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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1937-07-01 · 7 (1.7.1937) · p. Seite 56

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
14 (1937-1938)
Issue
7 (1.7.1937)
Date
1937-07-01
Page
Seite 56 (sequence 6)
Language
German
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56 »• -•■ ^.ffffff ff?** W ^M' ^fP^^fBBPIf11 '.'t'" # -11 ■ ^ffW'W^f'^^^WlIßl^ Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 1. 7. 37 XIV. Nr. 7 lung durch den Vorsitzenden erstattete der Kassie/ Dr. Löwenstein den Bericht über die Betriebsrechnung, die ein normales Bild ergab. Die Einnahmen wie die Ausgaben erscheinen gegenüber dem Vorjahr leicht erhöht; Sonderaufwendungen, wie die Erstellung neuer Einfassungen und die Instandsetzung des Hofes hinter dem Hause, erforderten einige Mittel. Den Jahresbericht gab dann Dr. Schw eizer, indem er betonte, daß das abgelaufene Jahr für die Anstalt normal vcrlkf. Er erinnerte daran, daß im Dezember 103) Anstaltsdirektor Theodor Rothschild die 40. Wiederkehr des Tages beging, an dem er als junger Lchrcj in die Anstalt eingetreten war, und brachte auch seiteii> der Versammlung den Dank und die Verehrung gegenüber diesem verdienten Manne zum Ausdruck. Alsdann brachte er den Bericht des Direktors Rothschild zur Verlesung. Nach diesem befanden sich am Schluß des Berichtsjahres 71 Kinder. 47 Knaben und 27 Mädchen, im Heim, von denen 39 aus Württemberg. 35 aus anderen Reichsteilen stammten. Krankheiten sind kaum vorgekommen. Der Schulbetrieb geht ordnungs- ■ mäßig vor sich; eine durch den Bezirksschulrat Schmid vorgenommene Schulprüfung ergab ein in jeder Beziehung befriedigendes Bild. Die Zöglinge konnten wiederholt an Darbietungen der Kunstgemeinschaft teilnehmen und beteiligten sich mehrfach an Veranstaltungen der Sportvereine „Schild" und „Hakoah". Barmizw ahfeiern, Geburtstage u. a. wurden festlich begangen; auf die Ausgestaltung des Freitagabends und des Schabbats wurde besonderer Wert gelegt. Von den aus der Anstalt ausgeschiedenen Kindern sind lü ausgewandert, wahrend die übrigen in Lehr- oder Haushaltstellungen untergebracht wurden oder nach Hause gingen. Abschließend wurde über Veränderungen im Lehr- und Haushaltpersonal der Anstalt berichtet. Nachdem die Entlastung des Vorstandes und des Kassiers einstimmig erfolgt war, wurden die Wahlen /um Ausschuß vorgenommen. Nehen den fünf turnusmäßig ausscheidenden Ausschußmitglied!, rii hatten Jonas Weil, Laupheim, Max Scheuer, Hei;- bronn, sokwe der langjährige Kassier Dr. Gustav Low enstein, Stuttgart, ihren Rücktritt angemeldet; nach Dankesworten des Vorsitzenden an die Scheidenden, insbesondere den verdienten und vorbildlichen Kassier Dr. Löwenstein, wurden an deren Stelle Max Bergmann, Laupheim, Dr. Eugen Israel, Heilbronn und als Kassier Siegfried Outmann» (jetzt Stuttgart, früher Gmünd), neu-, sowie die nach dem Turnus ausscheidenden Mitglieder wiedergewählt. Mit Worten der Hoffnung für das Gedeihen der Anstalt schloß alsdann der Vorsitzende die Versammlung. Stuttgart. Die Stuttgarter Jüdische- Kunstgemeinsenaft hatte am 20. Juni in der Turnhalle der Jüdischen Schule zu einer Musizierstund e geladen mit einer Ausw ahl von Schülern der Lehrerinnen