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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1937-06-01 · 5 (1.6.1937) · p. Seite 38

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
14 (1937-1938)
Issue
5 (1.6.1937)
Date
1937-06-01
Page
Seite 38 (sequence 6)
Language
German
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3K Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 1.6. 37 XIV. Nr. 5 Jahres 192» noch 24 064 und am 16. Juni 1933 noch 20 017 Juden in Baden festgestellt, so ist die Zahl der jüdischen Einwohner Badens bis zum f. Januar 1937 auf rund 15 400 gesunken. Der Rückgang gegen den Stand vom 1. Januar 1930 mit 16 $00 Seelen beträgt fast 10 »o. Die Zahl der jüdischen Geburten, die noch im Jahre 1935 Sl betrug, hat sich im Jahre 1936 auf 5 6 vermodert. Die Zahl der Sterbcfälle dagegen betrug 3 0 S gegenüber 346 im Jahr zuvor. Es ergibt sich demnach für 1Q3 i ein Sterbfallsüberschuh von 252 Seelen oder 1,7 »o der jetzigen Wohnbevölkerung. Neben dem ganz außerordentlich hohen Ueberschuß der Todesfalle über die üeburten ist die Hauptursache des Bevölkerungsrückganges die Auswanderung, die auch im vergangenen lahre sehr hoch war. 1095 Juden haben im Jahre 1930 nach den Feststellungen der badischen uemeinden Deutschland verlassen. Sicherlich ist die Zahl der Auswanderer noch wesentlich höher, da selbstverständlich die Erhebungen der jüdischen Gemeinden, insbesondere in den größeren Städten, die jungen Auswanderer, die ohne jüdi>che Unterstützung das Land verlassen, nur unvollständig erfassen konnten. Von den Auswanderern gingen 305 etwa 2S 0,0 nach Palästina, 790 nach anderen Ländern. l!eber den Umfang der Wanderung badischer Juden in andere deutsche (iemeinden liegen einwandfreie Feststellungen nicht vor. Es darf angenommen «erden, daß auch durch diese Binnenwanderung ein gewisser Teil des Bevölkerungsrückgangs verursacht wurde, jedoch dürfte dieser Verlust nicht erheblich sein, da andererseits 245 Judin aus anderen Teilen Deutschlands in badische (iemeinden zugewandert sind. Die Verstädterung der jüdischen Bevölkerung Badens hat «eitere Fortschritte gemacht. Obwohl die hadischen Juden sich auf etwa 1.0 politische (iemeinden verteilen, leben über 11 00 > oder fast 75 1 der jüdischen Gesamtheit in 10 (iemeinden. darunter 7 450 oder annähernd 48 »a allein in Mannheim und Karlsruhe. Zum Schluß sei nochdarauf verwiesen, daß 1 374 jüdische Kinder in Baden sich in schulpflichtigem Alter befinden. Es darf mit einer g-- wnsen Genugtuung festgehalten werden, d„ß annähernd -' dieser Kinder die im Laufe der letzten zwei Jahre gegründeten jüdischen Sehulahteil ungen besuchen. Es bleibt die ungelöste, aber wichtige Aufgabe der nächsten Zukunft, auch dem restlichen Drittel der jüdischen Schuljugend* unseres Landes' oder wenigstens einem möglichst großen Teil trotz der großen Schwierigkeiten, die sich aus ihrer Zerstreuung ergeben, gleiche Ausbiidiingsmöglichkeitcti zu schatten. Grete 1 Bergmann zum Geleit. Vom Jüd. Sportverein „Schild ' Stuttgart wird uns geschrieben: Am Iii. Mai, kurz nach 4 Uhr, war ein kleiner Kreis von Sportkameraden und Freunden an der Bahn, um unserer Grctel Bergma.nn Lebewohl zu sagen. Gretcl war auf der Durchreise nach Hamburg, um von dort mit der „Washington" nach New-' York zu fahren. In der kurzen Aufenthaltspause überreichte der 1. Vorsitzende des