Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- X (1933-1934)
- Issue
- X. Jahrgang Nr. 18
- Date
- 1933-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
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- 163 - Selbstbesinnung — und arbeiten! Zwei Erwiderungen. Die nachfolgenden Artikel gingen uns als Erwiderung auf den in letzter Nummer veröffentlichten Beitrag von Rechtsanwalt Dr. Hermann Merzbacher zu. — Wir gewähren ihnen gerne Aufnahme-, weil wir einen sachlichen Gedankenaustausch zur Klärung aller unsere Gemeinschaft betreffenden Fragen für zweckmäßig halten. Die Redaktion. Jüdische Jugend — Jüdische Einigkeit. ln iinseici /.eit. die so viel Neues. I. inwül/.endes Ihr uns Juden gebracht hat. wird sehr viel von jüdischer Einigkeit, jüdischer Suniinluiig und jüdischem Frieden gesprochen. Nicht mir. daß jeder immer zuerst an den anderen diese Forderungen stellt: man geht noch weiter: ..Wir sollten doch nicht das Gegensätzliche lierausstellen und nicht in einen hiilllichen ideologischen Kampf verfallen ..." Wörtlich wurde das in einem Artikel der letzten Nummer der ..Gemeiiidezeitung“. der insbesondere mit einer Mahnung an die Jugend schloll. von Dr. S Le g f r i e <1 Merzhu ch e r gefordert. Wir glauben, eluß wir. die jüdische hündische Jugend, nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht haben. Stellung zu nehmen zu diesen Fragen der jüdischen Gegenwart. Denn heute', in einer Zeit, in der für uns Juden eine Umwertung aller Werte stattfindet, h u t eine verantvvorlungsbewullte Jugend die Pflicht, seffern das Alte überlebt ist. neue Wege zu gehen lind für sie im Interesse einer wahren Einheit zu kämpfen. Was bedeutet für uns jüdischer Frieden, jiidi- -che Einigkeit und jüdische Sammlung? Bedeutet es nur eine reibungslose technische Zusammenarbeit verschiedener jüdischer Organisationen in neutralen Gremien? Oder bedeutet es nicht etwa mehr. Wir meinen eine jüdische Einigkeit auf der Grundlage einer absolut positiv-jüdischen Haltung jedes Einzelnen wie jeder Organisation. Positiv-j ii d i s ch e Haltung heißt, all das. w as wir früher überbetont haben, in seinen Rahmen zuriickziistellen und sich neu zu orientieren nach dem J u d e n t u in. Nicht Neuorientierung nur so. dal! man statt wie bisher ein- bis zweimal nun fünf- bis sechsmal im Jahr in die Synagoge geht, sondern Neuorientierung nach einer neuen jüdisch-politischen Haltung, nachdem die alte sich als unmöglich erwiesen hat. Auch e ine wirtschaftliche Andersstellung durch staatliche Sondergesetze ändert nichts an der Pflicht, gefordert von jüdischer Eh re. jüdisches Schicksal Lenau so mitziitrageu wie jeder andere Jude. Das ist dann in allererster Linieauch jüdische Einigkeit und -- Selbstbesinnung! Man soll von uns nicht eine Einigkeit verlangen auf der Basis von Altem. Ueberlebtem. Das wäre kein Frieden, sondern eine Trägheit, ein Zurückweichen vor den uns von der Geschichte gestellten Aufgaben. Wir wissen, daß große- Teile der deutschen Judenheit sich in dieser Neuorientierung befinden. und wir wissen auch, daß man sich nicht von heute auf morgen eine ganz neue Welt aufbauen kann, wenn eine andere Welt unerwartet und restlos verloren gegangen ist. Daher wollen wir niemand zu einer überstürzten Stellungnahme drängen. Aber wir werden nicht ruhen, immer und immer wieder zu betonen, daß diese Neuorientierung notwendig ist. und daß man nicht den alten, wenn auch vielleicht bequemeren Weg weiter gehen darf, wie wenn nichts geschehen wäre. Vielleicht wird man uns unseren Zionismus vorwerfen und sagen: ..Für Euch Junge ist das recht, Ihr geht nach Palästina, über wir?