Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- X (1933-1934)
- Issue
- X. Jahrgang Nr. 9
- Date
- 1933-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
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Qiass diVhts Stuttgart / Mittna<phtbau Saisonschlußverkauf 3.-17. August DrulKMi im ..Galpal"'. «lern Yorsammlnngskrris. an ili’m wir uns «<>nst|des Abends HIN 1 reuilenf<‘ii«T scharen. um unsere Lieder, die von ilen Menschen und Tieren, den Aeckern und \\ äldern im Neuland Israel reden, zu singen, glimmt ein Holzstoß. kleiner und ärmer, als in anderen Nächten. llie blaii-vveiße Fahne mit tlem Magrn-JJuvid ist auf ‘Halbmast gezogen. Müde flattert sie im Nachtu Ind. der da« Feuer anfacht und an die /eltwände bocht. — Von der Lagerkommandantur, einem sei bstgezimmerten Bretterh^u«then. tönt die Trompete /um Zeichen. daß die Versa innilung beginnt. Klagend streicht die weh-jalte Melodie der Zioniden über das Lager hin. Hie Nachtwachen auf ihren Po'ten hören s und wissen: Tischa be’Aw ist eingesungen. r.ng aneinander geschmiegt stehen und hocken wir um das Feuer. Fine bleierne Stille lastet auf dem Kreis. Die Leiber sind geduckt, als trügen sie ewige l a«t. Der Mond sieht fahl, wie ein 1 oiengesicht, auf die stumme Gemeinde. Irgendwo löst sich der schlulch/ende Ton einer Geige aus den schwarzen Reihen. Da« Wimmern einer Flöte gesellt sich ihm Hei und die vereinte Klage 'teigt auf in die Nacht! — die mir heute Symbol geworden für die zweitausend jährige Nacht der Galuth. Da« Lied zerbricht. Da: eine Bewegung! und ein Rauschen setzt - 76 - ein, wie Sturzbach und Orkan — ein schauriger Chor: „Edia laschwa wadad hair rabathi am“ — ..Wehe, wie liegt sie so öd, die Stadt, die voll Volkes war ...“ Zu den schaurigen Akkorden ersteht der Sang ..Wehe“, den einst Jeremia auf den Brandresten des Heiligtums gesungen-. Ein Wissen und Erkennen wird wach in uns, wird zum klagenden Rufe, in den Seelen derer, die ums Feuer hocken . . . Noch einmal fährt der Wind in den Holzstoß, facht die Flamme an. daß sie sich hoch aufbüumt — eine Stadt und ein Volk stehen in der Lohe — dann stürzt der Brand in feinem Funkenregen in sich selbst zurück. Einer ist aufgestanden: Er tritt nahe an das Feuer heran, bein Gesicht ist übergossen von dem ersterbenden Widerschein. Hochaufgerichtet steht er da. die Arme über der Brust verschränkt. Eine fast spürbare Stille breitet sich um ihn. In einer fernen Welt liegen die giebligen thüringischen Bauernhäuschen mit den Storchennestern und dem rotbraunen Fachwerke. Vergessen, verweht . . . Der Sprecher am ddolzstoß schickt sein Wort über die Lauschenden hin. Erst leise, zagend, dann aber lauter, mahnend, daß es weithin klinge über die vier Enden der Welt, in die Ohren der einzigen Nation, die versprengt, verfolgt und zerstreut unter den Völkern lebt. Von jenen spricht er. die im Lande Israel Leien als Wächter und Arbeiter — als „Chaluzim“ — Gerüste einer neuen, freieren Zeit. Das Wort des Gedenkens an diese Getreuesten unseres Volkes, die Zoll um Zoll der alt-neuen Erde in zähem Ringen erarbeiteten. — ist seine Rede — ein Fernblick aber ist sie auch in das Kommende — Neue, das ersteht aus solch heiligem Kampf. ..Lauschet in die hohe Stille über den judäischen und galiläischen Gräbern: so werdet ihr den Hall der Schofaroth anheben hören, vor denen Jericho fiel“ (Buber.) Leise, wie er gekommen, kehrt der Spreche, zurück an seinen Ort. Langsam verglimmt da Feuer, nur die alten Sterne sehen auf die schla fende Zeltstadt. Ein Weinen liegt in den Lüften, das kommt von Rama her: Rahel weint in ihrer Gruft un ihre Söhne, und die Gestirne weinen mit ihr. - »Nicht klage deine Stimme", Es ist heute mehr denn je nötig, nn seren Blick rückwärts zu lenken. Unsen roßen Propheten und Gottesmänne - önnen und sollen uns Führer in di> Zukunft sein. Wir veröffentlichen einen kleinen Abschnitt aus dem Buche: „Pro- Sheten und Gottesmänner“ von M. hrenpreis, erschienen im Weltverlag Schicksalsschwere Zeiten kommen über Jud, und über Jeremia. Der Zusammenbruch, den der Prophet seit Jahrzehnten vorhergesagt, ist un vermeidlich geworden. Die babylonische Gefühl wächst mit jedem Jahre. Jerusalem ist dem Untergange geweiht. Der Prophet ist ganz, erfüllt von der schweren Not des Tages. Die ewigen Fragen, die seinen Sinn gefangen hielten, werden von der brennenden Frage des Tages überschattet; das Verhältnis zu Babylonien. Für ihn ist dies nicht bloß ein Problem des Reiches. Ihn beunruhigt vor allem anderen die Gefahr, dir dem Geiste Israels droht. Die Rettung des Geistes scheint ihm unendlich wichtiger als die des Reiches. Ihm schwebt e i n Ziel vor: Israels geistige Kraft vor dem Untergange zu bewahren. Er glaubt fest daran, daß Israel mit Babel vereint die Möglichkeit haben würde, seinen religiösen Beruf zu erfüllen. 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