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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1938-01-01 · 19 (1.1.1938) · p. Seite 172

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
14 (1937-1938)
Issue
19 (1.1.1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 172 (sequence 6)
Language
German
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17-' Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 1. 1. 38 XIV. Nr. 19 Eememde vorstellten. Damals gaben wir unserer Besprechung den Titel ..Das Erlebnis der Gemeinschaft" und leiteten die Rezension mit einem Lssay über das Menschenantlitz als Spiegelnder angerufenen Seele ein . . . Und auch diesmal wurde der Berichterstatter von der persönlichen Hingabe jedes einzelnen an das Werk, die ihren unmittelbarsten Ausdruck in der Beseelung eben dieses Menschenantlitzcs fand, gleichermaßen, berührt. Bei dieser Aufführung der „Tageszeiten"" spürte man die W'erkireude. die zu solchen Kollektivleistungen allein befähigt und die pnindlage jeder echten,künstlerischen Produktion ist. wieder in besonderer Weise. Die Leistungen von Sing- und Instrumentalkreit sind in der Tat bewundernswert, l's ierstaunlich, wie sehr Chor und Orchester an musikalischer \tisdrucksfähigkeit gewonnen haben, wie beide unter der auch die feinste Nuance ausdeutenden Stabführung Karl Adlers zu Klangkörpern geworden sind, die heute .schwierigsten Anforderungen gerecht werden, l ud dieses Opus Telemanns ,-i s t ein schwieriges W erk! Ks kann zu voller Wirkung überhaupt nur dann gebracht werden, wenn es gelingt, die Atmosphäre lebensweiser Abgeklärtheit, stiller, (iott zugewandter Natürbetrachtung und den heimeligen Reiz der ländlichen Idylle fühlbar zu machen. Dies alles ist hervorragend geglückt .Mit Ergriffenheit lauschten wir dieser klassischen Tonsprache, die uns eine friedsame Welt im Wechsel des Lichts vor die Seele zaubert, die im Kleinen das (iroLie schildert und vom Großen aus den Sohn der Erde auf seine- Kleinheit verweist. Schon die Lektüre der Dichtung von V. XV. Zachariä vermittelt tiefe Eindrücke. Hier steht man an den Ouel- .len poetischer IrsprüRgfichkeit hier spricht ein edles schlichtes Pathos, das auch dann, wenn es sich in der gehallten Kraft monumentaler Chorfugen zn dramatischer Wucht verdichtet, immer noch für feinste seelische Regungen transparent bleibt. Mit diesem Text verbindet sich Telemanns kristallklare Musik zu-reinster stilistischer (ieschlossenheit. L'nd es ist das besondere Verdienst des Dirigenten, daß er die Einheitlichkeit des Stfls bis in die letzte werkliche Feinheit gewahrt und die Komposition aus der Empfindungswelt ihrer Schöpfer heraus kompromißlos gestaltet hat. Wie sehr man sich bemühte, allen Anforderungen des Stils gerecht zu werden, ersah man auch daraus, daß zum erstenmal in der Kunstgemeinschaft ein Cemba'o verwendet wurde, das unter den geschickten Händen Hilde S c h I es's i n g e r s mit allen seinen tonlichen Reizen erklang Am printinuo wirkte Helene 7. i p p e r t in harmonischer Einfühlung. . Eür die Solopartien hatte man zwei hervortagende Künstler gewonnen. In der Sopranistin Irma. Stern (München) lernten wir eine Sängerin kennen, die über sehr gejpllegte stimmliche Mittel verfügt, wenn es ihrem Organ auch an letzter Beseelung und Letzte Weisheit Ich war so müde, Lnd ich suchte Trost bei Dir; Als ob ich Hilfe fand*, war mir, In Deiner Güte. Ich wurd' vom Leben So matt, meine Kraft ganz am Ende Da spürt' ich als rettende Hände Deine mir geben. Laß D u mich nun sein In allem, was kommen mag. In gutem, lichtem und trübem Tag In Demut nur Dein. Leonie Harburger. Leuchtkraft gebrechen mag. Höhepunkte erreichte sie im Rezitativ ..Der ganze Himmel schwimmt in Glanz** mit seiner tomnaleriscii wundervollen instrumentalen (irundierung und in der lieblichen Arie „Komm holder Schlaf!" - Der Baritonist Benno Ziegler (Prien-Erankfurt a. M.) erwies sich als ein Künstler von ganz hohen Graden. Selten haben wir in der Kunstgemeinschaft einen Sänger gehört, der so schlicht und sachlich aber doch mit so vornehmem Ausdruck seine Äofgabe loste. In seiner sonoren Stimme schwingen dramatische Kraft und doch auch wieder zarte lyrische Innigkeit, die kaum dadurch verlieren, daß das Organ in der Höhe etwas flach erklingt. hie Schönheit dieser Stimmen kam auch in den Arien und Duetten von Händel und Mendelssohn-Bartholdy zum Ausdruck, die Irma Stern und Benno Ziegler