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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1933-01-01 · X. Jahrgang Nr. 14 · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
X (1933-1934)
Issue
X. Jahrgang Nr. 14
Date
1933-01-01
Page
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Crailsheim. Am 2. Oktober verstarb nach Minderer Krankheit im Alter von 60 Jahren Frau Marie II o s e n f e I <1 gc*b. Nenineyer. die Gattin des Seniorchefs der Firma M. Ilosenfeld & Co., hier. Bei der Beerdigung würdigte Rel.-Oberlehrer K a h n den Iren liehen.Charakter der Verstorbenen. für deren Beliebtheit die zahlreiche Beteiligung an der Beerdigung ans allen Bevülkerungskreiseil zeugte. Ein treues Gedenken ist der edlen Frau immer gesichert. Heilbronn. Am 14. Oktober begingen die Eheleute Isidor und Regina F)an ziger in coller Rüstigkeit ihr goldenes Ehejubiläum. I-einziger bekleidet seit Jahren das veriit«ortungsvolle Amt des Gemeindepflegers. In vorbildlicher, aufopfernder Tätigkeit wirkt der Jubilar für unsere Gemeinde und hat sich die hohe Wertschätzung weitester Kreise erworben. \uch in den Wrcincn insbesondere in der I lerder-l.oge — werden sein kluger Rat und seine besonnen-würdige Auffassungen gerne* gehört. Audi seiner treuen W eggenossin. die ihrer Familie stets eine treubesorgte Mutter war. soll ehrenvoll gedacht werden. Wir wünschen dem greisen Jubelpaar weiterhin einen gesegneten Lebensabend! Ileilbronn. Auch hier wurden jetzt hebräische Sprachkurse, und zwar von Tischtennis-Klub ..Bkiu-W eill". eingerichtet. Sie wurden am Fi. September unter reger Beteiligung eröffnet. Zu Beginn begrüßte der Leiter. Lehrer F I a in in . die I oilnehiuer. Der Vorsitzende des Klubs. S i g in. S t o b e / k i . dankte Lehrer Flamin, der sich der guten Sache* zur Verfügung gestellt hat. Ilm. Am 2. Oktober durfte Frau ( illv Mac er geh. I ä minie ihren 70. Geburtstag feiern. Die Jubilarin ist das Musterbeispiel einer echt jüdischen I' rau und Mutier: sie erfreut sich i;t der ganzen Gemeinde größter Wertschätzung. Mögen ihr noch viele frohe Jahre beschieden - in! Zwei jüdische Arbeiter heiraten. Jüdische Hochzeit in einem süddeutschen Dorf August I9T5. Ein strahlend schöner lag. gegeben von Oben, ein wahrhaftes Geschenk in der Enge und Gedrücktheit unserer läge*. Das ganze* Dorf in lebhafter. freudig-bewegter Erregung. Das Rathaus geschmückt mit den Fahnen des neuen Reiches, "inner mehr Feilte strömen herbei und mitten ml zw ischendurch .Männer in feierlichem!*>chvvarz mit Zylinder, feiertäglich gekleidete* Frauen. Es llutct aneinander vorbei. Sie stören einander nicht — aber sie beachten sich auch nicht. L"nsichtbare Scheidewände I rennen. Die einen st rebeu dem Rathaus zu. wo unbeteiligt durch die anderen der neue Bürgermeister gekürt wird, der dann später unter Musik und Triumph durch die Straßen geführt werden wird. Die andern, die* Männer in Schwur/, die Frauen im. Feststaat eilen au den Ausgang des Dorfes. Ein großer Garten im prangenden Grün. Zw isehen alten Bäumen zwei schlanke Säulen. Darüber gespannt ein Dach. Fine Gliuppo. eine* richtige* ( huppo. l ud während von ferne die Lieder des neuen Reiches herantönen, treten unter freiem Himmel zwei junge Menschen zusammen. Fiu ( liuluz und eine ( haluzah. die mit der ganzen Kraft, der L uhckiinimcrtheit und der Sorglosigkeit ihrer frischen Jugend; sich ziisutiiincnzufinden. um ein jüdisches Haus zu gründen, das sic* errichten wollen, drüben auf dem durch den Atem der langen Zeit gesegneten Boden, dem Lande der Väter, der Zukunft, der vielleicht einzigen Zukunft der Jugend. Der Bräut.igam in der Tracht des Arbeiters. Der einzige fast, der keinen Z\linder aufhat. Diese dringlichen Etikettensorgen — August IWÜ! — ob ja Zylinder, oder kein