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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1933-01-01 · X. Jahrgang Nr. 2 · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
X (1933-1934)
Issue
X. Jahrgang Nr. 2
Date
1933-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
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12000 deutsche Juden sind im Kriege für Deutschland gefallen. Ihre Namen sind in dem GeffallenenfledenkbllCh unter genauer Angabe über Regiment, Geburtsort usw, soweit heute noch feststellbar, enthalten. Jeder Jude muß heute dieses Buch besitzen. Er zeige es den Seinen, seinen Freunden und Bekannten. Bestellungen an den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten Ortsgruppe Stuttgart /um „Sth'ma“ überleiten. können hauptsächlich aus einigen Motiven der ulten betrachteten l’reilaguhend - Re/itutiv - Weise abgeleitet werden: diese beeinllnlil vielfach die Saltbatll-.Morgen- Melodik. die midi den Lesttagsgesängen zugrunde liegt. Die Melodien der Po ss-u dl |> i u t i in sind mit besonderer Liebe \erarbeitet worden. Ihre Kernstücke: enoh ur'enoh" und ..ß'radi dnudi". die den Wortlaut vom Hoben Lied haben, sind in verschiedenen Weisen überliefert. Line usdikeuasisdie erklingt im Gogonsutz zur polnischen in Dur: midi hier ist die melodisdie Linienfülirung die derSubhuth-Mauriw - Weise. Das..Brach dnudi" wird in innig-sehnsüchtiger Knntilene vorgetrugeu und ist so edil in der Stimmung des Hohen Liedes gehalten. In der |>nlnisdicn Weise macht -ich eine typische Subbath-Morgen-Melodik geltend. die eine \erbindiing von pentatonisdier. dorisch-phrygischer und reiner Moll-Dur-Thcmutik darstellt. Sie findet sich vor allem in den Segenspreisungen der Schemone Ls re: sie bewegt sich innerhalb einer lohstnfenfolge. in der die dorisdie und phrygisdie wie die moderne Mollskula gleichet mallen enthalten sintl. Pentatonische und kirchentonale Sdiliilibildungeii herrschen durchaus vor. Im ..Hallei“ finden sich neben den allgemeinen responsorisdicn Psalmodien einige Perlen l\rischer Tonpoesie. Sie sind vorwiegend für das Pessachfest bestimmt: heute erklingen sie kaum noch in der Synagoge, sie sind Glan/stiicke für den Vorbeter in der häuslichen Sederfeier geworden. Ls sind dies das hymneuartige ..Moli osdiiw ladonoj“ wie das ...Min haniezar korossi". der Psalm HK. dessen Vertonung ganz das Gepräge einer kleinen sinfonischen Dichtung hat. Das motivische Material ist in beiden ein ähnliches. De r „Huf aus Krdennot“ spricht sich in der tiefen Wehmut der Melodie aus: dramatisch wirken die kurz abgerissene Tonsprache, erschütternd die periodisch auftretenden Einschnitte, die von tiefster seelischer Ergriffenheit zeugen. Im Verlauf der Tondichtung steigert sich die Spruche gewaltig im Aufschwung der Befreiung. Von l.ewandowski sind eine Reihe prächtiger C horkompositiouen erwähnenswert: das „B'/.ess jisroel". ein frischer, lebendiger Chorgesung. in dem das „Hüpfen der Berge wie Widder und Lämmer“ tonmalerisch effektvoll dargestellt wird: und das „Aud'cho ki anissoni“. ein sanftes, lyrisches Danklied. •Am S di o w u a u s f e s t e werden die . Aktlomus-Gebete“. das sind Lieder zur Verherrlichung von Gottes Allmacht, ganz nach der oben erwähnten pentutonischeu Akzent-Intonation vorgetragen. Die Akdomus-Weise