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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1937-12-16 · 18 (16.12.1937) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
14 (1937-1938)
Issue
18 (16.12.1937)
Date
1937-12-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg Verlag und Redaktion: OSTERBERQ A STERNHEIM ISRAELITISCHE VERLAGSANSTALT Fern.pr. 23328 STUTTOART-N Kssernenstr. 13 Bezugspreis RM. 1.13 vierteljährlich, zuzüglich I ojt- und Zustellgebühr Postschecnkonto Stuttgart 362S8 Ä Erscheint monitlich zweimal, am 1. und 16. Bei Nichterscheinen Inf. höherer Oevalt bestellt kein Anspruch a Nachlieferung d. Blattes oder Rückgabe des Bezugsgeldes Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Relchsmlnlsters für Volksaulkllrung und Propaganda betr. Ueberwachung der geistig und kulturell titigen Juden im deutschen Reichsgebiet XIV. Jahrgang Stuttgart, den 16. Dezember 1937 Nr. 18 Gesamtverantwortung und Einzelhilfe Die Arbeit des Jüdischen Centrai-Vereins. Aus Kreisen des Judischen Central.Vereins wird uns geschrieben : Mine jüdische Organisation hat sich in den letzten vier Jahren dann bewährt, wenn sie das eigene Sonderinteresse dem jüdischen Gesamtinteresse unterordnen konnte, und wenn sie die Fähigkeit besaß, den einzelnen jüdischen Menschen mit praktischer Hilfe zur Seite zu stehen. Wie ist die Arbeit des C.-V. tinter diesem Gesichtswinkel zu beurteilen? Daß sich die jüdischen Vereinigungen durch Gründung der ..Reichsvertretung" und des „Zentral-Ausschusses" zu einer Planung der jüdischen Arbeit zusammengefunden haben, ist vor allem der Initiative des C.-V. und seiner damaligen Führer Julius Brodnitz und Ludwig Tietz zu danken. Wenn er so zu einer der Hauptstützen des neuen Gebäudes, in das er Menschen seiner Art schickte, wurde, und wenn er seine Tätigkeit auch in diesem Rahmen fortsetzen konnte, so liegt dies daran, daß er allen jüdischen Fragen seit seiner Gründung positiv gegenübergestanden hat. Immer wieder und wieder waren ja Männer wie Fugen Fuchs, Ludwig Holländer, Paul Nathan, um nur wenige zu nennen, für die Stärkung des jüdischen Bewußtseins und des jüdischen Zusammengehörigkeitsgefühls eingetreten. Die besondere Prägung des jüdischen Weltbildes im Gedankenbereich des C.-V. führte ihn — unbeschadet der Verbundenheit mit dem Palästinawerk — zu einer Bejahung jüdischer F.xistenz in der Diaspora, sofern diese jüdisch geformt und jüdisch bewußt ist. Das Wort Franz Rosenzweigs „Nichts Jüdisches sei Dir fremd" ist für den C.-V. stets eine Forderung gewesen. So war er immer da zu finden, wo es galt, durch konstruktive Hilfe jüdische Existenzen zu erhalten oder zu festigen. Die führenden Menschen im C.-V. nehmen tätigen Anteil an der Arbeit des Hilfsvereins, der Jewish Agency, des Wanderungsausschusses und anderer Gremien, die sich die Sicherung und den Neuaufbau jüdischer Existenzen in der Welt zur Aufgabe gemacht haben. Durch die Mitgründung, der Ludwig-Tietz-Ausbildungsstätte in Jagurhatder C.-V. seine Verbundenheit mit Palästina bekundet, und durch die Errichtung der jüdischen Auswanderungsschule Groß-Breesen seinen unmittelbar praktischen Beitrag zur Auswanderungsarbeft in Deutschland geleistet. Die Beteiligung gerade an diesen beiden Gründungen ist nicht zufällig. Es spiegelt sich darin die Haltung des C.-V. Er erkennt Palästina in seiner besonderen jüdisch-geistigen und praktischen Bedeutung an. Sein Verantwortungsgefühl gebietet ihm jedoch, die Möglichkeiten anderer Länder als gleichwertig neben Palästina zu bejahen. Dieser Standpunkt findet seine materielle Rechtfertigung in der Tatsache, daß nur ein Drittel der Auswanderer aus Deutschland in Palästina seine neue Heimat gefunden hat. Es wäre gefährlich, dem weit größeren Rest das Gefühl zu geben, der Weg in die außerpalästinensischen Länder sei ein Irrweg. Man würde ihn bei einer solchen Haltung der jüdischen Gemeinschaft entfremden, während es gerade unser Ziel sein muß, Judentum überall in der Welt zu erhalten. Den Menschen aber, die aus irgendwelchen Ursachen nicht auswanderungsfäh i g sind, oder denen trotz ihres Auswandcrungswillens durch die Gesetzgebung zahlreicher Länder der Weg versperrt ist, will der C.