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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1933-01-01 · X. Jahrgang Nr. 1 · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
X (1933-1934)
Issue
X. Jahrgang Nr. 1
Date
1933-01-01
Page
[Seite] (sequence 11)
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Kgpftglfjilago [■ Wertpapiere, Fctifald- HypolMekcn, Sparkonlea OSaHkeommaHdUe Siegmund Weit ttmtttvt, iwairm TMdw »»344 «» schäftigung mit Spinoza nngc-nic-in reichen Krtrag. Wir besitzen von dom berühmten Schwärzte ulddichter eine wohlgelungene deutsche Ueher- -.etziing der Work«- Spinozas, ferner eine knrzgefußte Lebensgeschichte dos Amsterdamer Philosophon und oinon episch breit uiisgeführtc-n kulturhistorischen Itonian ..Spinoza, Fin Denkeilolion“. Die Verehrung Anorliadis für Spinoza datiert von soinor friihoston Jugend. Sdion als Gymnasiast las or Spinozas Werke und wart! dormallon voller Bewunderung für don Vorfassor tlor „Fthik". dail or dio Absidit halte, ztnn änliorn Zoidien seiner Verehrung für Spinoza den Vornamen Benedictus anziinehmon. So schreibt or am 29. Juni 1H50 an sei non Vetter und Freund Jakob Anerbach: ..Apropos, ohnlüngst las ich einiges von Spinoza and fand in seiner Biographie. daß er auch früher Baritdi geheißen und seinen Namen in Benedikt latinisiert habe. Diese Kitelkeit des großen Denkers sprach midi an und sogleich wurde der Berthoid ansgezogen und der Benedikt angezogen. Ich weiß nicht, was ich anfangen soll, ich heiße nun Moses Barndi Berthoid Benedikt Auerbach, mul man hat doch wahrlich genug zu tun, wenn man e i n e n ehrlichen Namen erhalten will, lind ich soll so viele erhalten." Diesen Brief schließt Aiterbach mit der Versicherung. ..daß ich ewig bin und bleibe Dein. Benedikt A n e r b a dt“. — Fs hat also nicht viel gefehlt, und ein halber Spinoza (nämlich der \ornamo Benedictas) wäre als Verfasser der Sdtwar/wälder Dorfgeschichten in Deutschland berühmt geworden. Und Auerbach hätte diesen Namen zu Hecht getragen, denn auch er führte den hebräischen Namen Barnch. Nichts aber kennzeichnet das Verhältnis des Sdiwarzwalddichtors zum Amsterdamer Philosophen besser als der Kornau: „Spinoza. Fin Denkerleben“. Diesen Konian schrieb Anerbach nach seinem eigenen Bekenntnis mit ..frommer Scheu“: es war ihm dabei zumute, wie Klopstock. als er seine Messiade schrieb. Kr bekennt, daß er oft die Feder ..mit Beben führte“, weil er fürchtete. - 13 — diesen großen Deuker allzumenschlidi zu zeichnen. und doch mußte er sich wieder ganz in die idyllische Innerlichkeit dieses Denkerlebens versenken. Der Roman, mii dom uns der Verfasser historische Wahrheit im Gewände der Dichtung bieten wollte, ist reich an vortrefflichen Schilderungen und fesselnden kulturhistorischen Bildern. Zeit und Umwelt Spinozas sind oft in markigen Strichen gezeichnet. Allerdings ist die Darstellung des Helden selbst künstlerisch nicht immer gelungen und geschichtlich nicht immer treu. Berthoid Anerbach, der so viel Gew iclit darauf legte, seinen Helden nicht allznmenschlich zu zeichnen, hat durch Verwendung des romantischen Motivs einer unglücklichen l.iebe sozusagen den Kopf des Philosophen ans dessen Herzen hervorgehen lassen. Nun ist gerade in einem Spinoza-Roman, wo es sich weniger um die Gemütsvorgänge des Menschen als um die Denkprozesse des Philosophen handelt, solcji romantisches Motiv ganz fehl am Ort. In seinem Roman ..Spinoza" wollte Berthoid Auerbach die innerlich wirkenden Triebfedern aufdecken. die den Amsterdamer jungen Rabbi aus dem Bcth-humidrusch in die Arme der Philosophie getrieben haben und er baute den ganzen Roman auf eine Liebesgeschichte zwischen Spinoza und der Tochter des gelehrten holländischen Arztes van den Knde ans. Damit sollte fezcigt werden, wie ..der Jude, in