Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IX (1932-1933)
- Issue
- 17 (1.12.1932)
- Date
- 1932-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
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würdigt werden. Dodi soll nicht versäumt werden. aus der Reihe der Mitglieder der Oberkirdienbehörde und des Oberrats Namen hervorzuheben, wie: Oberregierungsrat Dr. Nathan Schmal (1874 bis 1911 Oberkirchenbehörde), Regierungsrat Dr. Karl Nördlinger (1907 Oberkirchenbehörde — ab 1924 bis 1930 Präsident des Oberrats), Ministerialrat Dr. Otto H i r s ch (Präsident des Oberrats seit 1930), sowie Louis Hirsch (Oberkirchenvorsteher bezw. Mitglied des Oberrats 1912 bis 1930, ab 1924 stellvertretender Präsident). Die ersten Rabbiner der Gemeinde: Kirdienrat Dr. Josef von Maier (gest. 1873), Kirchenrat Dr. Moses von Wassermann (gest. 1892), Oberkirchenrat Dr. Theodor K r o n e r (gest. 1923), sind Zierden ihres Standes und ebenso wie Stadtrabbiner Dr. Paul R i c - e r und die anderen früheren und jetzigen eistlichen der Gemeinde von den Theologen anderer Konfessionen hochgeschätzte Gelehrte und Seelsorger. In den vorstehenden Betrachtungen können die Werke der an hervorragender Stelle tätigen Persönlichkeiten keine eingehendere Würdigung finden. Es wurden nur an geeignetem Platz einzelne Namen hereingestellt, ohne daß damit eine Vollzähligkeit der „Jüdischen Persönlichkeiten der vergangenen 100 Jahre“ erreicht sein kann. Es sollte gezeigt werden, daß in der Stadt Stuttgart die Juden sich nicht einseitig auf das eine oder aqdere Gebiet verlegt, sondern daß sie, insoweit ihnen die Verhältnisse es gestattet haben, in der Vergangenheit und in der Gegenwart sich auf allen geistigen und wirtschaftlichen Gebieten betätigt haben. Sie haben dank ihrer Leistungen, ihrer Kenntnisse und ihres Wissens der Allgemeinheit wertvolle Werke geschaffen und sind zu hohen Ehren gelangt: sie werden auch in Zukunft an Deutschlands Wiederaufbau initarbeiten und wissen, sich des ihnen seitens ihrer Mitbürger geschenkten Vertrauens würdig zu zeigen. ______ Der Anteil der Stuttgarter Juden am Weltkrieg. Von Dr. med. Gustav Feldmann. Seit der Beendigung des großen Krieges sind bereits 14 Jahre vergangen, und die Erinnerung daran, wie sehr die jüdische Gemeinde Stuttgart mit dem Krieg verknüpft war, beginnt selbst bei unseren eigenen Gemeindegenossen zu verschwinden. Da erscheint es notwendig, einmal unserer jüngeren Generation, die den Krieg überhaupt niait oder nicht bewußt miterlebt hat. einiges davon zu erzählen. Die Zahl der jüdischen Frontsoldaten aus Groß- Stuttgart war 520. Das waren bei damals insgesamt 3410 Stuttgarter jüdischen Einwohnern deutscher Staatsangehörigkeit 15% % aller Gemeindeangehörigen, Frauen und Kinder mitgerechnet. Wohlgemerkt war das nicht etwa die Zahl der Kriegsteilnehmer, sondern es waren nur diejenigen, die den Krieg an der Front mitgemacht haben. Und von diesen 520 Frontsoldaten sind 98 gefallen. Hätte man die Stuttgarter jüdischen Frontsoldaten nach dem Krieg; in eine Reihe aufstellen können, so wäre nach jedem vierten Mann eine Lücke entstanden, die der Tod in die Reihe gerissen hatte. Wenn sich unsere Kinder dieses Bild vor Augen führen, dann wissen sie, was die Väter geleistet haben. Außer den 98 Toten wurde weitere 138 jüdische Soldaten aus Groß-Stuttgart verwundet. 