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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1933-01-01 · X. Jahrgang Nr. 17 · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
X (1933-1934)
Issue
X. Jahrgang Nr. 17
Date
1933-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
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147 - Was ist jüdische Gemeinde? Von Rabbiner Dr. Leo Bueck. Rabbiner Dr. Leo Baed, Berlin, gibt im Rahmen eines dem Vorsitzenden der Re präsentanten-Versammlung der jüdischen Gemeinde Berlin, Rechtsanwalt Dein r i di Stern, anläBlich dessen 50. Geburtstages, in der „Jüdisch-liberalen Zeitung'' gewidmeten Festartikels, auf die von ihm aufgeworfene Frage „Was ist jüdische Gemeinde?“ folgende beachtenswerte Antwort: Was ist Gemeinde, jüdische Gemeinde zumal? Von der Zeit her. wo sie im Judentum entstanden war. ist sic ein I.ebensgebilde. Sic ist also nicht etwas Hcrgestelltes. Gemachtes, sondern ein Geborenes, ein Lebendiges, das weiterlebt und sich weitergibt. Sie vererbt sich und gestaltet und überliefert sich von Geschlecht zu Geschlecht wie eine Familienwelt. die im Gange der Zeit ihre Kreise dehnt oder auch engt. Wenn irgendwo, irgendwann neue jüdische Gemeinden geschaffen werden; sie sind übe rall und immer Leben vom alten Leben. Kinder von Gemeinden. Kinder mit der Mannigfaltigkeit ihres Daseins. Wenn Form und Antlitz in den Jahrhunderten wechseln, so eben nur sie: das alte Leben zeugt sich fort und erneuert sich. Die Gemeinde wird immer wieder und wieder geboren. Würde irgendwo dieses Band zerrissen, das die Gemeinde in die Generation einfügt, wollte man nur von heute sein, nur Gegenwart, aber keine Lieberlieferung haben, so wäre dort vielleicht noch ein jüdischer Verein, aber nicht mehr die jüdische Gemeinde*. Denn die Gemeinde, so kann es auch gefallt werden, ist nicht eine Gesellschaft, sondern eine Gemeinschaft. Das heißt: in ihr ist eine Verbundenheit gegeben, die mit ihrem Gehalt wie mit ihrer Bestimmung* die Ganzheit des Lebens erfassen will und nicht nur für bestimmte Zwecke und Unternehmungen gelten und dauern soll. Ihre Ausdrucks- und Willensformen sind daher Religion. Sitte und Eintracht. Darum bedeutet die Gemeinde etwas ganz anderes als die Partei. Denn diese ist. umgekehrt, eine Gesellschaft, nicht aber eine Gemeinschaft: ihre Ausdrucks¬ und Willensrichtung ist das Programm, die Agitation und der Zweck, der manches rechtfertigt. Eine Gemeinde, die cs versuchte, sich auf eine Partei zu beschränken, oder nur eine Partei darstellen wollte, hörte darum auf. eine Gemeinschaft und damit wahrhaft eine Gemeinde* zu sein: sie begänne, eine bloße Gesellschaft zu werden. __ Die jüdische Gemeinde ist aber auch nicht eine Kirche. Das will sagen: sie gewährt der geprägten Individualität, der jüdischen Persönlichkeit ihr Recht, ein Recht, das weit größer ist als die Kirche, da diese im Namen Gottes oder wenigstens im Xanten eines geistlichen Auftrages sprechen und verordnen will, den Ihren es gibt und cs geben kann. Die jüdische Gemeinde ist die Gemeinschaft von Menschen, denen der Wert und der Wille ihrer persönlichen jüdischen Besonderheit zugeteilt ist. In jedem Gewissenszwang. in jedem Glaubensdruck würde sie sich selber verleugnen, sich selber verneinen. Der Kirche ist cs hierin anders zugegeben, ja aufgegeben: sie stellt als überirdische Stiftung vor dem Einzelnen, sic darf ihm die Bahn seines Glaubens und Denkens verschreiben. Wollte eine jüdische Gemeinde nach Gleichem, zur Rechten oder zur Linken, trachten, wollte sie eine Kirche nuchzuahmcn suchen, sie würde*, ganz, abgesehen davon, daß sie wegen des Mangels der Proportion ein Spottbild böte, nicht mehr eine jüdische Gemeinde sein. Es liegt ein tiefer Sinn darin, daß seit altem die Gesamtheit der Juden in ihrer Gemeinsamkeit der Religion, der Erinnerung und der Hoffnung als ..die Gemeinde