Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- XI (1934-1935)
- Issue
- 24 (15.3.1935)
- Date
- 1935-03-15
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4904101-5442811-5443393--4315-4908090- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 205 - Iwölffcausendl iLDclhter Zum Heldengedenktag am 17. März 1935. sommeln auch w i r uns an den Ehrenmalen, auf denen Wichtige TtlitteituiQ oh alle wiseee £esec! ln den nächsten Tagen wird der Postbote bei allen unseren Lesern die Abonnementgebühr für das 2. Quartal 1935 {1. April—16. Juni) in der Höhe von RM. 1.25 gegen Quittung erheben. Wir bitten dringend, dafür Sorge zu tragen, daß dieser kleine Betrag prompt bezahlt wird, da bei Nichteinlösung der Quittung die Zustellung der „Gemeindezeitung" von der Post sofort automatisch eingestellt wird. Die Abonnementgebühr wird, worauf wir besonders hinweisen, auch bei allen Lesern eingezogen, die in den letzten Wochen unsere „Gemeindezeitung" bestellt haben. Purim und die Frauen. Zum Purimfest 569?. I ns ist in ullc n Dingen unseres l.cbens vor jedes fest die redliche Mülle gesetzt. Wie uns dus Gebot der Subbuthhciligiiug zugleich mit der Gnade des Feiern« uuch doji Merktug als Forcierung bestimmt. so geht jeder Jom low des jüdischen Jahres aus dem vorbereitenden Schaffen des Krew hervor. Starker als der Mann, für den sein Haus immer nur die Hohe und der Gepensutz zu seiner Berufsarbeit ist. empfindet die Hausfrau diesen Schritt: iilrer ihre Stuben, die am Krew ihre Geschiiftipkeit mit fröhlichem Geräusch erfüllt hat lept die sinkende Diimmertinp auf einmal die Stille des Sabbaths. und die herzeiiflummeu streuen in sie den poldeneu Schein verdienter Freude. Solcher Mündel und Wechsel wiederholt sich der jüdischen Frau mit jedem Fest. Aber an Pari m . das keinen eipeutlichen Krew hat. ist die Spannung zwischen den beiden entpepenpesetzteu Stimmungen von pan/ neuer Eindringlich keit. Nicht zwischen Mtihe und /n-sich-selbst-kommen ist hier unterschieden. or der herzhaften Fröhlichkeit des Purim-Muhls steht vielmehr die düstere Mulinuup eines I a n i t h . eines Fasttapes. Jedes Jahr erneut sich dem Judentum so das Frlebnis der bitteren Not. in die unsere Brüder und Schwestern in den lügen des Achuschwerosch pekommen. Tuuitli Kstlier ist darüber hinaus der Tup pcschichtlichen Gedenkens au einen lanpen. lunpcu l.eidenswep. Aber mit der I Jämmerling bricht der J u b.e I der Befreiten die strenpe Grenzeernster Kinkehr. Die Wunder der Krrettunp werden von der Krinncruup un das l.eicl mit heruufpefiihrt. Die Sicherheit unserer Gottv erblinden heit bestimmt das Wesen dieses Festes: nicht der T riumph über den Feind, nicht Hali und Schmühiinpcn für die niederpe-zw uiipenen W'idersuchcr pestulten unser Purim — wie hätten wir Krluubnis zu einer solchen Hultuup! Gott führte unsere* Sache! Der Siep ist sein: unser ist nur der Dank dafür. Ohne falsches Selbstpefühl. ohne Ueherheblichkeit bepeht Israel das Gectenken un die Befieiunp aus immer wiederkehrender Not, petrost und pewill. dall uuch die Hilfe sich immer wieder erneut. Dieses Fest der Lose hat zwei Höhepunkte: Der erste, die Vorlesung d c* r M e p i I I a h . geht alle auf einmal an: sie verweist uns auf das geschichtliche Frlebnis und das darin typisierte jüdische Schicksal: sie ist eine Angelegenheit der jüdischen Gemeinde. Der andere, das P u r i m - M a h I, gehört dem Hanse*. Als