232 Mann (44,6% der Frontsoldaten) wurden zum Unteroffizier oder zum Offizier befördert, und 340 von ihnen erhielten Auszeichnungen. Kann noch jemand bestreiten, daß die Männer der jüdischen Gemeinde - IX - Stuttgart ihre Sch u haben? Auch unter unseren Frauen waren Kriegsteilnehmer. Mit zehn Schwestern und vier Hilfsschwestern zog der Vorstand des „J ü d i s ch e n Schwesternheims Stuttgart“ am 6. August 1914 in die südlichste Grenzfestung des Reichs, und während:des ganzen Krieges waren Stuttgarter jüdische Schwestern auf dem Kriegsschauplatz tätig: so im Seuchenlazarett Inor, in Siebenbürgen und Rumänien und schließlich in Belgien. Während all dieser Jahre räumten die Schwestern ihr schönes Haus in Stuttgart den Verwundeten ein. die es his Ende April 1919 besetzt hielten. 14 370 Pflegetage haben die Stuttgarter jüdischen Schwestern im Heeresdienst geleistet. Die Mitglieder unseres F rauenvereins haben in großen Mengen Wäsche für die Verwundeten genäht, für die Soldaten im Feld und zu Haus haben sie nach Kräften gesorgt. Von den sehr großen geldlichen Leistungen der Gemeindemitglieder sprechen wir nicht. Sie bedeuten wenig gegenüber den Opfern an Blut und Gesundheit, die alles übertroffen haben, was man früher für denkbar hielt. Die Stellung der Juden zu den politischen Parteien war innerhalb der Gemeinde von jeher eine sehr verschiedene: aber der große Krieg hat bewiesen, daß in Notzeiten allen Juden der Dienst für das Vaterland oberste Pflicht ist. Wir hoffen zuversichtlich, daß auch in Zukunft unsere jüdische Jugend sich von der übrigen Jugend an Pflichtbewußtsein, Mut und Opferfreudigkeit nicht Ubertreffen lassen wird. Die zahlenmäßige Entwicklung der Gemeinde. Von Gemeindepfleger Dr. Martin Cohn, Stuttgart. Nach der Festschrift, die das Vorsteheramt im Jahre 1911 anläßlich des 50jährigen Bestehens der Synagoge herausgab, waren im Jahre 1770 vier jüdische Familien in Stuttgart ansässig. 1803 gab es sechs Familien, drei Ledige, acht Kinder und 13 Bedienstete. 1808 waren 14 Familien mit 109 Seelen vorhanden, 1817 zählte die Gemeinde 119 Seelen. Die Besserung der rechtlichen Verhältnisse der Juden, die in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts überall in Deutschland einsetzte, begann in Württemberg mit dem Gesetz vom 25. April 1828. Dieses Gesetz wirkte sich natürlich auch günstig auf den zahlenmäßigen Bestand der Gemeinde aus. Im Jahre 1832 hatte sich die Zahl der in Stuttgart ansässigen jüdischen Familien bereits auf 15 erhöht; 1835 waren es schon 37 Familien mit 127 Seelen. Immer rascher stieg der Mitgliederstand der Gemeinde an. 1844 waren die 200 überschritten, und 1861 wies die Gemeinde eine so stattliche Mitgliederzahl auf. daß der Bau einer großen Synagoge zum unabweisbaren Bedürfnis wurde. Im Jahre 1865 hatte Stuttgart, damals noch mit Einschluß Cannstatts. 