Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- X (1933-1934)
- Issue
- X. Jahrgang Nr. 12
- Date
- 1933-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
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— 99 — Menge gehörig aufnahmefähig. Idi möchte sagen, alles Iratsche ist aus ihnen gewichen. Jetzt ist die Zeit zum Kol Nid re geeignet. Leise beweget von der Melodie summen die Männer und Kinder, deren eine große Schar da ist. mit. Ks ist das einer der llauptrcize. daß die ganze Gemeinde aktiv mittut. Allmählich steigt die Melodie und wird zu einem geordneten Geschrei, unter der Beteiligung aller. Aber fast immer hört man die ■'limine des Robben, vibrierend in den oberen Itegiouen. Uber allen Stimmen, liier und da mengt sich darein ein entzückter Aufschrei. , 1 , berhaupt gibt er Ton und Tempo des Betons Bei manchem Gebet verweilt er liebevoll. aderholt immer wieder eine bestimmte Stelle - > innig, daß man glauben könnte, er erwartet w>u ihr die entscheidende Wendung, andere werden hastig ohne Anteilnahme heruntergesprochen. als wenn sie Fremdkörper wären. Sein Gebet erscheint wie Zwiesprache mit Gott, bange Fragen. Bitten. Forderungen. Drohungen glaubt man herauszuhören. Ohne irgendwie Schluß /u machen, ist das Beten zu Fnde. denn einige gehen weg und die Uebriggobliebenen beten weiter für sich, viele bleiben sogar die ganze Nacht lernend und betend auf. als Andenken dafür, daß auch der hohe Priester die ganze Nacht im Tempel wachen mißte. Als es zu dämmern beginnt, kommen von len Richtungen die Chassidint herbeigeströmt. Jiald wird auch mit Schacharis angefangen. Mit größter Intensivität der Andacht, wie am Abend corher. werden die Gebete fortgesetzt und diese innere Spaltung läßt den ganzen Tag keine Spur c,»n Krschlaffiing merken. Wie in einem Taumel w ird der Jom Kippur durchlebt, in dem Bewußtsein. Jeder Gedanke, jedes Wort könnte die ersehnter Lösung bringen. Die Spannung erreicht ihren Höhepunkt, als der Robbe selbst anfängt. Noiloh \orzubeten. Ungehemmt und wild ist pi'tzt die Kkstase der Menge, es wird anhaltend it heiserer Stimme geschneit. Diese* Menschen haben jetzt in der Tat ihre* sonstige Fxistenz »ergossen, sie sind vollkommen im Beten aufgegangen. und begehren noch vor Toresschluß I ingang. Das ist ejer Kindruck vom scheidenden Tag. Denn mit dem Marivgebet wandelt sielt die Stimmung vollkommen. Die Gesichter entspannen sich, eine Befreiung, ja Befriedigung malt 'ich in den Zügen. Ohne Hast werden die Gebete gesprochen. Nach dem Schofarton jubelt die Menge auf und schon befindet sich der Robbe in der Mitte* seiner tanzenden C'hassidint. Dann zieht der Rebln* mit seinen Scharen auf einen freien Platz, wo sie laut betend die Kiddusch l.ewana — Heiligung des Mondes — vornehmen. Hier versenkt sich und verbindet sich die ge- ..ihlsvolle Seele* des Chussid mit der Natur auf eine Art und Weist*. Beim Scheine des Mondes taucht seine Seele in die Natur, um in ihr Gott zu spüren. Ks ist ein großer Abschluß des großen Tages. Für jeden einzelnen war es ein Krlebnis höchster geistiger Art. Nun gelu u die C'hassidim zum Robben zum gemeinsamen Mahl. Dann nehmen sie Abschied, der Itfhbc gibt ihnen freundliche Worte mit. Befriedigt ziehen sic*, bis zur nächsten Gelegenheit. denn immer wieder müssen sie zu rückkommen, um sich neue Kräfte für den schweren Kampf gegenüber der Umwelt zu holen. Aber einige Getreuen können sich noch nicht trennen, sie bleiben mit ihrem Robben auch noch diese Nacht zusammen und bereiten sich durch das Lernen des Traktates Suckoß auf die nächste Mi/woh vor. ..Denn man sollte mit einer Mizvvoli nicht aufhören, ehe man mit der nächsten angefangen hat". Das altbekannte Cafe Fürstenhof in Stuttgart ist nach gründlicher Renovierung vor kurzem wieder