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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1935-09-16 · 12 (16.9.1935) · p. Seite 87

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
XII (1935-1936)
Issue
12 (16.9.1935)
Date
1935-09-16
Page
Seite 87 (sequence 3)
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87 Zum Neujahrsfest 5696 In uvni^rii Tilg**11 feiern wir «las Kausch Hu*chniioh- Fest. Voll innerer Sammlung, umweht vom heilig«*»» Krnst der Stunde, betreten wir zu Beginn des!Neuen Jahres das (iotleshaus — und unser Blick fallt jn vergangene Tage zurück. Kino schwere Zeit liegt! hinter uns. reich an Sorgen und Mühen — reich al>et~ auch an neuer innerer Beglückung. Ilalu*»» wir uns doch zu so vielem, das uns entschwunden, in la sinn liehen Stunden wieder heimgefunden: In der innigen Verbindung mit den Kwigkcitsgcdnnken unsere«! (.lau Ih iis entdeckten wir aufs neue die Qellen unserer jüdischen Kraft, in l>eseligcnder Schmerzlichkeit wissen wir uns eipltezogen in die tausendjährige (ieschiehle unseres Volkes, und mit der Inbrunst des gläubigen Menschen richten wir das Antlitz nach olx*n. dorthin. wo der (iott unserer Väter thront. — I nd so hlickt‘11 wir aus der Tiefe unseres Krtelxns in «ler Stunde, da sich «las Neujahrsfest mit freümlliclittn Kit - liehen auf Israel senkt, mit dem allen (ilunl>ensmut der Ahnen in die Zukunft. ..Nach innen leben! " . .. «las ist die Forderung, die Raus«!» Haschonoh |in uns alle stellt. B r ü d e r 1 i «• h mit allen leben und den Schwankenden Helfer sein, mit allen sittlichen Kräften. die (»ott dem Menschen in die Seele gegolten — «las muss Wille und Vorsatz sein, wenn der Schofar- Ruf ertönt, wenn wir die Hände segnend auf diej Häupter unserer Kinder legen . . . Wir alle wollen inj diesen ernsten Tagen Rückschau hallen und uns fragen, oh wir unserem Hotte, unserer (icmeinschaft und «u r I m weit gegenülter unsere Pflicht getan . oh wir den Namen Gottes stets reinen Herzens im Alltag hfiligten. Müssen wir oh dieser Seihstprüfung zittern -jdann mag das alte heilige > Wort „Teschuwoh'f seine Heilskraft wieder an uns bewähren. Denn ni« ist es für den Menschen zu spät, zum rechten Wege zg gelangen. — So möge uns allen ein freundliches Neues Jahr ta schielten sein, möge der Segen unserer Grossen in Israel «lic noch verhüllten Pfade der Wanderung erleuchten — möge ganz Israel in Treue uutl gläubigen Muts zusammenstehen, gefestigt im Lcijlc und erholnui in dem Bewusstsein seiner heiligen Sendung. Hans Sternhel^n. Was sagt uns der 19. Zionisten-Kongress? Von I* a u I Tänzer, Stuttgart. i Der 10. ZioniNti'iikongrcß i.sl vor einigen Tilg, ii z» Ernte gegangen. Hin Kongreß. un Zahl (Irr Delegierten größer wir jeder srinrr Vorgänger. An Vcruntlvnrliing für (las jüdische Volk stärker lielaslel als dir früheren. Auch mit Erwartungen erfüllter als alle hishrri^rii Kongresse. Dir Hezicliung gerade der (1 e u 1 s e li e n Juden zu diesem Kongreß ist völlig verändert. Während man früher geneigt war, auf den Kongreß als eine Versammlung von l'lopislen zu hlieken. hliekl man htfute auf (len Kongreß als d i e Stelle, welche Knlseheidrndes für Palästina, das Land vieler l-reunde und Verwandten und vielleicht auch das Land einer nahen e i u e n e » Zukunft, kurz für unser eigenes Palästina, zu lx-stimmcn hat. Ks mag deshalb gerechtfertigt sein, ührr diesen hongrett zu sehreihen. j Wenn man ahsehlieltend 'den lil. Zionisteukongrelt überschaut, so spürt man deutlich die grölte Bedeutung der politischen Krfassung (fes jüdischen Lehens. I) e r h o n g r e it war das S i n n h i I d eines stärken, lebend e n Volk e s. Ks kamen Juden aus allen Ländern