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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1934-09-01 · 11 (1.9.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
XI (1934-1935)
Issue
11 (1.9.1934)
Date
1934-09-01
Page
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Begabung und Belastung in jüdischen Familien« Von Dr. Arthur Czelliizer. Lin unterscheidende» Merkmal, da» allen Juden zukomnit. und nur den Juden zukommt, aber keinem Nithljudc-n. gibt e» nicht. Sowohl in körperlicher w je in geistiger Beziehung »teilen die Juden Mischte |ien dar Die Verwancltenohe Die \ er» Hiidtcnehe. die »og. Inzucht, die bei Juden besonder» häufig i»t. übt al» solche keine spezifische Wirkung, d. h. »ie hilft keine neue Eigenschaften entstehen. die niifit »ifion vorher in der Erbmasse enthalten wären. Aber »ie i-t ein ausgezeichnetes Mittel, lim rezessive also überdeckte Eigenschaften wieder zutage kommen zu lassen: diese werden ..herutisgemendelt". wie der Erbfor»cher in seinem entsetzlichen Deutsch »agt. E» gibt z. B. eine bestimmte* Form der Taubstummheit, die* rezessiven Erbgang hat. Fan Mensch, der diesen Erbfaktor T im Blute hat. wird nur dann taubstumm »ein. wenn er reinerbig TT ist. hingegen i»t er scheinbar ganz gesund, wenn er ini'chTrbig die Formel TN hat. weil das N. d. h. der normale Faktirr. iilrer das T-tuuhstiimm dominiert. Heiratet ein solcher Mann IN eine ebensolche Frau, so können diese beiden scheinbar gesunden Menschen ein taiib»t u m m e » Kind TT bekommen. Gerade diese*» ist aber kein erdichteter Fall, sondern im Leben vorkommend. denn bei Juden finden wir tatsächlich Taubstumm heil atule rthalhmul so häufig w ie bei Nichtjtiden (in der Preußischen Statistik). Wir erklären uns da» so. duff bei irgendeiner seltenen Krankheit die meisten Menschen NN sind: in der Familie e ines IN aber v,erden wir natürlich noch mehr andere solcher TN-Me tischen antreffen und die Wahrscheinlichkeit, dal! ein solcher Belastungsiiberträger bei der Heirat auf eine Schicksalsgenossin trifft, wird viel größer. wenn ein Cousin eine Cousine heiratet. Da» gilt aber nicht nur für Krankheiten, sondern für alle Eigenschaften, die rezessiv vererben. Also alieft für bestimmte* Begabungen: so ist die M u - »ikalit.it ein rezessives Merkmal und die Wahrscheinlichkeit. hervorragende Musiker zu produzieren, wird eitetifall» bei blutsverwandten Ehen steigen miis»en. Wenn e» möglich wäre, einem Menschen anzii-edie» oder durch irgendwelche Untersuchungen festzii'tellen. welche* überdeckten rezessiven Faktoren in ihm »te*eke*!i. wäre eine blutsverwandte* Eheim Prinzip unbedenklich. Man würde sie eben nur denen verbieten, die* die* gleiche Belastung mit unerfreulichen. sogenannten negativen Faktoren aufweisen: aber sogar empfehlen im Falle gleicher Begabung, also bei erwünschten-|iositiveii Erbfaktoren. Leider i»t diese Feststellung niefit möglich. Selb»! der Umstand. daß z. B. in den letzten vier Generationen (und weiter zurück werden wir kaum je lückenlose Kenntnis aller \erwandte*n besitzen!) irgend eine solche rezessive Krankheit wie Taubstummheit oder erbliche Blindheit durch Netzhautentartung oder elergl. nicht vorgekommen ist. gibt keine Gewähr dafür, tlall jeder Nachkomme NN ist. also reinerbig normal. W ir wissen an» Experimenten mit Tier und Pflanze, dafi der verhängnisvolle Faktor latent, also unerkannt durch lange Zeiträume sich forterbe-n kann, wenn »ein