Mannheim
Compact Memory

Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1931-12-01 · 17 (1.12.1931) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VIII (1931-1932)
Issue
17 (1.12.1931)
Date
1931-12-01
Page
[Seite] (sequence 33)
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4904101-5442751-5443214--3284-4907284
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

111 Jüdische £ieheswechemWücttembecQ. Die Israelitische Waisen- und Erziehungsanstalt „Wilhelmspflege" in Ehlingen. Die Schaffung des Eßlinger Wuisenhauses steht zeitlich in engstem Zusammenhang mit der Begründung der Israelitischen Oberkirchenbehörde. Bereits in den ersten behördlichen Mitteilungen Uber das Waisenhaus wird darauf hinfewiesen, daß es unter der Aufsicht der demnächst zu begründenden Oberirchcnbehörde stehen sollte. Schon im Namen des im April WM begründeten „V ereins zur Gründung^einer Versorgungsanstalt für israelitische arme Waisen und verwahrloste Kinder“ war das weitreichende; Ziel angedeutet, mit dem neu geplanten Werke nicht nur eine Erziehungsanstalt für verwaiste Kinder zu schaffen, sondern auch für solche Kinder, deren Eltern nicht das volle Verständnis und das rechte Verantwortungsgefühl für eine geregelte Erziehung ihrer Kinder besaßen. So trat der neue Verein bewußt in den Erziehungsplan ein. den das Judengesetz vom Jahre 1828 beabsichtigt hatte. Der Entwurf zu diesem großzügigen Erziehungswerk stammt von dem um die kulturelle Hebung Württembergs hochverdiente» Isaak ließ aus Lauchhcini. damals in Ellwaugeu. Die Vorstände des \\ aisenhauscs Dr. S a ni u e 1 D r e v f u II (1831—53), Hofrat A d o 1 f L e v i (1853 -83). M. A. Goldschmidt (1883—1907) und Landgerichtsdirektor Ludwig Stern (seit 1907) haben in idealer Hingabe das Werk gefördert und den Plan seines .Schöpfers verwirklicht. Die Einweihung des neuen Waisenhausgebäudes am 11. November 1913, an der König Wilhelm und die Königin Charlotte teilgeuommen hatten, bewies die hohe Wertschätzung, die sich das Waisenhaus errungen. Seine Hausväter Leopold Liebmann (1842—73), L u d w i g S t e r n (1873 bis 1899) und Anstaltsdirektor Theodor R o t hschild (seit 1899) hüben es verstanden, dem Waisenhause seinen wohlbegründeten Ruf zu erhalten und zu bereichern. Die tiefgehende einmütige Liebe der wiirttembergische» Judcnheit und die aufrichtige Syni|>uthie der Behörden für das Eßlinger Waisenhaus kam anläßlich der Hundertjahrfeier am II. Oktober ds. J. zu ergreifendem Ausdruck. (Siehe auch unsere Juhilüums- »iiiiimcr vom I. Oktober 1931.) rfsgle, Stuttgart Das Isr. Waisenhaus in Eßlingen Das Jüdische Schwestemheim in Stuttgart. Am Ausgang des 19. Jahrhunderts waren in mehreren Großgemeinden Verbände entstanden, die sich die Aufgabe gestellt, jüdische Mädchen zu Krankenpflegerinnen ausbilde» zu lassen. Die hiesige Stuttgart-Loge hatte unmittelbar nach ihrer Gründung im September 1900 nach einem von Max Wolf erstatteten Bericht den Beschluß gefaßt, auch in Stuttgart ein jüdisches Schwesternheim zu begründe», das sich der Ausbildung jüdischer Krankenpflegerinnen widmen sollte. An die Spitze des Ausschusses zur Durchführung dieses Planes trat der hiesige praktische Arzt Dr. Gustav Keldman u. Bereits am I. April 1905 konnte eine Wohnung gemietet werden. die den Zwecken eines Sch Western lieimes diente. Ein eigener Verein wurde unter dem Namen „Verein JüdischpsSdiwesternheim“ begründet, um alle Juden