. — Trotz der großen Auswanderung konnte der Sportbetrieb nicht zuletzt durch das Entgegenkommen der Jüdischen Gemeinde aufrechterhalten werden. Der Redner erinnerte an die verschiedenen Veranstaltungen des Berichtsjahrs und dankte dann allen Mitarbeitern für ihre aufopferungsvolle Tätigkeit insbesondere auch den Sportschfllern, die sich immer in uneigennütziger Weise zur Verfügung gestellt hatten. — Gustav Rosenfelder erstattete den befriedigenden Kassenbericht. Die „Hakoah" zählt zurzeit 287 Mitglieder, darunter 134 Jugendliche. — Julius Baumann erstattete den Sportbericht. Darnach wird das Hauptaugenmerk auf die Ertüchtigung der Jugend gelegt. Es wurden Leistungsabzeichen geschaffen als besonderer Ansporn für die vielen Jungens und Mädels, die regelmäßig am Hallentraining teilnehmen. Ein besonderer Erfolg war die Purimfeier für die Kinder. Das Hallentraim'ng der Aktiven war durchschnittlich von 20—30 Mitgliedern besucht Die Fußballabteilung führte gegen alle großen Vereine Wettspiele durch und errang manch schönen Erfolg. Auch das Training der weiblichen Mitglieder ist gut besucht. Schachabteilung und Tischtennissport sollen auch wieder aufleben — und so wird alles getan, um jedem etwas zu bieten. Sportwart Baumann schloß mit dem Ausdruck der Zuversicht für einen weiteren intensiven Sportbetrieb. — Bei den Neuwahlen unter dem Präsidium von Dr. Myrtill Kaufmann, der den Vorstandsmitgliedern herzlichen Dank aussprach, wurde nach einstimmiger Entlastung Sa*- muel Richter zum 1. Vorsitzenden gewählt Gustav Rosenfelder wurde zum 2. Vorsitzenden und Rechner, Dr. E i s - n e r zum Schriftführer bestimmt Beisitzer sind Julius Baumann und Hans Elsas. Nach einer anregenden Aussprache fand die Versammlung mit der „Hatikwah" ihren Abschluß. Stuttgart Der Isr. Kranken-Unteistützungsverein e. V. hielt am 3!. März seine 86. Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Adolf Kops, begrüßte die zahlreich erschienenen Anwesenden und gedachte der im Jahre 1937 verstorbenen Mitglieder. Hierauf erstattete er den Jahresbericht Der Verein hat sich in dem ihm gezogenen Grenzen planmäßig entwickelt; die größte Sorge bedeutet die Beschaffung der erforderlichen Mittel. Die Kosten für Arzt und Apotheker gehen ganz zu Lasten des Vereins, während Zahnersatz und orthopädische Hilfsmittel nur anteilig von diesem getragen werden. Da die Arztkosten eine sehr fühlbare Belastung der ■ Vereinsmittel darstellen, hat man nach Erleichterungen gesucht; nach mehrfachen Besprechungen haben die Aerzte ihre Liquidationen durchweg ermäßigt, wobei die Hochherzigkeit einiger Aerzte hervorzuheben ist, die überhaupt davon abgesehen haben, dem Verein für Behandlungen Rechnungen zu erteilen. Die Arbeit erfolgt in enger Anlehnung an das Israelitische Fürsorgeamt Die neuen Abmachungen sollen erreichen, daß die wirklich Kranken eine ausreichende Betreuung erhalten, während die Zahl der gewohnheitsmäßigen Arztschein-Abonnenten gesenkt wird. Der Mitgliederbestand, der im Jahre 1936 365 betrug, ist im Jahre 1937 auf 355 zurückgegangen. — Friedrich L. Kiefe erstattete den Kassenbericht Eine im Berichtsjahr vorgenommene Werbeaktion hatte Erfolg und hat