Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VIII (1931-1932)
- Issue
- 24 (16.3.1932)
- Date
- 1932-03-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
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Die Bibliothek befindet sich im Gemeindehaus Hospitalstr. 36. Der Katalog liegt bei der Gemeindepflege auf. Die Bibliothekstunden werden zunächst auf Montag, 3—5 Uhr. nachm., festgesetzt. Ein Leseraum steht zur Verfügung. SPENDEN Februar 1932 Spenden, eingegangen bei der brael. Gemeindepflege: Sanitätsrat Dr. Siegmund Weil, Dr. Hermann Weil. Frl. Emma Weil, zum ehrenden Andenken an ihre verew. Gattin und Mutter, für vier Vereine; Familie Dr. Stössel, anläßlich der Jahrzeit für den verew. Herrn Bezirksrabbiner Dr. Stössel, für vier Vereine; Rechtsanwälte Drs. Hermann und Siegfried Merzbacher, anläßlich der Jahrzeit f. ihre verew. Mutter, für zehn Vereine. Anl&$lich des Aufrufcns zur Thora: Rel.-Oberl. Leo Adler; Hermann Apt; Eugen Aron, Cannstatt; Julius Bloch; Fritz Dreyfuß: Jakob Gutstein; Sali Heß; Ernst Kaufmann, Cannstatt; Karl Kauifmann, Kanonenweg; Bernhard Keller; Joseph Levi, Kanonenweg (2raal); Leopold Levi; Wilhelm Levi, Hermannstr. (3mal); Heinrich Liebmann; Dir. Löwenstein; Albert Mayer, Schlosserstr.; N. N.; Ludwig Neumann; Hermann Rosenfeld (2mal); Lehmann Rothschild; Dr. med. Siegfried Saenger; Dr. Manfred Sichel; Hugo Sommerfeld; Hans Sondheimer; Julius Schmidt; Marcel Weil; Nathan Weil; Hermann Wolf, Cannstatt. Spenden, eingegangen bei den Vereinen: Israel. Frauenverein: Frau Josephine Kroner, anl. ihres 70. Geburtstages. Israel. Laudes-Asyl - und Unterstützungs-Verein: Frau Emilie Brandseph; Caroline Preßburger, Creglingen; Jette Sinsheimer, Creglingen; Frau Elise Strauß. Israel. Fürsorgeamt: Isr. Verlagsanstalt, in Form von Kostennachlaß; Frau Emma Loeb, anl. ihres 75. Geburtstags, für acht Vereine; Frau Sofie Marx, Jahrzeitspende; N. N.; Frau Lina Sontheimer, Jahrzeitspende: Frau Hedwig Wildmann, Jahrzeitspende. Zu der am 16. Februar erschienenen Jubiläums- Spendenliste des Isr. Waisenhauses ist berichtigend mitzuteilen, daß Albert Pappen beim in London und nicht, wie angegeben, in New York wohnt Beachten Sie die Seite 262 dieser Nummer! Offizielle -Mitteilungen des Jud. Jxauenlunds, £andesuerland Vföcttendezg. Neuanschlüsse: Isr. F r u u c n \ c r e i n K ü n z e 1 > u u . \ o r s i t z e n d e : Frau Dr. med. Lotte B a e r . . Isr. F r u u c n \ t* r e i n H e ch i 11 g e 11. \ o r s i t /. t* i, d e : Frau Fanny \V o 1 f. Neues Arbeitsgebiet: .. F u tu i 1 i e n s di u t z ". eine gemeinnützige llinterbliebenenfürsorge. hui der Zentrulwohifuhrtsstelle der deutschen Juden in Berlin geschaffen. Der gesamte Leberschuß ist für charitative jüdische Zwecke bestimmt. Dem Landesverband Württemberg wurde die Alleinvertretung übertragen. Die Vertreter des Jijd. Frauenbundes, deren Namen durch Rundschreiben bekannt gegeben werden, sind zu allen Auskünften gern bereit. Goethe über Juden und Judentum. Zu Goethes 100. Todestag (22. März 1932). Die fast unübersehbare Fülle kritischer und schöngeistiger Studien über Goethe, die im Goethejahr einhundert Jahre nach seinem Hinscheiden erscheint, bildet die vielgestaltige Antwort auf die eine Frage: Was ist uns Goethe? In der Vorkriegszeit hatte diese Frage wie arge Ketzerei geklungen. Das Werk des Olympiers war, über allem kritischen Zweifel erhaben, der klassische Ausdruck deutscher Kultur. In den Goetheschriften von 1932 meldet sich eigentlich zum ersten Mule die Kritik an Goethe zum Wort Heines und Börnes Goethekritik war im 19. Jahrhundert wie ein Frevel am Heiligtum empfunden worden. 1932 mischt sich in den Hymnus der Panegyriker der Chor der Fragenden. Kaum eine der zeitgenössischen Darstellungen und Studien über ihn, die ihn nicht an den Leistungen des letzten Jahrhunderts wertet und dabei feststellt. was von Goethe verloren und was von ihm geblieben. In dieser neuen Einstellung spricht die nüchterne Sachlichkeit einer Zeit, welche die Anbetung hohler Formeln glücklich überwunden hat. War ja die Goetheschwärmerei nachgerade zur inneren Unwahrhaftigkeit entartet, so daß die neue Einstellung zu Goethe wie ein Gesundungsprozeß beurteilt werden darf. Das gilt auch für Goethes Urteil über Juden und Judentum. Eifernde