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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1932-10-16 · 14 (16.10.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IX (1932-1933)
Issue
14 (16.10.1932)
Date
1932-10-16
Page
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— 138 - Das Laubhüttenfest In der Geschichte Israels. Das Laubkiittenfest galt stets als eines der grollten Feste Israels. Im heiligen Lande fällt im Monat Marchoschwan (Knde Oktober) nach der Aussaat der Spätregen ijorehl. der im November und De/eniber sich immer mehr steigert, bis er im Februar aufhört. \ im Fnde März bis Mitte April fällt dann der Früh regen (Malkausch), der nach einem alten Worte den Aehren die Segenskraft spendet. Im Mai ist die Ernte*. Der Regen Jibrt auf. und starker Xachttau ist in den kommenden fünf Monaten Ersatz für den fehlenden Regen. Das Ausbleiben des Spätregens im Herbst und Mangel an lau iu den Sommermonaten gilt als eine Heimsuchung. Noch heute boten die Juden täglich dreimal im Hauptgebete um Segen, lau und liegen für die Erde. Alljährlich aber zweimal richtet Israel in einem festlichen Gottesdienst sejiic* inbrünstigen (jebete uni den himmlischen Segen für die Erde an den Allmächtigen. Israel glaubt, dal! aller Segen des Bodens nicht nur du* Wirkung einer festen Naturordnung, sondern eine■ Wallung des gnädigen Gottes ist (l. Mose Js. || ff.: Rosch haschana I7l>). Am Laubhütte Iifestc- und am Pessach betet Israel um Regen, um lau. um eine gesegnete Ernte*, damit alle Menschen der Erde der Sättigung, des Friedens und der Zufriedenheit teilhaftig werden. Zwei l.aiibhiitteiifeste hatten in der Bibelzeit besondere Bedeutung. Die Einweihung des \on König > a I o in o erbauten Tempels zu Jerusalem fand am I aiibhüttenfe-te statt. Nach der Einweihung des Heiligtums war die l.anbhiittenfestfeier der erste Gottesdienst in dem neuen Tempel 'I. Könige s. (öi. Das zw eite grolle Lauhliiiitenfe't. da» die* Bibel besonders schildert, wurde\on dem aus der babylonischem Gefangenschaft /urtickgekohrten \olke gefeiert. Es war das l est der Grundsteinlegung des zweiten Tempel-. daf.i-t ein halbes Jahrtausend nach dem salomonischen Laubhüttenfe-te begangen wurde iNechentia s. 14 -|si. .**»» war also zweimal das Eaubhiittenfest mit der Tempelweihe cerblinden gewesen. I s ist auffallend, clafl auch die Neueinweihung' des Iempels nach dein Siege des Juda. Makknhi über die S\ rer in engem Anschluß au unse r I c*—t mit einer Nachfe ier des Laubhütte nf<-lcbegangen wurde. Besonders feierlich war ehedem am Laubhüttenfeste die \orlosung des ».Buches Mose durch den König nach jede m Erlalljahre im Anfang de s achten Jahres ö. Mose- "1. 10: Sota 41 a). Für ilio-en Zweck wurde iin Toni [x*l vorhof eine grolle I -trade für den König aufgerichtet. Hier wurde ihm unter großen Festlichkeiten \om Hoheprie-ter das heilige Buch zur Verlesung gereicht. In der Erinnerung späterer Zeit le bte ' das Gedächtnis an die Verlesung des Schriftwortes durch König Agrippa besonders lebhaft fort. Er In» die Thora stehend cor. Als er aber an die Stelle kam. welche gebietet, dal? Israel keinen König aus fremdem .G« blute wählen dürfe <■>. Mo-e 17. Iw» fing er laut zu weinen an. Vuch er w.ir ei» Fremder und nur con mütterlicher Seite* jüdi-chc n Stammes. Da