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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1938-02-16 · 22 (16.2.1938) · p. Seite 199

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
14 (1937-1938)
Issue
22 (16.2.1938)
Date
1938-02-16
Page
Seite 199 (sequence 3)
Language
German
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XIV. Nr. 22 Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 16. 2. 38 199 die alle dazu beigetragen haben, daß das Rexinger Projekt zu einem „Projekt der Juden in Deutschland" wurde. Wir wollen, so gelobte der Redner, den einzig möglichen Dank erstatten: wir wollen Opfer mit Opfer vergelten! Unsere Lebensaufgabe wird sein: Juden zu werden! In der Siedlungsform von „Malchutia" wird auf das Gewordene Rücksicht genommen werden, und nur für das Neugeschaffene wollen wir die Gleichheit. Wir sehen in dieser Stunde keine Abschiedsfeier, sondern — die Grundsteinlegung einer neuen Gemeinde. „Wenn ich zu Ihnen sage" L'hitraoth" (Auf Wiedersehen!), so ist das keine Höflichkeitsformel, sondern ein Programm. Aber e i n Zeichen der Verbundenheit verlangen wir von den Hierbleibenden: die Unterstützung der nationalen Fonds, die unser Werk ermöglichten, und die Einordnung in die große nationale Organisation unseres Volkes. So gehen wir, um aufzubauen und selbst umgebaut zu werden — um zu erlösen und selbst erlöst zu werden. L' hitraoth!" Nach dem Kaddischgebet stimmten die Versammelten die „Hatikwah" an — und da fühlte nochmals jeder, daß eine große Stunde bereite Menschen gefunden hatte. Euch, Ihr lieben Auswanderer, ruft Eure Gemeinschaft nun an dieser Stelle nochmals ein herzliches „Massel tov!" zu. Vergeßt uns nicht, wie wir auch Eurer nicht vergessen werden! Hans Sternheim. 9 Das Bild von Rexingen wurde uns vom Israel. Oberrat aus seinem Sammelwerk „Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg" zur Verfügung gestellt. Die Red. Durch Gemeinschaft zur Leistung Zur Ratstagung der „Reichsvertretung der Juden In Deutschland" Am 13. Januar 1938 fand die Tagung des Rats der Reichsvertretung der Juden in Deutschland statt, die der Festsetzung des Haushaltsplanes der Reichsvertretung für 1938 diente. Sie wurde umrahmt von Ausführungen des Präsidenten der Reichsvertretung, Dr. Leo Baeck, die sich an die Gesamtheit der Juden in Deutschland wandten. Dr. Baeck wies einleitend auf die Aufgabe der Reichsvertretung hin, trotz der Tatsache, daß so viele Länder die Tore vor den Juden verschließen, den Weg für die zu bahnen, welche hinausziehen. „Von der Arbeit", so fuhr Dr. Baeck fort „die dem gilt, erzählen die Ziffern, welche der Erörterung und Beschlußfassung durch den Rat unterbreitet sind. Aber jeder von uns sollte hinter der Ziffer die große Aufgabe sehen, diese Aufgabe, die von Menschen zu leisten ist. Wer nur die Ziffer sieht, gerät leicht ins Kleinere und Engere; wer aber das große Gebot und die große Arbeit wahrnimmt, von der die Zahl die äußere Erscheinung ist, der wird den großen Zug der Betrachtung und den Blick in die Weite auch gewinnen. — Im Mittelpunkt der Arbeit als ihr wesentlicher Teil steht das Programm und die Aufgabe der Wanderung; sie ist für uns heute Geschichte, fast möchte man sagen Weltgeschichte geworden. Sie führt uns dazu, daß wir in Generationen und in Erdteilen den- \ ken sollen. Aber neben diesem Mittelstück v steht das sorgenvolle Problem einerseits für I Martin Buber 6o Jahre alt 8. Februar 1938 Martin Bubers Lebenswerk, in seinem Dichten und Denken, in seinem Helfen, Erziehen und Weisen, ist zu jedem von uns irgendeinmal herangetreten, und vielen ist es nahe, viele hat es geleitet. Eine tiefe Dankbarkeit wird lebendig, wenn das Bild dieses Mannes vor uns steht. Von einem nur soll besonders hier gesprochen sein, von dem, was Martin Buber innerhalb unserer Reichsvertretung uns gibt. Fr schuf und lenkt hier die Arbeit für die Erwachsenenbildung. Er schenkt ihr seine Persönlichkeit, sein schauendes Wissen und seine Zwiesprache, seine große Gabe, zu verstehen und zu hören, und nur wer zu hören vermag, der vermag zu sprechen. Von uns Juden in Deutschland ist heute gefordert, daß wir andere Bezirke, andere Räume und Formen des Daseins erringen, daß wir durch den eigenen Entschluß die Notwendigkeit überwinden. Das Entscheidende wird hier die Seele vollbringen; der innere Wandel, das innere Neuwerden bahnt den Weg. Dem will diese Arbeit von Martin Buber dienen. Eine Gemeinschaft wäre in den Tagen der Prüfung verloren, wenn vor ihr nur Menschen wären, denen irgendeine Wahl, irgendein Hingelangtsein die Bedeutung gäbe. Manch Geschichtliches ist im Drucke der Zeit zu Grunde gegangen, weil