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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1932-11-01 · 15 (1.11.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IX (1932-1933)
Issue
15 (1.11.1932)
Date
1932-11-01
Page
[Seite] (sequence 8)
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BttfttCMMU m ■ypMKKcimkcir Mclur* (Im STUTTGART FRIEDRICH STRASSE 4 TELEPHON Nr. 2000« Julius Lssingor. dem treuen Besucher unseres Gottesdienstes, die Ehre und Freude des Thoratragens zuteil. Am nächsten Tag riß ihn der Tod aus einem arbeitsreichen; gesegneten Leben. — Sein Andenken wird in unserer Gemeinde und überall da. wo man den trefflichen Mann kannte, nie erlösdien. Crailsheim. Am letzten Tag des alten jüdischen Jahres wurde ein Mann zu Grabe getragen, der es verdient, an dieser Stelle nochmals erwähnt zu werden: Josua Stein, der Gründer der Firma J. & B. Stein. Stein wurde in Crailsheim geboren, wo er sich in seinem beinahe neun Jahrzehnte langen Leben als Mensch und Ge «(häftsmünn hohes Ansehen erworben hat. Mehr als zwanzig Jahre gehörte er dem Vorsteheramt als Mitglied an: auch als städt. Gemeinderat. \ orsitzender des Gewerbebankausschusses und langjähriger ständiger Schöffe beim Amtsgericht wirkte er unermüdlich zum Wohle seiner \aterstadt. Bis zu seinem Tode blieb er ein gläubiger Jude, der den Nachfahren immer ein nacheifernswertes Vorbild sein wird. — Ein tragisches Geschick fügte es. daß der S(hw iegersohn Josua Steins. Julius Schic*- 'inger. während einer Reise einem Gehirnschlag plötzlich erlag. Dieser treffliche Mann, der sich immer getreu in den Dienst der Gemeinde stellte und insbesondere an den hohen Festtagen seit Jahren ehrenamtliche Vorbeterdienste leistete. wurde am Eingang des Versöhnungstages zur letzten Ruhe gebettet: Sein Andenken wird stets in hohen Ehren gehalten werden. Crailsheim. Man schreibt uns: Am 1. November \erläßt llauptlehrer Sally Silbermann seinen hiesigen Wirkungskreis, um denselben mit Laupheim zu vertauschen. Sein Wegzug bedeutet für die Crailsheimer einen großen Verlust. Silbermanns ausgezeichnete Eigenschaften als Pädagoge. Vorbeter und Mensch sowie seine liebenswürdigen Umgangsformen sind es. die ihm die Wertschätzung weiter Kreise verschafft haben. Mit Stolz übte er seinen Lehrerberuf aus. kraftv,11 vertrat er die Interessen seines Standes. Aber nicht nur als Lehrer, sondern auch als Seelsorger erwarb sich llauptlehrer Silbermann große Verdienste. — Wo er auch immer wirkte — stets arbeitete er mit vornehmster Gesinnung, aufrichtig und mannhaft zum Segen der Gemeinde. Seine Verdienste bleiben hier unvergessen. Haigerloeh. Am 13. Oktober starb an den Folgen eines Autounfalls der 34jährige Händler B e n » o k a p p e n in a ch e r von hier. Er hinterläßt eine Witwe (Tochter des verst. Lehrers Pollatk- Tübingen; mit Kind und einen 73jährigen Vater. Den Schwerbetroffenen wendet sich die Teilnahme weiter Kreise zu. Das Leichenbegängnis fand unter ungewöhnlicher Beteiligung vor allem auch von Bürgern aus Sulz statt, wo der \ erstorbene bis vor wenigen Monaten geschäftlich tätig gewesen. Diese Teilnahme und zahlreiche Zuschriften, u. a. vom Dekan der Evang. Gemeinde Sulz, beweisen, welche Achtung sich der \erstorlvene durch sein stilles, anspruchloses Wrv'ii und seinen unermüdlichen Fleiß innerhalb weniger Jahre erw orben hat. — Unsere Gemeinde verliert in ihm das siebente Mitglied seit Beginn dieses Jahres. Heilbronn. Am 17. Oktober sprach im Jüd. Jugendbund ..Montcfiore“ Rechnungsrat Julius W i ß m a n n aus Stuttgart in höchst instruktiver Weise über den ..R e i ch s v e r b a n d der Deutschen Juden“. Der mit der Materie äußerst .vertraute Referent vermochte seine Hörer für das an sich trockene Thema stark zu interessieren. Der Redner zeigte zunächst die historische Entwicklung der Reichsverbands-Idee auf und wies besonders auf die Unterschiede zwischen den