Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- X (1933-1934)
- Issue
- X. Jahrgang Nr. 2
- Date
- 1933-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
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<lit> Meere erzitterten. Die Abgründe und die Firii,»mente schrien vor Kntsetzen: «Ile Stimmen des Weltalls heulten in Verzweiflung:. „Will denn Gott das Weltall zerstören?" Denn das Gebet Moses war wie ein Schwert, welches die Welten zerreißt und zerschlügt, denn in seiner Klage enthielt es den unnennbaren Namen, der die Welt erschuf. Da gebot der Fwige allen Engeln, die Pforten der Gebete zu schließen, damit das Gebet des Propheten nicht aufgenoinnien werde: und die Engel riefen: ..Gepriesen sei der Heilige, gesegnet sei er. der keine Gunst und kein Unrecht kennt und allen Sterblichen den gleichen Tod gibt." Als der Heilige, er sei gesegnet, sah. daß der Prophet zum Tode bereit war, sprach er zu Gabriel: ...Geh und pflücke seine Seele“. Aber der Erzengel erwiderte: „Jrir hat Dein \olk geleitet. Dein Wunder war in seiner Faust. Dein Wort in seinem Munde, er hat das Meer ausgetrocknet und das goldene Kalb hinweggeführt: ich gebe diesem Gerechten nicht den Tod." Da sagte Gott zu Michael: „Geh und pflücke seine Seele." Aber der Erzengel erwiderte: „Deinen unnennbaren Namen, er allein hat ihn ausgesprochen. Du hast aus ihm mehr als einen Engel gemacht und fast einen Gott. Ith gebe diesem Gerechten nicht den Tod." Doch, seit liundertzwunzig Jahren erwartete Samuel, daß ihm Moses ausgeliefert werde. Er sagt zum Ewigen: „Ith gehe, seine Seele zu holen." Der Ewige antwortete, ihm: „Wirst du allein es wagen, dich ihm zu nähern? Welches ist die Stelle an seinem geheiligten Körper, die du mit deinen Millionen Augen auch nur anschauen dürftest? Sein Angesicht? Auge in Auge hat es iii das meine geschaut. Seine Hand? Sie hat von der meinen die Thora empfangen. Seine Füße? Sie haben die Schwelle meiner Herrlichkeit betreten.“ — „Ich gehe. doch“, entgegnete Samuel. Er nahm sein Schwert gürtete sich mit Grausamkeit. hüllte sich in Zorn und trat vor Moses. Doch, als er ihn sah, der Prophet, der hoch aufgerichtet auf dem Gipfel des Berges stand, schrieb er mit seinen strahlenden Fingern die vier Zeichen des unsagbaren Namens in die I.uft: und wie ein erstarrter Blick hing der Name im durchscheinenden Baum. Niedergeworfen wollte Samuel am Boden kriechend, entfliehen. Aber das Knie von Moses drückte seine Kehle nieder. Schon sollte der Todesengel sterben, als eine Stimme vom Himmel erschallte: „Moses, mein Sohn, töte den I od nicht, er ist notwendig auf der Welt." Santuel entfloh: der Ewige erschien. — 23 — Er sprach zum Propheten: „Glaubst du. mein Sohn, ich hätte es ertragen, dich sterben zu sehen wie die anderen Sterblichen? Höre zu. kreuze einen Fuß über den anderen, eine Hund über die andere.“ Moses gehorchte. „Schließe die Augen.“ Moses gehorchte. Nun rief Gott flüsternd die Seele des Propheten zu sich: „Seele, meine Tochter, ich habe dich dazu bestimmt, hundertzwunzig Jahre diesen Körper zu bewohnen, verlasse ihn nun. die Stunde ist gekommen. Doch die Seele entgegnete: „König der Welt, ich weiß, daß Du der Gott aller Geister bist, daß Du in Deiner Hund die Seelen der Lebenden hältst und die Seelen der Totem. Du hast mich erschaffen und hast mich in den Körper dieses Gerechten eingesetzt. Gibt es denn in der Welt noch einen Körper, der so rein wäre wie der seinige? Ich liebe ihn und will ihn nicht verlassen.