der Welt zusammen, um in dem „P a r I a - »I e II I" des jüdischen Volkes die Arlieit dieses Volkes für die nächsten zwei Jahre zu bestimmen. In tagelangen Kommissionssilzungen wurden die! Kragen jüdischer Politik erörtert; die Kxckutive, die „Regierung" des jüdischen Volkes, hat berichtet, teils Schrift lieh, teils mündlich; im Plenum des Kongresses wurde über alle das jüdische Volk bewegende Kragen une über das Krgcbnis der Kommissionssitzungen eingehend gesprochen, l'nd als die Kommissionen das Krgcbnis ihrer Arbeit in teils sehr umfangreichen Resolutionen dem Kongrett unterbreitet hatten, du erkannte man die Vielgestaltigkeit des jüdischen Volkslebens und die Be reehtigung der politischen Lösung. Alle, die hier mit - arbeiteten, haben nur als Juden gewirkt; sie waren als „Parlamentarier" des jüdischen Volkes tätig. Ks war gleichgültig, welcher Landsmannschaft sie ange hörten; immer wirkten sie nur als Vertreter des jüdischen Volkes in seiner Gesamtheit. Es war das Ringen der jüdischen Menschen um die Gestaltung der| Zukunft schlechthin. Ein Volk bestimmte sein Schicksal nach den gleichen Gesetzen, wie dies andere Völker tun. l'nd dieses Volk wurde als Volk geehrt. Als der Schweizerische Nationalrut und Regierungsrat t)r. Walther als Vertreter der Schweizerischen Behörden, im besonderen des Schweizerischen Bundesrates, dem Kongreß den Willkommgruß entbot, sprach er davon, daß das Schweizer Volk die Sehnsucht eines anderen Volkes nach Befreiung verstehe und dem Kampf für diese Befreiung volle Sympathie entgegenbringe. Der High Commissioner des Völkerbundes, James G. Mac Donald, der für den Rat der Kommission Rausch Haschonoh 1914 Don Gigs Das Will. Armeekorps befand si( marsch von der Marpe nach dem So iimeabschnitl. Das Pfeifen der Kugeln und das Umschlägen der \rlil i c b Rosenberger, Frankfurt a. M. ituf «h in Rück- Ohren: das Bild ler, der Anblick u anderen Men- .. Kugel leri«gesch«»sse klang mich in unseren durch Verwuiulung zerstörter (»«siel Inter Kameraden hafte uns bereits sehen gemacht. Was war in uns %«»rgeg:p»gcuWahrlich kein Nachlassen von Begcisterim*:. kein Zweifel an der gerechten Snche.| für die wir kämpften. Wir empfunden plötzlich die Bedeutung eines Wortes, «las wir nur vorn Hörensagen kannten: K a m e r a «I s c halt s ge ist. — AlW noch mehr. Das Ringen mit dem Lehen. der Aufschrei verwundeter Knitternden, «ler Anblick des Todes hatte uns G o t t e s 11 a n «I 1 ü li I c u lassen. Wie «»ft drängte sich in «lilescn Stunden das Sch,na Jisroel auf ulisere Lippen. Ks war der Ausdruck tiefster Gollesfurchl und wahrhaften (i«>ltverlrauei»s. So lieUen wir. iin Tiefsten gepackt, die Marne hinter uns und marschierten einem neuf’ii I* runtahschnitt entgegen. Kin Zeltet in meiner kleineh Tefilloh machte mieh auf die herannahenden Feieringe aut merksam. Kein Brief ans der Heimat konnte uns erreichen. Nicht einmal ein (iollesdienst war mögt»« h. bcfaii<lcn wir uns doch auf dem Marsche. j A in ersten I a g e Rausch Hase h o n o h s t i e U e n wir auf d e n F e i n d. Die (iedanken weilten ah und zu in der Heimat. — Kein (iollesdienst! — Fm so gröber und stärker unsere innere Feierlichkeit. Seihst ijianch« r jüdische Kamerad, der bis dahin die Bedeutung dieses hohen Feiertages nicht genügend kannte, wurde sieh des heiligen Krnsles dieses Tages liewuUb -— Am darauffolgenden Tage kam <t*r Befehl: Freiwillige vor!, um Verwundete un<l (iefallene inmitten des Gefechtes aus dem Sehlachtfeldc zu tragen. Mit einer Anzahl Kameraden übernahm [ich dieses Kommando. Konnte e s in dieser Stunde et w a s K r h a b e n eres g e b e n . als XI e n s« t» e n «I «■ n grollten .Liebesdienst zu