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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1937-08-16 · 10 (16.8.1937) · p. Seite 84

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
14 (1937-1938)
Issue
10 (16.8.1937)
Date
1937-08-16
Page
Seite 84 (sequence 6)
Language
German
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84 Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 16. 8. 37 XIV. Nr. 10 war die amerikanische Versteigerung einer 'Wurst: mit ihr bot David Block, der Vorsitzende der ..Merkuria". eine geradezu unübertreffliche Glanzleistung, von deren Erlös es für unsere Jugend nach den Ferien noch einmal extra Kaffee und Kuchen gibt! Den Abschluß bildete die Verteilung von Geschenken, bei welcher sich jedes Kind seine Gabe und die besten Sportler obendrein einen Preis aussuchen durften. Heilbronu. Am 9. August konnte das Ehepaar Moritz Rosenthaler' das seltene Jubelfest der Goldenen Hochzeit begehen. Heide Jubilare erfreuen sich in der Gemeinde und im gesamten Unterland größter Beliebtheit, und haben jahrzehntelang in vorbildlicher Weise die Metzgerei und das Restaurant Rosenthaler in der Kirchbrunnenstraße geführt. Wir wünschen dem Jubelpaare einen Besegneten Lebensabend. Württembergisches Schulsportfest am 28. Juli im Feuerbacher Tal Als wir am frühen Morsen de* 28. Juli uns dem Sportplatz im Feuerbacher Tal näherten, da kündeten uns schon Trupps jüdischer Jungen und Mädel, daß heute ihr Tag sei. Erwartungsfrohe Gesiebter schauten u;;s fragend an: ..Werden wir heute Abend unter den Preisgekrönten sein?" Diese Stimmung übertrug sich auf uns. Auch wir betraten erwartungsvoll das Grundstück — sollten doch über 400 Kinder aus ganz Württemberg hier den ganzen Tag beschäftigt werden. 400 Kinder, in allen Altersstufen, auf engem Raum, in kleinem Umkleideraum . . . gleich kamen uns hunderte von Fragen . . . Als wir durch das Tor schritten, schwirrte es um uns wie Arneisen. Da stand Lehrer David und dirigierte mit sicherer Hand die Kinder in •einen Raum, wo sie fein geordnet ihre Rucksäcke niederlegten, in denen sie die Kleider Vierstaut hatten. Sofort begriffen wir. daß hier nach einem bestimmten Plan gearbeitet wurde. Und bald erfuhren wir auch, daß '.mter der sicheren Führung von Oberrechnungsrat W ißmann sich der gesamte (»herrat. die Gemeinde, der ..Frauenverein - - Frauenbund" und die beiden jüdischen Sportvereine zusammengeschlossen hatten und alles bestens vorbereiteten. Da mußte für die Unterkunft gesorgt werden, da war Essen und Getränk herbeizuschaffen, was Frau Bach glänzend durchgeführt hat. Die Geräte stellten die Vereine. Die Vorbedingungen waren dadurch hervorragend gelöst. Durch die rührige Arbeit von Oberrechnungsrat Wißmann waren eine Reihe wertvoller Preise gestiftet worden. Auch unsere jüdischen' Künstler hatten hierbei Brot gefunden. Diese Veranstaltung bot Anlaß, ein eigenes künstlerisches Diplom durch J. Kaufmann schaffen zu lassen. Es blieb jetzt nur die Hauptfrage: Wird die Veranstaltung praktisch auch so durchgeführt werden, wie sie vorbereitet wurde ' Mit einer kleinen Verspätung (es war das akademische Vierte!) begann das Fest. Zw ei Schüsse verkündeten den Beginn und wohlgeordnet marschierten die Schulen auf. Der Präsident des Oberrates Dr. (i um bei begrüßte die Kinder, wies sie auf den