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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1938-04-01 · 1 (1.4.1938) · p. Seite 7

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
15 (1938)
Issue
1 (1.4.1938)
Date
1938-04-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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XV. Nr. 1 Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 1. 4. 38 7 Chors aus „Die Tageszeiten" von Telemann durch Chor und Orchester fand der eindrucksvolle Abend seinen Abschluß. Aus den Gemeinden Württembergs Stuttgart. Aus den Erträgnissen der „F a - milie-Wolf-Stiftung", welche innerhalb des württembergischen Bezirks die Fürsorge für jüdische Minderbemittelte, die durch Krankheit, Krankenhausbehandlung, Erholungskuren u. dgl., hilfsbedürftig werden, bezweckt und vor allem zur Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit der von ihr betreuten Personen beitragen will, wurden im Jahre 19.17 auf 31 Gesuche 2800 RM. bewilligt, was einem Durchschnittssatz von rund 90 RM. entspricht Von den Bedachten stammen 21 aus Stuttgart, 10 aus dem übrigen Württemberg; von ihnen sind 22 Frauen, 5 Männer und 4 Kinder. — Gesuche um Unterstützung sind unter Beifügung eines ärztlichen Attestes beim Verwaltungsausschuß einzureichen, entweder direkt oder durch Vermittlung des Israelitischen Fürsorgeamts bezw. der Vorsteherämter, beim stellvertretenden Obmann Dr. H e i n r. Wolf, Stuttgart, ab 1. April Eberhardstr. 1, Eingang Obere Bachstraße. Stuttgart. Der Ausschuß des „Vereins zur Förderung des Handwerks und des Gartenbaus unter den Israeliten in Württemberg" hat beschlossen, in diesem Jahre aus verschiedenen Gründen, insbesondere zwecks Kostenersparnis, von der Abhaltung einer Mitgliederversammlung abzusehen. Ausweislich des vom Vereinskassierer, Sigmund Kallmann, erstatteten Jahresberichts wurden 1937 aufgewendet: für laufende Unterstützung von 16 Handwerkslehrlingen (3 Schreiner, 2 Schneider, 2 Schlosser, 1 Autoschlosser, 1 Installateur, 1 Elektroinstallateur, 1 Koch, 1 Steindrucker. 2 Näherinnen, 2 Modistinnen) und für Beiträge an 4 Umschichtler (je 1 Schreiner, Maler, ßautechniker, Buchdrucker) insgesamt 1566 RM. Außerdem wurde auf Befürwortung des Vereins ein Teil der von ihm "betreuten Lehrlinge vom Israelitischen Oberrat mit Beiträgen aus Stiftungsmitteln bedacht. — Durch Wegzug und Auswanderung ist der Mitgliederbestand zurückgegangen, so daß trotz einiger dankenswerter Spenden sich ein Abmangel von mehreren hundert Mark ergeben hat, der aber aus dem bescheidenen Vereinsvermögen gedeckt wurde. — Der Vereinsausschuß ' richtet an die Glaubensgenossen in Stadt und Land die herzliche Bitte, die Vereinsmitgliedschaft zu erwerben (Jahresbeitrag 5 RM.) und seiner auch sonst bei geeigneter Gelegenheit zu gedenken (Vereinskonto bei der Städt. Girokasse Stuttgart Nr. 13431), damit er wie seither in der Lage ist, für seinen Teil daran mitzuarbeiten, daß immer mehr jüdische junge Leute zu tüchtigen Handwerkern ausgebildet und so die Voraussetzungen für ihre Auswanderung geschaffen werden. Stuttgart. Wer am Nachmittag des vergangenen Purimfestes in die Jüdische Turnhalle kam, der konnte seine rechte Freude haben: Da veranstaltete der Sportklub „Hakoah" für seine kleinen Turner und Turnerinnen als Belohnung für ihren so eifrigen Besuch des Trainings eine Purimfeier, bei der es wirklich lustig zuging. Von den vielen großen und kleinen Künstlern, die zur Bereicherung des Nachmittags beitrugen, erwähnen wir Erna Feuerlicht mit ihren anmutigen Solotänzen und Erich Wolkenfeld, der seine Weise „Wenn der Rebbe lacht ..." vortrug. Diesmal stimmten die Kinder allesamt in den Refrain ein, wie es überhaupt die kleinen Gäste waren, die durch ihre natürliche Munterkeit und purimmäßige Frohstimmung dem Feste die richtige Note gaben. Es ist leider nicht möglich, all das anzuführen, was eine umsichtige Leitung zur Freude des Kinderherzens sich für diese Stunden ausgedacht und auch verwirklicht hat. Jedenfalls: Eltern und Kinder danken ihrem „Onkel Baumann'' allerherzlichst für seine große Mühe und bestätigen ihm an dieser Stelle gerne, wie dankbar sie sind, daß er sich unserer Jugend in so vorbildlicher Weise auch auf dem Gebiete der Gestaltung unserer Feste annimmt. Hohes Lob gebührt auch Frau Berti Fromm, die unermüdlich am Flügel wirkte, ebenso allen anderen, die ihre Kräfte in den Dienst unserer lieben Jugend gestellt haben. Stuttgart Am 19. ujjd 20. März bereitete der Israelitische Frauenverein-Frauenbund seinen Mitgliedern und Freunden aus Stadt und Land außerordentlich vergnügte Stunden mit einem Programm, das den Titel trug „Bunte Szenen zu Purim 1938". Da zeigte „Schauspieldirektor Ole Lerda" seine Original-Purimtruppe, die in vielen Szenen einmal ordentlich aus der „Gemeindeschule" plauderte; wir dürfen