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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1936-02-02 · 21 (2.2.1936) · p. Seite 168

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
XII (1935-1936)
Issue
21 (2.2.1936)
Date
1936-02-02
Page
Seite 168 (sequence 6)
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168 — wiru L r 11 s t f rt „II jku.ili”. ai> Verti an der Tanunn teilr Stuttgart. Vi je in letzter Nummer schon amtlich mitgeteilt, wurde Rechnungsrat Julius Wissmann vom Isr. Oberrat zum Oberrechnungsrat ernannt. Diese Ernennung ist äußerer Ausdruck der Anerkennung, die Oberrechnungsrat Vt iss mann für sein zielbewußtes, unermüdliches irkt'n im Dienste unserer Gemeinschaft allseitig gezollt wird. Wir sprechen dem verdienten Beamten unsere besten Wünsche aus. Stuttgart. Die Zionistische Ortsgruppe Stuttgart w ird Rechtsanwalt l)r. Paul Tänzer, Dr. Myrtill Kaufmann. Hermann tewin ,und Felix •Waas zum ly. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, der com 2. 4. Februar in Berlin stnttfindet, als Delegierte entsenden. Außerdem .-tdenheim, der Vorsitzende der icter des Bezirks >üd-Württemberg chmen. Stuttgart Am IS; Januar hielt der Sportklub ..Hakt» n Ir' seniL diesjährige Generalversammlung ab, zu der -.»tli eine grolle Anzahl von Mitgliedern eiligefundeii hatte. Der I. Vorsitzende, Ernst Freudenh t i m . begrüßte die Anwesenden und erstattete an- «eldifiii-rid den Jahresbericht. Er betonte, daß in der bisherigen Vurstandschaft itn Laufe der Zeit einige rnihi-ciziiiigcti notwendig' waren und dankte nach einer Rückschau aut die besonderen Ereignisse des veigangeiieji Geschäftsjahres allen seinen Mitarbeitern lur ihi reges Interesse. Anschließend erstattete der k.i—.ti, Gustav R u s e ii t e I d e r , den Kassenbericht. wer ein günstiges Bild ergab. Ganz vorzüglich war viel Eingang vier Mitglieds beitrage, was nicht zuletzt vier unermüdlichen 1 atigkeit von H. Litowski zu verdanken ist. Nunmehr erstattete der Spielatissvliitlivtirsiiyciidc. S .i*m u v I Richter, den zihlenm.ii-igen Spieliiericht. Darnach hat die I Fullballmaitnsclinlt im Jahre Id G Id Spiele ausgetragen, wovon ly gewonnen und nur j verloren wurden. Ein Spiel endete unentschieden.' Das Torresultat stellt sich aut 59:in. Auch die 2. Mannschaft hat fast alle ihre Spiele gewonnen. Samuel Richter appellierte au alle Anw V-enden dringend." die Spiele noch besser zu besucheil; ging dann noch kurz auf die Auswanderung aktiver kpieler ein und -schloß seine Ausführungen mit der f cststvllung, daß nur in einem gesunden Körper ein gesunder Geist wohnen könne. Der Trainer, Julius B a u m a n n . erstattete anschließend den eigentlichen Sportbericht. Er betonte, daß das sportliche Ziel, das man sich gesteckt habe, erreicht worden sei. Der Jugend wurde grollte Aufmerksamkeit geschenkt und es ist eine Freude, zu sehen, mit welcher Liebe die Jungen bei vier Sache sind. Noch mehr als bisher wird, man sich in Zukunft dem Turnen widmen. Auch die Alte Herren-Abteilung wird im Frühjahr ihre Tätigkeit *w teder aufnehmen. Die Damenabteilung ist durch Auswanderung leider zurückgegangen, jedoch ist zu wünschen, daß im Sommer wieder viele Mädels sich dem Handballsport widmen werden. Das Schwimmen ist sehr gut besucht: dies ist nicht zuletzt auf die ersprießliche Zusammenarbeit mit der R.j.F.