Ernst der Leibesübungen hin und wünschte der Veranstaltung einen guten Verlauf. Begeistert wurden die Worte Dr. Gumbels von der Jugend beklatscht, ein Zeichen diafür. daß ihnen aus dem Herzen gesprochen wurde. Es ertönte ein Pfiff, ein Kommando, — unsichtbar waren die Schüler der Sportschule Bloch in schmuckem Dreß aufmarschiert; kurze Aufrufe und binnen weniger Minuten waren die wettkämpfenden Jungen und Mädel auf 15 Riegen verteilt. Man muß sagen, daß diese Anordnung einfach mustergültig war. Jeder Riege war ein Lehrer zugeteilt und pünktlich alle 20 Minuten ertönte ein Pfiff, ein Kommando, und die Riegen wechselten. Es gab keine Stockung, kein Mißverständnis, jeder wußte, wo er hingehörte. Begeistert und voll Vertrauen kämpften die Jungen und Mädel um den Sieg. Man hatte den Eindruck, daß ein laufendes Band von einer Hand unsichtbar geleitet wurde. Und in gewissem Sinne war es so. Der technische Leiter des Ganzen hatte hier eine ungeheure Kleinarbeit geleistet, in die man erst Einblick erhielt, wenn man sich eine Zeit lang neben einem Riegenführer aufhielt und ihn bei der Arbeit beobachtete. Man sah. daß hier ein erprobter Fachmann am Werk war. den wir zur Zeit glücklicherweise in dem sportlichen Leiter der Sportschule, Edwin Halle, zur Verfügung haben. Da war an alles gedacht. Der Leiter zeigte uns z. B. wie es ihm möglich war. ein verlorenes Schäfchen w-jeder zu seiner Riege zurückzubringen, w ie er genau wußte, wo sich irgendein Kind zu einer gew issen Zeit befand usw. Das war auch notwendig, da ja auch die Kinder der Kleingcmeinden mitmachten, die an solchen Festen noch nicht teilgenommen hatten. Sehr zu loben war auch die Aufteilung nach Riegen. So wurde das Kind von Buchau mit gleichalterigen Kameraden aus Stuttgart, Bad Mergentheim, Göppingen usw. bekannt. Das Band der Gemeinschaft wurde hier unsichtbar \veiter geflochten, — Wir wenden uns von der Rieg wieder ab und gewahren, daß sich in der Zwischenzeit eine große Spielw iese für die Schulanfänger und Grundschiiler aufgetan hat. Die Lehrerinnen Oppenh e i m e r und Stern sowie Lehrer Bernheim von der jüdischen Schule in Stuttgart mühten sich ab, mit Hilfe einiger auswärtiger Lehrer und jüngerer Lehrkräfte die Kinder alle die schönen Spiele ausüben zu lassen, die ihnen Erlebnis sind. Da spielten die Jungen Völkerball und zogen am Tau, da hüpften sie in Säcken um die Wette, da liefen die Mädel, geschickt ihre Eier auf Löffeln balancierend. Da sah mau aber auch neue Spiele. Die Kleinsten wetteiferten darin mit großen Kuchenpappdeckeln, zuerst über die Strecke zu kommen. Der Sieg der 2. Klasse der jüdischen Schule Stuttgart wurde von den glücklichen Gewinnern bejubelt, als wäre das größte Länderspiel gewonnen worden! Und die Mädel mühten sich ab, in Gemeinschaft zu beweisen, daß sie trotz aller Eile eines zu gewinnenden Staffellaufes die Nadel schnell einzufädeln wissen. Schwierig war es für die Jungen, im Liegestütz aus einer Schüssel den köstlichen Apfelsaft auszutrinken! So herrschte überall eine Stimmung, wie sie bei Kindern sein soll! Pünktlich, wie vorgesehen, wurde zur Preisverteilung angetreten. Zuvor zeigte uns noch Sportlehrer Halle mit der 6. Jungenklasse der Jüdischen Schule eine gut ausgeführte Freiübung. Anschließend nahm Oberrechnungsrat Wißmann die Preisverteilung vor, die