Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1937-11-01 · 15 (1.11.1937) · p. Seite 132

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
14 (1937-1938)
Issue
15 (1.11.1937)
Date
1937-11-01
Page
Seite 132 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/6492308-5442833-5443471--132-4908432
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

132 Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 1. 11. 37 XIV. Nr. 15 Max Meyer herzliche Worte des Dankes an Ernst Freudenheim, der sich in uneigennütziger Weise der Gemeinde zur Verfügung gesteKl hat und überreichte ihm eine Dankadresse. In seiner Eigenschaft als 1. Vorsitzender des JSV „Schild" Stuttgart hob Julius Rothschild in seiner Rede besonders das gute Einverständnis der beiden hiesigen Sportvereine hervor und betonte, daß dies nicht zuletzt auch auf die Initiative von Ernst Freudenheim zurückzuführen sei. Im Namen der Sportschule sprach Lehrer David herzliche Abschiedsworte. Samuel Richter dankte für die ihm zuteilgewordene Ehrung und gab dem Scheidenden die besten Wünsche mit auf den Weg. Als letzter dankte Ernst Freudenheim allen Freunden und vor allem den Rednern für die erhebende Feier, die man ihm bereitet habe. Aus seinen Worten fühlte man es, wie schwer es ihm fällt, Stuttgart und somit seinen ihm liebgewordenen Wirkungskreis zu verlassen. Ein Trio des Instrumentalkreises der Stuttgarter Jüdischen Kunstgemeinschaft unter Leitung von Karl Haas verschönte den Abend durch einige klangvoll zu Gehör gebrachte Musikstücke. Der Sportschüler Ernst Wolkenfeld sang in ergreifender Weise zwei jiddische Lieder. Anschließend waren die Mitglieder der ..Hakoah" und die geladenen Gäste noch gemütlich beisammen. — Auch wir entbieten Ernst Freudenheim unsere besten Wünsche für die Zukunft! Aus den Gemeinden Württembergs Stuttgart. I >er Verein ..Freunde der Jüdischen Schule" hielt am 16. Oktober seine ordentliche Mitgliederversammlung ab. Nach Dankesworten an den (iründer des Vereins.! >r. Saenger. gab der derzeitige Vorsitzende, I >r. Otto Einstein, einen Ueberblick über die Veranstaltungen der Berichtszeit, die durchweg einen vollen Erfolg für den veranstaltenden Verein darstellen. Der Mitgliederbestand wurde durch eine Werbeaktion günstig beeinflußt. Die Kassenverhältnisse sind geordnet Die Kassenfiihrung wurde nach der Auswanderung des verdienten langjährigen Kassiers Erich Cohn interimistisch durch den Schriftführer Dr. Martin Cohn versehen und ■wird jetzt von Max Fuld übernommen. Im Zusammenhang mit dem Kassenbericht wurden die Hauptaufgaben des Vereins herausgestellt: Abführung von (ieldern an die Gemeinde für solche Schüler, die kein oder nur ein ermäßigtes Schulgeld zahlen können. Beschaffung der Schulbücher für bedürftige Schüler. Anschaffungen für die Schule, die in dem der Gemeinde gezogenen Rahmen nicht getätigt weren können, Ausschmückung der Schulräume. Verschickung der Kinder in die Landschulheime u. a. m. — Nach Mitteilung über die von Dr. Ernst Einstein und Julius Paul Eppstein vorgenommene Kassenprüfung wurde allgemeine Entlastung erteilt. — Die satzungsgemäß erforderlich werdende Neuwahl des Ausschusses ergab folgende Zusammensetzung dieses Gremiums: Dr. Otto Einstein. Dr. Goldschmidt. Max Fuld. Frau Dr. Lieblich, Frau Ida Marx. Frau Meta Marx. Frau Alice Sander, Wilhelm Levi. Moritz Marx. Menko Kupfer, Felix David. Dr. Ernst Einstein. Einen glanzvollen Abschluß erhielt der Abend durch einen Vortrag des Prof. Dr. Curt Bondy über das Thema „Wissensvermittlung und Charakter-Erziehung in Schule und Elternhaus". In klaren und eindringlichen Worten entwickelte er den Weg, den Schule und Elternhaus in Gemeinschaft mit den Bünden gehen müssen, um unsere Jungen und Mädel zu aufrechten Menschen zu bilden, die ihren Platz im Leben behaupten können. Drei Forderungen stellte er an die Spitze seiner Ausführungen: 1. W ir brauchen Menschen, die gebildet, aber nicht überintellektualisiert sind. Menschen, die über ein gewisses Mindestmaß an Kenntnissen verfügen, Menschen, die in ungünstigen Verhältnissen nicht — im schlechten Sinn — verproletarisieren und verbauern. 2. Wir müssen Menschen heranziehen, die körperlich gebildet, gesund und aufrecht sind, da die äußere Haltung wesentlich für die innere Haltung ist. Wir haben unsere Jugend in charakterlicher Beziehung zu Offenheit, Geradheit, Gesundheit und Ehrlichkeit zu erziehen. Den in ihrer Schlichtheit packenden Darlegungen des Redners, die noch zu einer angeregten Diskussion Anlaß gaben, dankte der lebhafte Beifall der zahlreichen Anwesenden, dem Dr. Otto Einstein nochmals abschließend Ausdruck verlieh. Stuttgart. Vom Landesausschuß der jüdischen Jugendverbände für Württemberg und Hohenzollern wird uns geschrieben: Am 17. Oktober fand die zweite Lerntagung unseres L.A. statt, mit Prof. Bondy von der Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung. Die Arbeitsgemeinschaft wurde eingeleitet