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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1937-09-01 · 11 (1.9.1937) · p. Seite 94

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
14 (1937-1938)
Issue
11 (1.9.1937)
Date
1937-09-01
Page
Seite 94 (sequence 6)
Language
German
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94 Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 1. 9. 37 XIV. Nr. 11 von Jugendlichen an dem Jugendsportfes t d e r P.T.G. Augsburg teil. 1. Preise erhielten: im 1000 m-Lauf Erich Netter, im Ballweitwurf Rita Karlsruher, im Dreikampf ebenfalls Rita Karlsruher. 3L Preise konnten erzielen im Dreikampf Erich Netter, im Hochsprung Klasse A Erich Netter, im Hochsprung Klasse B Kurt Ehrlich, im 100 m-Lauf Klasse A Erich Netter und im 50 m-Lauf Rita Karlsruher. In einem Jugendspiel Augsburg — München — Fürth — Nürnberg gegen „Schild" Stuttgart Jugend konnten die Stuttgarter mit 0: 1 siegreich bleiben. — 10 „Schild"-Leichtathleten waren es. die am 22. August an den Reich s m e i s t e r - Schäften in Berlin teilnahmen. 4 Reichsrneistertitel, 5 zweite und 4 dritte Preise waren die Ausbeute. Reichsmeister der Frauen wurden im 100 m-Lauf Magda Alsberg, Speerwurf Gisela Schneider, I)reikampf Gisela Schneider, 4 mal HMi m-Staffel „Schild" Stuttgart. Folgende zweite Preise wurden errungen: Gisela Schneider im Diskus, Weitsprung. Hochsprung und Kugelstoßen. Hans G utmann im 100 m-Lauf Jugend A. Dritte Preise erzielten: Traute Lippm a n n im Dreikampf. Inge Cohn im Kugel.-toLien und Speerwerfen. Dodo Hauser im Hochsprang. Die 4 mal 100 m-Staffel Herren verlor die außerordentliche Chance Reichsmeister zu werden durch einen Unüil!. Mit sieben Meter Vorsprung stürzte der zweite Läufer beim Wechsel mit dem dritten so schwer, daß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Der ..Schild" Stuttgart kann auf die bei den Reichsmeisterschaften erzielten Erfolge stolz sein. Stuttgart. Wie! ms der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten e. V„ Landesverband Württemberg, mitteilt, wurde Herrn Karl He nie. Ulm, für Verdienste um die Sportgruppe des „Schild" Ulm die silberne Hohe Tage — Ernste Freude Von Rabbiner Dr. Martin Salomonski Imm/r wenn die heilige Feiertagszeit des Monats Tischri naht, ergreift die jüdischen Menschen ganz besondere Gewalt und eine höhere Macht. Viele fühlen schon Wochen vorher, daß ernste und in die Seele eindringende Tage zu uns kommen. Andere, die von der Last des Lebens und der Unruhe der Arbeit oder der Not überhaupt gepackt sind, werden von dem Geist und Klang der Feste förmlich überfallen. Erst im Augenblick unmittelbar vor dem Beginn, wenn der letzte Tag des alten Jahres sinkt, dann erwachen sie aus der Traumwelt des Gewöhnlichen und finden sich zu ihrer eigenen Verwunderung wieder in einem Gebiet der Verklärung und der Heiligkeit. Es ist nicht lauter Lärm noch Lachen, es ist keine Fröhlichkeit im Sinne des Wortes. Was die „ehrfurchtgebietenden Tage" von allen anderen unterscheidet, das ist die Erhöhung des Gemüts zum Bewußtsein der ernsten Freude. Diese Tage überwältigen uns und halten Israel an sich selbst fest, weil sie nichts halbes sind und weil die Feier, ob im Hause oder im Gotteshause, gleichermaßen durchweht ist von einem Hauch der Heiligkeit und der Würde, weil alle unsere Menschen der Macht und der Innigkeit gottsuchender und ihm nahender Gedanken hingegeben sind. Ehrennadel der Berliner Bundesleitung verliehen. Göppingen. Es verdient schon alle Anerkennung, daß in der allmählich recht klein gewordenen Göppinger Gemeinde eine so bedeutende sportliche Veranstaltung aufgezogen werden konnte, wie sie die Faustballwettkämpfe darstellen, welche am Sonntag, den 22. August stattgefunden haben. Eine stattliche Reihe auswärtiger Gäste stellte sich auf dem schönen Sportplatz ein, und die gebotenen Leistungen, welche alles Interesse fanden, bewiesen, wie der Sport und die körperliche Ertüchtigung die ihnen zukommende Bewertung erfahren. An erster Stelle schnitt verdientermaßen die Mannschaft „Schild" Stuttgart I mit 10 Punkten ab: es folgen Augsburg mit 8, Heilbronn mit 6, Eßlingen mit 4 und Göppingen mit 2 Punkten, „Schild" Stuttgart II. ging leer aus. Der wohlgelungene und schöne Verlauf dieser Kämpfe löst vor allem auch den Wunsch aus, daß sie recht bald eine Wiederholung finden mögen. Heilbronn. Schwierigkeiten sind dazu da, daß sie überwunden werden. Das bekommt die Heilbronner Sportgruppe des „Schild" von Woche zu Woche aufs neue zu spüren, denn seitdem sie über keinen Sportplatz mehr verfügt, kann