eröffnet worden. Der neue Inhaber (Herr F. H o ch . früher Schloßgartenhotel) wird vielen unserer Leser bestens bekannt sein. Wir machen auf die* Neueröffnung besonders aufmerksam und empfehlen allen Lesern, die auf eine gute lasse Kaffee usw. und einen gemütlichen Aufenthalt Wert legen, das Unternehmen bestens. Heuer wählt die Dame ihre Pelzgarderobe direkt bei Orljansky. Königstraße 43 B. Jedes einzelne Pelzstück, das sie sich dort wählt, Ist mit fachmännischer Gewissenhaftigkeit so solide hergestellt, daß es viele Jahre als Schmuckstück und als Dauerwert Ihre Wünsche befriedigt. Wer also elegant-warm gekleidet und recht preiswert bedient sein will, geht direkt zu S. ORLJANSKY L CO. STUTTGART / KÖNIGS TRASSE 43B * Aus dm Qememdm 'lüHdtemBecgs. Stuttgart. Am l>. September waren e> Jahre, daß Religionsoberlehrer und Oberkantor Leo Adler in Stuttgart wirksam ist. Nach Absolvierung des Seminars war Leo Adler am Kßlinger Waisenhaus als Lehrer tätig. Später studierte er au der Stuttgarter Musikhochschule und wirkte dann in Hothingen als Lehrer und Rabbinatsverwt'ser. Seit Ti. September 1008 ist Adler in Stuttgart tätig und hat es in diesen laugen Jahren auch hier verstanden, 'ich die hohe Wertschätzung seiner Behörde und der ganzen Gemeinde zu erwerben» Seine mit einer klangvollen 'Tenorstimme gepaarte hohe Musikalität befähigten ihn in besonderer Weise, unsere Gottesdienste würdig auszii{:estulteii. Auch als feinsinniger Leiter unseres bynugogenthors hat sich Adler außerordentliche Verdienste erworben. Als trefflicher Pädagoge wirkte der Jubilar aber auch außerhalb der Schule in der Jugendbewegung. Lange Jahre leitete tvr den Berthold Auerbach-Verein. Aber auch anderen jüdischen Vereinen hat sich Leo Adler Imitier bereitwilligst zur Verfügung gestellt. Uebcrall ist er ein gern gesehener Gast, der durch seinen erfrischenden Humor sich rasch herzliche Sympathien erringt. > gratuliert mit uns die ganze Gemeinde dem dar und wünscht ihm noch viele» Jahre lat ftigon Wirkens zum Segen unserer Genie in ift! Stuttgart. Die* lirma l.eheuherr <V I. tl a ii e r . Bauuuternehmung. Stuttgart, beging tim. ra- F. ii - c am 4. Sept. ihr ‘>0 jähriges Geschäftsjubilä Die Gründer waren A. Landauer aus Gc bronn und A. l.eheuherr aus Buchau 1011 trat der jetzige Alleininhaber. Karl I d u ii e r. in die Firma als Teilhaber ein. Das Jubiläum wurde mit einer Feier im stell Kreis der Arbeiterschaft begangen. Di bei wurde* vor allem der Gründer sowie des trepen Stummes altbewährter Bauarbeiter ehrend dacht. Sieben von den letzteren sind von fi... undzwanzig bis noununddreißig Juliren ununterbrochen in der Firma tätig. Dieselben wunden seitens der Handwerkskammer Stuttgart cbirch e ine Klirenurkunde und seitens der Firma durch besondere Geschenke ausgezeichnet. Wir wünschen der Firma auch weiterhin eine gedeihliche Kntwicklung! t ng- Stuttgart. Fs ist ein besonderes \ordienst der / i o n i s t i s ch e n Ortsgruppe Stuttgart, unsere Gemeinde mit prominenten jüdischen Persönlichkeiten bekannt zu machen, die in dieser für die deutsche Judenheit so schweren /.eit Lebende Spiegel-Karpfen, Schleien, Forellen Frische Blaufeldien, Zander, Hechte Fette, aber junge zarte Gänse, Enten, Suppenu. Fricassähühner Rücken m Keulen immer in bester Qualität iu bill. Preisen bei Johannes Kauffmann Stiftstraße Nr. 2 / Telefon 25754155 Friedrich Stahl Buchhandlung STUTTGART-N QtgrOndtt iesa miimiitniiiniiinnmitimtniiifliiiHiiiiitiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiimiiiiMiii befindet sich jetzt Poststraße 15 § Täglich frische Marken-Butter sowie Kochu. Back-Butter und alle Sorten Käse Münsftr. 2 ChariaHenftr. 6 Nedrarßr. 113. EßÜngerftr. 30 Cannßatt * Eßlingen Jeden Einkauf bei den Inserenten der Gemeindezeitung!