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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1933-03-16 · 24 (16.3.1933) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IX (1932-1933)
Issue
24 (16.3.1933)
Date
1933-03-16
Page
[Seite] (sequence 9)
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- 271 v das noch heute erhaltene altersgraue Fachwerkhaus in der Stadtlanggasse den alten Judenhof. Bei diesem Hause lag vermutlich auch das alte Judenbad, die „Tunke“. Vom Friedhof, der in der Nähe der Eisenhandlung Mauthe lag. ist allerdings keine Spur mehr vorhanden. Die Synagoge ist bei dem großen Brande am Neujahrstage 1891 eingeäschert worden: auf ihren Fundamenten wurde die Darlehenskasse erbaut. Das ..Osterlamm mit hebräischer Umschrift“, ein Wahrzeichen der alten Synagoge, ist damals leider verkauft worden. Diese erste Judensiedliing fand ihr Ende beim Herannahen des Schwarzen Todes, der Pest, da man auch die Juden in Rottenburg bezichtigte, die Brunnen und „anderen Wasser" vergiftet zu haben. Die Judengemeinde fiel damals dem Pöbel zum Opfer. Der Ort. wo sie den Tod gefunden, das Judenloch, wird H60. 1450 und 1602 urkundlich genannt. An der Judenverfolgung war hier wie im Elsaß nach einer erhaltenen Straßburger Urkunde Ritter Konrad von Ehingen, ein Diener des Grafen Rudolf von Hohenberg, des Oberherrn von Rottenburg, beteiligt. 1581 verkaufte Heinrich von Hohenberg die Grafschaft au Oesterreich. Bereits 1404 wurden wieder Juden in Rottenburg aufgenommen., die der österreichischen Herrschaft eine Jahresabgabe von zehn Gulden entrichten mußten. Dafür hatten sie das Recht, von einem verliehenen Gulden einen Pfennig und von einem Pfund Heller einen Heller Wochenzins auf führende Habe zu nehmen. Juden saßen damals außer in Rottenburg auch in Obernau und in Kiebingen. Sie gehörten zum Rabbinat Hediingen. Die Verordnungen der Hohenbergischen Regierung von 1495 und die Judenordnungen des Kaisers Maximilian von 1516 und des Königs Ferdinand von 1330 beschränkten die Rechte der Juden in der Herrschaft von Hohenberg. Die Rottenburger Amtsloutc sollten die Größe des gelben Rings bestimmen, welchen die Juden zu tragen hätten. Die Juden wehrten sich aber, wie aus einem Urteilsbrief von 1561 hervorgeht, entschieden gegen die zu harten Maßnahmen. Ihr Appellant vor dem Hofgericht zu Rottweil war in dieser Zeit der Jude David zu Mundelsheim. Uin 1600 gab es in Rottenburg keine Juden inehr. Sie waren nach Möhringen. Baisingen. Nordstetten. Mühlen. Rexingen, Dettensee. Haigerloch und Hediingen abgewandert. Die für sie in den Dörfern errichteten Judenschutzhäuser trugen das Wappen des Grundherrn, wie es noch heute in Baisingen an einzelnen Häusern zu sehen ist. Nur das umfangreiche Judenprotokollbuch auf dem Rathaus, in das alle Geld- und Viehhandelsgeschäfte zwischen den Juden und den Bauern protokollarisch aufgenommen und der hohenbergischen Regierung eingereicht werden mußten, ist noch eine Erinnerung an den späteren Verkehr der Rottenburger mit den jüdischen Kaufleuten der Umgebung. In den letzten drei Jahrhunderten scheinen aber Juden nicht mehr in Rottenburg gewohnt zu haben. 7leue ^Büchet. Esriel Carlebach: Exotische Juden. Welt- Verlag. Berlin. Wissen Sie. wie Juden in Spanien. Saloniki, in der Sahara in Tripolis leben? Kennen Sie die vielfältigen Erscheinungsformen jüdisch-exotischen Lebens, die doch — und wenn auch oft im unscheinbarsten Detail — die Note gemeinsamen Gewachsenseins tragen? Carlebachs Reisebuch eröffnet hier ein weites Neuland! Ein Jude mit sicherem Beobachterblick. ein Schriftsteller, der sich nicht mit der reportagemäßigen Darstellung begnügt, sondern das in aller Welt Geschaute in den höheren Kreis aller jüdischen Lebensäußerungen einfügt, hat dieses Buch geschrieben. Jedem Leser eröffnet es ganz neue, hochinteressante Ausblicke in die große jüdische Welt. — tBühneHSchau. Württ. Landestheater. „Dä n i s ch e Ballade“. Drama in 13 Bildern von Roland Marwitz, erlebte am 4. März im Kleinen Hause seine Uraufführung und erzielte dank einer wirksamen Inszenierung durch F r. Brandenburg und ansprechender Darstellung einen Achtungserfolg. Das Stüde ist kein in sich abgeschlossenes Ganze, sondern bietet nur eine Reihe von Szenen aus einer erschütternden Lebenstragödie. Der geistesschwache König ist mehr Hauptperson als Struensee, in dem sich die Handlung verankert. Gewiß hat der Verfasser Talent, aber er will zuviel und bietet zu wenig. Die Darsteller waren es, die an diesem Abend gestalteten. Aber überragend war auch keiner von ihnen. Herr Brandenburg hatte an Stelle des erkrankten Herrn Fernau in letzter Stunde die Rolle des Königs übernommen und verstand es, ohne Uebertreibung zu wirken — eine sehr respektable Leistung. Struensee ward von Herrn Kavfiler verkörpert, aber ihm fehlte das Machtvolle. Frl. Panto sah erst als Verlobte im Reisekostüm, dann als Königin in Pagenkleidung entzückend aus, darstellerisch war sie aber recht matt. Eine beson- 9CeiUtomt DrHcrtc im Pholo-Spczlaikiis Max Lechler Hellbronn, Bismarcfcztr. 1 Empfehle mich hSflldi für die kommende Photo-Saison, sowohl in Apparaten und slmtl. 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