beginnt mit einem l'.rüffmmgsmotiv wie das „Schochen ad" im Hoel- Gehet. Zu den Gesängen mit einheitlichem Stimniungscharukter gehören vor allem das Tal- und Geschem-Gebet am I. Pessuch- und Scheinini- Azeres-Tage. Hier finden wir eine Mischung von traditioneller Subhutli-Melodik und einer ans der Zeit der W iener Klassiker stammenden Musizierfreudigkeit Die Zwischenstücke in der improvisierenden, barockartigeu. mit vielfachen sequenzartigen Eigu rationell versehenen Tonsprache werden meist nicht mehr gesungen. C hromatische, Veränderungen wie übermäßige Sekundschritte sind in den Tal- und Geschem-Rezitutiven häufig uiiziitreffen. Nur der letzte, den Kern des Gebetes bildende Abschnitt wird, um den Höhe punkt deutlich zu kennzeichnen, in Dur vor getragen: in allen vorausgehenden Kuntillutionen setzt sich die Melodik aus Umspielungen eines Molldreiklungs zusammen die teilweise mit plirygischcn Motivhildungen vermischt sind. W ie ein strahlender Hymnus erklingen die das Tnln n*l Geschem-Gebet beschließenden Segenswünsche. Zn den .dem Sukkaiisfeste eigentümlichen Gesängen gehören vor allem die „Huusdianaus“. Bittgesänge, die während des Umzugs mit dem heststrauH gesungen werden. Es sind eine Reihe steil aufsteigender Hilfeschreie. die etwas dringlich Eordcrndcs haben. Die Gesänge klingen aus in ein Bekenntnis. Am Simchns-Tuuro-Kcste trägt der Vorbeter die Gebete beim Ausheben zunächst in knappen, stoßweisen Melodien vor. die herb und schmucklos wirken. Die Lieder beim Umzug dagegen sind triumphierende Preisgesänge, die das Lob der Thora in den herrlichsten Laiben schildern. Die Gewißheit, in der Thora ein unverlierbares Gut auch in Zeiten höchster Not zu besitzen, reißt die Gemeinde zu größtem Jubel hin. Jüdische. ZeHtealsteile pie O&etup3 kffmhtmn und drAt>itsunrfiine>ix Stattgart, Hospitalstr. 34 — Telephon 228 96. Sprechstunden: Mittwoch von 5—7 Uhr. Wir suchen kaufmännische Stellen für weibliche Lehrlinge und Anfängerinnen, zuin Teil mit Handelsschulbildung, und bitten um möglichst baldige Meldung solcher offener Posten. In der synagogalcu Musik liegt das Schöpferische immer in der Erfindung kürzester Motive, in denen sich das musikalische Erleben konzentriert ausdrückt. Eigenartig berührt die mosaikartige Zusammensetzung kleinster Anfungs-. Durchführungs- und Schlußwcudungeu. die im Ganzen genommen einheitliche Gebilde darstellen. Welche Elemente der musikalischen Umwelt auch jeweilig der jüdische Gottesdienst iu sich uufnahm. er schmolz sie in Verbindung mit dem Rhythmus der hebräischen Sprache iu origineller Weise um. so daß auch fremde Bestandteilein der synagogulcn Musik organisch eiugcgliedcrt wurden. _ Das Gebet um Tau am l.Tage des Pessadtfesies. Das Taugebet mit seinen einprägsamen Melodien bildet einen Höhepunkt im Gottesdienst des Pessachfestes. Es ist auffallend, daß die tulmiidische Zeit dieses Gebet dem Anscheine nach noch nicht gekannt hat. Die Mi sch na berichtet nur. daß man am I. Pessachtuge int Uuuptgebet nicht mehr spricht: „Er läßt den Wind wellen und den Regen fallen." Dagegen weiß der Jerusalem ische Talmud (Thuanis bv d) zu erzählen, daß man in Palästina statt dieser Worte im Sommer gebetet: „Er läßt den Wind wehen und den Tau fallen.