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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1934-01-01 · X. Jahrgang Nr. 24 · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
X (1933-1934)
Issue
X. Jahrgang Nr. 24
Date
1934-01-01
Page
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— 219 — Amtl. Bekanntmachungen Israel. Oberrat Nr. 688. Beil.». Ab sämtliche , Rabbiner and Religionslehrer. Das Indische Landschulheim Herrlingen bei ljIm a. D-, eine staatlich anerkannte höhere privat sdinle mit Oberstufe (Internat), ist durch eine vom Israel. Oberrat Württembergs vermittelte Spende in den Stand gesetzt worden, eine kleine Anzahl Kinder (Knaben oder Mädchen) minderbemittelter Eltern zunächst auf die Dauer eines Jahres zu stark verbilligtem Preis aufzunehmen. Voraussetzung ist gute Durchschnittsbegabung und normale ErziehbarkeiL Anfragen und Bewerbungen sind schriftlich an den Leiter der Anstalt, Herrn Hugo Rosenthal, Landschulheim Herrlingen bei Lim a. Donau, zn richten. Dr. H i r s ch. „Ben B’rith" Von Dr. Martha Wertheimer, Frankfurt a. M. Drei Tuge sind es erst her. dali deine kleine Stimme /um erstenmal ans Ohr deiner müden Mutter schlug. Seit drei Tagen atmest du in unserer grellen, kalten Welt und birgst das flaumige Köpfchen ängstlich im Duft von Milch und mütterlicher hütender Wärme. Noch ein paar Tage mehr, und du wirst zum erstenmal in einem Männerkreise ein wichtiger Mittelpunkt sein, von Stund an einer von ihnen, dein Leben lang. Ben B'rith wirst du werden, ein junger Sproll am uralten Stamm, ein winziges Tröpfchen im großen Strom . . . * Als der Arzt deiner Mutter die holde Gewillheit gab. daß du ein Werdendes seist, lag ihr Weg hell und klar gezeichnet vor ihr. Geliebte junge Frau eines tüchtigen Mannes, im jung gegründeten Hausstand. dein Vater im ernsthaft ergriffenen, aussichtsvollen Beruf — da mochten auch Sorgen stehen und mancherlei Bedenken, aber es schien gewohnte Bahn, vertrautes Dasein. Als deine Mutter zum erstenmale dein kleines Herz schlafen hörte, war die Not über uns alle gekommen, die Sorgenlast lag dicht geballt über deinen Eltern. Gewitterwolke, aus der täglich der neue Blitz treffen konnte. Und jetzt bist du da. Und jetzt bleibst du nicht hier. Jetzt sollst du. ehe dein Leben nach Monaten gezählt werden kann, schon mit Vater und Mutter üben das Meer fuhren, unter einen blaueren Himmel, in eine wärmere Sonne. 1 * „ Mer bist du. kleines Weset, mit dem Milchatem und dem tiefen Schlaf der ersten Tage? Ein junger Mensch, ein neues Wesen, ein immer wiederkehrender Anfang des unendlichen Schöpfungsgeschehens. Das waren wir alle, als wir so kanten und so lagen wie du. Das sind sie alle, die kleinen Neugeborenen in der Welt Gottes. Aber du, Ben B'rith, bist uns heute mehr. Du bist — im Sonderfall des Schicksals gesehen - ein lebend gewordenes Zeichen für den Mut. mit dem deine Mutter durch die schweren Tage des Wartens ging, und für die Tapferkeit, mit der dein Vater sein Leben und deine Zukunft in die arbeitswilligen Hände nahm und es umschuf, für dich schuf, entschlossen, aufrecht, ungebeugt. Du bist — ach. leise Andacht über deinem Köpfchen! — ein Sohn des Bundes, ein Ben Jtsroel. und dein Leben ist uns-allen die sichtbar gewordene Verheißung. die unseren Vätern getan und von ihn?» immer wieder als Segen wiederholt wurde: Unverwelklich blühende Kraft des Jakobstamms. * Wer wirst du sein, kleiner Jude, wenn du aufwächst und zu reden beginnst und lernen darfst und stark sein sollst an Gliedern und an