zu Beginn des Abends sangen. Fr.itz Rothschild war den Künstlern ein Begleiter, wie sie ihn sich nur wünschen konnten: zurückhaltend in der Tongebting und doch auch wieder aus eigenem nütKestaltend. Als am Schluß des Hauptwerks Dirigent, Solisten. Chor und Orchester die stürmischen Huldigungen der Hörerschaft entgegennehmen durften, da hatte jeder im Publikum die Gewißheit, daß in unserer Gemeinschaft ein ungebrochener Kulturwille lebendig ist. Hans Sternheim. Aus den Gemeinden Württembergs Stuttgart. Eine Plenarsitzung des Isr. Vorsteheramtes fand am 16. Dez. 1937 statt. Karl L e v i eröffnete die Sitzung und gedachte des dahingeschiedenen Vorstehers Dr. Emil Sander, dessen Tod im Vorsteherkoliegium als besonders schmerzlich empfunden wird. Die Vorsteher ehrten das Andenken des Verewigten durch Erheben von den Sitzen. — Das neue Mitglied des Vorsteherkollegiums, Hans Mayer, wurde sodann in feierlicher Ansprache vom Vorsitzenden begrüßt und durch Handschlag verpflichtet. — Hierauf verlas Gemeindepfleger Dr. Cohn das Protckoll der letzten Sitzung. — An Stelle der in der letzten Zeit ausgewanderten Vorsteher wurde als weiteres Mitglied zunächst Rechtsanwalt Rudolf Singer kooptiert. — Den Bericht der Finanzabteilung erstattete TheodorC. Hirsch. Er wies auf die Vorschriften betr. den Einzug der Steuern von auswandernden Gemeindemitgliedern hin und auf die Schwierigkeiten, die solchen Gemeindemitglledern nach ihrer Auswanderung aus dem Nichtbeachten dieser Vorschriften entstehen können. Die Gemeindemitglieder sollen später durch Rundschreiben auf diese Schwierigkeiten nachdrücklich hingewiesen werden. Hirsch berichtete dann noch über die Neuregelung von Mietsangelegenheiten im Hause Gartenstraße 30, über die Anschaffung von Gegenständen für die Jüdische Schule und einige andere verwaltungsmäßige Angelegenheiten. — Der Steuerbeschluß, dessen Fassung in der letzten Sitzung noch zurückgestellt worden war, wurde nunmehr in namentlicher Abstim - nung verabschiedet. Es werden erhoben: 7' aus der Reichseinkommensteuer 1936 und aus der doppelten Reichsvermögenssteuer nach dem Stand des Vermögens vom 1. Januar I93.S, veranlagt auf, den 1. April 1936 unter Berücksichtigung der seitdem erfolgten Neu Veranlagungen und Nachveranlagungen. Ferner wurde wiederum die Erhebung eines Säumniszuschlages von 2'f, dessen Wirkung auch auf die Steuervorauszahlungen ausgedehnt wurde, beschlossen. — Lieber den Ortsschulrat referierte Dr. Tänzer. Die Uebungen im Hebräisch-Sprechen sollen in der Jüdischen Schule gefördert werden; Lehrer Makowski soll hierzu stärker herangezogen werden. Der Verein „Freunde der jüdischen Schule" hat der Schule ein Relief der Stadt Stuttgart ge- : chenkt. Die Anschaffung weiterer Lehrmittel wurde genehmigt. Lieber die Frage der Fortführung der neunten Klasse sind Verhandlungen im Gange; zur Klärung dieser Frage sind ein Referat des Schulleiters Dr. Goldschmidt sowie Korreferate des Lehrers Felix David und der Frau Lucie Levi vorgesehen. Die Einführung zusätzlicher Spielnachmittage ist in Aussicht genommen. — Rabbiner Dr. Auerbach sprach für die Gottesdienst-Abteilung. Er äußerte sich über den Besuch des Jugendgottesdienstes zu Chanukkah und an den letzten Samstagen; der Jugendgottesdienst soll auch weiter gefördert werden. -- Der Werktagsgottesdienst der Hauptgemeinde wurde in das Sitzungszimmer verlegt, um die sehr erheblichen Kosten für die Heizung der Synagoge einzusparen. Diese Regelung hat sich bewährt; die Sitzungen des Vorsteheramtes finden daher vorerst in den Räumen des Oberrats statt. — Karl Levi berichtete dann noch über laufende Angelegenheiten, wie die Rabbinerfrage, eingegangene Schreiben, den beabsichtigten Umbau der Posträume und über die Versendung von Haushaltslisten an alle Gemeindemitglieder zur Ermittlung der genauen Seelenzahl der Gemeinde. — Hiermit fand die öffentliche Sitzung ihren Abschluß. — In den Weihnachtsferien, sowie im Januar u. Februar 1938 finden in der Pension Wieler, Konstanz / B. englische Schnellkurse für Anfänger und Fortgeschrittene statt. Die Umgangssprache im Hause st englisch. Am lO. Januar 1S3S beqinnl 3 monatlicher Ausbildungskurs in Heilmassage Orthooädisches Gymnastisches Institut von ALICE BLOCH / STUTTGART ZeppelinstraBe 32 Fernsprecher 647 39 9an» sichert BBaaaaaBaBBBaaaaaBMaaaaaai Anzeigen Im Gemeindeblatt finden stets Beachtung!

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