Frau Grete Bohle, Frau Hansi Einstein, Frl. Ruth Hamburg, Frl. Hilde Schiessinger, Frau Poldy Sperling-Donath, Frl. M a r i - E I i s a T h a 1messinger. Direktor Karl Adler erläuterte in seinen einführenden Worten den Zweck einer solchen -Stunde, der nicht darin bestehe, „Glanzleistungen" einzelner Schüler zu bringen, sondern einen Querschnitt aus der musikerzieherischen Arbeit, so wie dies eine häusliche Musizierstundc auch tue. Es ist natürlich nicht möglich, auch nur auszugsweise einen Ueberblick über das an diesem Vormittag Gebotene zu geben. Die ganz persönliche Note jeder einzelnen Lehrerin ist in der Arbeit jedes Kindes und jedes „großen" Schülers deutlich zu erkennen. Alle Leistungen waren anerkennenswert durch Fleiß, und es waren auch einige» über dem Durchschnitt stehende dabei. Ute wertvolle musikpädagogische Arbvit d.r Lehrerinnen zeigt sich besonders auch in der Pflege des Zusammenspiels. Viele der Schüler werden dadurch sicher für immer der eigenen Musikausübung gewonnen sein. — Direktor Karl Adler bat in seinen Schlußworten die Eltern, nicht /u \ ersäumen, noch viel mehr als bis jetzt inre Kinder dem Musikunterricht zuzuführen. Die Werte, die ihnen so für das ganze Leben mitgegeben werden, sind durch nichts zu erschüttern, die große Zahl freudiger Stunden ist niemals zu teuer hezahlt. Beschwingten Gemütes verließen Zuhörer und Darbietende die Turnhalle. Da das Programm der Musizierstunde außerordentlich umfangreich war, ist es, wie Direktor Karl Adler mitteilte, nicht möglich gewesen, Gottesdienstzeiten. Hauptsynagoge Hospitalstraße. 1. Juli 7.00 Uhr, 18.30 Uhr. 2. Juü 7.00 Uhr, Freitagabend 18.30 Uhr. 3. Juli Sabbath (Neumondverkündg.) 9.00 Uhr, Minchahgottesdienst 1530 Uhr, 21.25 Uhr. 4. Juli 8.00 Uhr, 18.30 Uhr. 5.—8. Juli 7.00 Uhr, 18.30 Uhr. 9. Juli (Neumond) 7.00 Uhr, Freitagabend 18.30 Uhr. 10. Juli Sabbath 9.00 Uhr, Minchahgottesdienst 13.30 Uhr, 21.20 Uhr. 11. Juli S.(X) Uhr, 18.30 Uhr. 12.—15j Juli 7.00 Uhr, 18.30 Uhr. Iii. Juli 7.00 Uhr, Freitagabend 18.30 Uhr. Synagoge Bad Cannstatt: Königstraße. Freitagabend, Sabbathmorgen, Sabbathausgang — wie Stuttgatt. Samstagnachmittag — Minchahgottesdienst 13.00 Uhr. Israel. Religir.nsgesellschaft, Hospitalstr. 36 (Betsaal). 1.- 2. Juli 0.45 Uhr, 19J30 Uhr. 2. Juli Freitagabend 19.30 Uhr. 3. Juli Schabbos 8.00 Uhr, 16.00 Uhr, 21.25 Uhr. 4. Juli 7.(10 Uhr, 19.30 Uhr. 5. --9. Juli 6.45 Uhr, 19.'3<) Uhr. '). Juli Freitagabend 19.30? Uhr. 10. Juli Schabbos 8.00 Uhr, 16.00 Uhr, 21.20 Uhr. 11. Juli 7.00 Uhr, 19.30 Uhr. 12. 16. Juli 6.45 Uhr, 19.30 Uhr. Synagoge Heilbronn a. N. 2. Juli Freitagabend 18.30 Uhr 3. Juli Sabbathmorgen (Neumondverk.) 8.30 Uhr, Sabbathnachm. 15.15 Uhr, 21.20 Uhr. 4. Juli Sonntagfrüh 7.45 Uhr. An den Wochentagen 6.45 Uhr, 18.00 Uhr. 9. Juli Freitagabend 18.30 Uhr. 10. Juli Sabbathmorgen (Predigt) 8.30 Uhr, Sabbathnachm. 