rief das Volk dem Weinenden zu: ..Du brauchst nicht zu w e i » > n . du bist unser Bruder!" In der spätere» Zeit war mit dem Laubhüttenfe»te der Brauch des VVassergießens verbunden. E' war die besondere Zeremonie, in der Israel um den R> gen-egei, bat. De r Verlauf der Feierlichkeit war eigenartig. Täglich ging ein Priester mit einem goldenen Gefässe zur Siloaquelle. Verein für Jfiilsdie Gemeinde' Andeiedenhetfei Stuttgart. Anläßl.der bevorstehenden isr. Gemeinde- Wahlen laden wir auf Sonntag, den 23. Oktober 1932, abends 8 Uhr, zu einer Vereins - Versammlung ins Logenlokal, Calwerstr. 33 Hhs., höfl. ein. Tagesordnung: 1. Aufgaben und Arbeiten des Vorsteheramts. Referenten: Die Vorsteher Karl Levi und Dr. Tänzer. 2. Besprechung der Wahl Vorschläge. 3. Verschiedenes. Zu Punkt 1 der Tagesordnung sind auch Nichtmitglieder als Gäste freundlichst eingeladen. Der Ausschuß. Vr. Vodt, Adkr-ApoftcMc ■anmtt andere Dafersadianden la SpexiallaboratcMiiBi Sendungen von auswärts werden umgehend erledigt Fesch und elegant sei die Frau für den Mann. Schon ein schöner Pelzbesatz oder eine nette Pelzkrawatte gibt die gute Note für den Winter. Aber auch eine ganze Pelzgarderobe ist bei Orljansky so erwünscht billig, daß Sie sich s auch heute leisten können. S . ORLJANSKY & SOHN KÖNIGSTRASSE 43 B - TELEFON 29112 BLUMEN-LADEN RUDOLF EBERHARDT TQbingerstr. 35, Telefon 70899 SPEZIALITÄT: KAKTEEN Nene Freuden n. fiemflflidikeit ins Heim! Ideale Ablenkung von den Sorgen des Alltags bringt Ihnen der Rundfunk. Warum noch länger darauf verzichten? Ich helfe Ihnen gern durch kleine Anzahlung u. bequeme Ratenzahlungen. Kaufen Sie aber nur im ältesten Fachgeschäft mit der langjährigen Erfahrung u. dar grMtaa Aaawahl in Radio-Apparaten. Es ist Ihr Vorteil! 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Am ersten Festabend fand in der Frauenhalle des Heiligtums eine festliche Beleuchtung und ein Fackeltanz statt. Im Tempel brannten an diesem Abend gewaltige Kandelaber, die von vier Priesterknaben mit ()c*l gefüllt wurden. Die Beleiicbtnng begann nach dem Abendopfer. Sie war so intensiv, daß alle* Höfe* der heiligen Stadt bis zu dem an der Ostseite der Stadt liegenden Oe lberg strahlend*erhellt w urden. Dann setzte der Fackeltanz ein. Den Reigen führten die gelehrtesten Männer an. die fackeltragend unter den Lobgesängen der Leviten voransdiritten. Zithern, Harfen. Zimbeln und Posaunen begleiteten den Tanz. Der Fackeltanz ging durch die Hallen des Heiligtums. Jung und alt. groß und klein beteiligte sich an ihm. „Wer die Freude bei dieser Feier nicht gesehen, hat noch niemals echte Freude geschaut (Sukka V i>." So hat das Laubhüttenfest Israel durch seine Geschichte begleitet. Möge es u ti ch in diesem Jahre seine Segenskraft bewähren! Das Gotteshaus (Aus der Rede znr Einweihung der neuen Synagoge der israelitischen Gemeinde in Frankfurt a. M„ gehalten von Rabbiner Dr. M. H o r o v i t z s. A. ... So hat der Gedanke, dem Ewigen ein Heiligtum zu errichten, seinen Ursprung nicht in einem Gesetz' Gottes, sondern im menschlichen Herzen, in dem heiligen Sehnen des Menschen, etwas zu schaffen zur Ehre seines Gottes, in dem Verlangen der Seele, zu den Höhen des Schöpfers sich zu schw ingen aus den Tiefen de, Erdendaseins. — Viele Jahrhunderte vergingen und kein