zum Teil schon hundertjährigen vorbildlichen Organisationen der Siidd. Landesverbände und dem Preußen verband hin. Er besprach dann in großen Zügen die bisherigen Versuche zur Schaffung des Reichsverbands und setzte sich mit den Widerständen gegen ihn auseinander. Das Referat, an das sich eine rege Aussprache — 156 - anschloß, klang in dem Wunsche aus, daß die in letzter Zeit gegründete „Reichsarbeitsgemeinschaft“ fruchtbarer Boden für den Reichsverband sein möge. Heilbronn. Am 19. Oktober fanden sich die Heilbronner Frauen, vom Frauen verein geladen, zu einer gemütlichen Kaffeestunde zusammen. Ernste und heitere Musik und Vorträge, mit Charme und Temperament von jungen Mädchen vorgetragen, schufen eine festlich vergnügte Stimmung, die die Sorgen des Alltags vergessen ließ. Man konnte sich um so mehr darüber freuen, als durch die freiwillige Mitarbeit aller keine Kosten entstanden waren. ♦ f SanltAtsrat Dr. NSrdllagar, Ulm, verschied im Alter von 73 Jahren. Tübingen. Am 15. Oktober feierten Leopold Hirsch und seine Ehefrau Johanna geb. Rothschild unter freudiger Anteilnahme der ganzen Gemeinde das Fest der Silbernen Hochz e i t. Die allgemeine Wertschätzung, die das Jubelpaar genießt — Leopold Hirsch wurde vor kurzem zum Mitglied des Vorsteheramts gewählt und die Jubilarin versieht seit Jahren in vorbildlicher Weise das Amt einer Schatzmeisterin des Synagogenchor-Vereins — kam auch dadurch zu besonderem Ausdruck, daß es beim Gottesdienst durch eine Ansprache des Religionsoberlehrers Wochenmark und durch den Gesang des Synagogenchores geehrt wurde. Mögen dem Jubelpaar noch viele Jahre beglückender Gemeinsamkeit im Kreise seiner Kinder vergönnt sein! Ulm. Im Alter von 73 Jahren verschied am 15. Oktober der überall wertgeschätzte Sanitätsrat Dr: Nördlinger. Obwohl Dr. Nördlinger erst vor zwei Jahren von Buchau nach Ulm verzogen war. wuchs er doch so rasch in die Ulmer Gemeinde hinein, daß sein Hinscheiden dort allgemeine Trauer auslöste. Wo es galt, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, da fand Dr. Nördlinger sich ein. Er war ein Mann von hohen menschlichen und beruflichen Qualitäten, ein Mensch, der im weitesten Sinne des Goetheworts ..sich immer strebend bemüht e“. Dr. Nördlinger. der in Laupheim geboren war, ließ sich im Jahre 1887 in Buchau nieder, wo er eine überaus segensreiche Tätigkeit als Arzt. Mensch und nicht zuletzt als treuer Bekenner seiner Religion ausübte. Im Jahre 1930 übersiedelte er nach Ulm, um dort im Kreise seiner Familie nach 43 mühevollen Berufsjahren die wohlverdiente Ruhe zu genießen. Leider war ihm aber nur ein kurzer Feierabend besthieden. Die überaus hohe Verehrung, die Sanitätsrat Dr. Nördlinger entgegengebracht wurde, kam bei seiner Beerdigung noch einmal zu ergreifendem Ausdruck. Die Trauerfeier wurde durch einen Choral des Synagogenchores eingeleitet, dem der Verewigte als eifriger Sänger angehört hatte. In einer tiefgefühlten Rede zeichnete Rabbiner Dr. Cohn nochmals ein Lebensbild des Verstorbenen und würdigte seine großen Verdienste als Arzt und Jude. In dieser Grabrede kam zu besonderem Ausdruck, daß die Hilfsbereitschaft der dominierende Charakterzug des trefflichen Mannes war. — Im Namen der Israel. Gemeinde Buchau sprach Rabbiner Dr. 8 ch lesin g e r, der ebenfalls die hohen Tugenden Dr. Nördlingers mit schönen Worten rühmte. Bürgermeister G n a n n würdigte als Vertreter der Stadt Buchau die Verdienste des Verstorbenen als Krankenhausarzt und Chefarzt des ..Lazaretts vom Roten Kreuz“ und dankte dem Entschlafenen. dem Schöpfer des „Buchauliedes“, für seine treue Heimatliebe. — Siegfried Dannhauser widmete dem verdienten langjährigen Vorstand und Ehrenvorsitzenden der Gesellschaft „Harmonie“ liebevolle Abschiedsworte. Für den Israel. Privatarmenverein, den Dr. Nördlinger in den schweren Kriegsiahren verdienstvoll leitete, sprach Max Weil warme Dankesworte. Für