-Sportgruppe zurückzuführen. Zum Schluß dankte der Trainer den Herren Rimpel, Tanne, Cembalist sowie den Damen Schack und .Rosenfeld, die unermüdlich mitgearbeitet haben. Der Versammlung lagen 3 Anträge vor, die sich mit der weiteren Zugehörigkeit der Mitglieder der ..Staatszionistischen Organisation“ zur „Hakoah" befaßten. Nach einer längeren Debatte, in der auch vorgeschlagen wurde, die Staatszionisten als Ciaste im Sportklub „Hakoah“ Sport treiben zu lassen, wies der Vorsitzende auf die Unmöglichkeit der Mitgliedschaft nach S 2a der Vereinsstatuten hin. Hier wird zum Ausdruck gebracht, daß die „Hakoah“ der „Zionistischen Vereinigung für Deutschland“ angehört und daß nur Mitglieder derselben dem Sportklub „Hakoah" angeboren' können. Da die Wahlperiode des GcsamtvorstäTldes abgelaufen war, mußten Neuwahlen stattfinden. Dr. Myrtill Kaufmann übernahm provisorisch den Vorsitz und sprach im Namen der Versammlung allen Vorstandsmitgliedern den Dank aus. Nach Entlastung des Vorstandes wurden folgende Herren gewählt: Ernst Freudenheim (1. Vorsitzender); Samuel Richter (stelle. Vorsitzender und Spielausschußvorsitzender); Gustav Rosenfelder (Hauptkassier): Max G e 11 h o r n (Kulturwart); Werner Mv-ycrstcin (Piopaganda- und Pressereferent); Leonhard Cembalist (Sportwart); Julius Bau mann (Trainingsleiter); Ignaz Kaufmann (künstlerischer Beirat). Zu Beisitzern wurden gewählt: Josef Bruckcl (zugleich als Kassenrevisor), Dr. Tischler, I )r. Paul Tänzer, Dr. Walter Einstein. Das Amt des Schriftführers wird noch besetzt. Der Vorsitzende dankte allen Mitgliedern für das ihm entgegengebrachte Vertrauen und versprach, auch weiterhin dem Verein seine ganze Kraft zu widmen. Zum Schluß sprachen noch Max Gellhorn, Samuel Richter und Julius Baumann über das Arbeitsprogramm 1936. Stuttgart. Man schreibt uns: Am 21. Januar fand eine eindrucksvolle Kundgebung der Staatszionistischen Organisation (Vereinigte Revisionisten Deutschlands) mit dem Thema „Warum kann der Staatszionismus das Ziel eines freien und gesicher'en Judenstaates erreichen?" statt, die von dem Vorsitzenden der Stuttgarter Ortsgruppe, Ludwig Bauernfreund, eröffnet wurde. Der Redner erläuterte in seinen einleitenden Worten die weltanschaulichen Grundlagen des Staatszionismus, der. wie er ausführte, keine neue Theorie darstellt. Die Organisation hat die Aufgabe, die staatszionistischen Erkenntnisse dem ganzen jüdischen Volke zu vermitteln, damit es aus ihnen die notwendigen Kräfte ziehen kann, um den Judenstaat zu erreichen. Der Redner des Abends, Rabbiner Dr. Fried (Berlin), leitete sein häufig durch Beifall unterbrochenes Referat mit einem Uebcrblick über die Anfänge’ des Hcrzl-Zionismus ein. Es kam der Weltkrieg, so führte der Redner ungefähr aus, und damit die große Chance der zionistischen Idee. Jabotinsky, heute Führer der Revisionisten in der Welt, hat diese Chance richtig erkannt. Auf Grund seiner Bemühungen entstand die jüdische Legion, die mit den Truppen Englands Palästina eroberte und damit eine der Hauptgrund lagen zur Balfour-Deklaration legte. Der Aufbau des Landes begann dann auch auf der Grundlage der Prinzipien Herzls. Aber nach wenigen Jahren schon, so erklärte Dr. Fried, stellte es sich heraus, daß die zionistischen Führer das Herzl-Programm sehr stark verwässerten. Die Folge hiervon war, daß sie der jüdischen Jugend andere Ideale als Ersatz bieten mußten, u. a. auch die Idee, an der Renaissance des arabischen Volkes mitzuarbeiten. Hierdurch und insbesondere infolge der inneren politischen Kämpfe wurde die Kraft des Jischuw geschwächt. Im Staatszionismus dagegen gibt es keine Klassenunterschiede oder Gruppeninteressen, sondern in ihm entscheidet einzig und allein das Gesamtinteresse des zionistischen Aufbaus. Für das Gedeihen der Arbeit ist der Segen Gottes unbedingte Voraussetzung. Deshalb treten die Staatszionisten für eine absolute Durchdringung des Volkes mit dem