Prophet Gottes mahnte an die Erfüllung des frommen Gelübdes — Jakob baute nur einen Altar. Moses eine Stiftshütte — da erwachte in Dacid das Verlangen, ein Heiligtum zu errichten an dem Orte, dem der Stammvater die Weihe gegeben. — David, der edelste Sänger und Kenner des menschlichen Gemüts, das die Stimme (iottes überall vernimmt, auf den Höhen der Berge und in den Tiefen der Meere, im rauschenden Walde und in der heiligsten Ruhe der Schöpfung. David, der aufrief: „Wenn ich Deine Himmel sehe. Deine Werke, den Mond und die Sterne, die Du gegründet: was ist da der Mensch, daß Du sein gedenkest, was der Erdensohn. daß Du ihn beachtest!“ — warum sehnte er sich, „warum schmachtete seine Seele »ach den Hallen des Ewigen?“ Waren ihm nicht Heiligtum genug die „Himmel, die die Ehre Gottes verkünden", ist der Ruf Gottes, vor dem die „Wälder erzittern“ nicht mächtig £enug, das Menschenherz zu ergreifen, ist das Erdenleben nicht wechselvoll genug, um des Menschen Ohnmacht zu predigen? O, gewiß! Aber Gott hat in die Menschenbrust auch das Bewußtsein der eigenen Würde gelegt und den mächtigen Drang, die eigene Kraft in voller Wirksamkeit zu entfalten, der Mensch weiß, daß der Ewige ihn nur um Weniges geringer als ein göttliches W esen geschaffen, daß er ihn mit Ehre und Glanz gekrönt, daß er ihn eingesetzt zu herrschen über alle Werke, daß er alles zu seinen F üßen gelegt. Der Mensät nimmt dieses Gnadengeschenk des Schöpfers an und will Gott dienen, indem er die Welt beherrscht, will Gott huldigen, indem er über den Staub Macht gewinnt.. — Die Leiter steht überall in der Welt und im Leben, die dem Menschen zeigt, wie tief er steht: aber der Mensch baut ein Gotteshaus, um vor Augen zu haben die Leiter," die ihm zeigt, wie nahe er seinem Schöpfer zu kommen vermag! — Da in dem Hause, das der Mensdiengeist ersonnen, Menschenhände gebildet und Menschenherzen gespendet haben, da will sich seine Seele erheben zum Schöpfer: wenn draußen die Allmacht Gottes ihn überwältigt, wenn draußen das Leben, die Welt ihm schonungslos zugerufen hat „Wa§ ist der Mensch!“ — will er sein wundes Herz retten und sich fluchten in das Gotteshaus, um sich da zu beruhigen in dem Gedanken: „Ein wenig geringer als ein göttliches Wesen bist du“, sich zu erheben an dem Gedanken: „Zum Herrscher bist zu bestimmt. Herr zu werden vor allem deiner selbst, deiner Schmerzen und deiner Freuden.“ Der Mensch, durch dessen Herz die Lust und das Weh einer ganzen Welt zieht, will seinen Schöpfer da anrufen, wo das menschliche Gemüt seine innere Welt erschließt und der Menschengeist sich offenbart, wie er webt und strebt, wie er ringt und, den Himmel erklimmend, in die Schranke n der Erde zurückkehrt. — Beten können wir überall; der Mann, der keine „Kraft in Gott hat“, und auch „wer durch das Tal der Tränen geht“, hat die Pfade zu Gott in seinem Herzen, beten können wir draußen in Gottes großer Welt, wo die Boten Gottes aus den Höhen zu uns herniedersteigen, und auch in der kleinen Welt, in unserm stillen eigenen Hause, in dem stillen Heiligtum der Familie, wo unsere kleinen, aufstrebenden Engel uns umgeben; aber wir wollen Gott da huldigen, wo unsere Persönlichkeit und Alles, was sich an sie anlehnt, zurücktritt, wo wir dem Allgemeinen

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