häusliches Fest steht das Mahl unter dem E i n f I u ß der Hausfrau und dein beglückten Verlangen der Kinder. Frauen und Kinder bereiten seine Freuden vor, sind ihre Träger —1 das macht uns doppelt getrost, denn in ihnen wird uns die leibliche Zukunft und Unsterblichkeit Israels verheißungsvoll sichtbar. Das Purim-Muhl ist ein Mahl der Scherze und des l'eberschwangs. Die Gastlichkeit hat breiten Baum Sie greift sogar ül>er die eigenen vier Wände hinaus und bezieht die Freunde draußen mit ein: man schickt ihnen Gaben und beweist mit diesem ,.S ch ' I a ch m o ii u u s", daß man sich nicht genug tun kann im Freudemachen. Frauenbünde bereiten .Naschwerk. Gebäck und auch die solideren Genüsse, schmücken sie mit zierlichen Bändern und Blumen, damit die Gastfreundschaft so weit wie möglich reiche*. Die Herzen strömen über von der Dankbarkeit für die Wunder der Errettung, und wenn man Gott selbst nur mit der Lobpreisung des „AI hanissim“ danken kann, seinem menschlichen Bilde kann man dafür doch sichtbare Liebe und Gabischenken. So gehört das Purimfest in seinem zweiten Teil dem freundlichen Wirken der Frauen — zumal ja die Heldin dieser Erlösungsfeier, die kluge, bescheidene. anmutvolle Esther, immer ein wenig von ihrem Glanz auf alle jüdischen Töchter strahlt; an Purim tragen sie gleichsam alle die Krone, und alle tun so. als hätten sie persönlich teil an Esthers großer und vorbildlicher Haltung. Und haben sie’s nicht? Das jüdische Schicksal hat die Frauen niemals ausgenommen, es hat im Gegenteil oft auf die schwächeren Schultern ein über- Noch wenige Stunden und die deutsche Nation wird in einmütiger Geschlossenheit ihrer Söhne gedenken, die ir den schicksalsschweren Jahren des Weltkrieges für .Deutschland ihr Leben gaben, die Vater und Mutter, Weib und Kind veriießen, um an den flammenden Fronten für ihre unauslöschliche Verbundenheit mit Volk und Vaterland zu zeugen. — In langen grauen Kolonnen zogen sie aus in den Kampf. Im Frühling, zur Sommerzeit und in den Tagen des Herbstes schmückten die Blumpn der Heimat Helm und Woffenrodc, im Winter nahmen sie ein schlichtes Tannenreis mit in das Grauen der Schlachten . . . Und neben den Tausenden, die im Hochgefühl einer großen vaterländischen Aufgabe Schulter an Schulter marschierte^, schritt da nicht immer ein Vater, ging da nicht immer eine Mutter? — Seht ihr sie noch, die bärtigen Männer des Landsturms, wie sie immer noch einmal — und dann zum letztenmal — ihre Frauen und Kinder umarmten, wie dann die Züge mit ihrer teuren Last langsam in der Ferne entschwanden und einsame Menschen zurückblieben, nur Menschern, die ein gemeinsames Schicksal, eine gemeinsame Sorge verbanden. Seht ihr sie noch? — Auch Juden waren dabei . . . Oft brachte die Post tagelang kein Lebenszeichen. Dann fraß sich dumpfe Angst in die Herzen der Zurückgebliebenen . . . einer tröstete den anderen: „er wird schon schreiben . . ." Und dann ging geheimnisvoll das Gerücht um — leise, von einem zum anderen, bis aus einem Briefe der Kompdgnie endlich das Schicksal sprach. So fielen Millionen für das Land, das ihnen Heimat war, wie es Heimat sein sollte ihren Nachfahren. Das war der tiefe Sinn ihres Sterbens . . . Auch Juden waren dabei — und zwölftausend kamen nicht zurück. — * Am 17. Mörz 1935, dem Tag der Toten des Weltkriegs, schwrri-s Muß un Leid.gelegt. Auch heute vc ird mancher jüdischen Frau, die verhältnismäßig sorgenlos über ihren Tisch und in die Gesichter ihrer Lieben blicken kann, dus Wort gesagt, mit dem Mordechai Esther zurechtuies: „Bilde dir nicht ein in deinem •Sinne, im Hause des Königs allein von allen Jehudim zu entkommen!" Alle Juden, Männer und Frauen, sind in die Unerbittlichkeit ihres Volksschicksals gebunden. Aber eben darum heißt es auch für jede jüdische Frau, wie einst für Esther: „Wer weiß, ob du nicht gerade für eine Zeit wie diese zur Königswürde gelangt bist.