J. S. V. Schild, Juler Rothschild, der scheidenden Kameradin im Namen des verhinderten Landessportleiters einen Strauß roter Nelken und durfte im Auftrag des Sportbundes Gretcl die Silberne Ehrennadel des Schild anheften, eine Ehrung, die bisher noch keinem aktiven Sportler zuteil wurde. Der Sportbund verlieh Gretel Bergmann seine höchste Auszeichnung für ihre vorbildliche Kameradschaft und ihre immer freudige Mitarbeit. Ueber die großen sportlichen Erfolge unserer Gretel zu sprechen erübrigt sich, sie ist schon lange Vorbild unserer Jugend; was aber der J.S.Y Schild Stuttgart an Gretel verliert, läßt sich nur schwer in Worte kleiden. Das werden nur diejenigen ganz erfassen, welche die Freude Bild: Rorhscliild hatten, mit ihr im Sport und für den Sport zu arbeiten. \ Wir dürfen nicht traurig sein über den Verlust; die guten Wünsche des ganzen Vereins begleiten Gretel Bergmann in ihre neue Heimat. Und wenn, was wir so sehr hoffen, bald die Kunde von ihren Siegen kommt, dann dürfen wir mit Stolz sagen: „Seht, das ist unsere Gretel!" den. Der Pianist Erich Landerer in den Jüd. Kulturbünden. . Die Voranzeige für das Gastspiel in StuttgaM vom 12. Mai tuhrte Auszüge aus Besprechunge1 auf, die hier wiedergegeben seien: „Seme verkommene Technik, seine musikalische Besessenheit, seinen „Dusoni'schcn Anschlag'', „die Leichtigkeit, mit der er technische Probleme meistert." Das alles ist zu bestätigen (allerdings kenne ich den „Busoni'schen Anschlag" nicht). Doch alle l'atenschatten (auch Fischer und Gieseking) kann Landerer ablehnen. Er hat genügend Eigenes und er spielte darum also wie Landerer, und spielte dem Werk getreu. Das Programm war zusammengestellt nach dem besonderen Können des Virtuosen. Es rauschten auf Kompositionen von Debussy, Liszt, Moussorgsky, Ravel, de Falla, Chopin. Besonders das Werkchen von de Falla scheint Landerers Können wesentlich zu umfassen. Hier bestätigt er sich beinahe heimlich, ganz leicht iionisch und knabenhaft schalkig und charmant. Der Abend brachte dem Pianisten begeisterten und anhaltenden Beifall, für den er wiederum mit einigen Dreingaben dankte; die erste davon ein freundliches Kuckucksei in Form einer Improvisation über ein gestelltes Thema, das Liedchen „Kuckuck____". Es war schade, daß die Veranstaltung im Kleinen Saal des Siegle-Hauses stattfand. Für die akustische Wirkung wäre der große Saal geeigneter gewesen. Elfriede Lustig. Im Jüdischen Kulturbund „Merkuria" in Göppingen spielte Erich Landerer am II. Mai. Der Abend war ein Hochgenuß für alle Besucher und löste die dankbarste Anerkennung des ebenso feinfühligen wie temperamentvollen und in seinem technischen Können meisterhaften Künstlers aus. St) wurde die wohlgelungene Veranstaltung zu einem neuen Höhepunkt im Leben des Vereins, der es nicht daran fehlen läßt, mit allem Eifer seine Aufgaben im Dienste der Gemeinschaft aufs beste zu erfüllen. Den Abschluß der diesjährigen Veranstaltungen in der Jüdischen Kulturgemeinschaft Heilh ro n 11 bildete ein Klavierabend von Erich Landerer, der mit zu dem Schönsten gehörte, was der Heilhronner Gemeinde in der Saison geboten wurde. Zusammenfassend darf an dieser Stelle dem Vorsitzenden der Kulturgemtinschaft, W i 11 y Roscnthal, und seinen Mitarbeitern d.r Dank dafür ausgesprochen werden, daß sie in mühevoller und aufopfernder Arbeit alles geboten haben, was mit