Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IX (1932-1933)
- Issue
- 21 (1.2.1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
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Kapital anla r I JbatikcommandUe. Siegmund Weit I Mllllrt, MWMHHW, TlMtM MS44/4J Wertpapiere, Fdipali- Hypafbckci, Sparkaalca bietung, bewies sidi wieder als ein hervorragender Musiker, dem es in kurzer Zeit gelang, das Werk einzustudieren. — Eine reichhaltige Lotterie verband sodann mit dem zweiten Teil der Feier, deren Programm von Mitgliedern des Jugendvereins bestritten wurde. Sämtliche Mädels und Jungens haben Ausgezeichnetes geleistet. Die Kinder wurden vom Jüdischen Frauenverein durch kleine Geschenke sowie durch eine Bewirtung mit Kakao und Kuchen erfreut. Der sich anschließende Tanz hielt die Anwesenden noch lange zusammen. Laupheim. Am 16. Januar sprach Ernst L e v i im Rahmen des J ü d i s ch e n J u g e n d l> u n d s über das Thema „Religiöse und kulturelle Bestrebungen der Juden in Deutschland zu Beginn des 19. Jahrhunderts". Mit seinem gut durch gearbeitete» Vortrag gab der Referent einen Ueberblick über e ine für das deutsche Judentum höchst bedeutungsvolle Entwicklungsperiode. Sehr interessant waren insbesondere die Darstellung .der Ge dankengänge von Männern wie Abraham Geiger. Samson Raphael Hirsch usw. und die Ausführungen über die Hebung des synagogalen Lebens durch Sulzer. Lewanclowskv, Naumburg usw. — An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Aussprache an. Lehrer S i 1 b e r m a n n dankte als X ersitzender dem Referenten sowie allen Anwesenden-für ihre tatkräftige Mitarbeit. Laupheim. Fabrikant Max Bergmann und seine Ehefrau Henny geb. Stern begingen das Fest der Silbernen Hochzeit. Der Jubilar hat in den 20 Jahren seiner Tätigkeit als Vorstand des hiesigen „Verkehrs- und Xerschönerungsvereins“ verdienstvoll für die Verschönerung des Stadtbilds und die Errichtung von städt. Anlagen usw. gewirkt und damit viel zur Hebung des Ansehens unserer Stadt beigetragen. — Wir wün-' sehen dem Jubelpaar noch viele Jahre beglückender Gemeinsamkeit! Ludwigsburg. Der Synagogenchorverein darf auf eine in allen Teilen gelungene Chanukkafeier zurückblicken. Diese gliederte sich in eine Nachmittagsveranstaltung für die Kinder und eine Abendunterhaltung für die Erwachsenen. Die kleinen Künstler des Nachmittags leisteten unter allgemeinem Beifall Vorzügliches, teils als Mitwirkende bei der mustergültig vorgetragenen Haydensdicn Kindersymphonie. teils beim Theaterstücke „Kaufmann Eckenstein“, der allen etwas verkaufte. Der Dank für die Organisation der Veranstaltungen, die auch eine große Anzahl von Gästen angezogen hatten, gebührt dem Vorstand A 1 b e r t Ot t e n h e i me r und seiner Gemahlin, Frau Jette Kaufmann, Frau Pepi Ottenheimer und allen, die ..hinter den Kulissen“ wirkten. Ein besonderes Lob noch Gretel Elsas und Ruth Ottenheimer, die als indiskrete „Waschfrauen“ allerlei Interessantes ausplauderten. Die Ansage hatte Ernst Wertheimer mit gutem Humor übernommen. Ein Tänzchen beschloß die Veranstaltung. Oberdorf-Bopfingen. Am 11. Januar verschied Frau Fanny Pappenheimer, die Witwe1 des vor acht Monaten entschlafenen früheren Vorstehers und Abgeordneten der Landesversammlung Sally Pappenheimer, im 62. Lebensjahre. In seiner Trauerrede entwarf Oberlehrer Erlebacher nochmals das Lebensbild der bescheidenen. trefflichen Frau, deren Hinscheiden allgemein bedauert wird. Talheim. Die Israel-. Gemeinde feierte am 26. Dezember v.Js. ihr Chanukka-Fest. Vach einer Begrüßungsansprache von Oberlehrer Straus, der die Veranstaltung bestens leitete, wurden die Anwesenden durch kleine Theater- -tüdcc, Gedichte. Gesänge und reizvolle Reigen rfreut — Darbietungen, die zeigten, was Sachkenntnis und nie versagende Geduld des Lehrers, aber auch der Fleiß der Kleinen vermögen. Eine Gaben Verlosung, die besonders den Kindern viel I reude bereitete, war ebenfalls in das Programm •nifgenommen. Die wackere kleine Spielschar wurde von Frau Oberlehrer Straus in einer kleinen Nachfeier festlich bewirtet. Ulm. Unter Führung von Rabbiner Dr. Cohn Lind am 15. Januar wieder eine Besichtigung der 'G iiagoge mit anschließendem Vortrag statt Ulm. Am 21. Januar fand die alljährliche Ordentliche Hauptversammlung des Isr. lesevereins statt, bei welcher Vereinsangelegenheiten, Kassenbericht und Bericht des Bibliothekars behandelt und auch die Neuwahlen des Vorstandes vorgenommen wurden. Die bisherigen Vorstandsmitglieder, Dr. U ry, Direktor Fritz Essinger, Rechtsanwalt Dr. Gump, Friedrich Wallersteiner und Sally feiter, wurden einstimmig wiedergewählt. Ulm. Nach schwerem Leiden verschied am Januar, umsorgt von der Liebe des ihr ge- — 235 — bliebenen Sohnes — ein Sohn fiel im Weltkrieg — Frau Rosalie Erlanger Wwe. geb. Schnurmann. Das Andenken der trefflichen Frau wird stets in hohen Ehren gehalten werden. ZeuiiietoH. Deutsche Joden des Mittelalters als Kaufleute und Kulturpioniere. Es ist eine schon längst bekannte Tatsache, daß bereits im frühen Mittelalter der Handelsverkehr mit dein Osten in den Händen der Juden des Westens gelegen. Ibn Chordadbeh, der Postmeister des Kalifen von Bagdad, berichtet in seinem Reiseroutenbuch, das in der Zeit zwischen 846 und 872 verfaßt worden ist, von jüdischen Kaufleuten, die er Rhodaniten nennt weil ihre Reisen von der Rhone (Rhodanus) ansgingen. Diese Reisen führten über das russische Chazarenreich bis nach China. Dabei erwähnt der Postmeister unter den Sprachen, welche diese Kaufleute beherrschen mußten, auch die fränkische, d. h. die d e u t s ch e. Diese Kaufleute passierten auf ihrer Reise von dem Westen nach dem Osten, wie die Zollordnung von Raffelstetten bei Passau aus dem Jahre 904 mitteilt, die Zollgrenze zwischen Bayern und Mähren an diesem Orte. Diese Zollordnung geht aber auf eine wesentlich frühere Zeit zurück. König Chlodwig, der sie erlassen, weist ausdrücklich auf das Herkommen aus der Zeit seiner Vorfahren, der Könige Ludwig (843—76) und Karloman hin. Fs ist interessant. daß die Ordnung von Raffelstetten auch von zwei Juden als Zeugen (Isaae und Suloinon) unterschrieben ist. Vielleicht ist Regensburg für die deutschen Juden der Ansgangsort dieser Handelsreisen gewesen, wo seit der Römerzcyit eine große jüdische Gemeinde in einem eigenen Stadtbezirk wohnte (Aronins, Regesten No. 150). Lieber einen solchen Kaufmannszug des Rabbi Abraham ben Chija und seines Bruders Jakob, die beide aus Regensburg stammten, berichtet um 1050 R. Kalonymos ben Sabbatai. Dieser Kaufmannszug kehrte auf der Rückreise von Rußland über Ungarn und .Mähren nach Deutschland heim (Schibbole Halcket 8.47). Ein weiterer Ausgangsort des Osthandels war Mainz. Der Spanier Ibrahim Tartuschi berichtet 937, daß er in Mainz Samarkander Goldmünzen aus den Jahren 913- 15 gesehen, ein Hinweis auf den Osthandel dieser Stadt. Mainz beherbergte damals schon lange eine Judengemeinde. deren Handel nach den Ostländern ausdrücklich in einem Briefe des venezianischen Dogen an den Kaiser Heinrich und an den Erzbischof von Mainz 932 erwähnt wird (Brutzkus in Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland, III Seite 101). Von Kaufmannszügen nach Rußland berichtet am Ende des 11. Jahrhunderts Rabbi Issak ben Ascher aus Speyer (Menachem ben Seradi, Zedah laderech I 143). Von Regensburg trat auch der Reisende Rabbi Pethachja 1175 seine Reise nach Kiew an. Noch 1182 erhielten die Regensburger Juden von