Jakobs" bezeichnet ist. Wie geringfügig erscheint gegenüber dieser ..Gemeinde Jakobs“ selbst die Sonderung und Scheidung in die einzelnen Gemeinden, in diese Einzelgestaltungen der Gemeinschaft. Wenn wir alle dessen bewußt werden, dann werden wir auch darum zu wissen beginnen, daß wir. wir deutschen Juden, mit der Fülle und dem Recht aller unserer Gemeinden, doch Eines sind und daß dieses Eine von uns zu sichern und zu wahren ist: die jüdische Gemeinde Deutschlands — kein „Verein" deutscher Juden, keine jüdische Kirche, aber die deutsche jüdische Gemeinschaft die „Gemeinde Jakobs“ im deutschen Lande. Jüdische Selbsihilfe. Eine Chanukka-Betrachtung. Von Bezirks-Rabbiner Dr. A. Tänzer, Göppingen. Alles bei uns Juden hat seine Eigenart. Auch unsere Erinnerungsfeiern. Sic gehen von uralten Geschehnissen aus. finden aber ihre tiefste Bedeutung doch erst * im jeweiligen Zeiterleben. Niemals ausschließliches, geruhsames Gedenken. Judenschicksnl im Gallith. Was vor Jahrtausenden die Vorfuhren getan, hat den Nachkommen als Richtsdinur zu dienen. ..Zc ulinud“. „£che und lerne daraus!“, sagt uns auch , heute die Chanukkafeier. Zwei Momente führt sic* uns vornehmlich vor Augen: Die S e 1 b s t h il f e der M e n s di e n k r a f t und das Wunder d u r di Gottes Allmacht. Die Selbsthilfe der Juden vor 2100 Jahren unter Führung der Makkabäer, als syrische Vergewaltigung sie zu vernichten drohte. Und das Wunder des Lichtes, als zwei Jahre später der Sieg errungen war und der Tempel zu Jerusalem wieder eingeweiht wurde. Die religiöse Ueberliefcrung hat von jeher das göttliche Wunder in den Mittelpunkt der Feier gestellt und ihm auch deren Symbol entnommen. Die menschliche Leistung in aller ihrer Größe trat zurück, weil ja auch sie nur durch Gottes Hilfe errungen werden konnte. Nun. auch uns ist die tausendjährige Ueberliefcrung heilig, auch wir werden in wenigen Tagen Lichter anzünden zum Preise Gottes, „dicosso nissim“. ..der Wunder getan hat“. Aber die unerbittlich harte Spradie unseres heutigen Lebens verlangt zugleich von uns, daß wir auch dem anderen Momente der Chanukkafeier erhöhte Bedeutung ziierkennen und es zum Vorbilde nehmen sollen: I) i e S c* I l> s t h i 1 f c* u n d d e n E i n * a t / d e r Inder eigenen Tatkraft. Das. Gotteswu allen Ehren! Aber auch zur Makkabäerzeit es e r s t d a n n in die Erscheinung, nuchdei Werk der Selbsthilfe vollbracht war und d den alle eigene Kraft für ihren Fortbestund gesetzt hatten. Und auch wir heute müssen z alle unsere Kraft und allen unseren guten W der Seljisthilfe widmen. Zahlreich und sind die Aufgaben, die der Lösung harren entscheidender Bedeutung für uns. für u Kinder, für das gesamte Judentum. Erfreuli weise mehren sich die Anzeichen dafür, deutschen Juden ihren alten Ruf bewähren sich gewillt und befähigt erweisen werden Schicksal zu meistern. Die Reichsvertretun{ deutschen Juden als Führerin der Gesan verkörpert den endlich errungenen Zusam Schluß. Unsere Organisationen sind eifrig Werke. Alterprobtes zu erhalten. Neue: schaffen. In allen unseren Gemeinden regen die Kräfte zu Hilfe und Auflmu. Wer wer wollte, wer dürfte sein Gewissen in s> ster Weise dadurch belasten, daß er nicht besten Kräften mithilft und opferfreudig Gelingen beiträgt? ~ Uns heutesagt die C h a n u k k a f c Sei du nicht stolz auf deine Ahnen, sond gib diesen Berechtigung, auf stolz sein zu können. Feiere um nukku das Andenken der großen Vorfahren durch, daß du dich als ihr würdiger Nachk erweisest und gleich jenen durch Selbs Tatkraft und Opferwilligkeit dich auszeidi <1 iwc kö i ch w in trat das Jueinicrst dien rer von ifsere herdie und ihr der ii theit nonam zu sich nte. ernach zum i e r: e r n i ch Madame ilfe. nest. odi: t» Selbstbesinnung - und arbeiten! Von Rechtsanwalt Dr. Hermann Merzbacher. Den nachfolgenden Ausführungen haben wir gerne Aufnahme gewährt. Denn jeder