des Landes zur Mitarbeit an dem neuen l.iebeswerk heranzuziehen. Das Schwesternheim begann seine Tätigkeit im April 1905 unter der Leitung der Oberschwester Fanny Wallner. die 1907 durch Schwester Oberin Rosa Bendit ersetzt wurde, die bis 1931 die Leiterin des Heimes war. Von du an führt Oberschwester F ranziska Oppenheimer das Heim, das sich sehr schnell infolge seiner vorbildlichen Wirksamkeit die ungeteilte Sympathie aller Kreise errang. Das erste Heim des Vereins in der Heusteigstraße erwies sich bald als unzulänglich. Audi die neuen Räume in der Neckarstraße waren bald ungenügend, so daß au die Errichtung eines eigenen Hauses gedacht werden mußte. Im Mai 1913 wurde eine Kommission, bestehend aus Dr. Feldmann, Dr. Gunzenhauser. Rudolf Grünwald und Siegfried Simon Wllhaimaruh«“ In Sonthnhn bof Hallbrorm Das Israelitische Allersheim in Sontheim bei Heilbi^onn. ln einer am 4. Oktober 1896 stattgeblubten Versammlung wurde die Gründung dH ..Israelitischen l.andesasylu n d ] Unters t ü t z ti n g s v e r e i n s“ beschlossen! ..mitdem Zweck, denjenigen unserer alleinstehenden Glaubensgenossen in Württemberg, welche alt und erwerbsunfähig sind, durch Aufnahme in ein zu errichtendes Asyl oder durch Geld Unterstützung einen möglichst ungetrübten Leliensaliiend zu bereiten“. Infolge der rührigen Arbeit der damaligen Aiissuiiißmitglieder und der iknlurdi bewirkten Vermehrung des Vermögens »ar es möglich, in der Generalversammlung vom 2. April 1905 den Beschluß bekannt zu gebe«, daß das Altersheim endgültig in Sontheim bei Heillironn errichtet werden soll. Es wurde) auch eine Raukommission ernannt, welche diel von den Architekten Heim und Früh in Stuttgart gefertigten Pläne geprüft und der genannten Firma die Bauausführung lies Altersheims übertragen hat. Sofort nach Erstellung des Altersheims die feierliche Einweihung fand am 21. Mai IJ907 statt — sind zehn Pfleglinge, und zwar fünf F]rauen und fünf Mänuer. in das Heim eingezogen > Im I-aufe der Zeit ist das Heini voll besetzt worden, so daß sich Ende des'Jahres 1930 35 Pfleglingei und zwar 14 Männer und 21 Frauen, im Altersheim befanden. | Aus den Satzungen dürfte von allgemeinem Interesse sein, daß in erster Linie sülche alte erwerbsunfähige Israeliten Aufnahme Finden sollen. welche die wiirttembergische Staatsangehörigkeit besitzen oder in Württemberg geboren sind, bzw. die Frauen und Witwen der”letzteren. Selbstverständlich können aber auch reichsdeutsch e oder außerdeutsdie alte erwerbsunfähige Israeliten in das Altersheim aufgenontmen werden. jedoch nur ..in besonderen Fällen ausnahmsweise*^ wie es in den Statuten heißt. Unterstützungen sollen in der Regel nur an VVürttemberger. welche im Lunde wohnen, abgegeben werden. Der erste Vorstund des Vereins vvuij Julius S p i e g e 11 h a I in Stuttgart, der diese*; Amt bis zum Jahr 1908 pflichtgetreu bekleidet hat. Spiegelthal wurde im Jahr 1908 zum Ehrenvorstand ernannt. An seine Stelle trat im Jahr 1908 Sanitätsrat Dr. Emanuel Weil, der schon dem Ausschuß seit Gründung des Vereins angehörte und bis zum Jahr 1919 an seiner Spitze stand. Seither fehört er dem Ausschuß als Ehrenvorstand an. in Jahre 1919 wurde an seiner Stellle Hermann Simon zum Vorstand gewählt, der dem Verein 1926 durch den Tod entrissen wurde, nachdem er schon seit 1908 dem Ausschuß als Schriftführer angehört hatte. Seit 1926 bekleidet Rechtsauwalt Dr. Lud wigOtten heim ef das Amt