den Militärverein, dessen Mitbegründer Dr. Nördlinger war, legte Albert Treß einen Kranz nieder. Georg Bosch widmete den Toten, der Ehrenmitglied des Musikvereins war und als begeisterter Sänger den .Deutschen Sängerbrief“ besaß, einen ergreifenden Nachruf. Moritz Vierfelder schließlich sprach für die Sanitätskolonne und brachte die tiefe Trauer zum Ausdruck, welche diese um ihr Ehrenmitglied empfindet. So wurde Sanitätsrat Dr. Nördlinger auch im Tode reich geehrt, und diese von allen Kreisen so warmherzig bezeugte Teilnahme möge seiner tieftrauernden Familie ein Trost sein. Wer Dr Nördlinger kannte, wird ihn nie vergessen. Ulm. Auf Veranlassung der Israel. Wohlfahrtspflege, des 1s r. Frauen und des Männer wohltätigkeitsvereins sprach unlängst Fürsorgerin Thea Waitzfelder aus Stuttgart über „Selbsthilfe“. Die Rednerin führte aus, daß die Zusammenarbeit der verschiedenen Wohltätigkeitsorganisationen notwendiger sei als je: sie gab dann einen Ucberblick über die Leistungen der F A D. auf dem Gebiete der Darlehenskassen, Altersasyle usw. und beschäftigte sich dann mit dem L.I.W., dessen Bedeutung für unsere württembergisdien Gemeinden sie mit trefflichen Worten schilderte. Auch die Notwendigkeit der Wanderfürsorge wurde von der Referentin eingehend begründet. An das ausgezeichnete Referat schloß sich eine lebhafte Aussprache an. an der sich Rabbiner Dr. Cohn. Rechtsanwalt G u m p, Oberlehrer Adler, Leopold Hilb, Julius Strauß. Frau Sophie Levy und Frau Liese I Strauß beteiligten. Die ersten Judensiedlungen auf deutschem Boden. Vor kurzem hatte Rabbiner Dr. Levy in Grabsteinen römischer Soldaten in Mainz „frtiheschichtliche Spuren der Juden in Deutschland“ nden wollen, ein Fund, der sich in allen Teilen als trügerisch erwies. Jetzt sucht Rabbiner Dr. Adolf Altmann auf Grund eines in Trier gefundenen jüdischen Oellämpchens und einiger obszöner Tonfiguren den Nachweis des „frühesten Vorkommens der Juden in Deutschland“ in einer von der „Gesellschaft für nützliche Forschungen“ und von dem Provinzialmuseum in Trier herausgegebenen Sonderschrift für Trier zu erbringen. Auch dieser Versuch muß in allen Teilen als mißglückt gekennzeichnet werden. Trier war allerdings schon unter Kaiser Diokletian zür Residenz des westlichen römischen Reiches erhoben worden. Es ist also schon an sich die Vermutung einer Judensiedlung an diesem Orte nicht unwahrscheinlich. Der Schluß aber, daß, weil Christen frühzeitig in Trier nachweisbar sind, dies „beinahe ein sicherer Beweis ist, daß auch schon Juden in Trier gewesen sein müssen“, ist durchaus unbegründet. Daß die für das römische Reich 368 erlassene Verordnung des Kaisers Valentinian. die Synagogen von den Einquartierungslasten zu befreien, gerade auf Trier hin erlassen worden sei, weil der Kaiser in diesem Jahre in Trier gewesen, ist eine ebenso willkürliche Annahme. Bedeutsamer schon erscheint die Tatsache, daß in Trier bei Grabarbeiten 1901 ein defektes Tonlämpchen mit dem Reliefbilde eines siebenarmigen Leuchters gefunden worden ist Dieses Lämpchen, das sicher als jüdisch anzusprechen ist, aus hochrotem Ton, ist italienische oder orientalische Importware. Aber aus seinem Funde auf eine jüdische Siedelung und deren Grabanlage in Trier zu schließen, ist viel zu weitgehend. Auch die Annahme, daß Juden Händler mit Tonwaren gewesen sind, ist eine nickt weniger unbewiesene Behauptung. Die fünf in der Veröffentlichung im Bilde wiedergegebenen Karikaturen angeblicher Judentypen auf Gefäßmündungen aus Trierer Töpfereien, für deren Entstehung Altmann eine seltsame Legende von der Abwehr der jüdischen Konkurrenz durch diese Bildereien angibt beweisen nichts, da derartige phallische und obszöne Tonbildnereien eine im römischen Reiche Für Volksrechtf Freiheit und Frieden gegen Hitler, Schleicher und P&pen Wählt Liste 2 Sozialdemokraten I

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