15.15 Uhr, 21.15 Uhr. 11. Juli Sonntagfrüh 7.45 Uhr. An den Wochentagen 6.45 Uhr, 18.00 Uhr. 16. Juli Freitagabend 18.30 Uhr. Schüler sämtlicher jüdischer Musiklehrerinnen vorzustellen. Er wies darauf hin, daß neben den in der Vortragsfolge genannten Lehrerinnen noch Frl. Clär Weglein und Frau Helene Zippe rt Musikunterricht erteilen. Stuttgart. Am 30. Mai konnte ein geschätztes Mitglied unserer Gemeinde, Moses F legen heimer, in völliger geistiger und körperlicher Frische seinen 75. Geburtstag im Kreise seiner Familie begehen. Der Jubilar, der mehr als 12 Jahre dem Vorsteheramt angehörte und der Gemeinde durch seinen klugen Rat wertvolle Dienste geleistet hat, erfreut sich großer Beliebtheit und nimmt auch jetzt noch durch Rat und Tat an den Geschicken der Gemeinschaft teil. Wir sprechen dem verdienten Manne unsere aufrichtigsten Glückwünsche aus. Göppingen. In den ersten Tagen des Juli wird Theodor Dörzbacher mit Frau und seinen beiden Kindern unsere Gemeinde für immer verlassen, um sich in den Vereinigten Staaten von Nordamerika eine neue Heimat zu suchen. Allgemein wird der Weggang dieser beliebten Familie sehr bedauert und die allerbesten Wünsche begleiten die Scheidenden über's Meer. Heilbronn. Am 20. Juni fand eine Sitzung des Israel. Vorsteheramts statt, die der Verabschiedung der verdienten Mitglieder des Kollegiums Rechtsanwalt Dr. Siegfried Gumbel und Rechtsanwalt Dr. Manfred Scheuer galt. Hierzu waren die Mitglieder des Israel. Oberrats und die Beamten der Gemeinde eingeladen. Es darf ausgesprochen werden, daß das Ausscheiden der beiden Herren einen großen, kaum wieder gut zu machenden Verlust bedeutet. Denn beide haben in langen Jahren ihre ganze Arbeitskraft in vorbildlicher Weise in den Dienst unserer Gemeinde gestellt. Im Namen des Vorsteheramts widmete Dr. Gumbel seinem Berufskollegen Dr. Scheuer, mit dem er jahrzehntelang in harmonischster Weise beruflich verbunden war, Worte des Dankes und der Anerkennung. Dr. Scheuer hat hauptsächlich das Gebiet der Finanzen mustergültig bearbeitet. Das Vorsteheramt bezeigt seinen Dank für die unermüdliche Hingabe dieses Mannes, indem es ihn in das Goldene Buch des K. K. L. eintragen läßt, in das Buch des jüdischen Volkes, für das er als Wegbereiter der zionistischen Idee stets begeistert gearbeitet hat und für das er sich jetzt durch seine eigene Alijah aufs neue einsetzt. Für den Israel. Oberrat sprach Leopold L e v i (Stuttgart). Er erinnerte daran, daß Dr. Gumbel seinerzeit vom Oberrat als rechtskundiges Mitglied berufen wurde und auch als Präsident des Oberrats nach seiner Uebersiedlung nach Stuttgart der Heimatgemeinde stets mit Rat und Tat beistehen werde. Der Redner würdigte > dann die Verdienste von Dr. Scheuer, der seit eineinhalb Jahren dem Oberrat angehört und besonders in der Schulabteilung wertvolle Arbeit geleistet hat. Ein Schreiben des Oberrats und ein Buch als Erinnerung sollen den Dank der Behörde dokumentieren. Anselm Kahnl richtete herzliche Worte des Dankes an Dr. Gumbel für seine während 25 Jahren der Gemeinde geleisteten hervorragen- , den Dienste und wünschte, daß er auch fernerhin der Gemeinde seinen Rat zuteilwerden lasse. Ein sinniges Geschenk wurde im Nagten des Vorsteheramts überreicht. Namens der Gemeinde und ihrer Beamten richtete Bezirksrabbiner Dr. Heimann herzliche Worte an die Scheidenden. Er betonte, daß beide Männer in ihrem Weggang eine gemeinsame Linie haben: Sie verlassen ihren Beruf, um sich ganz dem Judentum zu widmen. Dr. Gumbel hat an der Spitze der Juden in Württemberg schwerste Aufgaben übernommen, und Dr Scheuer verwirklicht als Pionier unseres Volkes