die Sportgruppe den Spielbetrieb nur unter Ueberwindung großer Hindernisse aufrechterhalten. Reisen verschlingen viel Geld, und außerdem ist es nicht leicht, überhaupt noch eine Mannschaft auf die Beine zu bringen. Daß unter diesen Umständen keine Meisterleistungen mehr erwartet werden können ist selbstverständlich. Die Hauptsache bleibt aber schließlich, daß überhaupt noch Sport getrieben werden kann. Wenn nun unsere Fußballmannschaft in Mannheim gegen den dortigen „Schild" mit 4:2. in Fürth mit 5:0 und in Stuttgart gar gegen die „Hakoah" mit 7:0 sich geschlagen Darum haften die Eindrücke von Rausch Haschonoh und Jaum Kippur auch felsenfest in unserer Erinnerung, und die gemessene, bedachtvolle, sich tiefeinprägende Art des Feierns w ird zu unserer eigenen Befriedigung von uns immer wieder gesucht und nach der Ueberlieferung wiederholt. Es würde uns sehr vieles, ja das beste fehlen, wenn es irgendwem und ganz gleich aus welchem Grunde unmöglich gemacht würde, Neujahr und Versöhnungstag so zu begehen, wie er es gewöhnt ist. Man muß einmal mit den Kranken oder in einsamer Fremde Lebenden, mit den sich selbst Ueberlassenen oder Unfreien reden und ihre Klagen und ihr Weinen hören, um zu wissen, was der Feiertagsmonat für Israel bedeutet. Zur Mehrung seiner Hoheit kommen noch Aeußerlichkeiten, die aber wie alles, was von den Sinnen abhängt, uns sehr viel wert sind und sein sollen. So haben die Juden aus den kleinen Gemeinden, aber auch aus den mittleren und Großstädten vor Augen, wie an diesen Tagen das geschäftliche Leben sich vollkommen verwandelt hatte und, soweit es unseren Kreis betraf, ruhte. Die schöne Herbsteszeit mit ihrem klaren Himmel und der meistens gleichmäßig milden, man möchte sagen abschiednehmenden Wärme, der zarte helle Sonnenglanz, die reine Luft am Morgen, und der frühlingsähnliche Hauch am Abend gaben schon dem Kinde die besondere Vorstellung, als -seien Eine bedeutsame Veranstaltung in Stuttgart Seit Januar 1934 hat die Reichsvertretung der Juden in Deutschland keine Versammlung in Stuttgart mehr abgehalten. Sie hat nun die Absicht, wieder einmal über ihre Arbeiten zu berichten und zu den Erfordernissen der Zeit Stellung zu nehmen. Es soll daher am Sonntag, den 12. September, im Gustav- Siegle-Haus in Stuttgart eine Veranstaltung stattfinden, zu der die Reichsvertretung und der Oberrat noch die Einladungen an sämtliche Religionsgemeinden im Land Württemberg ergehen lassen werden. Als Redner sind die Herren Dr. Otto Hirsch und Dr. Franz Meyer (Berlin) ausersehen. Wir sind überzeugt, daß diese Versammlung dem größten Interesse begegnen und einen zahlreichen Besuch finden wird. bekennen mußte, so kann dies alles den gesunden Sportgeist der Heilbronner nicht erschüttern! — Nunmehr verläßt auch der seitherige Vorsitzende der Sportgruppe, Dr. W. Flegenheimer, Heilbronn. Unsere besten Wünsche begleiten ihn auf -seiner Auswanderung. An seiner Stelle wird Leo Burckhardt assistiert von dem unermüdlichen Robert Landauer versuchen, das sehr zusammengeschmolzene „Sportschifflein" gut über alle auftretenden Klippen hinwegzubringen. Lebu. Auch Ihre Familien-Anzeige in das Gemeindeblatt. diese Tage von Gott selbst geschickt. Feierlich gekleidet, innerlich erhoben, hatten die Menschen doch nur die eine Aufgabe, im Gotteshaus zu verweilen und in ihren Wohnungen, mit allen Lieben in einer gütigen und edlen Stimmung vereint zu sein. Die in die Fremde gegangenen Söhne besuchten bestimmt ihre Eltern und nahmen sich hierfür Urlaub und Zeit. Verwandte und Freunde wünschten sich mündlich und schriftlich Glück, man beschenkte sich mit kleinen, aber erwählten Gaben, man betrachtete mit Andacht die schönen Früchte herbstlicher Ernte, und alle umgürteten sich mit neuer Hoffnung, mit Lebensmut, mit innigem Gottvertrauen. Wenn nun in diesem Jahre die hohe und erhabene Zeit wieder zu uns kommt, so soll sie Israel als Geschenk Gottes dankbar entgegennehmen und sich trösten und aufrichten durch die unseren Feiertagen gebührende, uns selbst erquickende ernste Freude. Leben und beten wir an ihnen nach der alten Art und denken wir daran, daß das feste, das unerschütterliche Gut Israels sein Herz ist. In uns selbst mögen wir Gott suchen und von ihm als Geschenk eines neuen Jahres Leben und Bestand erhalten! Mag ernste Freude Israel erfüllen, wenn ein Jahr zur Neige geht, möge aber diese Grundrichtung jüdischen Wesens, die im Glück keinen Uebermut kennt und im Leid das Vertrauen erhöht, sich erhalten und . mehren im neuen Jahr und durch viele Jahre!

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