Träger -ich stets mit NN verbindet, d. h.. wenn in solche Familie stets Normale hineinhe iraten. Daher wird der erbkundige Arzt heute* von e i ne r blutsverwandte u E h e a brat e n . w ie es unsere Norfaliren auch taten, freilich aus anderen Motiven und mit wesentlich geringerer Erfassung der Blutsverwandtschaft. Die* t a I m 11 cl i » ch c n Ehe - Vorschriften verbieten Ehe von Geschwistern. I lalhgfschw istern.Tante—Neffe, erlauben alle*r Onkel— Nichte und ( oii'iu* und C oiisim*. was natürlich am häufigsten verkommt. Im Gegensatz hierzu sind gewisse jüdische Sekten wie* die Sadduzäer oder die Samaritaner oder die* Kariier viel strenger, denn bei ihnen erstreckt »ich das Inziichtsverbot auch auf die Ehe: ()uke*| — Nichte und ( ousin—Cousine. Die erbliche Belastung \\e*nn iH'stinunte* jüdische Familien als belastet erscheinen. so sind es nicht immer solch erbliche Gebrechen wie Blindheit oder Taubheit, sondern in sehr viel häufigerem Malle eine Disposition, d. h. eine Bereitschaft. in bestimmter Weise» zu erkranken, sobald gewisse äußere Schädigungen eintreten. Dies gilt in erster Bei he für eine Labilität des Nervensystems, die lx*i den Aufregungen und Anstrengungen des Erwerbslebens zu mehr oder weniger starken Störungen führen kann. Man braucht gar nicht die Jahrhunderte des G h e 11 o I e b e n s mit seiner überstarken Konkurrenz l»ei unliygieiii'etien Lebeiisbedingungen anz.iiklagen. um hieraus eine angebliche \ ererbung erworbener Eigenschaften zu konstruieren. Es genügt, daran zu denken, daß diese Art. zu leben und zu arlx-iten. eine scharfe Auslese bedeutete. Die rasche kotnbinationsgabf. die* geistige Beweglichkeit und Wendigkeit, der scharfe Verstand waren geradezu notw e ndig, wenn der Ghettojude sein Leben fristen wollte*. Die robusten Menschen mit triebhafter Einstellung und langsamem Iletiken konnten weniger leicht ihr Brot finden und eine* Familie begründen, pflanzten sich also in geringerem Muße fort. In gleicher Weise wirkte die Beschäftigung mit dem Talmud, nämlich den Verstand schärfend auf Kosten kör|H*rlicher Ertüchtigung. Aus Genies werden Durchschnittsmenschen \\ as S o m hart als Z vv C* ch I» e d u eh t h e i t der J u el e n bezeichnet, ist nichts anderes, als diese Fähigkeit. rasch zu assozieren. rational zu handeln und sich in fremde Wesensart einfühlen zu können. Wo solche Eigenschaften in einer Familie* besonders intensiv als F amilientv pus konstant uüftreten. ist sowohl Begabung wie auch Belastung festzustc'llen. Begabung, denn wir werden bei solchen Menschen sehr oft erfolgreiches W irken in ge istigen Berufen beobachten. Das sind die Philosophen, die M a t h e in u t i - k e* r. die Börsianer, die* Juristen, die S di u ii s p i e 1 e r . die* Journalisten, die sich zu führenden Stellungen aufschw itigeti konnten. Aber das sind auch die Menschen, die in der preußischen Statistik etwa doppelt so viele* Geisteskranke stellen als die Nichtjilden. Charakteristisch für diese Geistes, art ist der Vorsprung. Iblen rasche Assoziation und Gewecktheit dem jüdischen Schiilkiude verleihen. Gerade in den untersten Klassen wird es ihm leicht, den ersten Platz in der Klasse zu erreichen. In London vorgenommenc* psychotechnische* Untersuchungen haben gezeigt, daß das siebenjährige Judenkind an geistiger Reife dem achtjährigen Engländer entspricht. und das achtjährige dem neunjährigen Engländer. Aber das ändert sich bald: der Unterschied