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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1933-01-01 · X. Jahrgang Nr. 8 · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
X (1933-1934)
Issue
X. Jahrgang Nr. 8
Date
1933-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
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PAUIBRENNER STUTTGART Nikolausstraße Nr. 15-19 Fernsprecher 406 57 Rohbauarbeiten Schreiner- und Glaserarbeiten auf Grund von Zertifikaten zur Einwanderung zugelassen. Kapitalisten, die ihr Geld in Palästina in sicheren Hypotheken langfristig an legen wollen, können auf eine Verzinsung von 7—8 Prozent rechnen. Die Kosten des Lebensunterhalts einschließlich Wohnung. Kleidung, Steuern »sw. betragen in einer Stadt im Durchschnitt für Familien von drei bis vier Seelen bei Arbeitern Lst. 10.— monatlich, bei Familien von Handwerkern, kleinen Kaufleuten. Büroungestellten Lst. I?.— bis jo.—. bei leitenden Angestellten. Aerzten. Rechtsanwälten Lst. 25.— bis 50.—. In den landwirtschaftlichen Siedlungen sind die Kosten etwa 25 Prozent niedriger. (Aus der ..Jüd. Rundschau“ .' Zur Lösung der deutschen Judenfrage. Eine Erwiderung. Die letzte Nummer der ..Gemeindezeitung" bringt in ihrem Leitaufsatz ..Zur Lösung der luden frag e“ einen Satz, der nicht unw idersprochen bleiben darf. Es heißt du. nachdem verschiedene Vorschläge, die uns eine Art Mmderheitsrecht zugestehen wollen, erörtert wurden, für die Mehrzahl der deutschen Juden -ei der Begriff eines jüdischen Volkstums „ein Kunstgebilde, dem alle Naturwüchsigkeit abgeht“: sie bekenne sich uneingeschränkt zu in deutschen Volkstum. — Welchen Sinn hat es, so muß hier gefragt werden, der ohnehin schon genug verscheuchten und aus aller Lebenssicherheit geworfenen Mehrzahl der Leser dieses Blattes mit derart unmöglichen Formulierungen den Kopf noch mehr zu verwirren? Es geht jetzt vanrhaftig nicht mehr um die völlig müßige und ganz belanglos gewordene Frage, ob die deut- -chen Juden ein Volkskörper sein wollen!er nicht. Durch die Macht der Tatsachen sind sie es geworden, und um ihr noch so feierliches und noch so patriotisches Bekenntnis bekümmert sich kein Mensch außer ihnen selber. Wir sind Juden, offenkundig und allen sichtbar Juden. Gott sei Dank hat die nationale Revolution wenigstens das für uns getan, daß sie uns dieses Wissen unauslöschlich und unausweichlich eingehämmert hat. Daß dieses Judesein sich nicht ,iuf das Glaubensbekenntnis beschränke, ist eine der Hauptgrundlagen ihrer Rassenpolitik. Wollen wir denn mit einem Steinbaukasten einen Damm gegen den Ozean errichten, indem wir uns eigensinnig auf das Gegenteil versteifen? Die jüdische Religion selber ist Volkstum, das jüdische Volkstum Träger seiner Religion. Vielleicht sind die Pyramiden, die schon zu Moses Zeiten uralt waren, „naturwüchsiger", aber ich glaube, ein um Sinai vor über 3000 Jahren gegründetes Volkstum steht dennoch den Völkern Europas an Naturwüchsigkeit nicht nach. Das hat mit dem Zionismus oder dem sogenannten Natiönaljudentum, gegen das bisher derartige Bekenntnisse sich abzugrenzen bestrebt waren, nicht mehr viel zu tun. Der Zionismus suchte und fand eine Lösung der Judenfrage, deren Richtigkeit heute vielen einleuchtet, die sie noch gestern stark bekämpft haben. Die andere Seite verneinte das Bestehen einer Judenfrage überhaupt und lebte in dem Wahn, es sei alles in schönster Ordnung und in fortschreitender Besserung begriffen. Die Zeit hat diesen Wahn aufs grausamste zerstört. Aber es scheint Leute unter uns zu geben, die das noch nicht gemerkt haben. Sie fahren fort, zu bekennen, obwohl man ihre Bekenntnisse abweist. Gebietet es da nicht unser Stolz, unser uralter Judenstolz, nichts anderes sein zu wollen, als Juden. Juden und noch einmal Juden? Deutsche Juden, gewiß, mit tiefer Liebe zu unserer deutschen Heimat, zu unserer Sprache, ja. und auch zu diesem deutelten Volk Goethes. Hölderlins, Bachs und Mozarts, das uns zwar heute von sich wegstößt, dem »ir aber zu viel verdanken, als daß wir unsere \ erbundenheit mit ihm jetzt einfach aus uns herausreißen könnten. Aber, daß wir uns u n - eingeschränkt