jugendlicher iebe zu einer Christin hingezogen, an den Scheidewänden rütteln mußte, die theologische Satzungen mul herkömmliche Sitten auf beiden Seiten aufgestellt haben". Dabei hat Berthoid Auerbach diese Liebesgeschichte nicht etwa kraft des ihm zustehenden Dichterrechtes frei erfunden. er hat sie vielmehr, bedenkenlos von dem ältesten Spinoza-Biographen Jean Colfrus übernommen und als geschichtlich beglaubigte Tatsache in seinem Roman verwertet. In dem Ruche „La vie de Benoit de Spinoza" von Jean Coler findet sich nämlich folgender Bericht: Vau den Furie hatte eine einzige Tochter, die in'der Musik wie in der Kenntnis der lateinischen Sprache gleich fertig wur. so daß sie in Abwesenheit ihres Vaters seine Schüler unterrichten und ihnen Aufgaben geben konnte. Do nun Spinoza hierdurch sicoft zu sehen und zu sprechen Gelegenheit hatte, verliebte er sich in sie. und er hat oft bekannt, daß es sein Vorsatz war. sie zu heiraten, nicht weil sie zu den schönsten und wohgestaltctsten Mädchen gehörte, sondern weil sie reich an Geist. Finsicht und Leben- PAUIBRENNER STUTTGART Nikolausstraße Nr. 15-19 - Fernsprecher 406 57 Rohbauarbeiten Schreiner- und Glaserarbelten digkeit war: sie hatteüber das Herz eines andern Schülers van den Fildes, namens Kerkering. ebenso eingenommen. ( Theodor Kerkering. der einem Lübeckischeu —Patriziergeschlecht ent -tammte. war in Amsterdam geboren. In seiner Geburtsstarit praktizie rte er längere- Zeit als Arzt. Später wühlte er Hamburg zu seinem Wohnort, wo er als Resident des Großherzogs von Toscuna im Jahre 1695 starb.) Ais Kerkering bemerkte, daß er in Spinoza einen Nebenbuhlei hübe, regte sich in ihm die Fifersucht mul bestimmte ihn. seine Liebesvv erbungen bei seiiioi Geliebten zu verdoppln. Fr tat dies mit Frfolg. Das Gf-schenk. das er zuvörderst der Dame machte, bestand in einem Perlenschmiick in Betrage von zwei- oder dreihundert Pistolen, lind dies trug ohne Zweifel dazu bei. ihm ihre Gunst zu erwerben. Sie schenkte ihm diese auch, gab ihm das Versprechen, ihn zu heiraten, und hielt es treulich, nachdem Kerkering dem evangelischen Glauben entsagt und den katholischen angenommen hatte-. Soweit der (übrigens recht naiv abgefaßte-) Bericht Jean Colers. Nun ist aber diese ganze Liebesgeschichte, wie dieneuere Spinozaforschung ergab, nicht mehr als eine ..poetische" Frfinctnng. uindem nüchternen Denker Spinoza das romantische Motiv einer durch Konfessions- Unterschied unglücklich gewordenen Liebtunterzulegen. Clara Maria van den Knde in Auerbuchs Roman „Olympia" genannt war im Jahre 1644 geboren und vermählte sich 1670 mit Kerkering. Baruch Spinoza erblickteam 24. November 1632 das Licht der Welt: er war also um volle zwölf Jahre älter als die Tochter van den Kndes. Fm August 1656. also im 24. Lebensjahre, wurde Spinoza aus der jüdischen Gemeinde ausgestoßen. worauf er Amsterdam verließ und im Dorfe Ouderkerk zurückgezogen lebte. Kr kann demnach nicht um diese Zeit um die Liebe der elf- bis zwölfjährigen Kleinen geworben, geschweige denn von ihr die lateinische Sprache erlernt haben. \ Qöppiagen Decker « Co. B«UVABC#UWBT ****** Nr »«, BANKQESCNXrT Fmtpmtw Nr. 3151 A Gewissenhafte Erledigung aller bankmäßigen Geschäfte Annahme toi Spareinlagen bei günstiger Versinsung. Fördert die Göppinger Geschäftei Den feinen Herrenhut, "vr b#i die fesche Mütze und /\(j diemoderneKrawatte h.. H B Vasen,Schalen,Qllserusw. Ir*lll09a aus den Werkstätten de» bekannten OlaikOmtleri H.Fischer nur bet f(JUVBI>Ou Uhran, Baatocka Asphalt- und Teergeschaft UA|. Qaprtftar Dachuad flUll SthlafardackenaaUtor , and gaprtfter BUtsablelteraatsar SchlllaratraSa 1», Taletoa Nr. »2» Ink. t Ang. Erkardt z Tal. 2511 z Slmtl. Malerarbeiten gediegen u. preisgünstig Ob. 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