Gedanken? Jude im heiligen jüdischen Land. So denkt sich s dein Vater, so hoffen wir s für dich. Du gehst als ein Unbewußter den weiten Weg. Du brauchst dich von nichts zu trennen, du brauchst keine Wurzeln aus einem Erdboden zu ziehen, du brauchst nicht die heilige Sprache der Vater wie eine Fremdsprache zu lernen, du wächst auf zwischen Orangengärten und wogenden Feldern, an die Sonne gewöhnt, arm. aber arbeitsfroh, tüchtig mit deinen Händen. Du wächst auf. Gott schenke es uns, als ein freier Mensch, und eben darum der Sendung gewiß, die uns durch die Jahrtausende erhalten hat, in der Dumpfheit der Ghetti. im Blutstrom der Pogrome, durch die der Hoffnungsruf nach dem Erlöser Zions als einziger Trost und Halt ging, die Israels Kraft nicht brechen konnten. * Ein kleiner Jude mehr ist in der Welt. Er bleibt nicht hier. Er fährt Ubers Meer, Karmel und Libanon werden auf sein Belieben heruntersehen, Palmen und Orangenhaine werden Uber ihm rauschen. Es sind Tausende wie du in der Welt. Und jedes dieser winzigen Stimmchen ist uns ein Anruf, dem wir mit dem Bekenntnis unserer eigenen Art und unseres Judeseins verantworten müssen. Wir bleiben hier. W i r gehen still den Weg. den wir gehen sollen, aber wir wissen von deiner kleinen Stirn das Leuchten der Verpflichtung Israels. Du kamst, zu uns und bist ein Bote. Du lebst— und siehe, wir wissen: wir leben. Israel lebt, und der Sinn seines Daseins in der Welt lebt mit ihm. MWWWWWWWW WWWWWW» TüichUaeTnUteUuna : an atU £eset in Stadt und £and! Aus ZweckmäBigkeitsgrönden wird in Zukunft der Einzug der Abonnementsgebühr für die .Gemeindezeitung* aiiMclill«Bllch durch dl« Post orfolflon. Allen unseren Abonnenten wird daher der Postbote in der Zeit vom 18. bis 23. März ds. Js. eine Quittung für das kommende Vierteljahr (1. April bis 30. Juni 1934) Ober RN. 1.25 : vorlegen. Wir bitten dringend, diese Quittung sofort einlösen zu wollen, da bei Nichteinlösung die Weiterlieferung der Zeitung automatisch eingestellt wird und die nachträgliche Wiederbestellung mit einem postalischen Kostenaufschlag für den Besteller verbunden ist. Nachdem wir in mühevoller Arbeit unseren gesamten Abonnentenstand auf das Inkasso durch die Post umgestellt haben, bitten wir unsere verehrlicben Leser, durch prompte* Einlösung der Vierteljahresquittung uns eine reibungslose Abwicklung des Abonnementeinzugs zu ermöglichen. Der Verlag mm mmmmmmmm 49 Dr. Kehr seine ausgezeichneten Ausführungen, die den stürmischen Beifall der äußerst zahlreichen Zuhörer fanden. Als zweiter Redner sprach Dr. F r.i e d r i ch Brodn i t z, Berlin, dessen Aufgabe es war. einen Blick in den C.-V. zu eröffnen. Mit einfachen Worten erzählte er von der weitgespannten Arbeit des Central verein» und zeigte auch die Grenzen dieser Arbeit auf. Der C.-V.. so fuhr der Redner fort, scheut die Gefahr, unpopulär zu sein, nicht, wenn es ihm notwendig erscheint. Er hat die verantwortungsvolle Aufgabe, an der Erhaltung jüdischer Substanz initzuwirken, sich einzusetzen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Eine Fülle von Arbeit lastet auf dem Verein — aber nichts wird als nebensächlich befrachtet. Es gilt dabei vor allem. Rückgrat zu zeigen, denn nur so kann etwas erreicht werden. Nur durch Konzentration ist Leistung möglich. Drei Mitglieder des C.