Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IX (1932-1933)
- Issue
- 23 (1.3.1933)
- Date
- 1933-03-01
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Gemeinde ZetNms ffir Oie ifraelitifeoen Gemeinden WüeiiemveegS ■ iiiOltill: tbWUtU* Bt(Ut0*b MtU4 6 XU. MMMfai 2M XU «tntrfMtU« 1.25 XU Oimfbammtt 25 *Rr***C.Mia 5WB3625t «ifchilut MilH Mi 1. b. 14. Verlas: gfraellüsche DerlaaSaakaÜ 9. m. b. S. Bttafpt. 93398 « Gtllttaarl » «asernenllr. 13 Schriftlettuaa: Gtavtrabbturr Dr. Rteaee. Gtattaart Xtli.ltiuiilt: tte «Wmilftj» Swwwlllriill« 36 ftti4*»tauu« 3M<tl<iofrit«» nt tBomiflMltt» »ach $arif, Brndliimudg»» ■■5 Ddu 3Unt|«» 5ti eittndl» 20 9td4Mfn»ia. RtOaatxU« IM XU »ei ■lil(tliliiiu •cKtilla»»« ix. SoOroong etnttoort, l. 9fUirs 1933 3tr. L3 Amil. O&duuutiMadumqeH. Stuttgart, 20. Februar 1931. Israelitischer Oberrat Nr. 267 Beil. 0. An sämtliche Gemeinden, Rabbiner und Religionslelirer. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin-Charlottenburg 2, teilt uns mit, daß der „Führer durch die jüdische Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege in Deutschland (mit Einschluß des gesamten Schulwesens)“ zum Betrag von RM. 6.— broschiert, RM. 7.— gebunden, nen erschienen ist. Der württembergische Teil ist von uns überarbeitet worden, so daß in dem Führer die Angaben richtig sind. Wir empfehlen das Werk zur Anschaffung für sämtliche in Betracht kommenden Stellen. Bestellungen können durch uns aufgegeben werden. Dr. H i r s ch. Stuttgart, 20. Februar 1933. Israelitischer Oberrat Nr. 452. Beil. 0. An sämtliche Israelitische Vorsteherämter. Betr.: Thalheimer-Stiftung. Die Abraham und Henriette Thalheimer- Stiftung ist wieder in der Lage, Erziehungs¬ und Ausbildungsbeiträge zu verteilen. Nach den Stiftungssatzungen soll das Reinerträgnis des Stiftungskapitals „zur Erziehung und Ausbildung bedürftiger und würdiger israelitischer junger Leute beiderlei Geschlechts dienen, welche entweder selbst württemhergische Staatsangehörige sind oder deren Eltern seit mindestens zehn Jahren ihren Wohnsitz in Württemberg haben; in erster Linie sollen solche junge Leute berücksichtigt werden, welche ein Handwerk, technisches Gewerbe oder ein Kunstgewerbe erlernen wollen“. Bewerbungen sind bis 2 5. März d s. J s. bei dem Kurator Herrn Leopold Levi m it Briefen des Israelitischen Oberrats, Stuttgart, Königstr. 82, einzureichen. Die Vorsteherämter werden ersucht, vorstehenden Bewerberaufruf am schwarzen Brett der Synagoge oder in einer sonst geeigneten Weise bekanntzugeben. Dr. H i r s ch. Jüdische ZetUcaisietie Jfüt!Becufslecatung. und -Äcleits nach weis. Stuttgart, Hospitalstr. 36 — Telephon 228 98. Sprechstunden: Mittwoch von 5—7 Uhr. Wir bitten nm Meldung offener Stellen und Lehrstellen aller Art. Für unverlangt eingesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keine Verantwortung. i Gedenke, vergift nicht! Ein Vorspruch zum Purimfest. Die Geschichte ist die lebendige Quelle, uiis der Israel einen großen Teil seiner Ewigkeitskraft schöpft. Die Erinnerung an die große Vergangenheit ist der lebendige Jungbrunnen seiner Gegenwartskraft und seines Xukuiiftswilleiis. So ist die Geschichte ihm Wegweisung und Schicksal geworden. Je stärker es in der Erinnerung lebte*, um so fester wurzelte es in ihr. Erinnerung schuf die jüdische Atmosphäre und baute die jüdische Substanz Dagegen waren die Zeiten des absterbenden Gedächtnisses Zeiten des Verfalls seiner Energie und der Zersetzung seiner Substanz. Die freigebigste Erinnerungsspenderin war die Bibel. Sie erzählte von vergangenen großen Tagen und weckte durch die Erzählung die Sehnsucht nach besseren Zeiten. Sie senkte* in die* Seelen das Gedächtnis an die Vergangenheit in einer zeitlos ewigen Sprache, die das W'iedcrcrleben vergangener Tuge vermittelte. Aus ihr hörte Israel die Rede des Schicksal waltende» Gottes, die Ansprache und Anspruch zugleich w u r. Zugleich aber war die Geschichte für Israel der Nährboden seines Gott Vertrauens. Die* Wege Gottes w aren eben andere als die Wege der Menschen. Auf Wellenberge folgten Wellentäler, im Niedergang ward der Aufschwung zu neuem Aufstieg gewonnen. Israel sah in der Geschichte die Hand und den Willen Gottes und fand so in ihr die Kraft und die Festigkeit, die innere Würde und die Zielsicherheit. Wohl keines der Feste Israels barg eine solche Summe schlafender Energien in sich wie das Purim. Aber bange Besorgnisse und Befürchtungen scheuchen diesmal die rechte* Festesfreude aus Israels Herzen. Ein so mehr bedeutet ihm darum der Gottesruf der Thora (5. Mose 23. 