Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Volume
- 14 (1937-1938)
- Issue
- 18 (16.12.1937)
- Date
- 1937-12-16
- Page
- Seite 159 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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XIV. Nr. 18 Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 16. 12. 37 159 Versammlung verlas der Rabbiner zwei Stellen aus der Bibel, die auf den Entschlafenen besonderen Eindruck gemacht hatten. Und aus beiden Bibelstücken sprach über die Stätte des Todes hinaus nochmals das, was die Seele Dr. Emil Sanders erfüllte: die Demut vor Gott und die Erkenntnis, daß alles Leben und alles Wirken von Ihm gegeben und bestimmt wird. — Das Wesen des Verewigten trat in der folgenden tiefgründigen Gedächtnisrede von Rabbiner Dr. Schlesinger nochmals in seiner Ganzheit vor das geistige Auge aller, die die Bahre umstanden. Dr. Schlesinger schilderte den Frühvollendeten als einen Mann von besonderer beherrschter Geschlossenheit, in dem ein hohes und edles Menschentum allezeit lebendig war. Er lebte und wirkte im Lichte dieser zentralen Idee, und in der deutschen Kultur suchte er die Erfüllung seines musischen und wissenschaftlichen Strebens. Mit der ganzen Kraft seiner Persönlichkeit und der tief sozial veranlagten Natur des helfenden Arztes setzte sich Dr. Sander für die Idee der Gemeinschaft ein, und auch im Weltkrieg zeugte er für seine Gemeinschaftsverbundenheit mit freudiger Begeisterung. Aber, der Jude von Geburt, hatte noch ein Erbe der Jahrtausende in seiner Brust: das'Judent u m. In seinem Sohn, der als Landarbeiter nach Erez Israel ging, brachen die alten Quellen auf, und mit tiefer Anteilnahme sah der Vater dieses neue Werden. Allmählich wurde ei selbst ein Rückkehrer, ein Baal Teschuwa, der sein Judentum wiederfand und die Idee seines Menschentums'nun in ihm mit Ernst verwirklichte. Er, der nun ein Lernender wurde, sah bald das Zentrale der jüdischen Gedankenwelt in der Idee des Jüdischen Lehrhauses, dessen eigentlicher Leiter und eifrigster Schüler er war. Er fand zurück zur Synagoge, und wirkte aus tiefer Erkenntnis und Bemühung heraus in der Kulturabteilung des Gemeindevorsteheramts mit der harmonischen, stilvollen Einheitlichkeit, die seine auf das Ganze gerichtete Persönlichkeit erfüllte. So war Dr. Emil Sander, dessen Geist auch seinem Familienleben edelste Prägung verlieh, ein Mann, der beispielhaft in unserer Erinnerung fortleben wird. Auch aus den folgenden Nachrufen sprach der tiefe Schmerz um einen hervorragenden Menschen. Der Vorsitzende des Vorsteheramts, Carl L e v i, gedachte mit bewegten Worten der Verdienste, deren sich Dr. Sander um die Gemeinde erworben hat und dankte dem Toten für sein vorbildliches Wirken. — Dr. Otto Einstein rühmte als Vertreter der jüdischen Aerzteschaft den feinsinnigen Kollegen und ausgezeichneten Arzt und" entbot ihm auch namens des „Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten" den letzten Abschiedsgruß. — Direktor Karl Adler würdigte im Auftrag der Kunstgemeinschaft, deren stellvertretender Vorsitzender Dr. Sander war, den Entschlafenen als einen Mann, dem die Kunst innerster Lebensausdruck bedeutete, der zu künstlerischen Taten kraftvoll anregte und ein hilfreicher Freund der jüdischen Künstler war. Karl Adler dankte dem Entschlafenen auch namens der „Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung", die in ihm einen ihrer bewährtesten Mitarbeiter verlor. Er schloß seinen Nachruf mit einem gleichnishaften Gedicht als letzte Widmung des Jüdischen Lehrhauses. — Freundliche Novembersonne lag auf den Gräbern, als man den Schrein mit den sterblichen Resten Dr. Emil Sanders in die Erde bettete. Und das Licht, das über den Ort des Friedens sich ausgoß — es wurde in dieser Stunde zum Sinnbild des Geistes, nach dem ein Mensch gestrebt. . Wie Direktor Karl Adler in seinem Nachruf mitteilte, wird am 21. Dezember eine Gedächtnis-Stunde für Dr. Emil Sander stattfinden, die vom Israel. Gemeindevorsteheramt, der Stuttgarter Jüd. Kunstgemeinschaft und dem Jüd. Lehrhaus veranstaltet wird. Wir fordern unsere Leser auf, das Gedächtnis des Verewigten durch ihre Teilnahme an dieser Gedächtnis-Stunde zu ehren. Zum Palästina-Tonfilm „Weg in die Wirklichkeit" Vor vielen hundert Gästen aus nah und fern wurde am 24. November der Palästina-Tonfilm „Weg in die Wirklichkeit" im großen Saal des Gustav-Siegle-Hauses aufgeführt. Die Zionistische Ortsgruppe Stuttgart und die Misrachi-Ortsgruppe Stuttgart hatten zu der Veranstaltung eingeladen, und der Israel. Oberrat