Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IX (1932-1933)
- Issue
- 13 (1.10.1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
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Gemeinde Zeitung für 6fr ffroelitifiürn Gemeinden WttrttenivergS I t l ■ l I M 11 C cM6MU4 SkfeUstü |6»«Üch 5 Mt, tolbidtrü* 2J50 Ml •CttCtUaitU6 1.25 Mt CiaptmnHUT 25 9td6*efaiaia 36258 ■ifjrlat —««6 mmümL «a J. a. 16 Verlag: dUatUüfibt Derlagsaustatt G. m. b. &. fetnfin. 93328 * Stuttgart * ftofetnraftt. 13 @ t i f t 1 t i 1 u n g: Stadtrabbtaer Dr. Rteger. Stuttgart. Xitel atlirtli: 6it ttafpallia» 9lomvaniUt>t>U 30 9Uifc*?fta*ia u6?Borpa«pUt( »ach Sarif. Carriliramtnat« «ch (tau Xajtign 5t» Kl»i»z«il» 20 9t*i6*pf»uia. 9Uflaa**til» 120 Mt ix. 3o0*0ati0 Gtuttoart, l. Ofto&er 1932 3tr.i3 Amtl. JbekaHMtmaduuiqen. Ausgang des Versöhnungstages. Israel. Gemeindevotsleheramt Stuttgart. 1. Das Kaddischgebet, das bei Beerdigungen am Grabe gesprochen wird, liegt in der Friedhofskapelle in einer Anzahl von Exemplaren auf und wird auf Wunsch vom Bestattungsordner oder Wächter ausgehändigt. 2. Es hat sich in früheren Jahren der Uebelstand herausgebildet, daß von den beiden in der Synagoge vorhandenen Garderoben diejenige auf der rechten Seite übermäßig stark benutzt, dagegen die auf der linken Seite sehr wenig in Anspruch genommen wird. Dadurch ist zeitweise ein gefährliches Gedränge entstanden. Um dem abzuhelfen, hat die Gemeinde in diesem Jahr folgende Maßnahmen getroffen: Die Aufsichtsbeamten, die vorn am Eingang die Platzkarten kontrollieren, sind angewiesen, die Inhaber von Plätzen mit gerader Nummer auf die linke, diejenigen mit ungerader Nummer auf die r e ch t e Seite zu verweisen. Die Garderobe, die während des Jahres aufbewahrt wird, ist entsprechend auf die beiden Garderoben verteilt worden. Wir bitten alle Gemeindemitglieder, sich im Interesse einer glatten Abwicklung streng an diese Bestimmungen zu halten und den ihrer Platznummer entsprechenden Eingang zu benutzen. Für unsere Kleiderkammer benötigen wir dringend für Herbst und Winter Kleidungsstücke und Schuhwerk aller Art für Jünglinge, Männer und Frauen. Wir bitten daher um gütige Ueberlassung solcher brauchbarer Sachen, die wir nach telephonischer oder schriftlicher Mitteilung durch unseren Boten abholen lassen. Telephon 228 98. Israel. Fürsorgeamt, Stuttgart, Hospitalstr. 36. UtitteituHoen des 'tiid. ‘JenntHtluiuii.e 'PnuileKiiprftfiuA WütUem&etq.. Wir machen darauf aufmerksam, daß die Generalversammlung des Deutschen Staatsbürgerinnen- \ erbandes vom 6.—8. Oktober in Stuttgart abgehalten wird. Das Programm dieser Tagung ist ein sehr interessantes. Wir fordern alle jüdischen Frauen Württembergs auf. derselben beizuwohnen. Alles Nähere ist aus den Tageszeitungen (Frauenbeilage) zu ersehen. Jüdische ZentcalsteUe lüt J&etul&= hetatung. und AdUUsnachweis. Stuttgart, Hospitalstr. 36 — Telephon 228 98. Sprechstunden: Mittwoch von 5—7 Uhr. Wir bitten, nach Möglichkeit sich unseres Arbeitsnachweises zu bedienen und führen nachstehend einige der uns gemeldeten Kräfte an: Gewandte Stenotypistin mit guten Umgangsformen, geeignet auch als Sprechstundenhilfe, evtl, halbtags. Erfahrene Stenotypistin, 21 Jahre alt, gute Zeugnisse. Zitternd schwingen bläuliche Schatten Siehe, schon legt sich unhörbares Dämmern Auf die Ruhe der weißen Gewänder. Leises Pochen der Nacht an den Toren Flüstert. Es neigt sich in Erfurcht der Tag, Wenn er den Schlag mildrauschender Flügel, Die Stimme der nahenden Nacht vernimmt. Liehterbädie fließen ins Dunkel. Leuchtende Worte strahlen empor, Flammen auf aus der Seele des greisen Mannes, der weit geöffnet das Tor. Schaut in unreichbare Femen. Er betet und weint. Es beten die Tränen . . . Viele vermögen nicht Worte zu finden. Verhüllen das Haupt und lassen nur ahnen. Wie sie die Stimme schmerzhaft gebären, Die aus dem Innern bebend dahinströmt. Stumm wird die Nacht, wie endloses Sterben. Heiliges Schweigen senkt sich auf die Helle Kaufmann, anfangs 20. aus der Schuhbranche. Packer, zuverlässig, gewandt, auch als Ausläufer geeignet. Haushälterin, mit langjährigen Zeugnissen. Kindergärtnerin, mit guten