17 bis 19): G e d c* n k c*, \ e r g i H ii i ch t! Israyl braucht mehr als je* die seelische* Buhe und das Gottvertrauen, von dem der Prophet Jesaja (30. 15) gekündet: „Aus stillem Gottvert r a ii c* ii werbet eure Kruft!“ In solcher Stunde dürfen die deutschen Juden sich die Gewissensfrage vorlegen: Haben sich die deutschen Juden ihres Staatsbürgerrechtes würdig erwiesen? Nicht ihre Kulturleistung auf allen Gebieten deutscher Betätigung während des letzten Jahrhunderts darf die Antwort sein, sondern ihre vaterländische Leistung. Jüdische Männer wie Gabriel Riesser und Johann J a c o b v, Eduard Laskcr und Ludwig Batnberger, Ludwig Frank und Ludwig Haas, Albert Baltin und W a 1t h c* r R a t h c* n a u bedeuten ein Stück deutscher Geschichte und vaterländischer Arbeit. Jüdische Blutopfer in den großen deutschen Kriegen des letzten deutschen Jahrhunderts füllen ein Ruhmesblatt deutscher Geschichte. Jüdische Heldentaten zu Wasser und zu Lande, iin Flugzeug und im Unterseeboot gehören zum deutschen Heldentum. Es mag in diesem Jahrhundert deutsche Juden gegeben haben, die vaterländisch versagten. Aber ist das nicht ebenso bei vielen deutschen Christen der Fall gewesen? Die weit überwiegende Mehrzahl aer deutschen Juden darf sich aber in der Wertung ihres Deutschtums getrost neben ihre christlichen Mitbürger stellen. Sie denken und leben so dcutsch.so vaterländisch wie die Besten ihrer ii i ch t j ü d i s ch c* n M i t m e u s ch c* n. Israel muß aus der Geschichte lernen, daß Zeiten der Aechtung und Entrechtung e s sein e n höheren Ziel e n n i di t c* n t f r e m - den dürfen, daß sich gerade in Leideuszeiten hoffender Idealismus besonderes lebendig beweisen muß. Mit innerer Würde und sittlicher Festigkeit muß es im Sturme beharren und. „aus stillem Gottvertruueii die Kraft zum Ausharren werben". Das ist der Inhalt der Gottesbotschaft am Purimfeste: Gedenke, vergiß nicht! Swislowitz feiert Purim ... Von Shnuirya Levin. In seiner berühmten Selbstbiographie „Kindheit im Exil“ (Rowohlt-Verlag), schildert Shmarya Levin meisterhaft unsere jüdischen Feste. Kurz vor Purim wird unseren Lesern der_humorvolle und letztendig doch so ernste Bericht Levins über ein Purimfest in seiner russischen Heimat willkommen sein. Die Schriftleitung. Nach einer kurzen Familienzusammenkuuft bei meinem Großvater gingen wir zu dem großen Purimfestessen nach Hause. Der Tisch war reichlicher besetzt als zu irgend einer anderen Abendmahlzeit im Jahr. Da waren Speisen und Getränke aller Art. gelbsdiimmerude geflochtene Striezel, ein großer Tisch mit Safran gewürzt. Goldfarben, die mit dem Licht der Kerzen in den großen sicbenarinigen Leuchtern — den Menorot — von denen an beiden Enden des Tisches je eine in hellem Glanze branntf*. prächtig harmonierten. Im Mittelpunkt des Tisches und neben den beiden Menorot lagen drei Häufchen einfacher gekochter Erbsen. Ich fragte meine Mutter, wie dieses plebejische Gericht in diese vornehme Nachbarschaft geraten war. Und sie erklärte mir. daß diese Erbsen an die außergewöhnliche Frömmigkeit der Königin Esther gemahnen sollten. Denn Esther war eine „gute jüdische Tochter“. Sie lebte zwar in de m üppigen und unreinen Schloß des großen Königs, aber sie rührte keine der Speisen an. die ihr vörgesetzt wurden. Haman der Bösewicht, der die Gesetze der Juden kannte, hatte den Aufenthalt eines Schochets' (Schächters) in dem Palast verboten. Und Esther begnügte sich daher bei allen Festgelagen mit einfachen Erbsen und Bohnen: doch war sie bei dieser Diät so wohlgenährt und blühend wie alle anderen, die sich an den verlockendsten Gerichten gütlich taten. Und nun kam nach dem Festmahl der Höhepunkt für uns Kinder. Die Tür wurde weit aufgerissen, und herein strömten,-von einer Schar Kinder und Erwachsener begleitet, die Purimspieler. Unser Speisezimmer war wohl das größte in Swislowitz, bei dieser Gelegenheit aber erwies es sich als zu klein, und protestierende Stimmen wurden laut: „Laßt mich hinein, ich bin Hamans Bruder. Laßt mich ein. ich bin der Vetter der lüec wm Wobei» spricht, denkt cui MÖBEL-MAY Holzstrafte3-9 Königstrafte 1