den der Vereinigung zur Verfügung stehenden Mitteln möglich war. Der Klavierabend von Erich Landerer, Berlin, am 13. Mai im Kulturbund Ulm-Neu-Ulm wurde zu einem ungewöhnlichen musikalischen Ereignis. Die allerdings nicht sehr zahlreich erschie- Der ewige Richter. Der Hall trägt jedes Wort und jeden Klang Und jeden Laut aus tief gefühltem Leid, Und jeden Seufzer, heiß und bang, Hinilber in ä% Ewigkeit. Die gute Tat, genau so wie das Wort, Pflanzt sich, trotz allen Hindernissen, Wie ein Vermächtnis ewig fort Und schärft das menschliche Gewissen. Will böser Geist der Liebe Macht Durch Haß und Zwietracht auch verneinen Die Liebe wird nach dunkler Nacht Nur um so heller scheinen . . . Ein Richter wirkt in der Unendlichkeit Mit hohem Sinn und unbegrenzten Rechten, Und scheidet weise über Raum und Zeit Das Gute von dem Sdilechten. Josef Freitag, Stuttgart nenen Zuhörer wurden von der glanzvollen Technik, vor allem aber durch die leidenschaftliche Gestaltungskraft des Künstlers mitgerissen. Aus den Gemeinden Württembergs. Stuttgart. Die für den 19. Mai angesetzte Aufführung des neuen Palästinafilms „Hatikw ah'' mußte ausfallen, weil die Filmkopie durch ein Versehen während des Transportes nicht rechtzeitig eintraf. Die Veranstaltung wird nun, wie In dieser Nummer angekündigt, am 8. und 9. Juni in der Turnhalle der Jüd. Schule — nicht im Gustav Siegle-Haus! — stattfinden. Stuttgart. Am 6. Juni wird Rabbiner Karl Richter (Stettin) in der vom Jüdischen Lehr-- haus veranstalteten Vortragsreihe „Zerfall und Sammlung" über das Thema „S a d d u z ä e r und Pharisäer" sprechen. Wir machen auf diesen Abend hiermit besonders aufmerksam. Stuttgart. Die Jüdische Blindenanstalt für Dea s hland legt Wert auf die Bekanntgabe, daß die bisherigen Verkaufsvertreter, die Herren Ludwig und Arthur Becker, nicht mehr Vertreter der Jüdischen Blindenanstalt sind. Göppingen. Am 23. Mai brachte die Zionistische Ortsgruppe im Hotel „Dettelbacher" den Pal istina-Film „Hatikwa" zur Vorführung. An einem vom schönsten Wetter begünstigten Frühlip.gssonntag ist eine derartige Veranstaltung immer ein großes Wagnis. Vielleicht wäre der spärliche Besuch dennoch besser gewesen, wenn sich der Eintrittspreis in einem mäßigeren Rahmen gehalten hätte. Allerdings war dieser nicht von der Ortsgruppe bestimmt worden. Man muß sich aber darüber im klaren sein, daß für eine an Seelenzahl nicht mehr starke Gemeinde im Lande ein anderer Maßstab anzulegen ist, wie für die Großstadt. Die vorgeführten Bilder waren recht gut und interessant, aber ihrer Anordnung fehlt erheblich die Systematik der Reihenfolge. Keine reine Freude bereitete auch die Klavierbegleitung auf dem vom Jüdischen Kulturbund „Merkuria" zur Verfügung gestellten Konzertflügel; wenn der Pianist mit seinem steten Fortissimo etwa den Eindruck erwecken wollte, man habe einen Tonfilm vor sich, so war dies entschieden vergebliche Liebesmüh'. Dagegen fanden die einleitenden Worte des Rechtsanwalts Dr. Tänzer, Stuttgart, dankbare Aufnahme. Vornehm und wirkungsvoll wies er auf die Entstehungsgeschichte des Filmes hin und kennzeichnete seine Aufgabe als eines weiteren Trägers der Werbung für den Aufbau Palästinas zum Segen der jüdischen Gemeinschaft. Haigerloch. Die „Jüdische Kulturgemeinschaft Schwarzwald" veranstaltete am 6. Mai hier ein

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