Geiste der Thora ein (Sabbathheiligung). Die- Erziehung der staatszionistischen Jugend zu einem gesunden Nationalismus und zum Gedanken einer jüdischen Legion wird heute schon durchgeführt. Vor allem kommt es darauf an, das jüdische Volk zu kräftigen. In diesem Zusammenhänge betonte dpr Redner die Bedeutung eines starken, national geeinten palästinensischen Jischuw, der sich auf alle Juden in der Welt stützen könne. Eine so fundierte jüdische Gemeinschaft in Palästina könne für England eine staikc und willkommene Hilfe bedeuten. (Als Beispiel hierfür wies der Redner auf die letzten Unruhen in Aegypten hin.) England werde,den Judenstaat von selbst geben, wenn die Juden mit entsprechenden Gegenleistungen dienen könnten. Zum Schluß machte Dr. Fried noch auf die Geschichte des jüdischen Volkes und die anderer Völker aufmerksam, aus der hervorgehe, daß es für ein Volk in jedem Zeitalter immer große Gelegenheiten gegeben habe, nationale Ziele zu erreichen. Immer aber seien diese nur dann verwirklicht worden, wenn das Volk für sie vorbereitet, einig und stark gewesen sei. — Rabbiner Dr. Fried verstand es, besonders eindringlich darzutun, mit welcher ausdauernden Willensstärke der Staatszionismus gewillt ist, diese Einigkeit und gesammelte nationale Kraft Sehnsucht der Juden seit ihrer Zerstreuung zu verwirklichen. Stuttgart. Im Rahmen der „M i s r a c h i“-Ortsgruppe sprachen am 26. Januar Bezirksrabbiner Dr. Laupheimer (Bad Ems) über „Wandlung und Heimkehr“ und Arjeh Händler (Frankfurt a. M.) über „Unsere jüdische .Aufgabe“. Wir werden über die Veranstaltung, bei der auch ein „Wir vom Bachad“ betitelter Bildstreifen des „Brit Chaluzim Datiim“ vorgeführt wurde, in nächster Nummer berichten. Stuttgart. Die Zionistische Ortsgruppe Stuttgart veranstaltet am 6. Februar einen Vortragsabend mit Rabbiner Dr. Manfred Meir Rosenberg (Worms), der über das aktuelle Thema „Jüdische Kulturprobleme in Deutschland“ sprechen wird. Wir machen auf diesen Abend hiermit besonders aufmerksam. Stuttgart. Die 4. Abonnentveranstaltung findet auf vielfachen Wunsch an einem Samstag, und zwar am 8. Februar statt. Sie wird ausschließlich „Jüdische Musik unserer Zeit“ bringen. Die Kunstgemeinschaft will damit einerseits eine ernste Verpflichtung den zeitgenössischen jüdischen Komponisten gegenüber erfüllen, andererseits einen lebendigen Beitrag zur vielumstrittenen Frage der jüdischen Musik wie der jüdischen Kunst überhaupt liefern. Die verschiedenen jüdischen Kulturkreise — der westeuropäische, der ostjüdische, der palästinensische, der jemenitische, der spaniolische — werden mit typischen Werken für die Vielfalt jüdischen Schaffens zeugen. Es liegt in der Natur der Sache, daß in manchen der Werke die Einflüsse der Umwelt, in anderen das Ringen um einen speziell jüdischen Gehalt und Ausdruck stärker spürbar wird. Das Programm, das natürlich nur einen winzigen Ausschnitt bringen kann, wird die ganze jüdische Problematik wiederspiegeln. So wechseln künstlerisch bedeutende Werke moderner Prägung für Sologesang, Klavier, Chor und Orchester wiederum mit schlichten Weisen echter Volkstümlichkeit. Die einführenden Worte zu dem Programm wird der bekannte Dr. Hans Nathan, Berlin, sprechen, zugleich auch den pianistischen Teil ausführen. Die Kunst- und Volkslieder werden von dem als Spezialisten auf diesem Gebiet anerkannten Dr. Leo Barczinski, Berlin, dargeboten werden. Chor und Orchester der Kunstgemeinschaft musizieren unter Leitung von Karl A d - I e r und zw ar bringen sie „Variationen über ein palästinensisches Tanzlied“ von Brandmann, den von der Frankfurter Pianistin Rosy Geiger-Kullm