Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Volume
- 14 (1937-1938)
- Issue
- 11 (1.9.1937)
- Date
- 1937-09-01
- Page
- Seite 96 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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96 Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischeil Gemeinden in Württemberg 1. 9. 37 XIV. Nr. 11 Rund um die „Hakoah" Mit dem Rückspiel Regen Bar Kocliba Frankfurt a. M.. das am 22. August in Frankfurt stattfand, konnte die ..Hakoah" ihre diesjährige Spielsaison beenden. Während das Vorspiel 1: 1 endete, gelang es diesmal den Stuttgartern den ersten Sieg über ihre Makkabifreunde zu erringen. Das Spiel litt unter der Ungunst der Witterung. Die aufopfernde Hingabe jedes einzelnen Spielers ist hervorzuheben. Leo (irünfeld in der Verteidigriti'.; sowie Otto (in t mann als Linksauljen, der auch das einzige Tor des Tages schoß, verdienen besonderes Lob. Auch der Torwart. Oskar S c h a 11 e n f e 1 d . hat sich zu seiner alten Form zurückgefunden und meisterte einige sehr gefährliche Schüsse. Bei den Frankfurtern gefiel besonders der rechte Verteidiger Gi.rguski. der zu einem der besten jüdischen Fußballspieler in Deutschland zählt . Jedoch auch sein Vorgehen in den Sturm während der letzten 25 Minuten konnte an dem Resultate nichts mehr ändern, und so verließ die ..Hakoali" mit 1:0 als Sieger den Platz. — Am selben Tage nahm die erstmals zusammengestellte Alte Merren-Faustballmannschaft an einem (iroßturnior in Haunau teil, bei dem sie einen ehrenvollen 3. Platz belegen konnte. Da die Gegner Aschaffenburg. Nürnberg und Frankfurt aktive Spieler eingesetzt hatten, kann man selbst den 3. Platz als einen Frfolg werten. Beim Rückblick auf die letzten zwei Monate kann der Verein mit Stolz feststellen, dal! er in Spielen gegen Nürnberg. Frankfurt. Karlsruhe usw. den Beweis erbringen konnte, daß seine Mannschaft heute zu den stärksten jüdischen Mannschaften zählt. — Erfreulicherweise ist trotz des steten Ab- Die luden Württembergs im Weltkrieg Da» letrte Werk von Bezirksrabbiner Dr. Tiniir (Göppingen) wL Ang. behandelt die „Geschichte der joden in Württemberg-'. Das von uns schon besprochene Bnch ist imj. Kauffmann Verlag, Frankfurt a. Main, er. schienen. Wir veröffentlichen ans ihm nachstehend einen Abschnitt, wobei wir bemerken, daß der Verfasser selbst wahrend des Weltkrieges eine hervorragende Tätigkeit als Feldrabbiner entfaltet hat. ..Wie allenthalben in Deutschland waren auch in Württemberg die Juden von dem Bestreben erfüllt, dem Vaterlande in dem ihm aufgezwungenen Verteidigungskrieg in restloser Pflichttreue und mit höchster Opferwilligkeit zu dienen. Die israelitische Oberkirchenbehörde förderte diese Gesinnung von Anfang an und während des ganzen Krieges durch Maßnahmen und aneifernde Frlassc. Sie ordnete besondere Gottesdienste für die Ausmarschierenden und das Sprechen von Bittgebeten an. Sie führte besondere Kriegsspenden in den Synagogen ein. deren Frträgnis für die Verwundeten und für die Familien der Ausmarschierten zu verwenden, dem Roten Kreuz und ähnlichen Hilfsorganisationen abzuliefern und worüber der Oberkirchenbehörde zu berichten war. Für die gleichen Zwecke wurden außerdem von den Rabbinern und Vorsängern Sammlungen unter den Gemeindemitgliedern veranstaltet. Die Ausübung der Seelsorge in allen heimatlichen Lazaretten und Oefangenendepots wurde organisiert; die Rabbiner und Vorsänger hatten der Oberkirchenbehörde hierüber fortlaufend zu berichten. Für diese hingebungsvolle Tätiggangs von Spielern der Trainingsbetrieb sehr rege, w as nicht zuletzt auf die vorbildlich eingeteilten Riegen unter der Mitarbeit einiger Sportschüler zurückzuführen ist. — Wie alljährlich hat sich auch heuer der Verein der Jugendlichen angenommen, die ihre Ferien in Stuttgart verbringen müssen. Täglich tummeln sich durchschnittlich 25 Kinder auf dem Gerneindesportplatz und verbringen die Tage bei Spiel. Sport und Wanderung. Die Ferienkolonie steht unter der Aufsicht vom Ferienonkel Bau mann und Sportschüler Schönfeld. Alles in allem kann gesagt werden, daß der Sportklub „Hakoah" im Deutschen Makkabikreis einen stolzen Fckpfeiler in Südwestdeutschland darstellt. Jba. „Schild" Stuttgart erkämpft sich die Teilnahme am Endspiel um die „Schild"-Reichsmeisterschaft Einern Bericht der „Kraft", Offizielles Organ des „Schild", Sportbund des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten entnehmen wir: Am s. August standen sich in Hamburg im Vorschlußrundenspiel um die „Schild"- Reichsmeisterschaft im Fußball „Schild" Stuttgart und „Schild" Hamburg gegenüber. Das Treffen wurde vorbildlich fair durchgeführt, und bot den Zuschauern einen hohen sportlichen