Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IX (1932-1933)
- Issue
- 16 (16.11.1932)
- Date
- 1932-11-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
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Gemeinde Zettnng für die i|roditifi9(n Gemeinden WUeiieniveegS amitmii: MMU B4*Ua«a ««Ü* & -**. WM«tü<* IM Mt •tetWM>U4 I.2S Mt (lanlnnn s 9ta4««ftxatg 9otl**-*"*o: 362SS B I. a. 16. Verlag: gsraelttische DerlagsauKatt ©. m. b. H. ffnnfpr. 2339# * Stuttgart « Äafernrnflt. ,3 Schristleituag: Stadtrabbtaer Dr. Rieger, Stuttgart. lllllfllMlIC Sit turfpaltig» 3tmparatU>)aiU 30 Raichaplmuita «*6 fflonagOMM ao4 Saiif. 0aaBttuaaM>S«> mit Uriac Xatetoaa SU JMtiajtUa 20 9U<S«pfauia. 9ttfloa»)tU« UO Ml Bei »lehr,»» ,»,»» VdiiilliiM ix. 3aOroono 6tntt0ovts 16. OtotoemBer 1932 3tT.16 UNSEREN GEFALLENEN, Zum. Gefallenen-Gedenktag am 20. November 1932 1 i i u S I In der Heiligen Stadt erzählt man sich, daß alljährlich am neunten Aw, dem Tage der Zerstörung des Heiligtums, ein tiefes Aufseufzen aus der Klagemauer, dem letzten Reste des hochheiligen Gottestempels, tönt und eine Träne aus dem uralten Gemäuer sickert: „Der Stein weint aus der Mauer". (Habakuk 2,11). „Zehn Jahre sind seit dem Ende des furchtbaren Krieges dahingegangen. Viele, leider nur zu viele scheinen das Entsetzliche, das die Menschheit in diesen Kriegsjahren erduldet, vergessen zu haben. Einmal aber im lieben langen Jahre, am Tage, den das Vaterland seinen gefallenen Söhnen weiht, tönt die Mahnung: Gedenket, vergeht nicht, wahrt Euch, was Eure Augen geschaut. Dann scharen wir uns in den Gotteshäusern. Wir blicken aus ernsten Augen auf die Ehr^nsteine, die wir unseren Kindern gestellt Dann lebt in uns die Erinnerung auf an das Herzeleid, das dieser Krieg geschaffen. Wir hören den Weheschrei unserer Geliebten: „Der Stein weint aus der Mauer". — Wir denken an das, was sie gelitten in Schlamm und Blut, in Gas und Grauen, im Sturm und im Graben, an ihr äußeres Leid und ihre innere Not Wir denken an die Gräber im Feindesland. Sie sind verfallen, nur zu oft vom Feinde mißachtet Ihr aber seid nicht vergessen, ihr Brüder in Flanderns Sand, in Frankreichs Erde, in Polens Steppe, in Rußlands Öde, im glühenden Morgenlande und in den Tiefen des Meeres. Wir haben Euch aus der Fremde heimgeholt und schauen auf den Stein, der Eure Namen verewigt — und eine Träne sickert in unser Herz: „Der Stein weint aus der Mauer“. — Ihr Leidgereiften und Ihr Frühvollendeten, ja, das ist der Name, mit dem wir Euch grüßen, mit dem wir Euch ehren. Was uns ein Bruchstück scheint, war wirklich ein Ganzes. In der Höllenglut und Seelenpein des Krieges seid Ihr aus Kindheit und Kindlichkeit zum Mannesalter gereift. Der Tod vor Augen hat wie ein heißer Sommer Euer Sein vollendet, Euer Leben gereift War Euer Sterben sinnlos? Heute wissen wir die Antwort, die wir vordem nicht gefunden: das Gesetz Eures Sterbens ward das Gesetz unseres Lebens, leben im Dienste der Idee,fterben imDienste der Pflicht. Deutschland ist uns durch Euer Blut noch teurer geworden — Opfer erhöhen den Wert. „Der Stein aus-der Mauer weint“, heil uns, wenn wir das Lied seiner Tränen verstehen!“ Diese ernsten Worte schrieben wir anläßlich des Gefallenengedenktags des Jahres 1928. Und wir müssen gestehen: so eindringlich wie damals sprechen sie zu uns, die wir uns anschicken, wiederum unserer gefallenen Brüder zu gedenken. Auch in diesem Jahr wird im Gottesdienst unsererimWeltkrieg gebliebenen Söhne gedacht; ihreNamen werden in einem „Jiskaur" in unsere Erinnerung zurückgerufen. — Aber die Feier gilt mehr fast den Lebenden als den Toten. Die Lebenden brauchen sie besonders heute zur beschämenden Selbsterkenntnis und Einkehr in sich selbst.* Sie brauchen sie, um an den furchtbaren Opfern der Kriegszeit die eigene Liebe zu Volk und Vaterland zu messen. Die Nachfahren brauchen sie als Warnerin für eine entseelte und von blindwütigem Haß erfüllte Zeit. — Noch kann die Menschheit, noch kann das deutsche Volk einen solch ernsten Bußtag nicht entbehren. Möge er viele zur Einkehr und Umkehr ermahnen! XSL Xwm g mm im mornm ' V ,ND 1518 Den Gefallenen der Iar. Gemeinde Stattgart '-JWSLr- TlLlfOM 22Ut sruTTeumeumeisTB-v -W -w | MW-- ■-m TtlifOtttpUt Continental ERZEUGNIS DER WANDERER-WERKE A.-G. SCHÖNAU-CHEMNITZ