a n n vertonten Psalm 43 sowie palästinensische Volkslieder. Das von Anfang an bestehende Bestreben der Kunstgemeinschaft, immer wieder jüdische Komponisten zu Gehör zu bringen und lebendige Werke jüdischer Prägung darzubieten, wird durch diesen Abend in besonders sinnfälliger Weise zum Ausdruck kommen. Stuttgart. Am 15. Scliwat feiert die palästinensische Jugend das „Neujahrsfest der Bäume“. Auch unsere Jugend soll das Fest begehen — sie soll wissen, daß sie und die Jugend Erez Israels Kinder desselben Volkes sind. So ist es sehr dankenswert, daß der „Frauenverband für Palästina-Arbeit“ am Nachmittag des 9. Februar in der Turnhalle der Jüdischen Schule unserer Jugend dieses Fest bereitet. Es soll eine Stunde reiner Freude für unsere Kinder werden; Lieder werden gesungen, Reigen getanzt, ein „Zauberer aus Arabien“ wird seine Künste zeigen und — schönster Ausdruck des Festes — jedes Kind bekommt ein Pflänzchen, das von ihm selbst eingepflanzt und gepflegt werden soll. Alle Kinder von 4—13 Jahren werden erwartet! Keines darf fehlen, wenn die Bäume ihr Neujahrsfest feiern! Braunsbach. Am 9. Januar verschied hochbetagt die ehrwürdige Frau Nanette Adler, die das war, was man unter einer „esches chajil“ versteht. In allen Kreisen der Bevölkerung genoß die Verstorbene das größte Ansehen. Immer war ihr Haus allen Armen und Bedürftigen offen, und die Traditionen ihres Elternhauses übte sie bis zu ihrem letzten Atemzuge. Mit dem Hinscheiden Frau Nanette Adlers hat unsere Gemeinde einen schweren, unersetzlichen Verlust erlitten. Immer wird die treue und gute Ratgeberin fehlen, die zeitlebens bereit war, wo es nur galt zu helfen und beizustehen. Bei ihrer Beerdigung sprach Lehrer Simon Berlinger (Schwäb. Hall) mit zu Herzen gehenden Worten zu den Hinterbliebenen. Ein großes Trauergefolge bewies, welche Liebe und Achtung die Verstorbene überall genossen hatte. Göppingen. Bei der Jüdischen Winterhilfe im Bezirk Göppingen mit den Gemeinden Schwäb. Gmünd, Göppingen und Oberdorf-Bopfingen wurde der bisher von Rechtsanwalt Hei mann (Schwäb. Gmünd) geführte Vorsitz von Rechtsanwalt Dr. A. Steiner (Göppingen) übernommen. — Am 30. Januar durfte Bezirksrabbiner Dr. A. Tänzer seinen 65. Geburtstag feiern. Wir sprechen dem um die Jüdische Gemeinde Göppingen so hochverdienten Jubilar unsere herzlichsten Glückwünsche aus. Die vielfältige und segensreiche Tätigkeit Dr. Tänzers, der schon seit über 28 Jahren hier wirkt, wurde in der „Gemeindezeitung“ schon wiederholt gewürdigt. Dr. Tänzer ist leider schon längere Zeit durch Krankheit an der Ausübung seines Annes verhindert. Mit der ganzen Gemeinde wünschen wir ihm baldige und völlige Genesung. Der „Jüdische Kulturbund Merkuria“ hat den Jubilar anläßlich seines 65. Geburtstages in Würdigung seines reichen Und ersprießlichen Wirkens zum Ehrenmitglied ernannt. — Der Jüdische Kulturbund „Merkuria“ (gegründet 1868) hielt am 12. Januar seine alljährliche Hauptversammlung ab, die sehr schwach besucht war: dies ist im Hinblick auf die heutige kulturelle Bedeutung des Vereins besonders zu bedauern. Die „Merkuria“ wurde gemäß den gesetzlichen. Vorschriften Mitglied des „Reichsverbands der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland“. Der Bericht des Vorsitzenden, Siegfried Rohrbacher, und der Bericht des Kassiers, Karl Hirsch, wurden gutgeheißen und beiden Herren mit Dank Entlastung erteilt. Auf Antrag des Arbeitsausschusses hatte Dr. Steiner neue Satzungen ausgearbeitet, die er verlas und erläuterte. Die Statuten wurden genehmigt. Einstimmig und mit Beifall wurde auch die Ernennung Dr. Tänzers zum Ehrenmitglied