als diesem Volk zugehörig bekennen und damit unser Judesein bagatellisieren. unser Judesein, das gerade jetzt alles für uns sein muß — nein, das geht nun einfach nicht an! Nicht wir, andere Leute bestimmen über die fttaatsbürgerrechte im Dritten Reich — aber daß diese nicht auf dem Religionsbekenntnis, sondern Ausschließlich auf dem Grundsatz der Rassezugehörigkeit aufgebaut sein werden, das müßten wir nachgerade gemerkt haben. Rechte werden wir uns nur als Volkskörper erhalten können, denn von Volk zu Volk gibt es unmer noch eine Verständigungsmöglichkeit, - 71 - nicht aber mit einer in sich selbst gespaltenen unklaren Gruppe, die um unwiederbringlich Verlorenes einen gesinnungstüchtigen aber hoffnungslosen Kampf führt, vor der harten Wirklichkeit aber die Augen verschließt. Es gibt nur zwei Wege für uns: wir werden als das Volk, das von jeher das Volk des Glaubens war, an unseren Gott und an unsere Zukunft glauben und aus diesem unserem Glauben auch die Not dieser Zeit bestehen, wie wir schon so manches schwere Geschick bestunden und überdauert haben. Oder wir werden unser Bekenntnis. auf das niemand hört und niemand achtet, so lange kraftlos hinaussdireieii. bis wir. beiseite gestellt und vergessen wie ein Gerät, das zu nichts mehr nütz ist. ohne Wiederkehr und ohne Ehre langsam, aber spurlos im Meer der Zeiten versinken. L. Marx. Jüdische Frauen helft helfen! Der Israel. Fruuenverein schreibt uns: Der W unsch zu helfen, wirtschaftliche und seelische Not zu lindem, erfüllt heute jeden jüdischen Menschen. Die Notzeit, die wir durchleben, verlangt neben der persönlichen Hingabe an den- Mitmenschen zentralisierte Wohlfahrtsarbeit. Der Israel. Frauenverein hat den Ruf der Stunde vernommen und seine Wohlfahrtsarbeit mit der des Israel. Fürsorgeamtes noch inniger verbunden: ist sich doch der Verein bewußt, daß eine enge Zusammenarbeit in der Fürsorge Kraft und Geld erspart. Die Gegenwart verlangt doppelte Liebe, doppelte Opferbereitschaft, kann sich über den Luxus der Doppel u r b e i t nicht mehr erlauben. Deshalb wendet sich der Frauenverein in ernster Stunde an seine Mitglieder und Freunde und ruft ihnen zu: Eine Fülle sozialer und kultureller Aufgaben ist zu leisten, die in gemeinsamer Arbeit, einheitlich gelöst werden sollen. Die veränderte Lage der deutschen Juden, der jüdischen Frau und des jüdischen Kindes stellt den Verein vor neue Arbeitsgebiete-. Immer größer wird das Feld der Betätigung: die L e b e n s m i 11 e 1 v e r t e i 1 u n g ist weiter auszubauen, Kost-Tische für Erwachsene und Kinder sollen vermittelt werden, eine „II a u s h i I f e“ wird ins Leben gerufen, die jedem Gemeindemitglied zur Verfügung stehen soll. Unterhalt ti ii gs- und A u s s p r a ch e - nachmittage werden eingerichtet. Die Gründung einer W o h n g e m e i n s ch a f t für alleinstehende- Frauen ist geplant. Unter Leitung einer gütigen, verständnisvollen Frau soll ihnen ein behagliches Heim geschaffen oder erhalten werden, ohne daß sie selbst die Last der Haushaltführung zu tragen haben. Eiir die neuen und für die alten Aufgaben brauchen wir Helferinnen, erfahrene und junge Frauen, die ihre Kenntnisse, ihre Fähigkeiten und ihre n guten Willen in den Dienst der Sache stellen. Helfen muß heute jede Frau, die dazu in der Lage ist. Mitarbeiterinnen meldet Euch bei Frau Bertha Badi. Sandbergerstr. 28. und Frau Milli Rieger. Hohenstaufenstr. 7. Aus den Gemeinden 'lüücttefH&eiQs. Stuttgart. Das vom Jüdischen Frauenbund für das Frühjahr geplante Konzert fand am 9. Juli in der Svnagoge statt, die erfreulicherweise bis auf den letzten Platz besetzt war. Die an dieser VERMIETUNGEN 4Sefffte sentrole £oocf 3-4 Icece geräumige Zimmer m. Küchenbenutzung zn vermiete». Auch für Praxi»- oder B»IchLft»r<i»»« drsoudrr» geeignet. Sübingecftrafte 22 > Für schöne 3 Zimmer-WoHnnng in Degerlochrr Landhaus mR Balkon, Küche und Bad wird Mitbewohnerin z» günstigen Bedingungen gesucht. — Offerten »nter 4». 