Genuß. DicStuttgarter waren einwandfrei um fast eine Klasse besser, und 'hr Sieg stand eigentlich nie in Frage. Sie verlebten ein paar schöne Tage an der Wasserkante. Bei einer kleinen Empfangsfeier am Samstag wurden die Gäste vom Landessportleiter Julian Lehmann und Walter Fonfe. dem l. Vorsitzenden des „Schild" keit wurden verschiedene Rabbiner auch mit Orden ausgezeichnet. Am 28. Oktober 1914 trug die Oberkirchenbehörde den Rabbinern und Vorsängern auf. die israelitische Jugend von 16—20 Jahren zu freiwilligem Eintritt in;die damals errichtete „Jugend wehr" aufzufordern, was auch mit bestem Erfolge geschah. Am 22. Mai 1916 führte sie „KriegsgLdenkbücher" ein, die sie nach eigenem Entwurf anfertigen und den Vorsteherämtern zur fortlaufenden Eintragung aller israelitischen Kriegsteilnehmer übergeben ließ. Im gleichen Jahr war auch nach 20jährigem Bemühen eine Sonderbehandlung der jüdischen Soldaten auf anderem Gebiet, auf dem der Vereidigung, abgestellt worden. Schon im Jahre 1894 hatte Kirchenrat Dr. Kroner in einer Eingabe darauf hingewiesen, daß die Vereidigung der christlichen Soldaten in ihren Kirchen und vor Geistlichen ihrer Konfession vorgenommen würde, während sie bei den jüdischen Soldaten auf dem Kasernenhof und ohne Anwesenheit eines Rabbiners erfolgte. Am 27. Dezember 1897 entschied das württembergische Kriegsministerium. daß in Zukunft die jüdischen Soldaten vor der Vereidigung in die Synagoge zur Vorbereitung durch einen Rabbiner geführt werden sollten. Dabei blieb es bis zum Kriegsausbruch. Am 23. November 1914 verlangte das Kirchenvorsteheramt Stuttgart von der Oberkirchenbehörde die Herbeiführung eines gleichmäßigen Verfahrens bei der Vereidigung jüdischer und christlicher Soldaten. So waren in Heilbronn die Soldaten Hamburg herzlich begrüßt, worauf Julius Rothschild, der Vorsitzende des Stuttgarter „Schild" herzliche Worte der Erwiderung fand. Es herrschte herrliches Sommerwetter, als das Spiel von Schmulewitz, Leipzig, angepfiffen wurde. Der Kampf wurde hauptsächlich von den Stuttgartern diktiert und nur der guten Hintermannschaft hat es Hamburg zu verdanken, daß das Spiel bis zur Halbzeit 1: 1 gehalten werden konnte. Nach Halbzeit war das Spiel sehr verteilt und beide 'Torwächter hatten hr.rte Arbeit zu leisten. Noch einmal kann Hamburg in Führung gehen, doch bald darauf fällt der längst fällige Ausgleich und in kurzen Abständen zwei weitere Tore. Mit 4:2 qualifizierte sich somit „Schild" Stuttgart für das Endspiel gegen „Schild" Breslau, und ist nach der hier gezeigten Form wieder durchaus würdig, die Reichsmeisterschaft zu holen. Kalender Kalender der „Jüdischen Künstlerhilfe" 5698/99. Herausgegeben von der Künstlerhilfe der jüdischen Gemeinde zu Berlin. Verlag Joseph Jastrow, Berlin W 15. Der Kalender zeichnet sich auch heuer wieder durch vornehme Ausgestaltung und reichen Bilderschmuck aus und dürfte sicher in weitesten Kreisen Beifall finden. Palästina Kalender 5698. Verlag Jüdische Rundschau, Berlin W 15. Bilder aus Palästina in reicher Fülle. Sie erfüllen ihre.i Zweck, beim Beschauer Bewunderung für die herrlichen Aufnahmen und noch mehr für das, was sie darstellen, hervorzurufen. Der Kalender wird zu den alten viele neue Freunde gewinnen. aller Konfessionen gemeinsam auf dem Kasernenhof vereidigt worden, wo die drei Geistlichen vor dem Feldaltare standen und Rabbiner Ludwig Kahn auf Grund einer Vereinbarung für alle die Ansprache hielt. In Erwartung eines baldigen Kriegsendes antwortete die Oberkirchenbehörde, daß sie die Angelegenheit nach Abschluß des Krieges behandeln werde. Am 13. März 1916 erneuerte das Stuttgarter Kirchenvorsteheramt seine Eingabe, und am 12. Juni 1916 ordnete das württembergische Kriegsministerium an, daß künftig im Bereich des württembergischen Armeekorps die jüdischen Soldaten u. z. unmittelbar nach der Vorbereitung durch den Rabbiner durch einen Offizier auf dessen Degen vereidigt werden sollen. Die erste solche Vereidigung fand am 11. Juli 1916 in der Synagoge in Ludwigsburg durch Oberkirchenrat Dr. Kroner statt. Die Gesamtzahl der jüdischen Kriegsl nehmer aus Württemberg gibt Segall mit 2132 an. was bei den damaligen 12 053 jüdischen Einwohnern einem Prozentsatz von 17,69 entspricht. Eine mit höchster Sorgfalt veranstaltete, mit Angaben von Namen, Wohnort Truppenteil usw. ausgestattete Zählung („JüX dische Frontsoldaten aus Württemberg und Hohenzollern", 1926 herausgegeben vom württembergischen Landesverband des Centraivereins) gibt authentischen Aufschluß über die Zahl usw. der jüdischen Frontsoldaten aus Württemberg. Nach dieser befanden sich unter den 10413 jüdischen Reichsdeutschen in Württemberg 1610 Prontv Soldaten 15,4%. (Schluß folg» )