“ So sucht die Puriinfeier die jüdische Frau in jedem Umkreis ihrer eigentlichen Mizwohs auf. In Esthers Bild erscheint auch ihr die Mahnung unserer Weisen, daß Jeder Jude des anderen .Bürge sei. In der Bereitung des Mahls und in der Uebuug des „Sch lach nionaus“ übt sie die Gastfreundschaft. Und selbst die Königinnen würde ist ihr un diesem Tage verliehen: denn uuch Liebenkönnen. Schenkendürfen. Freude bereiten. Haß bezwingen. Dankbarsein und Friedenstiflen runden sich zu einer gottgeschenkten Krone. Und die Krone* verpflichtet. Dr. Martha Wertheimer. Die Weift aus dem Willen. Von Hans Rosenkranz. Wer mit dem Dumpfer von Port Said nach Haifa reist, fährt ans einer Stadt, die aus dem Willen eines Menschen geboren wurde, in eine andere, welche das Tor zu einer neuen Welt bildet, deren Entstehen ebenfalls ein Phänomen des menschlichen Willens ist. Beide Städte*. Port Said und Haifa, entstanden aus dem Nichts. Dus Denkmal von Ferdinand Lesseps. welches einen der Hauptplätze von Port Said schmückt. Imzeichnet Ursprung und Aufgabe dieser Stadt. Port Said ist Kopfstation des Suez-Kanals. Sie entstand mit dem Kanal, und sic* würde an jenem Tage entvölkert sein, an dem aus irgend einem Grunde der Weg nach Indien nicht inehr über Suez führt. Zwischen dem Karmel und dem blauen Mee r, zwanzig Stunden Schiffsfahrt nach Norden. liegt an einer Bucht von neapolitanischer Schönheit Haifa, die kommende Hafenstadt des wachsenden Erez Jisrael. Auch sie entstand in ihrer heutigen Gestalt ausschließlich aus dem Willen, aber nicht als Nebenprodukt, wie Port Said, aus dem Willen eines Einzelnen, der einen Kanal bauen wollte, und nicht aus dem Interesse eines Imperiums, dus diesen Kanalbau ermöglichte. Haifa in seiner heutigen Gestalt und in dem. was di» Namen der Unsrigen stehen. Und jene symbolische Frauengestalt, die in Max Liebermanns Gedenkblatt für die gefallenen Söhne unserer Gemeinschaft trauernd unter dem gesenkten schwarz-weiß-roten Banner sitzt — sie erwacht in dieser Stunde aus der tiefen Versunkenheit des Mutterschmerzes. Langsam richtet sich die Trauernde auf, mit stummer Gebärde wischt sie die Zähre von den Wangen, die ein jetzt so bleicher Mund so oft geküßt . . . Mit langsamen Schritten schreitet die jüdische Mutter über die Schlachtfelder — hoheitsvoll umrauscht von den schwarzen Schleiern ihres Gewandes. Und überall, wo ein jüdischer Soldat in fremder Erde schlumwert, wo der Klang eines letzten, wehen „Sch’ma Jisroel". vom Winde in die Himmel getragen wird, da zündet sie ein Jahrzeitlicht an. Hoch aufgerichtet geht die Mutter durch die weiten Gärten des Todes, still und tröstlich umglänzt von den Leuchten auf den Gräbern . . . Langsam sinkt die Nacht von den Bergen. Und eine helle Lichtspur zieht sich jetzt von den Karpathen bis zu den zerwühlten Ebenen Flanderns, von den Sandbänken der Ostsee bis zu den Kreidefelsen der Champagne — überall flammen stille Lichter des