der Vorsitzende des JSV „Schild", Jul. Rothschild in mühevoller Arbeit inzwischen ausgerechnet hatte. Leider störte ein Wolkenbruch das bis dahin glänzend verlaufene Fest, so daß alles fluchtartig auseinanderstieb und die schönen Preise zum Teil recht Not litten. Trotzdem muß man sagen, daß die Veranstaltung in allen Teilen gelungen war. Auch die sportliche Ausbeute war zufriedenstellend, wobei zu bemerken ist, daß in unseren Landgemeinden die besten Kräfte zu Hause sind. Die nachfolgende Siegerliste möge für sich sprechen! Wollen wir hoffen, daß der Wunsch des Oberrechnungsrates Wißmann, daß dieses Schulsportfest im nächsten Jahr sich ebenso glanzvoll wiederholen möge, in Erfüllung gehe! Einstweilen sei dem Oberrat und allen jüdischen Organisationen in Stuttgart an dieser Stelle gedankt, daß sie unserer Jugend einen solchen Erlebniswert geschaffen haben. Nachstehend die Siegerliste: Knaben, Gruppe A, Klasse II. 1 0 0 in - Lauf: 1. Alfred Kaufmann (Oehringcn) 14,0, 2. Rolf Marberg (Eßlingen); Hochsprung: 1. Alfred Kaufmann (Oehringen) 1,27, 2. Rudi Bei mann (Heilbronn); Kugelstoßen 4 kg: 1. Rudi Bermann (Heilbronn) 10,66, 2. Alfred Kaufmann (Oehringen). Klasse III. 100 m• Lau f: Fred Rothschild (Bad Mergentheim) 14,2, 2. Hans Kahn (Heilbronn); Hochsprung: 1. Walter Koester (Stuttgart) 1.32. 2. Manfred Harburger (Herrlingen); Kugelstoßen 2,5 kg: 1. Fred Rothschild (Bad Mergentheim) 8,22, 2. Adolf Neuberger (Eßlingen). Klasse IV. 50 m-Lauf: L Roeder (Rottweil) 8,0, 2. Theo Schwab (Eßlingen); Weitsprung: 1. Theo Schwab (Eßlingen) 3.85, 2. Walter Bergmann (Laupheim); Schlagball weitwurf: 1. Theo Schwab (Eßlingen) 45.15, 2. Heinz Beuer (Eßlingen). Knaben, Gruppe B, Klasse II. Dreikampf (100 m-Lauf, Hochsprung, Kugelstoßen 4 kg): 1. Alfred Kaufmann (Oehringen), 2. Rudi Bermann (Heilbronn). Klasse III. 1. Walter Koester (Stuttgart) 45,5 Punkte, 2. Fred Rothschild (Bad Mergentheim). Klasse IV. Dreikampf (50 m-Lauf, Weitsprung, Schlagballweitwurf): 1. Theo Schwab (Eßlingen) 43 Punkte, 2. Adolf Roeder (Rottweil). Mädchen. Gruppe A, Klasse II. 10 0m- Lauf: L Margit Oppenheimer (Eßlingen) 15,3, 2. Lore Guggenheim (Stuttgart). Hochsprung: 1. Margit Oppenheimer (Eßlingen) 1,12, 2. Lore Guggenheim (Stuttgart); Kugelstoßen 4 kg: 1. Lisel Wertheimer (Stuttgart) 5,82, 2. Margit Oppenheimer (Eßlingen). Klasse III. 75 m-Lauf: 1. Hilde Klein (Stuttgart) 11.0. 2. Ilse Adler (Stuttgart). Weitsprung: I. Trude Kirchhausen (Heilbronn) 3,95, 2. Rita Karlsruher (Stuttgart); K u g e 1 s t o ß e n 2,5 kg: l. Rita Karlsruher (Stuttgart) 7,65, 2. Liselotte Elikan (Eßlingen). Klasse IV. 50 m-Lauf: 1. Ruth Stern (Oehringen) 8,2, 2. Eva Tannhauser (Stuttgart); Weitsprung: 1. Ruth Stern (Oehringen) 3,85, 2. Ruth Senges (Stuttgart); S c h I a gb a 11 w e i t w u r f: 1. Lotte Stern (Braunsbach) 24.75, 2. Thekla Leiter (Eßlingen). Klasse II. Dreikampf (100 m-Lauf, Hochsprung, Kugelstoßen 4 kg): 1. Margit Oppenheimer (Eßlingen), 2. Lore Guggenheim (Stuttgart). Klasse III. Dreikampf (75 m- Lauf. Weitsprung, Kugelstoßen 2.5 kg): 1. Rita Karlsruher (Stuttgart) 50,5 Punkte, 2. Hilde Klein (Stuttgart). Klasse IV. Dreikampf (50 m-Lauf, Weitsprung, Schlagballweitwurf): 1. Ruth Stern (Oehringen) 44,5 Punkte, 2. Lotte Stern (Braunsbach).

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