Goethebegeisterung hat alle gelegentlichen Urteile Goethes über Juden und Judentum gleich Offenbarungen letzter Weisheit zusammengestellt. Daß diese Urteile oft Vorurteile gewesen, ist menschlich ebenso begreiflich wie die Erkenntnis, daß er in einem langen Leben auch manches geäußert, was menschlich allzumenschlich, alltäglich oder gar trivial genannt werden muß. Man tut einem großen Menschen Unrecht, wenn man alle seine gelegentlichen Worte als Weisheiten wertet. Als vollwertige Urteile dürfen nicht Strußengespräche und Alltagsgeplauder gelten. Nur Gedanken, die ihrem Zusammenhänge nach überdacht und überlegt gewesen, besitzen Urteilswert. Bei Goethe kommt noch hinzu, daß es kaum einen Deutschen gegeben, der so sehr wie er Zeitkind gewesen. Alle Stimmungen und Strömungen. Regungen und Reizungen auf weltanschaulichem Gebiete spiegeln sich in seinem Werke: Pietismus und Theosophie, Rationalismus und Pantheismus. Renaissancephilosophie und Mystik, Ablehnung jeder positiven Religion und bewußte Hinneigung zum Katholizismus. Es wäre also unnatürlich, wenn sich nicht auch in Goethes Werk die An unsere £esec! Mit der kommenden Nummer vom 1. April 1 J. tritt die Gemeindezeitung in das neunte Jahr ihres Bestehens ein. Dank allen, die uifser Wirken anerkannten und förderten! Auch weiterhin wollen wir unser Organ in den Dienst der Gemeinschaft stellen und rech len hierbei auf die Treue und Mitarbeit unserer Leser. — Die schwere wirtschaftliche Lage soll uns n cht abhalten, die Gemeindezeitung nach wie vor so zu führen, daß sie ein getreues Spiegelbild des jüdischen Lebens im Schwabenlarjde ist. — Helfen Sie uns hierbei! Der V e r l d g. Wir bitten höfl. um alsbaldige Ueberweisujng des nunmehr fälligen Abonnementsbetrags von RM. 5.— für die Zeit vom 1. April 1932 bis 31. März 1933 mittels beiliegender Zahlkarte. Derselbe kann auch halbjährlich mit RM. 250 u. vierteljährlich mit RM. 1.25 bezahlt werdon. e an verersmannigfuchen Urteile über Juden und Judentum in der UebCrgangszeit vom Ghetto zum SJaatsbürgertum wiederfinden würden. Es wäre üble Spiegelfechterei, absprediende Urteile Goethes über die Juden hinwegzudeuten, wie das wiederholt versucht worden ist. Da( verdienen diejenigen seiner Aeußerungen, weithin sichtbarer Stelle seines Werkes stte die ernste Beachtung, die Goetheurteile dienen. Zu ihnen ist das lustige Gespräch Hai mit Ahasver im „Jahrmarktfest zu Plunc weilern“ zu zählen, dessen erste Quelle bek« lieh das jüdische Purimspiel von Mordechai und Esther gewesen ist. Haman tritt hier als der mundgewandte Ankläger der Juden auf und wird von seinem König ebenso schlagfertig widerlegt. Der Dichter steht sichtbar auf der Söitci der Juden. Noch grundsätzlicher und wertvoller ist Goclthes Ansprache an das deutsche Volk unter dem Eindruck von Lessings „Nathan der Weise“: „Uöge doch die bekannte Erzählung, glücklich dargestellt, das deutsche Publikum auf ewige Zeiten erinnern, daß es nicht nur berufen wird, um zu schauen, sondern auch um zu hören und zu vernehmen. Möge zugleich das dahin ausgesprochene göttliche Duldungs- und Schonungsgefiihl der Nation heilig und wert bleiben!“ Unmittelbar neben diese klassischen Worte muß Goethes Aeußerung gegen die Festsetzung des Reformationsfestes zum allgemeinen deutschen Festtag und sein Eintreten für die Volksfeier des Tages der Schlacht von Leipzig gestellt werden: „Alle erheben den Geist, an jenenlTag gedenkend, der seine Glorie nicht etwa nur Christen, sondern auch Juden. Mahometanern und Heiden zu danken hat.“ Das ist ein Wort in das Tagebuch' aller derer, die in der Gegenwart den Anteil der Juden am Weltkrieg herabmindern wollen. [ Sind diese Aeußerungen für seine Einstellung zur Judenfrage als deutschem Problem bedeutsam, so gilt dies in gleichem Maße für seinen Ausspruch über die Juden, den Riemer und Kanzler Müller aus verschiedenen Zeiten überliefern und der in Wilhelm Meisters Wanflerjahren erneut erscheint: „Deutsche gehen nicht zugrunde so wenig wie die Juden, weil es Individuen sind.“ Er findet in der Energie oder [wie er es in den „Urworten” ausspricht, in der BKBt-UmA ZAHNPASTA 41« rlehtlga, mach« di« Zihn« blandand wslB und basaltig! Mundgeruch, sprltxt nicht, ict hoehkontentriart, dahar to sparsam. Klalna Tuba BO Hg. Max K'b A.-O.Orasdan für Sie