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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1932-12-01 · 17 (1.12.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IX (1932-1933)
Issue
17 (1.12.1932)
Date
1932-12-01
Page
[Seite] (sequence 10)
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— 138 — SCHIEDMAYER PIANOFORTEFABRIK STUTTGART - FERNSPRECHER NR. 26841 Flügel, Pianos, Harmoniums 12 Neckarstraße Eckhaus MM» EINGANG NUR UNTER DER UHR Hermann Fechenbachs ,,Bereschith“. Mit zwei Originalholzschnitten des Künstlers. Man möchte der Eingebung dankbar sein, die damals in Italien 1924 den Stuttgarter Kunstmaler Hermann Fechenbach dazu bestimmte. Bilder für die Bibel in Holzschnitten zu entwerfen. Schon die Erklärung zu den Bibelholzschnitten zeigt deutlich, mit welcher Energie Der Zug in die Arche. der Künstler sich die Aufgabe stellte, eine richtige Folge von 135 Bildern in .Holzschnitten für das I. Buch Moses zu entwerfen und zu schneiden. Jetzt liegt die Gesamtserie vor und erzählt nicht nur von der Bibel, sondern auch von der Entwicklung und dem Leben Hermann Fechenbachs. Dies allein zeigt, wie von Anfang an diese kleinen Holzschnitte aus echtem Erlebnisempfinden heraus gearbeitet worden sind, zeigt, daß jedes Bild etwas Besonderes und Wertvolles ist. In Florenz im Frühjahr 1924 wurden die ersten Holzschnitte zur Schöpfungsgeschichte entworfen. Es ist leicht zu erraten, mit welch stark religiösen Gefühlen der Künstler an diese Arbeit ging, wenn man den dekorativen Wert dieser kleinen Kompositionen richtig erkannt hat. Man fühlt auch, daß der Aufenthalt in Italien die Holzschnitte noch wenig beeinflußte. Erst in Wien, wo ihm das Werk Albrecht Dürers begegnet, vollzieht sich eine entschiedene Wandlung von der ornamentalen Wirkung zum räumlichen Kompositionsaufbau. Dabei ist zu beobachten, wie sich immer mehr eine Freude an der logischen Handlung im Bildaufbau entwickelt. Der letzte in Wien gearbeitete Holzschnitt zeigt, wie die Tiere zu Noah in die Arche kommen, und es ist eigentümlich, wie im Bild und im Leben des Künstlers etwas abgeschlossen wird. Die Hoffnung und Sehnsucht in Noahs Ausdruck, wenn er die Taube fliegen läßt, ist tief erlebt. Der Turmbau zu Babel ist mit einer Feinheit durchgeführt, die uns sein späteres Schicksal ahnen läßt. Von 1926 an beginnt der Holzschnitt sich in der Form zu vereinfachen, man spürt immer mehr den Charakter des Holzes im Schnitt. Ein Jahr später kommt zu der einfacheren Form noch die stärkere Schwarz-Weiß-Wirkung. Immer großzügiger wird nun die Auffassung und gestaltet sich in der Josephsgeschichte zu schönen klaren Bildern. So sind die 155 Holzschnitte uns nicht nur Darstellung eines fernen, aus der Zeit liegenden Geschehens. sondern in ihnen spiegelt sich immer wieder das Leben und Empfinden der menschlichen Seele. Die vielen Jahre hindurch hat ein Kreis von Menschen diese Holzschnitte gesammelt, und es wäre zu wünschen, daß das Werk noch recht viele neue Freunde finden möchte. M.H. Noah entsendet die Taub«. Sischc, der Schamines. Erinnerungen von B. E p e I b a u m. Jetzt, da draußen trüber Herbsttag ist. der Himmel in düstere Wolkenfetzen gehüllt, und dünner Regen herabfällt, stiller kalter Herbstwind über nasse Dächer fährt jetzt hat der Neln-I sich geteilt, der meine Augen in vergangenen Jahren bedeckt hat und ich sehe die Gestalt des Schammes Sische. Ich habe in sein eingefrorenes Gesicht geblickt und gespürt, daß sich dichte Schatten um meinen Leib wickeln und Schrecken in mein Herz dringt. * Er hieß .Sische. war Schammes des einzigen Beth Hamid rasch und der einzigen Chewra Kadischa des Städtchens. Mau nannte ihn aber ..Der Leichnam“. Wer ihm diesen Namen gegeben hat. weiß ich nicht mehr. Er war mittelgroß und stark vornübergebeugt hatte eine verwachsene Schulter. so daß er den Eindruck machte, als läge die anze Armut des Städtchens auf ihm und rürame seinen Rücken. Deshalb