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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1937-12-01 · 17 (1.12.1937) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
14 (1937-1938)
Issue
17 (1.12.1937)
Date
1937-12-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg Verlag und Redaktion: OSTERBERO & STERNHEIM ISRAELITISCHE VERLAOSANSTALT F«ratpr. 23328 STUTTOART-N Kasernenetr. 13 Bezugspreis RM. 1.13 vierteljährlich, zuzüglich Port- und Zuslellgebühr Postscheckkonto Stuttgart 362S8 * Erscheint monatlich zweimal, am 1. und 16. Bei Nichterscheinen Int. höherer Oewalt besteht kein Ansprach e. Nachlieferung d. Blattes oder Rückgabe des Bfzugsgeldes Angemeldet beim Sonderbeauftragten dea Reicheministen tOr Volksauf kllrung und Propaganda betr. Ueberwachung der geistig und kulturell tJtlgen Juden Im deutschen Reichsgebiet XIV. Jahrgang Stuttgart, den 1. Dezember 1937 Nr. 17 Wege jüdischer Selbsthilfe Von Dr. Hans Capell, Berlin. Der klassische Grundgedanke der nationalen Bewegung im Judentum ist die höchst einfache Idee, daß einem Volk nur dann zu helfen ist, wenn es imstande ist, sich selbst zu helfen. Dadurch entstehen erst die schöpferischen Kräfte, die zu einer neuen und großen Leistung drängen. Der Palästina-Aufbau ist vielleicht die schönste Krönung des Gedankens der jüdischen Selbsthilfe. Die politischen Bedingungen, unter denen sich die Arbeit in Erez Jisrael vollzieht, sind gewiß wichtig. Entscheidend sind aber die Menschen und die Mittel, die das jüdische Volk selbst zur Verfügung stellt, um in Erez Jisrael seine Freiheit zu erringen. Die nationale Bewegung im Judentum hat sich eine Reihe Instrumente der Selbsthilfe geschaffen. Das bedeutungsvolle Werk des Keren Kajemeth Lejisrael, auf dessen Boden 125 jüdische Siedlungen errichtet worden sind, war nur möglich, weil der Gedanke der Selbsthilfe die jüdischen Massen ergriffen hat und sie veranlaßte, ihre Pfennige und Groschen zu opfern, um den Boden zu erwerben, auf dem sie einmal selbst angesiedelt werden sollten. Aus kleinen und kleinsten Anfängen ist dieses Werk entstanden. In dem ersten Jahresbericht des Keren Kajemeth Lejisrael wird mitgeteilt, daß 45% der Gesamteinnahmen aus dem Verkauf von Marken stammt. Später sind andere gewichtige Sammelmittel hinzugekommen. Die blaue Büchse des Keren Kajemeth Lejisrael, die heute in fast einer Million jüdischer Familien zu finden ist und die täglich an den Gedanken der Selbsthilfe erinnert, ist zu einem gewichtigen Bauwerkzeug unseres Werdenden jüdischen Nationalheims geworden. In den letzten 15 Jahren sind durch sie allein 825 000 Pfund Sterling aufgebracht worden, ein Betrag, der dazu ausreichte, um den für die Ansiedlung von tausenden jüdischen Familien erforderlichen Boden zu erwerben. Erst waren es einige wenige, die die blaue Büchse als Sammelmittel propagiert haben. Ein Bankbeamter aus Rußland schrieb 1902 an das damalige zionistische Zentralorgan „Die Welt", er habe eine sogenannte „Palästina- Büchse" anfertigen lassen, hierauf einen Zettel mit der Aufschrift „Keren Leumith" (Jü discher Nationalfonds) aufgeklebt und sie an einem geeigneten Ort in seinem Büro ange bracht. Er berichtet, daß er damit beachtliche Spenden für den Keren Kajemeth gesammelt habe. Im selben Jahr berichtet der Sekretär des zionistischen Vereins in Schakay (Gou vernement Suvalki), er habe in verschiedenen Chadarim Sammelbüchsen angebracht und die Kinder veranlaßt, wöchentlich eine Kopeke von ihrem Taschengeld in die Büchse einzuwerfen. Weiter habe er in den Werk Stätten der Herren- und Damenschneider Sammelbüchsen aufgehängt und die Inhaber dazu bewogen, dafür Propaganda zu machen, daß jeder, der ein neues Kleidungsstück von seinem Schneider empfängt, eine Münze in die Sammelbüchse werfe. Erst 1904. fast drei Jahre nach der Gründung des KKL, nimmt die Zentrale diese Anregungen auf, läßt zum erstenmal KKL.