Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1937-08-16 · 10 (16.8.1937) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
14 (1937-1938)
Issue
10 (16.8.1937)
Date
1937-08-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/6492308-5442833-5443462--074-4908379
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg Verlag and Redaktion: OSTERBERQ & STERNHEIM ISRAELITISCHE VERLAGS AN ST ALT Femspr. 233X8 STUTTOART-N Kaaernenetl. 13 Bezugspreis RM. 1.13 vierteljährlich, luzflgllch F oit- und Zustellgebühr Postschecakonto Stuttgart 302 54 $ Ericheint monatlich rwelmal, im 1. und 16. Bei Nichterscheinen Inf. höherer Oewslt besteht kein Anspruch a. Nachlieferung d. Blatt« oder Rückgabe de« Bezugsgeldes Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reichs* ministen für Volkaaufkllrung nnd Propaganda betr. Uebenrachnng der geistig nnd kulturell titigen Joden im den fachen RelchsgebteL XIV. Jahrgang Stuttgart, den 16. Augast 1937 Nr.. 10 „Heilige Steine" Der Talmud nennt in seiner unvergleichlichen Bildersprache die Steine auf den Gräbern unserer Toten Nafschaus Zaddikim (Jer. Talmud Schekalim II 47a). Das Gleichniswort teilt mit vielen das Schicksal der Unübersetzbarkeit. Nafschaus Zaddikim sind „beseelte Steine", Steine, umweht und umwittert von der weinenden Wehmut derer, die um die Toten plagen. Steine, belebt durch die Tränen de'rer, die ihre Lieben vermissen, Steine, umgeistert von den Namen, deren ' bleibenden Ruhm sie künden sollen. Saxa ioquunter — redende Steine sind es. nicht geschwätzige, denn sie verheimlichen mehr als sie verraten. Die Sorge für die Erhaltung der Friedhöfe und für den Schutz ihrer „heiligen Steine" ist eine religionsgesetzliche Verpflichtung der jüdischen Gemeinschaft. Von jeher hat daher der Israelitische Oberrat die Erhaltung der jüdischen Friedhöfe und ihrer Steine als eine heilige Ehrenpflicht betrachtet Schon vor Jahren haben die Religionsgemeinden von Heilbronn und Ulm die mittelalterlichen Steine, die auf ihrem Gebiete gefunden wurden, unter ihre fürsorgliche Obhut genommen. In einer besonderen Festschrift „Jüdi sehe Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg" hat der Oberrat diese ehrwürdigen Zeugen der Vergangenheit zusammengestellt und sie im Bilde veröffentlicht. So entstanden auf den alten jüdischen i Friedhöfen in Heilbronn und Ulm geschieht liehe Erinnerungsstätten, die dem Geschlecht der Gegenwart von längst entschwundener Vorzeit erzählen. Auf Veranlassung des Israelitischen Ober rates sind die drei Steine, welche im Besitz tum der'Ulmer Religionsgemeinde sind, durch Bildhauer Beer aus der Friedhofsmauer des alten israelitischen Friedhofs in der Frauen Straße ausgehoben und gegenüber dem Ein gang in die erhöhte Friedhofsmauer so ein gemauert worden, daß sie von der Straße aus gut gesehen werden können. Die drei Steine bilden mit einem vierten Steine, der inzwi sehen in Langenau gefunden worden ist, eine schlichte und doch bedeutsame Erinnerungs statte an die alte Ulmer Gemeinde, die am 6. August 1499 durch die Ausweisung aus dem Stadtgebiet ein jähes Ende gefunden Dreizehn Grabsteine (zwei weitere sind in Ehingen) erzählen noch von dieser alten Ge meinde. Sie stammen aus den Jahren 1243 bis 1491. Der vierte Stein, der Stein von Lan genau, ist 1934 nach einer langen Irrfahrt nach Ulm zurückgekommen. Langenau war 1377 ulmisch geworden. Die Ulmer gingen damals daran, den Langenauer Friedhof festungsartig auszubauen. Der Ulmer Amtmann in Lan genau, unter dessen Hoheit die Befestigung Photo Vorsteheramt Ulm a. D. erfolgte, ließ den Stein, als 1499 der alte jüdische Friedhof in Ulm, der an der Blau in der Gegend des heutigen Postgebäudes am Bahnhof lag, von der Stadt Ulm in Besitz genommen wurde, von Ulm nach Langenau bringen, wo er bis in die Neuzeit in der Kirchhofsmauer lag. Eugen Nübling teilt in seinem Buche „Die Judengemeinden des Mittelalters" noch mit, daß der Stein an der Kirchhofsmauer der Stadt Langenau liegt. Von dort ist der Stein auf den Hof des Steigerschen Hofes gebracht worden, der bis 1803 ulmischer Besitz und als solcher Wohnhaus des Amtsmannes war. Einer der Amtmänner hat dann den Stein als Stufe zu einer Steintreppe verwenden lassen. Als solche Steintreppenstufe ist der Stein bis zur Gegenwart auf dem Grundstück der Frau. Steiger-Schwenk verblieben, bis ihn 1934 der Oberrat kaufte und nach Ulm bringen ließ. Auf dem Bilde sind die Steine Nummer eins, drei und vier die alten Ulmer; der Stein Nummer zwei ist der Langenauer. Der älteste der vier Steine (auf dem Bild Nummer zwei) hat die Inschrift: „Dieser Stein steht zu Häupten des Rabbi Chajjim, Sohnes des Rabbi Rechabjah, des Konen (aus dem Priesterstamme), der starb am Freitag, den 4. Ijjar 5098 (24: April 1338). Es ruhe seine Seele im Garten Eden, Amen, Sela". Der Zweitälteste Stein (auf dem Bild Nummer vier) hat die Inschrift: „Dieser Stein steht zu Häupten des Rabbi Mose, Sohnes des Rabbi Gerson, der bestattet wurde am Dienstag, den 22. Siwan 5139 (17. Juli 1379),'. Der dritte Stein (auf dem Bild Nummer eins) hat die Inschrift: „Dieser Stein ward gesetzt zu Häupten des Rabbi Kalonymos, Sohnes des Rabbi Schelumiel, der bestattet wurde am Sonntag, den t> Tischri 5144 (6. September 1383)". Der jüngste der vier Steine (auf dem Bild Nummer 3), trägt die Inschrift: „Hier ward bestattet, zu meinem schweren Leid meine Zier, meine Krone, die fromme, lautere, schöne und reine, meine Ehefrau Mirjam, Tochter des verewigten Rabbi Isaak, mir entrissen am Mittwoch des I. Adar 5231, 23. Januar 1471)". Der S-em stand einst auf dem Grabe der Mirjam, der Gattin Aschers, des Leviten. So haben die vier Steine nach mancherlei Schicksalen, ihre würdige Ruhestatt gefunden. Die .Gemeinde Ulm aber besitzt in ihnen eine kostbare Erinnerung an vergangene Zeiten. Motten nach altem Glauben die Geister der Vei klärten Fürbitter für die Gegenwart sein! Stadtrabbiner i. R. Dr. Rieger. Unterstützt den jüdischen Sport! Die Sensation im judischen Sport! ReichsmeistersGliafts Endspiel am 29. August 1937 im Feuerbacher Tal. Näheres siehe Anzeige auf Seite 83. La.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.