Kaiser Friedrich I. Handelsprivilegien, die 1216 bestätigt und 1230 erweitert wurden. Urkunden über den Handel der Regensburger Juden nach Rußland sind 1191 von König Ottokar I. und 1192 von Herzog Leopold von Oesterreich erhalten. Etwa zwischen 1221 und 1244 tritt dann Wien an die Stelle Regensburgs. Der schnelle Aufstieg der Wiener Gemeinde ist durch die Uebernuhme des Osthandels durch die dortigen Juden zu erklären. Aber auch geistige Beziehungen zwischen Ost und West bestanden. So war der Kiewer Rabbiner Mose in der Mitte des 12. Jahrhunderts ein Schüler des nordfranzösischen Gelehrten Rabbi Jakob Tham. Sogar ein Thosafist . (Verfasser von kritischen Zusätzen zum Talmud), Rabbi Samuel, lebte 1124 in Rußland. Umgekehrt treffen wir den Gelehrten Rabbi Isaak aus Rußland im 13. Jahrhundert in Deutschland (Brutzkus. das. S. 108). Verhältnismäßig geringer sind Mitteilungen über Handelsbeziehungen der deutschen Juden mit Palästina. Doch berichtet von ihrem Handcls- Jüdische Grabsteine im Friedhof Weikersheim (Aus „jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg*, Füser-Verlag Augsburg) verkehr mit dem heiligen Lande der Mönch von St. Gallen, dessen Chronik in der Zeit zwischen 787 und 813 verfaßt worden ist (Aronius. Regesten Nr. 75). Audi Rabbi Jakob Tham erzählt von einem Briefwechsel der Juden des Rheinlandes (Anschc Rhenus) mit den Gelehrten Palästinas, der im Jahre 960 stattgefunden. Daß auch während der Kreuzzüge Beziehungen zwischen den Juden Deutschlands und Palästinas bestunden, wird dadurch bestätigt, daß die Kreuzfahrer sich wunderten, in Palästina dehtschsprediende Menschen zu treffen. Ein direkter Handel zwischen Deutschland und Palästina hat aber während des Mittelalters kaum bestanden. Aus dee soziaCeu Ac&eit. Das „Jüdische Dauerheim“ in Berlin-Weißensee nimmt in der Wohlfahrtspflege eine einzigartige Stellung ein. Seine Bestimmung ist. Personen männlichen und weiblichen Geschlechts vom 18. Lebensjahr an eine dauernde Heimstätte zu bieten, wenn sie an angeborenem Schwachsinn leiden, noch beschäftigungsfähig, aber nicht mehr erwerbsfähig sind. Aufgabe des Heimes ist es, seinen Pfleglingen das bisher Erlernte zu erhalten und sie durch Anleitung zu technischen Fertigkeiten, ihren Fähigkeiten entsprechend, zu beschäftigen. Die Erfahrung hat gezeigt, daß der Insasse am gegebenen Arbeitsplatz zu erstaunlichen Leistungen befähigt ist. auf diese Weise durch Selbsttätigkeit zur Selbständigkeit und dadurch zur möglichst harmonischen Entwicklung seiner schwachen Kräfte gelangt. Von der Aufnahme ausgeschlossen sind Personen. bei denen es sich um einen erworbenen Schwachsinn als Rückstand einer überstandenen Krankheit handelt. Das Heim wird zurzeit von 32 männlichen und 28 weiblichen Insassen bewohnt. Wirtschafts-, Arbeits- und Aufenthaltsräume sind zweckentsprechend eingerichtet, so daß jeder Schützling die Betätigungsmöglichkeit und die Bequemlichkeit findet, die seiner geistigen und körperlichen Veranlagung entspricht. Die Schlafräume bieten Platz für zwei bis fünf Personen. Durch sorgfältige Auswahl der Gleichgestimmten sind auch hier die,Voraussetzungen für ein kameradschaftliches Zusammenleben gegeben. Arbeit. Spiel. Erholung und Vergnügen (Radio. Kino und Spaziergänge) suchen dem Pflegling IMm a.T>. HÖbel allar Art AJchmid am Judenhof Fabrik Messerschmied HIRSCHSTRASSE 22 Reparaturen Gilt stiUnrn lilraw Inh.t Fr. Herdepen kmm ,us lltnta MlrtwftH ta Mn!MS Neutorstr. 31 - Tel. 3*23 Brennstoffe nur erster Qualitäten Wilh. Kölle Cuxhavener Fisch-Halle Glöcklerstraße 14 z Telephon 4704 Elftes Spezialgeschäft am Platze Stein Mathe Seeand Figßßathe ea» t&gnth eintreffenden Sendungen t Fteehkonaereen / Marinaden / RAudterweren in großer Amamehi