gleicht sich rasch aus. Viele* Jiidenkinder e rwecken den Eindruck, daß man ein Genie* vor sich hätte*. Aber später werden sie D u r ch s ch n i tt s in e ns ch e n . oder höchstens Talente, weil eben zum Genie mehr gehört, als rasche* Assoziation. ..Judenkrankheiten** Fälle ganze Reihe von Krankheiten beruhen auf dieser nervösen Labilität, auch abgesehen von den eigentlichen Geisteskrankheiten. Das nervöse Herz kann zum Herzfehler führen oder.doch zur Kreislauf- Schädigung. Und wir kennen viele Juilenfamilien. in denen der He rzschlag die typische Todesursache ist. Die Zuckerkrankheit (Diabetes) und der grüne Stur (Glaukom) gelten in diesem Sinne mit Recht als sogenannte Jiidenkrankheiten. Aber für diese wie andere Anomalien ist diese Bezeichnung irreführ e ii d . insofern, als sie nicht nur bei Juden beobachtet werden, sondern bei Städtern mit geistiger Beschäftigung. Würde man nicht, wie dies fälschlich oft geschieht. die Juden mit der Gesanitbevölkerung vergleichen. sondern mit der entsprechenden sozialen Schicht, so würden viele solcher Unterschiede verschwinden. Man würde erkeiine.ii. daß es sich nicht um Rasseneigenart handelt, sondern um sozial bedingte* Differenzen. Als Beispiel darf ich anführen. daß die angeborene Hornhuiitverkriimmiing. der sogenannte Astigmatismus, in sehr vielen Lehrbüchern als Eigenart der jüdischen Russe bezeichnet wird. Ich habe durch Vergleich von etwa tausend Juden mit ebensov ielen Nichtjuden der gleichen sozialen Schicht, nämlich Berliner Kaufleute*. Akademiker und Beamte, festgestellt, daß die Prozentzahli'ii in beiden Gruppen gleich groß waren. F reilich beide viel höher als in der allgemeinen Bevölkerung! Bei ähnlichen Untersuchungen würde man wahrscheinlich noch eine ganze* Reihe von. positiven und negativen Eigenschaften, also sowohl Begabungen wie* Belastungen, als sozial, nicht aber uls ru ss en mäßig bedingt finden Die Ahnentafel der Hundertjährigen Fine von solchen Einflüssen fast unabhängige Eigenschaft, die sich in manchen Judenfamilien als Typus findet, ist die Langlebigkeit. Wenn man für Hundertjährige* die Ahnentafel uufstellt. findet man fast immer, dafi schon ihre Vorfahren außerordentlich hohe Lebensdauer erreichten. Eine spezifisch jüdische Eigentümlichkeit kann keinesfalls hier vorliegen, sondern eben nur ein bestimmter F amilientypus. der sich auch bei Nichtjuden, aber seltener, findet. Man erklärt dies gewöhnlich mit der durch Alkoholmißhrutich und Geschlechtskrankheiten bewirkten Lebens Verkürzung, die bei uns ausbleibt. Alle mit dem Alkoholismus sowie mit de r Syphilis zusammenhängenden Schäden sind in jüdischen Familien seltener. Mindestens darf diese Regel bis an die Schwelle des laufenden Jahrhunderts gelten, waren doch Säufer ebenso selten unter unseren Vorfahren wie Geschlechtskranke*, wobei übrigens als besonders merkwürdig zu verzeichnen ist. daß die Juden niemals beim Alkohol strenge Abstinenz übten: vielmehr verstanden sie es. Maß zu halten, was so viele Abstincnzfunatiker als generell unmöglich bezeichnen. Mit dem Fehlen beider Keimgifte hängt es auch zusammen, daß Juden tropenfester sind als alle anderen Angehörigen der weißen Rasse, mindestens aus Europa. (Aus der ln den nächsten Tagen im PhJlo-Verlag erscheinenden Schrift .Mein Stammbaum, eine genealogische Anleitung für deutsche Juden* von Dr. Arthur C z e 11 i t z e r.)

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