auch sein schwerer Gang, sein ausgemergeltes, aschfahles I Gesicht. Er hatte große Augen, die wie vor Schreck starr waren. In seinem kleinen, sehr dichten, dunkelblonden Bärtchen waren viele weiße Fäden zu sehen. Seit ich ihn kannte, sah das Bärtchen so aus. Das Hütchen war an den Rändern schartig, der ganze Mann sah immer aus. wie wenn er ewig Trauertage hätte nach einem Toten. Sische war, scheints, nie jung gewesen, hat keine Freude gekannt und niemals hat ein Lächeln seine Lippen umspielt als hätte ihn keine Mutter geboren und als wäre er von einer fremden Welt heruntergekommen, um Schammes zu werden. So wurde er Schammes. Aber aus seinen erstarrten Augen blickten verborgene Klugheit. Bitternis und Ironie, das Wissen um die Welt als Eitelkeit der Eitelkeiten: der Weg führt ohnehin nur vom Beth Hamidrasch zum Friedhof. Was soll dann eine Unterscheidung! ' Sische war ein gelehrter Mann und ein großer Schweiger. Er bildete nur drein, schwieg mit unerhörter Zähigkeit Zu den Bürgern des Städtchens verhielt er sich völlig fremd. Fragte ihn jemand etwas, so antwortete er kurz, abgehackt. Wenn Jankel Schmul, der Reiche des Städtchens, Amd.!BekaHHtmacAmgeH. Bei der am 20. da. Mts. im Wahlbezirk des Stadtrabbinats Stuttgart vorgenommenen Nachwahl zur Israelitischen Landesversammlung sind gewählt worden: als Abgeordnete Dr. Ezechiel Hasgall und Dr. Manfred Sichel, als Ersatzmänner Hugo Davidsohn und Dr. Max H o m m e I sämtliche in Stuttgart Stuttgart 24. November 1932. Israelitischer Oberrat Dr. Hirsch. Ergebnis der Wahl zum Israel. Gemeindevorsteherami Stuttgart Bei der am 20. November da. Ja. vorgenomme- I neu Wahl zum Vorsteheramt naben von 3443 Wahlberechtigten 843 abgestimmt Von den abgegebenen Stimmen waren gültig 849, ungültig 14. Es entliefen auf: Max Meyer Karl Levi Dr. EL Flegenheimer Oskar Rothschild Dr. Paul Tänzer Simon Krautkopf Dr. Hermann Merzbacher Robert Levi Dr. Manfred Sichel 833 Stimmen 788 Stimmen 787 Stimmen 748 Stimmen 723 Stimmen 373 Stimmen 312 Stimmen 323 Stimmen 302 Stimmen Es sind somit nach f 24 Absatz 4 der Verfassung gewählt: Als Nachfolger der turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder auf die Dauer von sechs Jahren: Dr. Eugen Flegenheimer, Rechtsanwalt Gerokstr. 21, Simon Krautkopf, Fabrikant Hauptmannsrente 88, Karl Levi, Fabrikant Gerokstr. 4, - Max Meyer, Oberrechnungsrat Gartenstr. 32, Oskar Rothschild, Fabrikant Neefstr.7, Dr. Paul Tänzer, Rechtsanwalt Alexanderstraße 113; als Nachfolger des durch Amtsniederlegung ausscheidenden Mitgliedes auf die Dauer von drei Jahren Dr. Hermann Merzbacher, Rechtsanwalt Hölderlinstr. 33. Stuttgart den 21. November 1932. Israelitisches Gemeindevorsteheramt Rothschild. ihm vor die Augen kam, kehrte er ihm einfach den Rücken, wollte ihn nicht sehen. „Sische“, rief der Reiche ihn an, „warum schwelen die Lampen im Beth Hamidrasch so?“ Sisches Augen zeigten Zorn. Er blickte nur und antwortete nicht. „Bist du Schammes oder nicht?“ „Ich bin Schammes.“ „Und warum schwelen die Lampen?“ „Weil sie schwelen.“ „Man muß sie putzen.“ „Man muß.“ Sisches Gesicht wurde dabei so finster, daß der Reiche Schreck empfand und wie verloren und verirrt hüstelte. Sische schwieg, aber in seinem Schweigen lag lautes Schreien. Keinen Blick wandte er jetzt von Jankel Schmul. Was er dachte? Wer kann das wissen? * Bei der Chewra Kadischa fühlte er sich heimischer. Lebte mit ihr in Frieden. Ob deshalb, weil er dort eher ein paar Gulden verdiente oder Weil ihm der Tod vertrauter war, wer weiß das? Aber ich glaube eher das letzte. War einer im Städt- TH. GEIGER Seit 100 Jahren Opt. und mech. Fachgeschäft Märklin Dampfmaschinen Elektr. Eisenbahnen und Locos Märklin- und Kosmos-Baukasten Kinos und Filme etc. MITTNACHTBAU Zeiss (Eingang: Krön pri nzstraße} Feldstecher, Theatergläser Augengläser, Brillen Barometer, Komp« Thermometer Autobrillen «to.

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