-Büchsen herstellen und sorgt für eine systematische Aufstellung. Ueber die Größe der Aufgaben und dem Umfang des werdenden jüdischen Gemeinwesens in Erez Jisrael wird oft der unscheinbare Anfang vergessen. Die Erinnerung hieran geht verloren die naiven und fast rührend anmutenden ersten Vorschläge haben aber dazu geführt, daß die KKL-Büchse heute ein Bestandteil des jüdischen Lebens und in jeder Familie der sichtbare Ausdruck der Palästina-Verbundenheit geworden ist. Der Keren Kajemeth Lejisrael ist dadurch so volkstümlich geworden, daß er jedem, auch dem ärmsten Juden die Möglichkeit gibt, sich an der größten jüdischen Gegenwartsaufgabe, dem Aufbau eines jüdischen Gemeinwesens in Erez Jisrael, zu beteiligen. In einem Aufruf, der im Dezember 1902 von der damaligen Leitung des Keren Kajemeth Lejisrael veröffentlicht wurde, heißt es: „Nicht betteln wollen wir mehr um Hilfe bei anderen, selbst müssen wir Hand anlegen, um unser Schicksal abzuwenden und eine bessere Zukunft für die große Masse unseres Volkes herbeizuführen." Was vor 35 Jahren eine neue Saite im jüdischen Leben anklingen ließ, ist heute zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Aber der Gedanke von damals ist heute noch so lebendig, wie er in seiner er- Dle Lüge und der Fluch Als der Herr Noah befahl, je ein Paar von allen Arten zu nehmen, kamen alle Geschöpfe herbei. Da erschien auch die Lüge und wollte mit hinein in den Kasten. Noah sprach zur Lüge: du darfst nicht In den Kasten, es sei denn, du findest einen Genossen. Die Lüge ging davon und suchte einen Genossen. Ihr begegnete der Fluch und der fragte sie: wo kommst du her? Die Lüge, sprach: Ich komme von Noah; ich wollte in seinem Kasten Aufnahme finden, er aber sagte: du darfst nicht hinein, du mußt einen Genossen haben. Und die Läge sprach zu dear Fluch: willst du mein Genosse sein? Der Fluch sagte: was gibst du mir dafür? Die Lüge antwortete: alles, was ich gewinne, soll dein sein. Da willigte der Fluch darein und sie kamen zusammen in Noahs Kasten. Als nach der Sintflut die beiden draußen waren, übten sie es auch so: was die Lüge einnahm, das erhob der Fluch. Da sprach die Lüge zum Fluch: wo ist denn alles, was Ich erworben habe? Der Fluch gab zur Antwort: war es nicht unter uns vereinbart, daß Ich alles behalte, was du gewinnst? Da hatte die Lüge nichts zu erwidern. Das Sprichwort sagt: was die Lüge gesät hat, der Fluch heimst es ein. Mldraach Tchllllm 7, 11 (Aus: Bin Gorion, „Sagen der Juden", Schocken Verlag, Berlin) sten Zeit gewesen ist. Die fünf Pfennige, die der mit Palästina verbundene Jude als eine kleine Steuer täglich in die blaue Büchse tut. mögen zwar geringfügig erscheinen, aber hier gilt auch der Satz, der in jenem vor 35 Jahren erschienenen Aufruf steht: „Die größten Kräfte setzen sich aus kleinen Atomen zusammen, und die gigantischen Kräfte der Niagara-Fälle bestehen auch nur aus kleinen Wassertropfen." Palästina horcht heute auf das Echo, das seine Sorgen und sein Kampf um die Fortsetzung des jüdischen Aufbauwerks in der jüdischen Galuth findet. Jeder Jude hat die Möglichkeit, durch die blaue Büchse des KKL auf den Aufruf Erez Jisraels zu antworten. Kommen Sie Alle! Samstag, den -4. Dezember 1937,19.30 I hr, in» Oustav- Slegle-Hau», zu unserer Wir versprechen Innen einen festlichen und vergnügten Abend. Sportklub „Hakoah" Elpirl tt>R«»rtera : Numeriert: RM. 2.- u. 1.30 Unnumerierf: RM.I.., Jugendl. -.so Vorverkauf: Oaarsififle Blocn, Caf6 Holmann, MualKhaus U Jacob, Z. O. O.

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