j* r w eise n? — Kin (iollesdienst für siel». — Plötzlhjh rief mieli einer der Soldaten. Fr deutele auf « inen Kameraden, der gerade sein Lclx*n anshanchte. und sagte: „Kr ist Jude, ich ersehe es aus seinem Soldhuchc. Sie spre« hen doch in solehen Fällen ein (ielx t. Fr halte recht, h h blieb hei dem sie» landen Kameraden und sprach die uns Juden vorgcschriclx*iicn Sehemoth. Dann drückte ich •r IIHch lx*i rir irisl- (fn w a s + •agte. dri s Ge li r die ii dieihm «lic Augen zu und trug ihn in das inz^f is« heb angelegte Massengrab: ich legte ihn zu seinen KnmerMen. an die Seile seines Kompagnieführers. N;i<h<)«jm wir «las Grat» zngeschüttet halten, sprach ich still ijnd ergel»en «las Ka«hlisch-(iel>et. Kin Gotlcsdienjll f allein, li li «I «I o c h nicht allein, (iott mir. | Als ich zu Filde war. slaml noch immer de liehe Kamerad in meiner Nähe. Kr w«»Mh| vvis hl» gclxdcl hätte. Ich erklärte es ihm. worauf er sei sieh!x*w nllt gewesen, «lall ict» ein la»son«ldr« s (,e Ix*! sprechen könnt«-: oh denn dieses (iela-tl ju«‘h;fi r «li« christlichen Kameraden mit gegolten tijahe. i» die sen» Falle wäre er froh. — NI it diesem Gefühl trat ich wieder i^i die , Bedien meiner Kau»crndcn. — Kin Raiiseli Hasehoi cdi. der mir unvergcUlich I,leiht. — i' Als wir zur Ruhe kamen, s, hrieh irran li<* Familie dieses gefallenen Kameraden und erpiell hierauf folgendes Schreiben: jl ..Sie haben uns hzw. meines liehen selige»» Bruder«» Frau ii» solch' milfühlender. tief emz»t»n«h »»«lec Weise v«»n dem Tode meines Bruders }x*nnchri<’li|igt. lall wir Ihnen unser Lehen lang dankbar hleihen j^vcrclj-m Hall meinem Bruder von c*inein solch* gemütvollen .Menschei» die letzten Liela sdiensle erwiesenji wur len. e r lei« hier! uns unseren fassungslosen Schnff*rz, Jen» lx*- sonders meine liela* alle Müller fast erliegt.— Machen Sie das Mall Ihrer Güte voll und sc hreila n Sie uns bitte, was Sie über «liwletzten Stunden meines Bruders wissen. — Dall er so fern der Heimat in fremder Knie liegt, bricht uns fast das Herz. Möge Kriege besc hützen, und ich hin sic her. diß S^e wieder Buhe eingekehrt »st. uns ladstchc i wefden. es zu ermöglicht*»». dall »min lielxr Bruder der heimalliehen Knie überführt wird. Wie sehr vir Ihnen für Ihr Lieh« swerk danken, vermag ic h nie h mil Worten ansznsprec bei». Nach Hause schrie*!» ic h: ..Soela'ii erhalte Deine II». Karle sow it* liehen Schreiben, mit denen ic t» mich alle freut hala*. Vorg«‘sterii begrub iel» 2Ö meiner tKameraden des Infanterie -Reg. 174. I Offizier. 2 Fc Id weh I etc . . . Ks war ein Glaulx*nsgen«»sse dala i. den söulieh ins (»rat» legte*, so konnte ic h wenigstens »p sei» Tagen eine Mizw'nh erfüllen ...” (io! Itj Sitin wenn di«* {alitieren g«*- r|es g Perdiefiir die F!ü« htlinge, aus l>eutschlaiidi*sprach, sagte, er hala* sieh schon wiederholt vorgehalU»»». dall unser tag. liebes Gelict lallten sollte: ..Herr. G«»(l. wir danken Dir tür Palästina”. Fiid der Vertreter der Britischen Regierung hat dem Kongrell die (»rülle nnd Wünsc he des Britischen Volkes üla*rbrachL Ks hüben alle, die der Krötrnung des Kongresses heiwolinenj durflen, mit Stolz und Freude empfunden, welche Achtung der grolle» Aufgala*, die in der Schaffung der' nationalen Heimstätte in Palästina liegt, cnlgegengehrachl wurde*. Deshalb ist das eine, was uns deutschen Juden der Kongrell bedeutet: Wir sind ein Teil des jüdischen Volkes, das im Begriffe ist, sein Schicksal selbst zu gestalten. l'nd noch ein weiteres. Auf dein Kongrell hat das Schicksal der d e u t s« h e n J n d e n bisweilen eine erhebliche Rolle gespielt. Am 'meisten, setweit es sich darum handelte, die Auswanderung deutscher Juden nach