sowie das Israel. Gemeindevorsteheramt Groß-Stuttgart hatten sich der Einladung angeschlossen. Zu Beginn des Abends trug eine aus Mitgliedern des „Bachad" und des „Brit Hanoar" bestehende Singgruppe zwei hebräische Lieder vor, dann ergriff Lehrer Felix David nach einem Werbefilm der „Jüdischen Rundschau" das Wort. Der Redner dankte dem Oberrat und dem Gemeindevorsteheramt für die Unterstützung der Veranstaltung und widmete auch den Kindern der Jüdischen Schule, die mit emsigem Fleiß sich in den Dienst der Werbung für die Filmaufführung gestellt hatten, freundliche Dankesworte. In treffenden Ausführungen zeigte nun Lehrer David die Gedankenwelt des „Bachad", die auf den gesetzestreuen Aufbau des Heiligen Landes abzielt, auf. Er wies nach, wie Thora, Awoda und Erez Israel in unauflöslicher Synthese die Grundlage für die Arbeit des Bundes darstellen, wie Gesetz, Arbeit und Erez Israel in organischer Wechselwirkung den jüdischen Menschen schaffen sollen, der im besten Sinne des Wortes zum Aufbau des Heiligen Landes berufen ist. Der Redner schloß mit dem Appell, auch in der gegenwärtigen Notzeit Palästinas treu zum Jischuw zu stehen. Die Anwesenden dankten mit lebhaftem Beifall. Auf die Ansprache folgte „Brit Hanoar", der Film der religiösen Jugend. Mit Freude sah man die jungen Menschen des Bundes auf ihren Fahrten, im Zeltlager und in den Ssichoths — alles markante Beispiele dafür, daß der Bund schon vor der Alijah seine Grundgedanken in den Jugendlichen verwurzelt und sich bemüht, Pioniere heranzubilden, die von der Thora aus sich die Voraussetzungen für ein künftiges Leben der Arbeit im Lande der Väter erarbeiten. Lustig flatterten die Wimpel des „Brit Hanoar" in Wald und Feld — Symbole einer Jugend, die, bei allem ungebundenen Frohsinn, um den Ernst des Lebens weiß und sich ihrer jüdischen Aufgabe bewußt ist. Nach einer Pause wurde der Hauptfilm, der „Weg in die Wirklichkeit" (Aufnahme: Ernst Mayer: Begleitworte: Rabbiner Dr. Eli Berkovits) gezeigt. In buntem Wechsel sah man Bilder vom Verwaltungszentrum des Misrachi, Ausschnitte aus den Jeschiwoth im Heiligen Lande und insbesondere Szenen aus dem Arbeiterleben der religiösen Chaluzim, wie man sie sich-eindrucksvoller nicht denken kann. Durch diesen Film wurde der Beweis erbracht, daß der gesetzestreue Chaluz in Erez Israel in vorbildlicher Weise Thora und Arbeit zu verbinden weiß, daß er eine der stärksten Stützen des Aufbaus überhaupt ist. In wundervollen Bildern zog die Landschaft Erez Israels an unserem Auge vorüber, jenes alte neue Land, in dem der „Bachad" durch seine Kibbuzim das Samenkorn nationaler Begeisterung und religiöser Tat auf dem Boden werktätiger Arbeit zum Keimen und Blühen bringt. Der überaus interessante Abend wurde durch Lieder der Jugend beschlossen. Stehend hörten die Anwesenden die „Haritrwah". Zur Chanukkah-Feier des Sportklubs „Hakoah" Stuttgart Zu einer erhebenden Feier unseres Lichterfestes, die viele hundert Gäste im Gustav- Siegle-Haus vereinte, gestaltete sich die Chanukkalj-Veranstaltung des Sportklubs „Hakoah" Stuttgart vom 4. Dezember. Wir dürfen feststellen, daß diese Feier in ihrer sachlichen und zeitlichen Konzentration zu den besten gehörte, die man seit langem in unserer Gemeinde erlebt hat. Einvielseitiges, wertvolles Programm hielt die Anwesenden vom feierlichen Entzünden der Lichter durch den kleinen Herbert Ausübel und dem vom ,.Hakoah"-Chor unter der Leitung von Erich Wolkenfeld klangvoll gesungenen „Haneraus halolu" bis zum Schluß in Spannung. Als die Chanukkah-Hymne vielhundertstimmig erklang, da spürte jeder die beseligende Kraft unseres winterlichen Festes. In seiner Festrede sprach Lehrer Felix David mit aufrüP telnden Worten vom lebendigen Symbol der Menorah, die uns mahnt, in makkabäischem Geiste Kämpfer zu sein für Judentum und Erez Israel. Dann stellte sich der Regisseur des Programms, Arpad Pick, mit launigen llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Ihr alle habt heute im Ausland liebe Verwandte und Freunde, mit denen Ihr Uber Land und Meer innig verbunden seid. Wollt Ihr diesen einmal eine besondere Freude machen? Dann schenkt ihnen ein Abonnement auf das „Gemeindeblätt" und laßt sie so teilnehmen an den Geschicken ihrer Gemeinschaft in der Heimat von einst. Für nur RM. 1.25 senden wir das „Gemeindeblatt" ein Vierteljahr lang Euren Lieben in allen Ländern der Welt. — Bitte gebt uns Eure Bestellung mit genauer Adressenangabe baldigst auf. Jüd. Gemeindeblatt STUTTGART, Kasernenstr. 13 Tel. 23328 Postscheckkonto Stuttgart 36258