1500 Juden. Immer mehr Familien verlegten ihren Wohnsitz in die schon damals aufstrebende Landeshauptstadt, und im Laufe der folgenden 45 Jahre vermehrte sich die Zahl der jüdischen Seelen um mehr als das doppelte. Bei der Volkszählung im Jahre 1910 betrug die ermittelte Anzahl der jüdischen Einwohner Stuttgarts 3792. Es kann in dieser kurzen Betrachtung auf die verschiedenen Ursachen dieses raschen Aufstiegs nur andeutungsweise eingegangen werden. Die bessere rechtliche Stellung, eine dieser Ursachen, wurde bereits erwähnt. Die wirtschaftliche Umwälzung, die das 19. Jahrhundert kennzeichnet, und die besonders den Juden aus seiner verachteten Trödlerstellung befreite und ihn in die geachtete und angesehene Bürgerschicht hineintrug, begünstigte ebenfalls diese Entwicklung. L luigkeit getan Polar Funk im Museum. „Das ist Philipp der Schöne. Er erhielt Spanien am 1. April 149S." „Was^nur ein Land und blofi einmal? Und deshalb hängt er im Museum? — Ich kriege Spanien, wann ich will, mit meinem Siemens-Empfänger 1- Audi Sie können deutsche und fremde Sender hören mit einem Siemens- Vertu. Siemens Rundfunkgeräte werden Ihnen gerne ln Fach geschähen vot*- geführt. Die Zahl der Stuttgarter Juden ist auch nach dem Jahre 1910 noch weiter angestiegen. Bei der Volkszählung im Jahre 1925 wurde als amtliche Ziffer die Zahl 4201 angegeben; diese erscheint jedoch zweifelhaft. Sehr wahrscheinlich waren damals in Stuttgart 5000 Juden ansässig. Wir kommen nun. trotzdem es sich um einen Jubiläumsrückblick handelt, der eigentlich mit einem optimistischen Ausblick schließen sollte, nicht um die Feststellung herum, daß der Bestand der Gemeinde sich seit einer Reihe von Jahren nicht mehr vermehrt, sondern eher abnimmt. Die Stuttgarter Gemeinde zählt heute ca. 4900 Seelen. Infolge des Geburtenrückgangs ist auch in Stuttgart bereits seit mehreren Jahren ein erheblicher jährlicher Sterbeüberschuß festzustellen, der den Bestand der Gemeinde allmählich dezimiert. Diese Verringerung wird bisher immer noch durch Zuwanderung teilweise ausgeglichen: auch rein zahlenmäßig ist sie nicht so stark, daß in der nächsten Zeit etwa eine unmittelbare Gefahr für die Existenz der Gemeinde bestände. Wir dürfen das Fazit ziehen, daß sich Blüte und Aufschwung der Gemeinde im ersten Jahrhundert ihres Bestehens auch ausdrücken im zahlenmäßigen Wachstum ihrer Mitgliederzahl. Wenn es auch nicht wahrscheinlich ist, daß dieses Wachstum in absehbarer Zeit wieder einsetzt so möchten wir doch der Hoffnung Ausdruckverleihen, daß unsere Gemeinde alle Krisennöte überdauert, und daß in ihr stets ein lebendiger jüdischer Geist sich paaren möge jnit gesundem wirtschaftlichem Wohlstand.' Ein Nachwort zu den Gemeindewahlen. Diesmal, das muß man schon sagen, kam es anders, als man dachte! Bis in die letzten Tage vor der Wahl sah man dem 20. November mit einer gewissen Gleichgültigkeit entgegen, da man allgemein annahm, daß der vom „Gemeindeverei n“, „Liberalen Verein“ und dem KAUFHAUS SCHOCKEN 3 SCHOCKEN-GRUNDSÄTZE OUTE WAREN FOR JEDERMANN Geringe Ware für wenig, und gute für viel Geld zu bieten, ist leicht, aber auch gleichgültig; gute, und für jedermann erschwinglich: das ist die Aufgabe. STETS GLEICHE GUTE LEISTUNGEN Gleiche, gute Leistungen bei allen Waren, zu jeder Zeit, für jeden Käufer. Daher kein Rabatt, keine Veranstaltung mit Ausnahmepreisen, kein Sonderverkauf, kein Kredit*. KEINE SONDER¬ VERAN¬ STALTUNGEN Wir veranstalten keinen Sonderverkauf zum Schluff der Saison, wir ermäßigen unsere Preise sofort, wenn die Zeitverhältnisse es gestatten. * Deshalb haban «11» Kaufhlufar Schocken an lhr«n Standorten dan dauamdan, gteldtmlljigan Erfolg. Wortfol*. oad. flk dir Sehock«. Komw«adit-G».»ll«rbift nt Aktin gu.tzlich f Mchötzt.