-V. und drei Zionisten naben zu», großen Hilfswerk für die deutschen Juden den Grundstein gelegt. Sein aktivster Träger war der unvergeßliche Dr. I. tt d w i g T i e t z. — Dr. Brodnitz behandelte dann das Answanderungsgebiet. Kr betonte, daß die Förderung der Auswanderung ziKur notwendig sei. daß die Auswanderung als solche aber keine Lösung der Judenfruge bedeute. ' Dieses Problem müsse im l aude gelöst werden. Der Redner forderte daun auf. endlich mit den fruchtlosen Schlagwörtern auf/uhören. Ls handle sich in den meisten Fällen ja doch nur um die einfachen Fragen nach Lebensmöglichkeit für den Einzelnen. Jeder Berufsumschichtung, so betonte Dr. Brodnitz, muß die Umschichtung der Geister verausgaben. Diese Neuorientierung fällt vor allem der alten Generation schwer, wahrend bei der Jugend nach dieser Richtung ein starker Wille vorhanden ist. Der neue Bund der jüdischen Jugend hat die Aufgabe-, den Weg in die Zukunft sich selbst zu bahnen. Der Redner gedachte dann mit besonders rühmenden Morten de r Einigkeit in der Sitzung des Beirats der Reichsvertretung. In derselben offenbarte sich auch die absolut positive Einstellung zur jüdischen Schule. Die in dieser Frage von der Reichsvertretung uufgestcllten Richtlinien sind eine Arbeit sachverständiger Männer. Diese Schule muß der Jugend große- Werte vermitteln, um sie vor den Aengsten zu bewahren, die so leicht die Seele» der‘Kinder belasten. Es ist jetzt höchste Zeit, so schloß Dr. Brodnitz. zu erkennen, worin die historische Aufgabe liegt. Wenn eine E|>ochc endet, die Großes geleistet hat. aber überlebt war. und eine neue Zeit heruufzieht so gilt es. sich in einer neuen, selbstbewußten Gruppe wieder zu finden und, statt dem Individualismus zu huldigen, sich der G e nt e i ns ch a f t einzugliedern. Zum Vortragsabend des Central-Vereins am 24. Februar. Zu dem am 24. Februar stattgefuudenen Vortragsabend butte die Stuttgarter Ortsgruppedes Oent r u I - V c* r e i n s zwei hervorragende Redner gewonnen. Es darf gesagt werden, daß diese Versammlung eine der bedeutungsvollsten war. die der C.-V. bisher in Stuttgart verunstaltet hat. Der Abend wurde durch herzliche Begrüßungsworte des Vorsitzenden der Ortsgruppe*. Dr Manfred Sichel, eröffnet, der betonte, daß sich die Aktivität und Vitalität des C.-V. nicht in großen Versammlungen, sondern in der praktischen Arbeit und Mitarbeit an den Aufgaben der Reichsvertretung zeige. Es gereiche der Ortsgruppe zur besonderen Ehre, daß eines ihrer Mitglieder an wichtiger Stelle der RejchsVertretung stehe. Jede einzelne Ortsgruppemüsse stolz darauf sein, sich als beste Dienerin der Reichsvertretung zu betätigen. Die Synthese „Judentum — Deutschtum“ sei unverwüstliches Prinzip des C.-V. Nun sprach Dr. Erich Kehr. Kaiserslautern. Er gab ein Bild des deutschen Juden, wie es die heutige^ Verhältnisse gestaltet haben. Die Ausmerzung der deutschen Juden aus allen Stellungen des öffentlichen Lebens, so führte der Redner aus. und die durch die veranderte Einstellung entstehenden wirtschaftlichen Folgen lassen die Zukunft unserer Kinder wie durch einen Nebel verhüllt erscheinen. Wir können nicht übersehen, wie die Verringerung des Lebensraums sich in der Zukunft auswirken wird. Hier gilt es. sich vor Wunschbildern zu hüten. Man muß eine Haltung von den Juden verlangen, die der Würde und Ehre entspricht. Es ist Pflicht, das Gegebene zu erhalten und ein neues Gemeinschaftsgefühl zu wecken: Eine Gemeinschaft aller Juden. Bei dieser Sammlung der deutschen Juden kommt es nicht auf Ideologie, sondern auf das Erleben an. Es ist eine heilige Verpflichtung. ein jüdisches Leben zu leben. Wir stehen in einer historischen Zeit. Was die Lösung der Judenfrage anbetrifft, so bemerkte der Redner, Palästina