des 1. Vorsitzenden. Von den Mitgliedern, welche schon dem ersten Ausschuß im Jahre 1896 angeheirt haben, ist noch besonders Louis Hirsch. Stuttgart, zu erwähnen. Er wurde im Jghre 1924 nach 27jähriger verdienstvoller Tätigkeit im Ausschuß zum Ehrenmitglied eriiannt. Weitere Ehrenausschußmitglieder waren: Adolf Eßlinger. Stuttgart. H P i n r i ch H e ti m a n n. Stuttgart. David S ch w a b a ch e r. Stuttgart S a 1 o m o n I s r aje 1, Sontheim. Erwähnt sei noch, daß als Anstaltsarzt bis zum heutigen Tug Dr. Picardj in Sontheim tätig ist. der sich alle Zeit mit besonderer Liebe der Insassen angenommen hat. Die Verwaltung des Asyls liegt seit I. November d. Js. in den Händen de^ Oberin Ottilie Winter. Das Altersheim hat sich insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse als eine ganz besonders wohltätige Einrichtung erwiesen^ ln den— letzten Jahren sind ihm nicht nur aus Württemberg, sondern auch aus dem Rejiche eine große Anzahl von Aufnahmegesuchen zugegangen, die nicht berücksichtigt werden konnten. Es wurde daher in den letzten Rechenschaftsberichten schon darauf hingewiesen, daß in nächster Zeit ernstlich an eine Erweiterung des Altersheims gedacht werden muß. Wenn der Ausschuß zu diesem Zweck in absehbarer Zeit an unsere Glaubensgenossen in Württemberg herantreten wird, so ist zu hoffen, daß trotz der Wirtschaftskrise entsprechende Mittel aufgebracht werden können, weil sich eben gerade wegen der Wirtschaftskrise das Altersheim immer mehr als eine dringende Notwendigkeit herausgestellt hat.! Das JOd. Schwesternheim in Stuttgart t eingesetzt, die im September 1913 den Platz in der Dillmannstraße erwarb. Es bleibt für immer eine Ehre für die württernbergischen Juden. daß in kurzer Zeit die Baumittel für diesen Zw eck aufgebracht w erden konnten, so daß Ende April 1914 mit dem Bau begonnen werden konnte. Der Ausbruch des Weltkrieges verhinderte es. daß das Haus sogleich seinem Zwecke übergeben wurde. Der Verwaltung!,rat stellte die Schwestern und das Heim in den Dienst des Vaterlandes. Der Neubau wurde vorerst als Hilfslazarett mit dreißig Betten eingerichtet. Erst nach Beendigung des Krieges wurde das l-uzarott ain 30. April 1919 freigegeben und seinem eigentlichen Zwecke übermittelt. Die ernsten Schwierigkeiten der Nachkriegszeit stellten wiederholt die Fortführung und die Erhaltung des l.iebeswerkes in Frage. Nach dem Ausscheiden Dr. Feldmanns aus dem Verwaltungsrat (Ende 1929s übernahm Max Wolf in dieser schweren Zeit die Leitung des Schwesternheimes. Seit dem März. 1927 führt Dr. Gunzenhauser die Geschäfte des Vorstandes. Unter seiner treuen Führung hat sich das Schwesternheim weiter erfreulich entwickeln können. Bei Juden und Christen wird die Leistung des Schwesternheimes und seiner sich selbstverleugnenden Schwestern restlos anerkannt. Am 9. Mürz 1930 durfte das Schwesternheim die Feier seines 25jährigen Bestehens festlich begehen. Der Verlauf der Feier zeigte, daß nicht nur die Gemeinde. sondern auch die staatlichen und städtischen Behörden die Tätigkeit des Schwesternheims vollauf würdigen. Was unsere jüdischen Schwestern im Weltkrieg geleistet hüben, davon spricht der Artikel „Die württernbergischen Juden im Weltkrieg“ (siehe Hauptausgabe). Audi verweisen wir auf unseren Artikel „Zur Jubelfeier des 25jähr. Bestehens des Jütl. Schwesternheimes in Stuttgart" (Nr. VT 23).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.