eine Idee, zu der er sich seit Jahrzehnten bekannte. Der Redner schloß mit den besten Wünschen für die Zukunft der Scheidenden. Dr. Scheuer dankte für die ihm erwiesenen Ehrungen und unterstrich besonders die Verdienste des Vorsitzenden J. Flegenheimer um die Gemeinde, mit dem er in langen Jahren zusammengearbeitet hat. Zum Zeichen der Verehrung für J. Flegenheimer bedachten Dr. Scheuer, Dr. Gumbel und der ebenfalls bald .' scheidende Dr. Flegenheimer die „J. Flegenheimer-Stiftung". Auch Dr. Gumbel dankte mit herzlichen Worten und -versprach, allezeit die Fühlung mit Heilbronn aufrechterhalten zu wollen, denn ein Stück seines Herzens bleibe in seiner Heimatgemeinde zurück. Heilbrorm. Gemeinschaftssinn und Begeisterungsfähigkeit haben es zuwege gebracht, daß sich innerhalb der Jüdischen Gemeinde — angeschlossen an die Jüdische Kulturgemeinschaft — ein Instrumentälkreis bildete, der schon nach vierwöchentlichem Bestehen die erste öffentliche Probe seiner intensiven Arbeit abgelegt hat. Anläßlich der Abschiedsveranstaltung, die die Zionist. Ortsgruppe ihrem scheidenden ersten Vorsitzenden Dr. Manfred Scheuer gab, stellte sich das junge Orchester unter der straffen Führung seines künstlerischen Leiters, Kapellmeister Philipp Ry- I p i n s k y, vor. Die Vereinigung spielte den Kriegsmarsch der Priester aus „Athalia" von Mendelssohn-Bartholdy, zunächst naturgemäß etwas zaghaft aber diszipliniert; dann ein ob seiner Einfachheit bestrickendes Madrigal von Simonetti- Rypinsky — interessant bearbeitet — zart und in schönem Klang. Und zum Schluß „Meditation" von Gounod, in feingestufter Vortragsweise. Man k glaubte kaum, einen so jungen Klangkörper vor '1 sich zu haben. Es ist nicht große und gereifte künstlerische Darbietung, die da unsere Bewunderung erregt, sondern es ist die Freude, feststellen zu können, daß, trotz Schwere des Alltags, musikliebende und kunstbeflissene Frauen und Männer unserer Gemeinde sich zusammenfinden, um sich und Anderen Anregung und Erbauung zu verschaffen in den reinen, unbeschwerten Gefilden der Musik. Hierfür danken wir Theo Reis, dem Mitbegründer und vor allem Philipp R y p i n s k y, dem künstlerischen Leiter des jungen Musikkreises. Im Rahmen einer Aufführung, die zur Verschönerung des Abends beitrug, sang unsere einheimische Sopranistin Ilse Reis mit kultiviertem Vortrag jüdische Lieder von J. Rothstein, bibl. Gesänge von Dvorak und die interes- sante Komposition des Franzosen Darius Milhaud „Zionshymne". Wir stellten außer den bisherigen Vorzügen eine leichtfließende und gutsitzende Höhe ihres Soprans fest. Ihren Liedern gab sie beseelten Ausdruck. Heilbronn. Vor kurzem berichtete Rechtsanwalt Dr. Siegfried Gumbel vor der Gemeinde über seine Palästinareise und gab ein aus- ' serordentlich objektives Urteil über die wirtschaftliche und politische Lage Erez Israels ab. Seine Ausführungen wiesen auf Mißstände mancherlei Art hin und offenbarten auch Skepsis bezüglich der Errichtung eines Judenstaats. Andererseits wurde die Leistung der Juden in Palästina gebührend gewürdigt und der Hoffnung Ausdruck verliehen, daß der Aufbau trotz großer Schwierigkeiten gelingen möge. Reicher Beifall , lohnte den Vortrag.

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