072 »» die w»»ri,d«-8«ir»»O. — Sprachunterricht , (Einzelunterricht, Zirkel), erteilt ausgebildete Dolmetscherin. Französisch für Anfänger und Fortgeschrittene, Englisch für Anfänger. Meldungen erbeten an die Arbeitsvermittlung, Berufsberatung u. Auskunftsstelle der Jüdischen Nothilfe, HospitalstraBe 36 Veranstaltung mitwirkenden Personen haben -4das wollen wir hier vorwegnehmen — eraeqt roßen, andächtigen Hörerkreis' eine wirkliche eierstnnde bereitet, die alle Nöte des Alltags vergessen ließ. Ihnen gebührt herzlichster Dank, insbesondere aber dem Leiter. Direktor Karl Adler. Dieser hat sich in zielbewußter Arbeit einen Vokal- und Instrumentalkörper geschaffen, der das musikalisch außerordentlich interessante Programm in hervorragender Weise meisterte und durch die Mitwirkung trefflicher Solistee starke Akzente erhielt. Es ist dringend zu wiinr sehen, daß diese Spiel- und Singgemeinschaft über ihr Debüt hinaus bestehen bleibt, damit das erwiesen wird, was schon in letzter Nummer von uns ausgesprochen wurde: die Tatsache, daß wir auch in unserem eigenen K reift Kräfte haben, die auch später zur Vermittlung musikalischer, künstlerisch hochwertiger Darbietungen berufen sind. Zum Beginn des Synagogenkonzerts sang Leo Adler die schöne Ilvmne „Ma tovu“ von \fT Rosenhaupt. Seine kraftvoll-schmiegsame Tenorstiniine paarte sich mit den Orgelharmonie n (A I i e e 8 ch m u ck 1 e r-11 e ß) in herrlichem Zujsummenklung. — Meisterhaft ließ A I i e f* S ch m ii ck I e r- II e ß dann die maestosen Akkorde eines Präludiums in e-ntoll von J. S. Bacfi auf der Orgel erklingen und leitete damit über zu dein fünfstimmigen Kanon „Singt dem Herren" von Mich. Prütorius. der von einem-uns Gemeindeangehörigen gebildeten Singchor klang» voll vorgetragen wurde. Tiefe Eindrücke hinterließ auch das Kammerorchc-ster mit dem Konzert in e-moll von G. Torelli. dessen Adugio_ difgunze Schönheit edler Melodik atmete. — In clot Arie „O hör' mein FIc-hn. allmächt'ger Gott“ aus Handels „Samson“ bewies Rosy So n t e i - mer-Prins ihre hohe Gesangskunst. — Eift kleinerer Singchor brachte dann Salömon Russin (Hebreo) „Elohitn baschivenu“ vierstimmig zu Gehör — eine chorische Leistung, die besondere Anerkennung verdient. — Aber jede einzelne Nummer des kultivierten Programnies hatte ihre be sonderen musikalischen Feinheiten. So die Sonate in e-moll von Ph. II. Erlebach für Violine (Cläre N u ß b a u m). Bratsche (F ritz P r e u fl) und Orgel (A 1 i c e S ch m u ck 1 e r - H e ß) ttnn der Psalm 23 in der Vertonung von Heinrich Schütz, der von einem kleinen Kamnierorchestc-r, dem Singchor und Solisten (Hedwig Reif|- H e 11 m a n n . Irma Flegenheimer. Lei» A d 1 e r), durchflutet von den Klängen der Orgel, in prachtvollenr-Zusammenklung ur.d mitreißender Steigerung interpretiert wurde. — Den Schluß bildete die Symphonie in d Dur fßr — Streichorchester von G. M. Schiassi. Wenn wir der Hoffnung Ausdruck geben. balH wieder ein Konzert unter der trefflichen Stabführung Direktor Karl Adlers zu hören, so sind wir sicher, im Namen aller zu sprechen, die aus diesem Synagogenkonzert ein tiefes Erlebnis m t nach Hause nehmen durften. Stuttgart. Zum S y n a g o g e n k o n z e r I. Wie wir erfahren, interessieren sich viele musikfreudige* Gemeindemitglicder für eine Mitwirkung im Chor- und Instrumental kreis. Alle Interessenten — auch Jugendliche sind herzlich willkommen — werden gebeten, sich hierzu unverbindlich bei Frau Hedwig Reif. Stuttgart, Langestr. 8, anzumelden. Stuttgart. Die Mitgliederversammlung dos „W ü r 11. Landesverbands für Israel. Wohlfahrtsbestrebungen (L.I.W.) e. V.' fand atn 2. Juli statt. Den Tätigkeitsbericht für 1932/33 gab die Fürsorgerin Thea Waitzifelder. Ministerialrat Dr. O. Hirsch erstattete ein Referat über die; „Jüdische Nothilfe in Württemberg". Wir kommen auf die Veranstaltung in nächster Nummer nochmals zurück. Von Hiesigem Fabrikunternehmen wird per bald ein foufin. £(0rlino mit guter Schulbildung gesucht. Anfragen mR Lebenslauf unter Chiffre «. 671 an die Gemeinde-Zeitung. — Fremdsprachen Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch usw., auch Neuhebräisch urtd Arabisch zu Äußerst günstigen Bedingungen wahrend der Sommermonate. The English Institute Inh. M. Kiess Stuttgart - Uhlandstr. 2B1

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