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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1931-11-16 · 16 (16.11.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VIII (1931-1932)
Issue
16 (16.11.1931)
Date
1931-11-16
Page
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Anl&ftlich des Aufrufen* zur Thora: Heinrich Arm; Rudi Bach; Benno Bieringer; Moritz Bieringer; Josef Burgheimer; Hugo Davidsohn (3 mal); Alfred Eppstein (2 mal); Ludwig Epstein; Julius Essinger; Albert Flegenheimer; Josef Fried; Karl Furrhheimer; Max Furchheimer; Max Gundelfinger, Cannstatt (2mal); Jakob Gutstein; Heinrich He noch; Louis Hirsch: Moritz Hirschfelder, Rexingen; Richard Hirschfelder; Adolf Hirsehheimer; Religions-Oberlehrer Jakob Jaffe; Simon Kahane; Alexander Kahn; Julius Kahn, Ludwig-Pfaustr.; Sigmund Kallmann; Carl Kauffmann, GaisburgstraLe (2mal); Adolf Kops; Albert Levi (2mal); Josef Levi, Kanonenweg; Leopold Levi; Wilhelm Ldvi; Julius Maier; Hans Mayer, Lindenspürstr.; Leopold Mayer; Paul Mayer, Lindenspürstraße M; Julius Merzbacher; Max Nathan, Basel; g Neumann (2mal); Moritz Pohorylles (2mal); Georg Reichner (2mal); Benjamin Rosenfeld; Hermann Rosenfeld; Leopold Rosenfeld; Dr. med. Siegfried Sänger; Albert Scheuer; Julius Scheuer; Julius Simon; Bernhard Sommer; Konsul Max Straus; Julius Uhlmann; Emanuel Wertheimer; Moritz Wildmann; Jakob Winter. Fflr das Waisenhaus, anl. Jubil&um: Berthold Böttigheimer; Richard Loeb; Dr. Gustav Löwenstein; Arthur Rothschild, Cäsar- Flaischlenstrafie; Theodor Spiegelthal; Arthur Sänger. Spenden, eingegangen bei den Vereinen: Israel. Frauen verein: Herr und Frau Albert Bach, anl. der Geburt ihres Enkels; Herr und Frau Rudi Bach, aal. der Gebart ihres Sohnes; Frau Dr. Gustav Feldmann, anl. Jahrzeit; Frau Leopold Goldschmidt; Frau Elise Kahn, johannesstr., anl. ihres 75. Geburtstages; Frau Ida Kallmann; Frau Sara Levi, anl. des Todestags ihres Sohnes; Frau Albert Mayer, Schlosserstr.; Julius, Max und Landgerichts«)ir. Ludwig Stern, anl. Jahrzeit Isr. Männer-Verein für Krankenpflege und Leichenbestattung: Julius, Max und Landgericbtsdir. Ludwig Stern, anl. des Todestags ihrer sei. Mutter. Ortsarmen verein : Frau Elise Kahn, anl. ihres 75. Geburtstags. Israel. Fürsorgeamt: Emil Levy, Bernhard Schreiber, durch die Ge meindepflege; Julius Stern, Seestr. 7, Ablösung durch Synagogenplatz; Elise Kahn; Frau Dr. Rieger; Isr. Verlagsanstalt in Form von K osten - ua«hlad; N. N.: Sachspenden: Albert Hirsch, Winterhausschuhe. Die Veröffentlichung der Namen der Spender anlädlich der Hunderjahr-Feier des Israel Waisenhauses in EBlingen erfolgt an dieser Stelle ab 16. Dezember «L Js. Der neue Golem. In der Sagendichtung kehrt die Geschichte von dem Meister, der aus Lehm einen künstlichen Menschen geformt und durch die Kraft des wunderwirkenden Gottesnamens zum Leben gerufen, immer wieder. Der Golem wird zum Sklaven, zum Werkzeug, zum Wächter geschaffen und leistet lange still und geduldig seine Arbeit. Aber in der Legende rächt Sich der vom Zauberer geschaffene künstliche Mensch — er erschlägt den Meister, der ihn geschaffen. Der Mensch des letzten Jahrhunderts hat sich einen solchen Golem in der Maschine geschaffen. Sie hat ihm nach und nach alle Sklavenarbeit abgenommen und ist in seinem Dienste ein wertvolles Werkzeug geworden. Aber der neue Golem wurde das Schicksal der Menschheit. Er hat immer mehr Menschen ersetzt, verdrängt und schliedlich überflüssig gemacht. Von einem Arbeitsbereich zum nächsten ist der moderne Golem vorgedrungen und hat. wo er hinkam, Hunderten. Tausenden das Brot und das Lebensrecht geraubt. Die Maschine hat mehr Existenzen als alle Weltkriege in der Geschichte vernichtet. Sie hat sich an ihrem Schöpfer gerächt — der Golem erschlug seinen Meister. Die Kunst des Golem ist von Europa zu allen Völkern der Erde gewandert. Der Golem Technik hat sich die Welt erobert. Völker, die bisher nur Rohstofflieferanten und Absatzgebiete für seine Fertigprodukte gewesen, haben sich Eisenindustrien geschaffen, welche die wirtschaftliche Vormachtstellung Europas bedrohen. Der Untergang des Abendlandes. Europas Schicksal vollendet sich: es wird von den Waffen besiegt, die cs selber geschmiedet und selber dem Gegner geliefert — der Golem erschlägt seinen Meister. Die Technik verschlingt Nuturkräfte und Naturstoffe in ungeahntem Maße. Ihr Abbau schreitet so rasend schnell vorwärts, daß mit ihrer Aufzehrung gerechnet werden muß. Der Abbau der Naturkräfte und Naturstoffe hat allerdings die technischen Leistungen ins