es im Namen der vielen, die beim Frauenverein zu Gast waren, bestätigen: alle Besucher haben sich glänzend unterhalten und danken dem Veranstalter für die frohen Stunden herzlichst. Da durfte man im Verlauf der Szenenfolge einen Blick in ein Wartezimmer unserer Gemeindeverwaltung tun — und dabei lernte man viele gemeindliche Neuigkeiten vortrefflich kennen. In einer „Tönenden Wochenschau" sah und hörte man in humorvollster Weise, was sich in den einzelnen jüdischen Frauenvereinen des Landes so im Laufe der Zeit ereignet — es war wirklich eine treffende, gut gestaltete Satire. Bei der „Schnitzelesbank" erfuhr man -rauch aus Lichtbildern — über so manches Mitglied des Frauenvereins recht Ergötzliches. Und die Szenen „Der Auswanderer" und „Klatschmoritat" entbehrten, bei aller stürmischen Heiterkeit, die sie auslösten, nicht des tieferen Sinns: denn man lernte dabei, wie man es nicht machen soll! — Es soll uns gestattet sein, von den vielen, die mitwirkten, nur drei Namen zu nennen: Leo Adler, Edith Goldschmidt und Helene Zippert, welch letztere am Flügel begleitete und auch mit einem Solo erfreute. Auch alle anderen Akteure gaben ihr Bestes, und so entstand aus gemeinsamer Bemühung der volle Erfolg: echte P u rimfreude! Stuttgart Die Hauptversammlung des Jüdischen Frauenbundes, Landesverband Württemberg, fand am 20. März, statt. Wir berichten über die Versammlung demnächst. Stuttgart Die Kunstgemeinschaft hatte zu zwei Jugendveranstaltungen eingeladen, die von dem „Universalgenie" Jani Ballan, Berlin, bestritten wurden. Der Künstler hatte sofort Kontakt mit seiner jugendlichen Zuhörerschaft, die auf seine Fragen und Anregungen bereitwilligst einging und ihrer Begeisterung auf die nachhaltigste Weise Ausdruck verlieh. Auf den mannigfaltigsten Gebieten konnte Jani Ballan sein Publikum unterhalten, wobei immer wieder festgestellt werden durfte, daß er den rechten Ton traf und sich ganz in die Psyche des Kindes versetzen konnte j Ob er zuerst als Zauberer die verblüffendsten Kunststücke vorführte, ob er dann mit der fabelhaft gespielten Ziehharmonika brillierte und sich aus seinem Zuhörerkreis einen freiwilligen Chor bildete, der mit ihm zusammen die „Geschichte von den 10 kleinen Negerle n" zur Vorführung brachte, ob er dann als Bauchredner mit seiner Negerpuppe ..Karichen" zwerchfellerschütternde Zwiesprache hielt und ob er schließlich in seinem Kasperle-Theater eine hinreißende Moritat zum Besten gab, bei der er alle in dem Stück vorkommenden Rollen selbst sprach — immer riü er die Kinder zu Beifallsstürmen hin. Es war nur sei £ de, daß beide Vorstellungen nicht übermäßig stark besucht waren. Darbietungen, wie sie Jani Ballan brachte, gehören zu den besten ihrer Art oid verdienen volle Häuser. Stuttgart Wie alljährlich, so gibt auch dieses Jahr die „Hakoah" den Kindern die Möglichkeit, ihre Ferien in Gottes freier Natur zu verbringen. Ab 4. April werden sich die Kleinen bei Sport und Spiel auf dem Gemeindesportplatz tummeln und unter der Leitung vom „Ferienonkel" Julius Baumann einige schöne Tage verleben. Die Beteiligung ist jedem Kinde möglich. Stuttgart Vor kurzem wurde in der Israelitischen Gemeinde Mannheim der Nachfolger des scheidenden Rabbiners Dr. Grünewald, Rabbiner Karl Richter, feierlich in sein Amt eingeführt. Rabbiner Richter, auch unseren Lesern bestens bekannt, ist der Sohn unseres Gemeindemitglieds Samuel Richter. Stuttgart. Das Bestreben der Kunstgemeinschaft, die Schaffenden aller Kunstgattungen fördern zu helfen, erstreckt sich auch auf das Gebiet der bildenden Kunst. Deshalb veranstaltet die Kunstgemeinschaft wie in jedem Jahr wieder eine Schau von Kunstwerken jüdischer bildender Künstler; gibt es doch sonst wenig Möglichkeiten, die Werke einem Publikum zugänglich zu machen. Wie notwendig dies aber ist, weiß jeder künstlerisch schaffende Mensch. Für ihn handelt es sich nicht darum, kurzerhand .gelobt" zu werden, vielmehr will er Beweise seiner künstlerischen Entwicklung vermitteln und sich in größere Zusammenhänge stellen. Deshalb haben sich Maler, Bildhauer, Graphiker und Kunstgewerbe in der Kunstgemeinschaft zusammengefunden und hoffen für ihr vielseitiges Schaffen Widerhall zu finden. Ein zahlreicher Besuch dieser aufschlußreichen Schau -darf deshalb erwartet werden. Die Ausstellung dauert von Sonntag, 3. April, bis Sonntag, 17. April einschließlich. Stuttgart. Die Ortsgruppe des .Reichsbunds jfld. Frontsoldaten" veranstaltet, am 4. April ihr drittes Gemütliches Beisammensein, auf das wir hiermit besonders aufmerksam machen. An diesem Abend werden auch alle Auskünfte in Sachen der Jüd. Kriegsopfer-Fürsorge erteilt. Zur Beachtung! Infolge Platzmangel mußten verschiedene Berichte aus Stuttgart und anderen Gemeinden für eine spätere Nummer zurückgestellt werden.

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