sei keine Lösung, müsse aber als Auswanderungsland hoch gewertet werden. Die Judenfrage ist eine Menschheitsfrage, die Lösung der deutschen Judenfrage aber eine Sache für sich. Der deutsche Jude schöpft aus zwei Quellen. Die deutsche fließt jetzt spärlicher — aber die seelische Anhänglichkeit an Deutschland kann nicht unterbunden werden, da sie nicht auf Aeußerlichkeiten. sondern auf einer inneren Bindung an ein Land beruht, in dem wir seelisch verankert sind. Das deutsche Heimatgefühl ist für den Juden Erlebnis. Wir müssen festhalten am Glauben an uns selbst, am Menschlichen und Göttlichen in uns. und in unserer Religion. Mit der Aufforderung, den Glauben an unsere Zukunft nicht zu verlieren, schloß Stürmischer Beifall dankte dein Redner für seine tiefgründigen Ausführungen: dieser Beifall galt zugleich dein C.-V.. der. wie uns diesem Refe rat sich besonders plastisch ergab, sich in unermüdlicher Arbeit für das deutsche- Judentum einsc-t/t. Stefan Frenkel spielt in der Stuttgarter Jüd. Kunstgemeinsdiaft. Zum Konzertabend vom 8. März im Siegle-Haus. Die 2. Almniic-ment Veranstaltung der Stuttgarter Jüd. K u n s t g e in e i n s ch n f t war ein musikalisches Ereignis und — eine Ueberraschung erster Ordnung dazu. Ein Ereignis, weil sie die Bekanntschaft mit einem Geiger vermittelte, der ein Phänomen ist: mit Stefan Frenkel: und eine Ueberraschung, weil dieser berühmte Künstler zusammen mit einem Streichorchester — eben dem Instrumentalk reis — konzertierte, dessen rapide künstlerische Entwicklung eine außerordentliche Tatsache ist. Man stelle sich vor. daß das Orchester vor einem halben Jahre überhaupt noch nicht existierte, daß es ausschließlich Liebhaber der musikalischen Kunst umfaßt, und nun mit einem Geiger von internationalem Ruf ein Bach-Konzert in einer tonlichen Ausgeglichenheit spielte, die — wir wissen es — Stefan Frenkel selbst als hervorragend bezeichnete. — Die jüdische Öffentlichkeit Stuttgarts gratuliert Dir. Karl Adler zu diesem zweiten, großen Erfolg und dankt ihm für sein unermüdliches Wirken im Dienste unserer Gemeinschaft. Als Schöpfer und künstlerischer Leiter des Sing- und Instriimentalkreises hat Karl Adler unserer Gemeinde eine Institution geschenkt, die nicht mehr wegzudenken ist. die für Tausende heute eine Quelleneuer seelischer Kruft bedeutet. So wurden denn auch Stefan Frenkel und Karl Adler stürmisch gefeiert. Es war ein schöner Ausdruck für die innere- Verbundenheit gemeinsam schöpferischer Menschen, als Stefan Frenkel' dem Dirigenten und der t. Geigerin die Hände drückte, wie schließlich dük ganze Orchester sich erhob und nicht endenwollender Beifall .einer I200köpfige» begeisterten Menge für diese Feierstunde dankte. Ein Wort nun über Stefan Frenkel. Dieser Geiger ist das Urbild des ernsten, aus tiefstem Innern heraus schaffenden Künstlers, der bei aller genialen Technik weit von jedem auf Effekt bedachten Virtuosentum entfernt ist. Ruhig, sachlich fast, steht er auf dem Podium — und seinem Instrument entströmt ein voller, herrlich timbriertcr Geigenton, der leise verschwcbt und wieder aus der Vielstimmigkeit de» Streichorchesters sich emporschwingt zu .jubelnder musikantischer Sieghaftigkeit. Welch' großer, überragender Könner und Gestalter dieser Stefan 1 renkel (Fortsetzmf Seite. 233) TlLtfOHK43« aunsAKT ttumcisra-v Continental ERZEUGNIS OER WANDERER WERKE A.-G. SCHÖNAU-CHEMNITZ lUUOHipu* STunsAtn Kutncisn-n iiiid tmmmm ct-MiriTi-f-t'fucaKitoiatttaaft

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