Märcheninan gesteigert. Aber in gleichem Maße wuchs ihr Verbrauch. Schon schrumpfen die Kohlenvorräte der Erde zusammen. Wie lange noch, und das tragische Schicksal ist Wahrheit geworden— der Golem erschlägt seinen Meister. Was ist es eigen tl ich mit dem sogenannten Fortschritt? Ist er wirklich das Glück der Menschheit geworden? Wir haben uns noch kaum von den Greueln des letzten Krieges erholt. Aber die Menschheit hat ein kurzes Gedächtnis. Kaum ist der Krieg zu Ende, beginnt das Wettrüsten zu neuem Krieg. Man schafft vollendetere Kriegsmaschinen, man entdeckt wirksamere Giftgase — die alten haben zu wenig Menschen ermordet —, man baut größere Panzerkreuzer mit fabelhaft verbesserten Mordwerkzeugen. Allerdings ein Fortschritt, ein Fortschritt in der Schnelligkeit, Menschen zu morden, Städte zu verwüsten. Kulturwerte zu vernichten. Der Fortschritt wirkt die Vernichtung — der Golem erschlägt seinen Meister. Gewiß haben Technik und Mechanik Höchstleistungen vollbracht. Neue Verkehrsmittel haben die Teile der Erde einander genähert. Radio und Telephon, Auto und Flugzeug haben alle Entfernungen aufgehoben. Aber die Nervenkraft der Menschen ist durch sie zermürbt. Die Entfernungen von ehedem schufen Freizeiten der ZIGARREN Große Auswahl In jeder Preislao© Fabrikfrische Zigaretten i Rieth-Hauptbahnhof Stuttgart Entspannung. Heute gibt es nur noch überreizte, überspannte Nerven. Krankhafte Unrast peinigt die .Menschheit, wandelt die Erde in e^n Krankenasyl — der Golem erschlägt seinen Meister. Allerdings hat die Menschheit neue Djeutungsmittel ihres Niedergangs entdeckt: Massenpsychose. Typensuggestion und die tauscht! Arten der Komplexe — alles Fremd Worte. Freindbegriffe voll fühlbarer Drohungen. Die! Menschheit hat zu den alten organischen Erkrapkungen zahl reiche neue kennen gelernt, von d^ren Gefuhrenkraft sie glücklicherweise bisher nichts geuufit hat. Neu entdeckte Bakterien und Mikroben. deren Dasein bis dahin keiner geahnt hat, bedrohen von allen Seiten den weh rlost n Menschen. Ein Angstgefühl lastet auf den- Seelen, denn jede Berührung, jeder Atemzug kann Tod und \ erderben bringen — der Golem erschlägt seinen Meister. Wer mit offenen Ah gen durch die Museen der Altertümer geht, wird eine tiefe Demütigung erleben. Man denke an die stille Schönheit assyrischer Bunten, an die Formensicherhciit ägyptischer Plastik, an die duftige Zartheit griechischer Marniorbilder. au die blühende Feinheit chinesischer Porzellane, an die steinerne Spitzentechnik Indiens. Manlese die Bücher, die Bekenntnisse. die Weistümer, die Lieder der Alten. Also so hüben die Menschen vor Jahrtausenden gebaut, gebetet, gedacht! Was haben wi^ eigentlich mehr. Besseres, Schöneres als sie? Düs Faustwort tritt unwillkürlich auf. unsere Lippen ..und wie wir s dann zuletzt so herrlich weit gebracht — o ja. bis an die Sterne weit“, ln der) Technisierung des.Lebens sind sicher große Fortschritte gemacht worden. Sie stehen auf der Krjeditseito der Gegenwartsgeschichte, aber die Debetseite, die Roheit und Bosheit und Unkultur; ist die gleiche geblieben. Was ist denn wirklicher Fortschritt? Das. was die Menschheit besser. zufriedener, glückscli ge r m a ch t. Ist die Menschheit wirklich durch Technik und Mechanik besser, zufriedener, glückseliger geworden? Man schaue der Frage ehrlich Ins Antlitz — der Golem erschlägt seinen Meister. In der jüdischen Legende bleibt der Meister Herr über den Golem. Der Rabbi hat fhn zum Dienen geschaffen und bleibt sein Oberhierr. Als der Golem seine Grenzen überschreitet uptl Herrengelüste offenbart, nimmt der Rabbi ihm den wunderwirkenden Gottesnamen, und der Golem ist entzaubert, ein Lehmgebilde, ein lächerliches Phantom, ein Kindergespött.: Das ist die Deutung der alten Sage: der Goleiji bleibe das Werkzeug, der Mensch aber bleibe sein Herr! Nur so ist das Golemprobien) der Gegenwart zu lösen!! Leider sind die Juden zumeist Golem anbete r. Sie haben Gott mit dem Golem vertauscht. Sie starren zu sehr in das blendende Zauberlicht der Technik und haben dabei das Verständnis für die Werte des Geistes verloren. Ein heu entdeckter Stern, eine neue technische Erfindung, eine neue mechanische Leistung sind gelwiß Bereicherungen des Wissens, für das Glück der Menschheit bleiben sie gleichgültig. Die Wahrheit. daß nur Geisteswerte die Menschheit besser, zufriedener, glückseliger machen, ist du[rth alle Erfindungen und Entdeckungen nicht entthront worden. i DEROP BETRIEBSSTOFFE UND AUTO-OELE sind die besten der Welt

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