Gedacht-( nisses. Auch über den Gründen der Weltmeere schwebt ihr sanfter Schimmer . . . ein* großer, heiliger Friede ruht über der ganzen W£1t. Und während in den Synagogen die Menge schweigend steht und das Kaddischgebet gesprochen wird, da schlägt eine unsichtbare Hand feierlich die Seiten des großen Memorbuchs um, in dem die Zwölftausend verzeichnet sind. Auch s i e starben, damit Deutschland lebe. In stiller Ehrfurcht gedenkt die deutsche Judenheit nun ihrer toten Helden und all' derer, mit denen sie einst ins Feld gezogen, geeint in der Pflicht, für immer vereint •— im Tode. Hans Sternheim. seine Bedeutung unsniucht. entstund uns dem Willen einer Schiebt von Menschen, die als l topisten uuspezcipen waren, um die Jiidenfrape zu lösen, die Shells* ihre persönliche lind zugleich als eine Welf frage empfunden. Dus Hinterland Haifas war einmal W üste wie das Hinterland von Port Said. Aber Rieses Hin terlund he ißt he ute E m c* k J c*s ree I . es wur-noch vor einem Jahrzehnt verseucht von Moskitos, unpassierbar vor Sumpf, ein Landstrich, in dem Menschen nicht zu leben vermochten. Heute ist diese* riesige Ebene, einperuhmt von den Bergen Samarius. bis hin zum Kinerethsec. dem allen See Gene/aiteth. Besitz des Jüdischen .Nationalfonds, und die Dutzende blühender lunclvv iglschuftlicher Ansiedlungcn sieht man von den Bergen liegen in einer Ebene, die vor zehn Jahren Sumpf gewesen ist. \ crgleichhar nur der Trockenlegung der Pontinischen Sümpfe, oder der Landgewinnung aus der /.uvder Sec*, bildet diese Ebene das Hinterland der Stadt Haifa, einer Hafenstadt. geschaffen aus dem Willen von Mepschen. aber aus einem grundsätzlich anderen Willen als derjenige war. dem Port Said seine Entstehung verdankt. Port Said ist eine gemachte, nicht eine gewachsene Stadt: es ist Levante. Haifa und das Land Erez Jisrael entstanden aus dem Willen von Menschen, sind dennoch beide gewachsen. E rwüchsen /War aus menschlichem Willen, aber doch organisch sich entwickelnd, nicht die Diener für alle, sondern lebend aus den Bedürfnissen von Erez Jisrael. das sich, noch mit allen Schlacken des Werdens behaftet, nach dem Gesetz entwickelt mehr zu weijdc-n als ein L'inschlugplatz un der Levante, nümlicfj ein Land seiner eigenen Prägung, seiner eigenen Kaltur. seines eigenen Schicksals und seine*« eigenen Wachstums. Alle Fragen sozialer und politischer Art die heute die Welt bewegen, stoßen im Baum zwischen Karmel und Mittelmeer mit besonderer Plastizität! zusammen; zwei Völker. Araber und Juden, müsse» sich hier nebeneinander einrichten und. ob sie wollen odci nicht. Zusammenleben: die Frage nach der Möglichkeit. die* europäische Kolonialherrschaft aufrecht zu erhalten, manifestiert sich in dem täglichen Versagen der englischen Verwaltung, europäische Waren kämpfen mit jaimnischen einen verzweifelten Kampf um diesen werdenden Markt. Hier ist ein Lund ohne Arbeitslose, hier ist die einzige Regierung der Web mit enormen Budget Überschüssen, hier vferden neuesoziale Formen versucht, ulte Kulturen werden erneut lebendig. Ob dieses l.and asiatisch oder euroäisch sein wird, daran wird man einet- Tages er ennen. wie es mit der Bolle Europas jn der Web bestellt ist. Haifa ist in diesem gcschichtgcsüttigtcn Lund fast die einzige Stadt ohne nennenswerte geschichtliche Aus unsarar Maß-Abteilung: ln erstklassiger Ausführung l’lQII MVUUjlU und bester Verarbeitung Mk. 140.“ ISO.- 100.- 180 )