“ Wir werden uns immer dagegen wehren, daß wir nur kurzsichtig unseren eigenen Weg sehen und uns um die Zurückbleibenden und ihre Judennot nicht kümmern würden. Gerade deswegen, weil wir wissen, daß viele hier bleiben müssen, for- JRjomxiruiA Der Schuh der vornehmen Wett .Romanos“ Allein verkauf der Marke das edelste Erzeugnis der Schuhindustrie, für Damen und Herren zu zeitgemäßen Preisen Wir empfehlen unser groß sortiertes Lager in Damen-, Herrc n- und Kinderschuhen für Straße und Haus in allen Preislagen Sdinbe!flr jeden Sport: Tarnen, Tennis, Skiand Eislauf. Fnfeball de. Schuhhaus Wolf nur noch KönigstraBe 25 Ecke Schulstra^e dorn wir von ihnen diese Neuorientierung, diese stolze und mutige jiidis<he\IIaltung. gerade weil wir wissen, daß Juden in Deutschland nur werden lohen können mit einem starken und freudige» Bekenntnis zu ihrem Judentum, zur jüdischen Gemeinschaft, zmn jüdischen Volk. Sic* worden auch in lebendiger Verbindung sein müssen mit der Jüdische» Gesamtheit, vor allem mit den Juden, die heutein Palästina eine ungeheure und einzigartige jüdische Leistung vollbringen. Und nur mit diesen beiden: einem würdigen Bekenntnis nach außen und einer starken inneren Verbundenheit mit der jüdischen Welt wird es für diese Juden ei» erträgliches Leben in Deutschland gc-ln-n. Vielleicht wird man auch das wieder als unerwünschte Agitation und Propaganda bezeichnen. Wir nehmen diesen Vorwurf auf uns. weil wir wissen, daß es notwendig ist. das zu sagen, was wir zu sagen haben Wir sind für Frieden und Zusammenarbeit, aber nur auf der Basis eines offene» Meiuungsaiistaiiscbes und nicht auf der einer Totschwcigepolitik. Wir feiern iii diesen Tagen Chanukka, das Makkalüierfest. Auch die Makkabäer haben in eine r schweren Zeit gekämpft für i h r Judentum. gegen jüdische* Lauheit und Schwäche. Nehmen wir uns un ihnen ein Beispiel, nicht nur an ihrem Sieg, sondern auch an ihrem Kampf! Hahonim noar ohnluzi (Ortsgruppe Stuttgart). ..Werkleiite", Rund jüdischer Jugend (Ortsgruppe Stuttgart!. * Arbeit an der jüdischen Gemeinschaft tut not! Selbstbesinnung und Arbeit an sich selbst, die Dr. Hermann M cr z b n dl e r in seinen Ausführungen in der letzten Nummer dieser Zeitung fordert, sind gewiß berechtigte Post»late. Sic* müßten sich aber nicht an diejenigen Stellen richten, welche die Juden zu Selbstbesinnung und Arbeit ah sich selbst anspornen, sondern an die Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft selbst. Diese aber verlangen, und das beweist der lebhafte* Besuch aller jüdischen Veranstaltungen, daß man sicmit den jüdischen Problemen der Gegenwart fortlaufend vertraut macht. Diese Tatsache allein schon würde die Fortsetzung der bisherigen Versammlungsarbeit rechtfertigen. Aber nicht nur das. Weit wichtiger als der Einzelmensch ist die Gemeinschaft, die jüdische Gemeinschaft. Wenn deshalb in den letzten Monaten die zionistische Arbeit in einer Reihegroßer öffentlicher Veranstaltungen ihren Niederschlag fand, so war die Verpflichtung zur Arbeit an der jüdischen Gemeinschaft dabei die Triebfeder. Der Zionismus hat immer die Einheit aller Juden iin Jüdische» Volke bejaht and deshalb immer seine Arbeit auf die jüdische Gemeinschaft eingestellt. Wollte man deshalb die öffentliche Versammlungstätigkeit einstellen, so würde* man damit eine wesentliche Verpflichtung der Jüdischen Gemeinschaft gegenüber verletzen. Deshalb ist es auch unrichtig, die Versamiulungstätigkeit als propagandistische Tätigkeit zu bezeichnen. Der Zionismus arbeitet nicht für sich lind für seine Organisation, sondern für die Gesamtheit. Und der einzelne Jude hat Anspruch darauf, daß man ihn. gerade in dieser Zeit, nicht seinem Schicksal überlaßt, sondern ihm dcfi Weg zeigt, wie er als aufrechter .Mensch in jdiesc-r Stadt und in diesem Lande leben kann. Und wahrlich, die Zionisten sind hie/11 soliderem Maße berufen. Denn