durch ein Referat, das Prof. Bondy am Samstag Abend vor größerem Kreise hielt, und in dem er auf Fragen der Erziehung speziell bei Schulkindern einging. In der darauf folgenden Diskussion wurde von Seiten der Jüdischen Schule den Bünden der Vorwurf gemacht, daß sie die Jungens und Mädels zur Opposition gegenüber der Schule anhalten würden. Dies wurde von einem Vertreter der Jugendbünde energisch bestritten und erklärt, daß in der heutigen Zeit, in der auch die Bünde schwer genug mit ihrer Arbeit zu tun haben, man keine Zeit für unproduktive Oppositionsarbeit habe. Die Arbeitsgemeinschaft am Sonntag beschäftigte sich weiter mit diesem Thema, und nachdem sowohl Vertreter der Jugend wie der Schule sich ausgiebig dazu geäußert hatten, faßte Prof. Bondy zusammen, indem er klar machte, daß die objektiv bedingten Unterschiede in der Methode der Schul- und Bundesarbeit noch keine Opposition, und daß eine Zusammenarbeit nicht nur möglich, sondern sogar notwendig sei. Eingehend befaßte man sich auch mit der Frage der Aelterenerziehung zum Beispiel in einem Beth Chaluz, dessen Menschen sich in einer Altersschicht zwischen 25 und 30 Jahren befinden. Die Schwierigkeiten, die die geistige Arbeit in einem solchen Kreise hat, beruhen auf verschiedenen Ursachen und sind teilweise, da es sich um Menschen handelt, die im Falle der NichtUmschichtung sich für Probleme und Fragen, wie sie dort behandelt werden, gar nicht mehr interessieren würden, nur sehr schwer zu überwinden. Allerdings läßt sich in manchen Fällen mit einem neuen Ziel und mit durch dieses entstehender neuer Arbeitskraft auch für diese Menschen eine geistige Wiederinteressierung erreichen. Im allgemeinen kann gesagt werden, daß die Lernzeit ihre Hörer durchaus zufrieden stellte, da es einem lang gehegten Wunsche entsprach, sich einmal in größerem Kreis unter fachlicher Leitung über verschiedene Schwierigkeiten der Erziehungsarbeit aussprechen zu können. H. E. Stuttgart Am 19. Oktober eröffnete die Ortsgruppe der „Wizo" ihre diesjährige Winterarbeit mit einem Vortrag ihrer Vorsitzenden für Südwest-Deutschland, Frau Großberger-Heidelberg. Frau Lucie Levi begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder und gab einen kurzen Ueberblick über die gegenwärtige sorgenvolle Lage in Palästina. Dem durch Auswanderung ausscheidenden Mitglied Frau Trude Lämmle dankte sie herzlich für tatkräftiges Wirken, das der hiesigen Wizo- Gruppe in Zukunft sehr fehlen wird. Frau Großberger gab in dem nun folgenden Vortrag ein übersichtliches Bild der Wizo-Arbeit, wie sie in 40 Ländern der Erde geleistet wird. Diese weitzerstreuten Ortsgruppen bringen zum großen Teil die Mittel auf für die soziale Fürsorge in Palästina. Mutter und Kind he? reffend, sowie für die dortiL"* schon gut organisierte Jungmädchenausbildung. Für einen künftigen jüdischen Staat wird diese Frauenarbeit eine wichtige Grundlage beim Ausbau sozialer Fürsorgemaßnahmen bilden. Den -. Teil des Vortrags beherrschte der Gedanke der geschichtlichen Gegebenheit Palästinas, die nicht mehr wegzudenken ist und Zu der jeder Jude, auch wenn er in andere Länder auswandert positiv Stellung nehmen muß. Den Worten der Rednerin folgte eine dankbare und interessierte Zuhörerschaft. Eine nachfolgende Lichtbilderreihe zeigte anschaulich, wie der palästinensische Aufbau auch heute trotz der erhöhten Schwierigkeiten weitergeht. — Die Wizo hält jeden 2. Dienstag eine Zusammenkunft, Gartenstraße .30. 1. Stock, ab und lädt alle Frauen, die sich für Palästina interessieren, dazu ein. Nächste Zusammenkunft: 2. November, nachmittags 4 Uhr. Stuttgart „Kasperl reist nach A f - r i k a". Am Mittwoch, den 20. Oktober, war der kleine Saal des Gustav-Siegle-Hauses von den jüdischen Kindern Stuttgarts so voll besetzt, daß die Kinder, die offene Plätze hatten, zu dritt auf zwei Stühlen sitzen mußten. Vor Beginn der Aufführung erfüllt eine verhaltene Unruhe den Saal: da geht über der Kasperlbühne das Licht an. ..Ah!" und gespanntes Schweigen. Als Erster erscheint der Theaterdirektor auf der Bühne, um den Kontakt mit den Kindern herzustellen und sie mit dem Kasperl bekannt zu machen. Nach und nach erscheinen auch die übrigen charakteristisch und hübsch hergerichteten Mitwirkenden: Schutzmann, Koch, Diener, Hofdame. Königstochter und König. Nachdem das Publikum einmal verstanden hat, daß man sich mit den Schauspielern wirklich unterhalten kann, ja, daß sie sogar einige Kinder persönlich zu kennen scheinen, beteiligt es. das Publikum, sich eifrig am Spiel, ergreift entschieden Partei und klärt jeden Akteur, der dessen wrürdig erscheint, über alles Wissenswerte auf. Man kann nie im Zweifel darüber sein, ob die Kinder folgen; weder die fünferlei fremden Dialekte noch einige für Kinder unverständliche Pointen scheinen sie daran zu hindern. Es wird ein echtes Kasperlstück gespielt mit sympathischen Figuren, die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.