-V. gemäß seiner Satzung in seelischer, rechtlicher und wirtschaftlicher Hilfe zur Seite stehen. Die Bedeutung dieser Arbeit, die er im Einvernehmen mit der Reichsvertretung leistet, und das Vertrauen, das man dieser spezifischen Tätigkeit des C.-V. entgegenbringt, erhellt die Tatsache, daß allein in der Berliner Hauptgeschäftsstelle bisher im Jahre 1937 nahezu 10 000 Einzelberatungen erteilt wurden. Hierzu kommt eine vielfache Zahl von schriftlichen Beratungen und die Tätigkeit seiner 15 Syndikate und über 50 Beratungsstellen im Reich. Der C.-V. kann diese Arbeit in einem solchen Umfang leisten, weil ihm seit vielen Jahren geschulte Spezialreferenten zur Verfügung stehen. Angehörige aller Berufsgruppen — Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Wirtschaftler, Akademiker. Künstler, Schriftsteller, Hausfrauen, Jugendliche erhalten Aufschluß über die ihnen durch die Judengesetzgebung gezogenen Grenzen und die Möglichkeiten ihrer beruflichen Tätigkeit in dem verbliebenen Rahmen. Durch die straffe Gliederung seiner Organisation sind im Jüdischen Central-Verein als der einzigen jüdischen Stelle alle Erfahrungen konzentriert, die mittelbar oder unmittelbar mit der Gesetzgebung der Jahre 1933 und 1935 im Zusammenhang stehen. < Sein Organ, die C. - V. - Z e i t u n g . die Allgemeine Zeitung des Judentums, mit ihrer über hundertjährigen Tradition ist der sichtbarste Atisdruck dieser Arbeit und Gesinnung. Mit ihrer Auflage von über 37 000 Exemplaren, die in allen fünf Erdteilen gelesen werden, ist sie die größte in deutscher Sprache erscheinende jüdische Zeitung. Wie der Verein seine Tätigkeit für die jüdische Hmtl. Bekanntmachungen Der Präsident der Isr. Landesversammlung. Stuttgart, den 7. Dea?. 1937. An die Herren Mitglieder der isr. Landesversammlung. Unter Bezugnahme auf die vorläufige Mitteilung des Oberrats vom 1. ds. Mts. Nr. 5840 wird die Landesversammlung hierdurch auf Sonntag, den 19. Dezember 19 3 7, vorm. 10.30 U h r in die Räume des Union-Clubs, Hohenstaufenstr. 7 einberufen. Tagesordnung: 1. Eröffnung durch ein feierliches Gebet. 2. Vereidigung der neu eingetretenen Mitglieder. 3. Bericht über die Veränderungen in der Landesversammlung im verflossenen Jahr. 4. Wahl des juristischen Mitglieds des Oberrats. 5. Wahl des theologischen Mitglieds des Oberrats. 6. Wahl eines ehrenamtlichen Mitglieds des Oberrats auf Grund § 70, Abs. 1 der Verfassung (infolge Auswanderung des Rechtsanwalts Dr. Manfred Scheuer, Heilbronn). 7. Vortrag des Rel.-Oberlehrers Leo Adler- Stuttgart über „Die Bücherei des Oberrats" mit Lichtbildern. 8. Aussprache über den Bericht des Oberrats für die Zeit vom 1. 1. bis 30. 11. 1937. 9. Haushaltplan der Isr. Zentralkasse für das Rechnungsjahr 1937/38 mit Anträgen des Oberrats, außerdem a) Antrag des Vereins Isr. Lehrer in Württemberg betreffend die unständigen Lehrer mit Stellungnahme des Oberrats; b) Antrag der Isr. Religionsgemeinde Mergentheim betr. Aufhebung des Rabbinatsbeitrags mit Stellungnahme des Oberrats. 10. Steuerbeschluß für das Rechnungsjahr 1937/38. 11. Bericht des Rechnungsprüfungs-Ausschusses. Ergänzung der Tagesordnung bleibt vorbehalten. Dr. Heinrich Wolf. Zu der öffentlichen Sitzung der Isr. Landesversammlung am Sonntag, den 19. Dezember 1937, werden, wie in den Vorjahren, Eintrittskarten für Zuhörer ausgegeben. Sie sind bei unserem Sekretariat, Stuttgart, Königstraße 82, 1. Stock, während der üblichen Kanzleistunden erhältlich. Die Werktags-Gottesdienste finden während der kalten Jahreszeit im Sitzungszimmer des Vorsteheramtes, Hospitalstraße 36, II. Stock, statt Isr. Gemeindevorsteheramt Groß-Stuttgart.

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