Zylinder, war übrigens für die .Männer, die Bul-Battim. Anlaß zu hitzigen und stundenlangen Debatte n, die schließlich zugunsten des Zylinders entschieden wurden. Die Braut in Weiß, ein seidenes Tuch turbanartig um das Haar geflochten. Jung, rührend jung. Ein Kind schier. Und doch schon e in Ahnen de r künftigen jüdischen Mutter. Aengstlich verloren. fremd unter all den vielen Menschen. In unsäglicher \ erlassenheit. Zwar beide Eltern leben — aber sic* können’ nicht dabei sein. Wohnen noch nicht einmal so weit — aber selbst das kann nicht erschwungen werden. Zwei jüdische Arbeiter heiraten. Haben sich auf dem frommen Lehrgut kennen gelernt in gemeinsamer Tätig- 35 ad Tftecgentheim RithiisMerie Ob. Markt 20 Kauft BahnMDroiierie bei unseren im Karlsbau Inserenten! Otto Carle, Tel. 401 - 119 - keit. Beide treibt es ins Heilige Land. Heiraten noch schnell, um ein einziges Zertifikat benützen zu können. Merkwürdiges Bild. Zwei Welten berühren sich. Die ulte Versinkende. Ge sP‘-nstig fast die Zylinder-Männer, die einen Wohlstand, satte Bürgerlichkeit, Ausgeglichenheit Vortäuschen, die bald nicht mehr sein wird. Und hemuswachsend aus dieser Mitte die neue jüdische Jugend, die anspruchlos. schlicht, ohne falsches Pathos gewillt ist. mit der Härte der Zeit zu ringen. Die Gemeinde umringt das Paar. Neugierige drängen an den Zaun. Dorfbursche n, die eine solch prunklose jüdische Hochzeit noch nie gesehen. Die Zeremonie be ginnt. .Siebenmal uinschreitet die Braut, von einer mütterlichen Freundin geführt, den unbeweglich stehenden Bräutigam, magische* Kreise um ihn ziehend. Hebräische Lieder worden gesungen. Braut und Bräutigam trinken die vorgeschriebe neu Becher Wein. Der Rav findet ergreifende* Worte. Jubelnd und. trillernd, einer Lerche* gleich, steigt das ,.l.ie“ empor. Wieder tönen uralte Weisen. Zu gleicher Zeit kommt der Festzug. Sie stören einander nicht, über sie beuchten einander auch nicht. Und doch gab es einmal eine Zeit, noch gar nicht so lange* ist es her. knapp ein halbes Jahr, da Beides, sowohl die Wahl des christlichen Bürgermeisters. wie auch das Begehen einer jüdischen Hochzeit, mit großer Begeisterung gemeinsam vom gesamten Dorf unterschiedslos begangen worden wäre. Für die Gemeinde aber ward diese Feier, die den Rahmen eines Familienfestes sprengte, und sich uusw’üchs zu einem wahrhaften Gemeindefest. von ganz besonderer Bedeutung. Wie eine Chassunah. wenn auch, wie senkt hier nicht ortsüblich, eine unter freiem Hinimc über, schließlich doch nur eine Chassunuh. d e* sollte so etwas wichtiges sein? Weil zum erstenmal seit jenen schweren Apriltagen. die die Gemeinde scheinbar äußerlich zerfallen ließ und die einzHucn auseinander rill (um sie allerdings innerlich um so mehr mitei innder zu verknüpfen), weil zum erstenmal die Gemeinde zu einem außergottesdienstlicheii Anlaß sich wieder zusamiiieiifand. Es war ein Erwachen aus schwerem, dumpfe in Traum. Ein verwundertes Augenreiben. Ein fi st ungläubiges, seeliges Staunen. Nach allem wjos geschehen, nach allem, was bevorstflicii lang: das jüdische Leben, es geht doch weiter, unbekümmert. nach ehernen Lieschzen. Vor einiger Zeit las man es. und es war eine der erschüttert ctsten Nachrichten, daß auf dem blutgetränkt! n Boden Hebrons eine neue Jeschiwah sich erheben wird. Dort, wo in sinnlosem Zerstöriinpstrieb für immer scheinbar jedes jüdische Sein ausgerottet schien. Das fern-nahe Hebron ehrt.' die ( hassunah hier. Immer wieder werden iidischc* Menschen sich /usummeiitim. der W die zu leben, der W ille sich zu behaupten, er w rd durchdringen. die ewige jüdische* Urkraft, de wird sich durchsetzen. L nv ersie^liar. iiiiztsteirbar. Fine ( hassunah. nur eine ( hassunah. £udwigs&ucg. 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