“ — „Meine Tochter", fing Gott von neuem an. „zögere nicht, gehorche mir: im höchsten meiner Himmel weise ich dir deinen Platz an. dem Throne meiner Herrlichkeit zu Füllen, inmitten meiner Cherubim und Seraphim." — „König der Welt“, sagte die Seele. „Deine Engel selbst sind verderbt: als Azzu und Azzail von Deinen Höhen herabstiegen, um sich mit Sterblichen zu paaren, mußtest Du sie zu ihrer Züchtigung zwischen Erde und Wetterwolken festketten. Aber Moses, von dem Augenblick an. wo Du ihm gewährt hast. Dich zu schauen. Angesicht zu Angesicht, hat sein Fleisch das Heisch nicht mehr gekannt. Durum will ich bei ihm bleiben.“ Das folgende ist ein Abschnitt ans Rudolf Kaysers eben erschienenen Buch „Spinoza. Bildnis eines geistigen Helden” (Phaidon-Verlag, Wien). i Jetzt zeigen sie mit Eiligem auf ihn als einen verfluchten Alchimisten des Denkens, während er still und unbekümmert seinem Handwerk nachgeht. Aber das f ächeln auf seinem Gesicht wird immer kleiner und bitterer. Gegenüber dem Kampf, der w ieder auf ihn zukomnit. sagt er: Ich will nicht mehr! Ich will nicht die Auseinandersetzung mit diesen traurigen, kleinen Wichten. Ich will auch nicht durch ihre Feigheit und Nied- PAUIBRENNER STUTTGART Nikolausstraße Nr. 15-19 Fernsprecher 406 57 Roh bauarbeiten Schreiner- und Glaserarbelten ..Hast du also Angst vor Samuel?" fragte der Prophet seine Seele. „Durchaus nicht, denn Gott wird mich Samael nicht ausliefern." — ..Fürchtest Du. Du würdest meinen Tod beweinen müssen, wie Israel ihn beweinen wird?" — „Durchaus nicht, denn der Ew ige hat meine Augen -von Tränen befreit." — „fürchtest du. in den Schlund der Hölle hinabgeschickt zu werden?“ — „Durchaus nicht, denn Gott hat mir die Freuden, des Paradieses verheißen.“ — „So gehe, meine Seele, wohin der Herr dich lädt und gesegnet sei seine I.iebc?." Und der Ewige pflückte ihm die Seele vom Munde und der Prophet starb im Kusse Gottes .. . Dann stieg Moses eni|M>r und sel/te’Sich dem Throne der Herrlichkeit zu T üllen'. Und zu Tüllen des Thrones der Herrlichkeit erwartet er. gemeinsam mit Gott, die Stunde des Messias. (Ausdem Französischen überse tzt von Klara Blum.) rigkeit umkommen. Ich will nicht die Gefahr meines Lebens wagen, das — er weiß es genau —■ auf keinen Fall mehr lange dauern kann. Ganz nahe von Yoorburg ist der Haag, die Hauptstadt der Republik und eine Hauptstadt auch der Treten Wissenschaft. Sie ist die Residenz de s Ratpensionärs, der Spinoza versteht und verehrt und in den kleinen Pausen seiner Regierungsarbeit sich gern zu ihm und seinen optischen Geräten setzt. Er wird ihn mit starker Hand beschützen, er wird vielleicht auch sein Freund sein, der e inzige in diesem Lande, de/ ihn gapz zu begreifen vermag. Auf der Yeerknde bei der Witwe van Velen findet Spinoza eine stille Wohnung, die ihm zu- Spinozas letzter Weg. Qöppiugea LOTHAR KAISSER Ecke Wolfcj. 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