Zeugnissen, evtl, halbtags. Der heilige Sinn des Lebens. Ein Vorspruch zum Versöhnungstage. Herkömmliche Uebung nennt die ersten zehn Tage des neuen Jahres die zehn Bußtage. Es gibt kaum einen größeren Irrtum als diese Bezeichnung. Als der Prophet seinem sündigen Volk zuriet: „Kehre um, Israel, zum Ewigen, deinem Gotte, denn du bist d u r ch deine Sünde gefallen (Hosea 14, 2)“, dachte er wahrhaftig nicht an den aus dem Hechte stammenden Begriff der Buße, der Sühnezahlung für ein begangenes Unrecht. Seine Mahnung war: Ih r müßt umdenken, euch un^steilen, bereut und werdet andere Menschen! Umkehr vom alten Wege. Abkehr von dem Gewesenen war der Inhalt seiner Rede. Nicht Tage der Buße, der Selbstpein, der Selbstdemütigung sollen die Tage vom Neujahr zum Versöhnungstage sein. Sie sollen und wollen Gewesenes durch Neues ersetzen: nicht Fortsetzung der Vergangenheit, sondern Bruch mit ihr ist die Losung. Sie künden: das alte Leben war schlecht, fangt ein neues an: der alte Weg war falsch. wählteineneueStrüße! Das ist kein rechter Arzt, der eiternde Wunden verklebt und Beulen zubindet, um sie den Augen zu entziehen. Er muß schon das Messer ansetzen, wenn er Heilung schaffen will. Wer einen^falschen Weg eingeschlagen, der muß den Rückweg antreten, der ihn zur rechten Straße führt. Wer gesündigt hat, der muß bereuen, der muß die läuternde Scham des Schuldbewußtseins erleben und dann den neuen Weg einschlagen, der die Abkehr vom alten bedeutet. Man muß am alten Leben irre werden, um ein neues beginnen zu können. Des lichiüberfluteien Raumes. Alle umspannt die seltsame Stille. Ist so der Tod? Züngeln die schweren Langsamen Worte, des Tages Ende Kündend, so schwer von den Gründen der Seele, Aufwärts zu Gott? Langsam sinkt die Stimme des Greises. Da rafft sich noch einmal lebendigste Kraft In seinem Innern. Schreit in unendlichem Willen die Worte Und kündet noch einmal die Allmacht und Einheit Des ewigen, ewigsten Gottes. IWe eine Sehnsucht, die, Nachtwind gleich. Hinweht und verflattert. So schwingt sich des Schofars Ruf, Die Tekioh, , Hinaus in die Nacht. Es lauschen die Sterne. 1 Karl Darmstädter Es gibt allerdings zwei Straßen, nach jedem Irregehen. Die eine ist die der Verzweif- 1 u n g : die alte Straße war falsch, es gibt keine Umkehr, es gibt keine Heimkehr. Der andere Weg ist der des Versöhnungstages: die alte Straße war ein Irrweg, kehre um und wähle den reellten Pfad! Noch lebst du. noch hast du die Kraft zur Entschließung. Und bist du noch so tief gesunken — es gibt einen Aufstieg. Dubist ein Träger göttlicher Kräfte: du bist zu heiligem Dienste berufen; du bist im Ebenbilde Gottes geschaffen, du kannst also und sollst Gottes Willen im Leben bewähren. Das ist der eigentliche Sinn des Versöhnungstages, daß er irrenden Menschen den Heimkehrweg zu Gott weist und damit zu seinem Daseinszweck. Gottes Ebenbild zusein.schonimLebenGottes Wi 11 p n zu v e r w i r k 1 i ch e n. Das Ackerland jüdischer Arbeit ist nicht das Jenseits, sondern dieses Leben. Setze es für deinen Gott ein. erobere ihm diese Erde, dann hast du dein Lebensziel begriffen. Der Prophet sagt: „Einer war Abraham. und er eroDerte eine Welt für Gott. Wir aber sind viele und wir versagen“. Auch du bist ein Kämpfer für Gott, ein Bannerträger seiner Wahrheit, ein Arbeiter im Gottesgarten der Menschheit, so tue deine Pflicht! Das Leben hat seinen heiligen Sinn, seine göttliche Losung! Das ist die Ewigkeitsantwort des Versöhnungstages auf allen Pessimismus, auf alle Verzweiflung am Leben. Diese Botschaft erinnert Israel alljährlich an seine vergessene Prophetensendung und an den Gottesberuf, ein Wegbereiter der Zukunft durch edle Gegenwartsarbeit zu sein. Wer aber eine Aufgabe im Leben hat. ist von Gott berufen; sein Leben ist ein Priesterdienst im Geiste der Gottheit. Der Talmud erzählt, daß die Schulen Hillels und Sammais zweiundeinhalbes Jahr über den Sinn des Lebens gestritten und schließlich entschieden haben, daß dieses Leben eigentlich nicht lebenswert ist. „Da aber der M en sch nun einmal auf Erden lebt, erfülle er seines Daseins Sinn: er arbeite an sich, um gottähnlich zu jv erden lüec wm Ttlöhein speicht, denkt cm MOBEL-MAY )