nur diese Menschen da waren. Zu Martin Bubers Wert aber fügt kein Amt und kein Auftrag etwas hinzu. Er ist einer von denen, die dem Platze, auf den sie gestellt werden, Ehre verleihen. Leo Baeck die, die noch nicht wandern, und andererseits für die, die nicht mehr wandern können. — Wenn alle diese Aufgaben in ihrer ganzen Bedeutung uns erfassen, dann erhält unser Leben trotz aller Bedrängnis und aller Beschwerden einen Sinn. Wenn wir meinen sollten, in der Sinnlosigkeit zu stehen, wenn wir glauben sollten, daß wir nicht mehr können und nichts mehr wollen und nichts mehr sollen, dann wäre unser Dasein innerlich beendet. Aber das darf nie geschehen, daß wir so denken und empfinden. Auch dem dienen unsere Beratungen, daß sie uns zeigen sollen, was wir trotz allem können, was wir jederzeit um der Zukunft willen wollen." Er verlas zum Schluß die in letzter Nummer von uns wiedergegebene, von der Versammlung mit tiefer Ergriffenheit angehörte Resolution, in der Begrenzungen und Möglichkeiten, Verzicht und Glauben der Juden in Deutschland ausgesprochen sind. Die Versammlung stimmte ihr durch spontane Beifallskundgebung zu. Die Etatberatung wurde eingeleitet durch den geschäftsführenden Vorsitzenden der Reichsvertretung, Dr. Otto Hirsch, der sie in den Rahmen eines weitschauenden Ueberblicks über die jüdischen Gemeinschaftsaufgaben in Deutschland stellte. Dem folgte ein eingehender Bericht über den Gesamtetat und seine Probleme, die der Generalberichterstatter des Haushaltsausschusses des Rats, der den Etat eingehend vorbereitet hatte, Dr. Leo Lippmann, Hamburg, erstattete. Aus dem reichen Material, das sich im Verlauf der Beratung ergab, seien nur einige die Oeffentlichkeit interessierende Zahlen wiedergegeben. Der Etat schließt in Einnahme und Ausgabe mit 4 351 300 Mark. Dieser Betrag wird aufgebracht werden teils durch die Beiträge der Landesverbände der Gemeinden an die Reichsvertretung, teils durch die Sammlungen der Reichsvertretung innerhalb Deutschlands, teils durch die Beträge, welche auch für das Jahr 1938 von den jüdischen Hilfsorganisationen des Auslandes erwartet werden. Bei der Beratung wurde von allen Seiten dem Danke immer wieder Ausdruck gegeben, den die Juden in Deutschland den ausländischen jüdischen Hilfsorganisationen schulden, die ihnen die Finanzierung der Auswanderung und der beruflichen Ausbildung ihrer Jugend trotz des Rückganges der eigenen Leistungsfähigkeit ermöglichen. Von den Ausgaben entfallen: Auf Berufsausbildung und -Umschichtung sowie sonstige Betreuung der schulentlassenen Jugend etwa 1 Million; auf Auswanderung etwas über 1,3 Millionen; auf das Schulwesen etwas über 650000 Mark; auf religiöse Einrichtungen etwas über 100 000 "Mark (die verhältnismäßige Geringfügigkeit dieses Betrages erklärt sich daraus, daß die Pflege und Aufrechterhaltung des religiösen Lebens in denjenigen Gemeinden, die aus eigener Kraft dazu nicht mehr in der Lage sind, Aufgabe der Landesverbände ist); auf sonstige kulturelle Zwecke ungefähr 125 000 Mark; auf Wohlfahrt ungefähr Million; auf Kredithilfe 120 000 Mark, zu denen die Rückflüsse aus Krediten früherer Jahre treten; auf Jugend und Sport 100 000 Mark; der Personaletat wurde mit 250 000 Mark verabschiedet. Im allseitigen Einvernehmen wurde eine kleine Kommission eingesetzt, welche die Möglichkeit zu Einsparungen prüfen und dabei im Rahmen der Zuständigkeitsregelung vom Sommer 1937 im einzelnen die Abgrenzung von Zuständigkeiten zu anderen Stellen und Organisationen erwägen soll. Der Verwaltungsetat wurde auf 138 000 Mark festgesetzt. Die Beratungen ergaben in sachlich fördernder Erörterung einen Einblick in die Tiefe und Breite der Arbeit der Reichsvertretung und damit der Gemeinschaftsarbeit der Juden in Deutschland überhaupt. Sie schlössen mit der einstimmigen Annahme des Haushaltsplanes. Nationale Energie und konstruktive Hilfe für Erez Israel Zur Kundgebung des Keren Hajessod in Stuttgart Der Keren Hajessod veranstaltete am 8. Februar in der vollbesetzten Synagoge eine Kundgebung, die im Zeichen bedeutsamer Ansprachen hervorragender Persönlichkeiten des jüdischen Lebens stand. Nach dem Vortrag des Concerto grosso von Locatelli durch das Orchester der Kunstgemeinschaft (Leitung: Karl Adler) ergriff Dr. Siegfried Gumbel als Vertreter des Israel. Oberrats und des Israel. Gemeindevorsteheramts Groß-Stuttgart das Wort. Er entbot Martin Buber, der am 8. Februar das sechste Jahrzehnt seines Lebens vollendete, Gruß und Dank. Mit treffenden Worten würdigte er den Gelehrten als Bibelübersetzer, Deuter des Chassidismus und zionistischen

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