Palästina zu erleichtert In richtiger l.rkenntnis der Verpflichtung ^les Kongresses gegenüh *r dem deutschen Judentum wurde deshalb d«^ Warentransfer nach Palästina, soweit er der Auswanderung nutzbar gemacht wird, gebilligt; es wurden auch Maßnahmen ins Auge gefallt, welche dij* Zahl der Zertifikate für die Alijah aus Deutschland! zu vergrößern ge eignet sind. Das allein ist eine wirkliche zionistische Antwort a u f «I a s jüdische Schicksal in Deutschland. Dall der Kongrell. als die berufene Vertretung des jüdisc hen Volkes, sieh mit dem Schicksal der deutschen Juden befallle, war seihst verständlich und entsprach einer immer geübten Praxis der Kongresse. Wenn darüber hinaus von einer radikalen, zahlenmäüig he«leulungslpson Minorität der Boykott deutscher Waren gefordert i wurde, so hat der Kongreß durch die Ablehnung solcher Forderungen eindeutig zum Ausdruck gebracht, daß derartiges mit wahrem Zionismus nichts zu tun hat. L’nd noch ein Drittes. I)je hebräische Sprache hat weithin den Kongreß beherrscht. Vielder Reden wurden hebräisch gehalten. Hebräisch war die Sprache des Kongresses. Ussischkin, der alte Vorkämpfer des Zionismus' und der neue Präsident des Aktions-Gomitees, hat im Kongreß immer nur hebräisch gesprochen. Als er bei einer Veranstaltung der Universität Jerusalem deutsch sprach, glaubte er das rechtfertigen zu müssen: Von den Freunden der Universität könne er noch nicht erwarten, daß sie hebräisch sprechen; die Sprache des Kongresses als der Vertretung des jüdischen Volkes aber müsse hebräisch sein. Die Delegierten haben in ihrer weit überwiegenden Mehrheit die hebräischen Reden verstanden, ja sie haben Unseren werfen Lesern und Geschäftsfreunden entbiet*n wir zum Jahreswechsel unsere herzlichsten Wünsche, die wir mH der Bitte verbinden, der „Gemeindezeitung" auch Sm kommenden Jahre die Treue zu wehren. Verlag und Schriffleitung der „Gemeindezeitung" aiv deren wiederhedt gefordert, daß anstelle einer ’ Sprach«* hebräisch gesprochen werde. L'nd es [waren »lieht nur die palästinensischen Delegierten, spnderii auch diejenigen aus den Ländern der Golah. lK*s«»ndtTs aus dem Osten und Südosten Kuropas. Der Kongreß wird immer mehr der Hehraisierung zustrel»en. Dje Zeit ist nicht mehr fern, bis auf dem Kongreß nur noch hebräisch gesprochen werden wird. . ' Und deshalb ist das Dritte: Der Kongreß hat dem deutschen Judentum untrüglich vor Augen geführt, «laß die Sprache des jüdischen Volkes hehrDseh ist; [daß es eine lebendig e Sprache ist, und daß es an unrS liegt, oh wir von dieser Kntwicklung des jüdischen Volke* ausgeschlossen bleiben, weil wir das hebräische 5* pra« hgut nur ungenügend besitzen. Lud endlich ein Letztes. Auf deml Kongreß empfand man, «lall man als deutscher Jude inj des Weh nicht allein steht. Nicht etwa «Irshalf*, weit injin Jas Leid mit anderen Juden geteilt hat; sondern, wctil man empfand, daß alle Teilnehmer des Kongresses »;»<h Mitteln und Wegen suchten, um den deutschen i Juden durch positive Fürsorge zu helfen, dureth1 die iSd affung' eines nuöglichst großen aufnahmefähigen :Pälästina, eines Palästina, das eine wirkliche nationale Heimstätte für das jü «tische Volk zu werden geeignet ist. Die Antwort des deutschen Juden tums hierauf muß seine uneingeschränkte Behiligung am Aufbau Palästinas sein. Lud so daijf es als Wunsch ausgesprochen werden: Der 19. Zionislenkongrt ß mag dem deutschen Judentum eindringlich vor Aug^n führen, wie notwendig seine Mitarbeit an idem Aufbau nationalen Heimstätte in Palästina ist.! Herbst- und Regen-Mäntel Gabardines — Gummi — Lederol „Eres“- und llAquastrella“-Mäntel!

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