aufgenommen. Dr. Fleischer sprach dem Gesamtvorstand, der wiedergewählt wurde, den Dank der Versammlung für seine Tätigkeit aus. — Am 15. Januar sprach auf Einladung der Zionistischen Orttgtuppe Rechtsanwalt Dr. Paul Tänzer (Stuttgart) über „Die nächsten Aufgaben des Württembergischen Judentums“. Eine kurze Aussprache schloß sich an. — Auf Veranlassung des Jüdischen Kulturbundes „Merkuria“ gibt Kunstmaler Hermann Fechenbach (Stuttgart) einen Werkkurs für unsere Jugend, der vom Jüdischen Jugendbund durchgeführt wird und großes Interesse findet. Am 22. Januar beginnt der'Kulturbund mit einem 10 bis 15 Abende umfassenden Lehrkurs über „Religiöse Vorschriften .und Bräuche bei den Juden“. Referent ist Oberlehrer Dr. Wochenmark (Schwäb. Gmünd). Mit einem guten Besuch darf gerechnet werden. Haigerloch. An Chanukkah-Ende veranstaltete die Gemeinde ihre herkömmliche Feier. Die Kinder der Jüdischen Schule führten zwei Theaterstücke flott auf und die Mitglieder des Jugendbundes boten ein kleines Singspiel, das „Jaffaorangen“ betitelt war und großen Beifall fand. Höhepunkt des Abends bildete die Aufführung eines Bildes aus „Der junge David“ von Beer- Hofmann. Die Darstellung «Davids und der Maacha durch Max Emil Ullmann und Käte Hirsch darf als durchaus künstlerisch bezeichnet werden. Die Schuljugend wurde anschließend beschenkt. — Unter den Vereinen der Gemeinde sind z. Zt. der Jugendbund und die Zionistische Arbeitsgemeinschaft besonders tätig. Auch der Frauenverein hat neben seiner charitativen Arbeit die jüdische Bildungsarbeit wieder aufgenommen. — In zwei Kursen wird wöchentlich Neühebräisch gelernt. — Die Arbeit des jüdischen Gesangvereins „Liederkranz“ ist leider ganz zum Stillstand gekommen. Haigerloch. Nach längerer Pause rief die „Jüdische Kulturgemeinde Schwarzwald“ ihre Mitglieder in unser schönes Städtchen zu einem Konzert mit ausgezeichnetem Programm. Neben Haydn, Mozart und Verdi waren es hauptsächlich Werke zeitgenössischer jüdischer Komponisten, die ganz ausgezeichnet vorgetragen wurden. Die Mitwirkenden, Kammersänger Benno Ziegler, Trude Strauss-Seewald (beide Frankfurt a. M.) und Else Rypinski (Heilbronn) gaben, mit wohlgeschulten Stimmen ihr Bestes und ernteten lebhaften Beifall. Max Firnberg (Frankfurt a. M.) begleitete die Gesangsvorträge mit verständnisvoller Einfühlung. Heinrich Levi (Horb) hatte die Veranstaltung so gut vorbereitet, daß aus fast allen Schwarzwaldorten zahlreiches Publikum erschien, das hochbe/riedigt wieder nach Hause fuhr. Schwäb. Hall. Victor Meir Schwab durfte dieser Tage in voller körperlicher und geistiger Frische seinen 70. Geburtstag feiern. Wir wünschen dem allseits geschätzten Jubilar noch viele glückliche I ebensjahre. Heilbronn. Die Zionistische Ortsgruppe hatte für eine „Mendelssohn - Gedenkfeier“ Rechtsanwalt Dr. Gumbel als Redner gewonnen, der einleitend darauf hinwies, wie oft sich in den verschiedenen Generationen das Bild einer großen Persönlichkeit ändert. So sah man am 200. Geburtstag Mendelssohns im Jahre 1929 den Philosophen anders als heute. Als Geisteswissenschaftler und Aesthetiker hat Mendelssohn in seiner Zeit Hervorragendes geleistet. Durch seine Uebersetzung des Pentateuchs und der Psalmen erzielte er bei den Juden eine gewaltige Wirkung. Er hat gezeigt, daß der jüdische Geist weltoffen sein kann, ohne daß die jüdische Grundhältung darunter leidet. Daß die Entwicklung der durch ihn eingeleiteten Epoche der „Judenemanzipation“ anders verlaufen ist, kann ihm nicht zur Last gelegt werden. Das abschließende Urteil über den Philosophen muß lauten:

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