“ Dieser palästinensische Brauch lebt noch heute im spaniolisthen und italienischen Ritus. Erst uns der Zeit des palästinensischen Dichters Eleusur Hu-Kulir. der im K. Jahrhundert gelebt hat. stummen die kunstvollen Gebete um lau ein Hinweis, daß dieser Brauch aus dem heiligen Lande stammt. Mau muß sich in das subtropische Klima Palustiuus versetzen, in dem der reichliche Taufall Ersatz für den oft lange fehlenden Regen geboten. um die ganze Inbrunst dieser kallrischen Gcbetsdichtuugeu zu begreifen. Der Tau ist hier eine entscheidende Daseinsbedingung. Die Natur schlauchtet ihm entgegen. Die Hochsommerglul flammt vom tiefblauen Himmel, bis sich die schattende Abeudkiihtc über die Landschaft breitet. Im Morgengrauen bringt daun der Westwind vom Meere den lau. der das lethzende_Land in prangendes Grün kleidet. Der biblische Dichter weiß gar nicht genug Worte zu finden, um diese-. Morgenvv uuiler der V erjünguug und Auferstehung zu schildern. „Aus dem Mutterschoß der Morgenröte strömt der laudeiner Verjüngung", singt der Psalmist (114). >)- Der Spruchdichter v er gleicht Gottes ewig neue Liebe mit dem Tau. der an jedem Morgen die schmachtenden Gräser labt (Sprüche 19, 12). Der mittelalterliche Dichter nimmt dieses Gleichnis auf und sieht im Tau da- Sinnbild der gütljitheu Liebe, die sich gerade im Eriihliugsw uuder 'sichtbar offenbart. In der späteren Zeit, in der sich die Dichter des Westens des Stoffes bemächtigten und Taugebete für den Pessachtag verfaßten, hatte die naturgegebene Voraussetzung des Gebetes ihre Bedeutung verloren, und theologische Reflexion und religiöse Symbolisierung traten an ihre Stelle. Das Gebet des Bauern im heiligen Lande um lau ward für die westeuropäische Judt-nheit zur Bitte um Erlösung. Auferstehung. Mensch lieitsneugeburt. Allerdings hatte der Talmud bereits im leben weckenden Tau Gleichnis und Sinnbild der Auferstehung der Toten erschaut (Sabbath SK b. Chugiga I2d). Er hatte das Wort des Jesaja (26. 19): „Deine Toten werden lebendig. die Gefallenen stehen auf. die im Staube Ruhenden erwachen zum Jubel, denn der Tjn des Lichtes, dein Tau, hat sie zum Lichte geweckt“ auf die Auferstehung der Toten gedeutet. Daß der Tau int Talgebet mit dem Hiinmelstau des Manna verglichen wird, der einst Israel Nahrung und Jugcudkraft in der Wüstenwanderzeit gespendet, ist naheliegend. Aber der im Bibelschrifttum bewanderte Dichter zieht alle Bibelstellen in den Bereich seiner Rhythmen, in denen von der Wunclerkruft des Taus berichtet wird. Er wird mit den Worten beschrieben, mit denen im Hohen Liede die zarte Liebkosung des Freundes geschildert wird, der „bereift vom Morgentau“ durch die Nacht gewandert (Hohes Lied 5, 2). Die Krönung der Dichtung ist dann die Elia legende, daß die Liebe den Tau geweckt und der lau ein Zeugnis der Gottesliebe gewesen. Der Prophet habe, erst nachdem sein Erbarmen dem schmachtenden Lande den versagten lau zurück gegeben, das Wunder der Wiedererweckung des gestorbenen Lohnes der Witwe von Surepta wirken können. Die Liebe hat das Wunder vollbracht und ihm die Kruft des Wunders geschenkt. A ii f e r s t e h u n g . N e u g e b u r t ilur ch die Kraft der Liebe der Gottheit Die beste und günstigste Einkaufsgelegenheit direkt in der Fabrik bei: MUCK-MOBEL Ausstellung: Zeppelinbau Stuttgart a.Hptbhf.

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