sie können in Werk verweisen, das jüdische Mensch schaffen haben, ein Werk, das scinc-sglcicm-n in der Welt sucht: In wenig mehr als zehn sind aus Stein- und Sandwüstc-n Städte und Dör for. und aus Sümpfen fruchtbares Achcrla id geschaffen worden: Palästina ist heute* das einzige f and der Welt, in weldies Juden mit dem Anspruch auf Arbeit einwandern könnet , und das keine Arbeitslosigkeit kennt: in Palästina entwickelt sich ein neues geistiges jüdisch-v Leben. das seine höchste Pliegc-stätte in de - Universität in Jerusalem findet. Mit Stolz ui d Be friedigung muß es deshalb jeden deutschen Juden erfüllen, wenn er weiß, daß all das durih jü disdie Hände in ehrlicher Arbeit geschaffen wurde. Deshalb kann die zionistische Arbeit, wen» sie von allen verantwortlichen Menschen unter dem Gesichtspunkt des Dienstes u n der Gesamtheit aiifgenomnieu wird, nid t Gegensätze ideologischer Art auf/eigen. sondern, ebenso, wie es Dr. Morzbadier verlangt alle Kräfte sammenfassen. Der Zionismus will nicht Unfrieden und trächt in die jüdische Gemeinschaft tra; will sie vielmehr zur Erhaltung des Jucl einen. Und er ist deshalb auch zur Zusammenarbeit mit allen Gruppen des deutschen 'Judentums bereit, wenn diese Zusammenarbeit auf der Grundlage eines erlebten unc w u ß t e n Judentums erfolg t. Grundlagewird aber jeder anerkennen tri dem an der Erhaltung-des Judentums in <1 des deutschen Judentums im besonderen gelegen ist Rechtsanwalt Dr. Tiii zer. wie es Dr. Morzbaoher vcrlangi. zu einer großen jüdischen Aufgabe Aus xien QmtcUtden Wüdiem&ec, Stuttgart. Sitzung des Vorsteheramts am 7. Dezember 1933. Der den Vorsitz führende Karl Levi eröffnete die Sitzung mit herzlichen Begrüßungsworten für Anstallsdirektor Th. Rothschild, Eßlingen, der als S«chverständiger in Sachen der Schulfrage eing ‘laden war, ebenso für den von einer Palästina-Reise heimgekehrten Vorsteher Dr. Pani Tä*zer, und gab dann einige Stiftungen bekannt. Dr. Hermann Merzbacher erstattete hierauf sein Referat zum 1. Punkt der Tagesordnung: Antrag auf Errichtung c iner jüdischen Schule. Er verwies auf seinen an die Vorsteher zur Verteilung gebrachten Schriftsatz, der den Antrag der Sdinlkomr lission in sieben Punkte gliedert, die im Schriftsatz einzeln kommentiert werden. Da die Fra; e der Schulgründung in Vorbesprechungen schon gründliche Erörterung gefunden, konnte sich die Debatte, an der sich nahezu sämtliche Vorsteher beteiligten, auf Einzelheiten beschränken. Stadtrabbiner Dr. Rieger erklärte die Schilfrage in beauf geil ah reu Zwicn: er ntums I» e - Diese üssen. IQS. üentiöier stummer Iflüisöien Glaobem Landesverband Württemberg Unsere Beratungsstelle, Stuttgart, Friedricbstr. 54 steht allen Glaubensgenossen zur Verfügung. Die neuesten Erlasse der Behörden und die Entscheidungen der Gerichte können jeweils dort eingesehen werden. Ueber Fragen des Anstellungs- und Kündigungsrecfats beschaffen wir unentgeltlich Auskunft Sprechzeit: 9—11 Uhr und 15—16 Uhr. am» h»rSefc»ielrtIp»n Sto miofcl Klar, Buttar, Kis« .tn, m** »nflgn» u. uni* bei Frau Sally Wlntar ■Ota Markthalle, L Stock, Hui 317, T»L 35151 atatsplaft 3'/»—7 Ar groß, nicht M ip«l t-om Hfntrum, baureif, von Ausländer HW timfra aefMSbt. >' fchriftrn unter ei.1003 an die chemeinde^itung. Gnt rrhalCrnr» möglichst modernes ftlasin »W foufm Srt*4t- AngrboC» unter E. 1033 an dir Gememdqritung Akademiker übernimmt Broa>afatf<* MiMtn (euta*<cnj, äußerste Diskretion mb Grwiffmhafngkrit zugrstchrrl Angebote imler 3t. 4000an die Gemeinde,e»ung. Der am Samstag, den 2R. November, m der Svnagogr irrtümlich mitgenommene ■rar acmcaMim wolle sofort bei 0alf# abgegeben werden. 9amt* MStn W SM» M tmllll« ta#M>n oder vor mittag MMt. 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