Aufruf für Friede und Eintracht in der Gemeinde muß begrüßt werden. — Daß aber unsere überfüllten Versammlungen letztendig der sichtbare Ausdruck einer um ihre seelische Existenz ringenden Gemeinschaft sind, sollte doch nicht verkannt werden. — Ein Meinungsaustausch ohne verletzende Schärfe kann sehr wohl der Gesamtheit dienen. Die Redaktion. Es war durchaus natürlich, wenn nach den politischen Ereignissen in Deutschland die deutsche Judenheit ein gesteigertes Interesse für die zionistische Idee und das Land Palästina zeigte. Die, Zionistische Organisation hat durch eine Reihe von Rednern über die zionistischen Gedanken und das Aufbauwerk in Palästina Aufklärung geschaffen. Schließlich wurde die ideologische Grundlage durch Herrn Dr. Prinz der hiesigen Gemeinde zur Kenntnis gebracht.. Andererseits brachte die allgemeine Entwicklung in Deutschland das bewußte Hervortreten des Frontsoldaten und der Frontsolclatenorganisationen. Daraus ergab sich die Stellung des „ R c i di s b u n d e s j ü d i s ch e r Frontsoldaten“, durch die ihm ein besonderer Aufgabenkreis für die deutschen Juden erwuchs. Audi diese Organisation hat der hiesigen Gemeinde durdi den Vortrag Dr. Freunds und die sportlichen Leistungen, die gezeigt wurden, über die theoretische und praktische Betätigung Aufschluß gegeben. Es soll in diesem Zusammenhang nicht über die Frage der Rcichsvertretung und ebensowenig über die in dgr Natur der Sache liegenden ganz und gar verschiedenartigen Betätigungen und Leistungen der Organisationen gesprochen werden. Es droht aber die Gefahr, daß Gege nsätze ideologischer Art eine Kluft schaffen, während doch so sehr die Zusammenfassung aller Kräfte und wertvoller Energien als wichtigste Aufgabe erscheint. Bei uns in Württemberg und Stuttigart hat es innerhalb der Gemeinschaft niemals die überspitzten Gegensätze gegeben, wie diese neuerdings in den Vordergrund gestellt werden. Die ideologischen Gegensätze haben bis-jetzt bei uns nie daran gehindert, praktische wert rolle Arbeit innerhalb und für die Gemeinschaft zu leisten und die Kräfte zusammenzufassen. Wir sollten und wollen doch an diesem wertvollen Gut fcstbalten. Wir sollten doch nicht das Gegensätzliche hcrausstellen und nicht in einen häßlichen ideologischen Kampf verfallen, der vielleicht anderwärts üblich war oder ist. den wir aber von hier fernhalten wollen. Wir waren und sind stolz, auf die konsolidierten Veihältnisse in unserem engeren Vaterland. Die Gemüter sind erregt, die Geister emp anglich; die Menschen suchen nach Idealen. Hoffnungen und Chancen. Agitation und Propaganda fallen auf fruchtbaren Boden: die Versammlungen sind überfüllt. Die Hauptsache aber wird -übersehen, die eigene Besinnung, jlas Arbeiten an sich selbst und ans sich selbst her- Um dies zu ermöglichen,' wäre es erwünscht, zunächst ei-nmal agitatorische Propaganda zu bcen d i g c n und die Versammlungsw *lle' abzus toppen. Wir Schwaben sind be Richtige und nachdenkliche Leute: wir wollen in uns gehen, überlegen, uns besinnen und prüfen mit dem Willen, an uns und für uns zu arbeiten als. Persönlichkeit, und für das Wohl der Gemeinschaft. Es ist notwendig, eine gewisse Di-tanz von Agitation und Propaganda zu schaffen. N i di t Zwietracht und Trennung, sondern Einigkeit und Sammlung ist das Gebot der Stunde. Nicht Sclilagworte und Ideologie, sondern Selbstbesinnung und arbeiten tun not. Möge insbesondere die Jugend dessen eingedenk sein! d i e Wenn die Gemeindezeitung ausbleißt, dann bitten wir. zuerst beim Briefträcer oder dem zuständigen Postamtzu reklamieren. Erfolgt hierauf-eine Nachlieferung nicht, dann ist der Verlag, Kassrnenstraße Nr. 13. zu benachrichtig!in. Sportu. Ski-Kleidung Ski-Anzüge für Damen und Herren / Schals Sport-Anzüge / Sport-Hosen / Pullovers Ski-Hemden / Turn-Kleidung des R.J. F. £S?sH il

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