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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1931-11-01 · 15 (1.11.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VIII (1931-1932)
Issue
15 (1.11.1931)
Date
1931-11-01
Page
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„Ich sah,“ antwortete darauf der biedere Meyer Amsihcl, „Ihren großen Kummer, heiliger Ruhbi. über den Verlust des Ihnen anvertrauten Oeldes und befürchtete. Ihre Gesundheit könnte deswegen Schaden nehmen. Andererseits taten mir die armen Witwen und Waisen leid, so daß ich mich veranlaßt gesehen hübe, den Schaden zu ersetzen. Ich veräußerte meine Ware, sowie das Geschmeide meiner Frau, verpfändete sämtliche Wertgegenstände und wurde sch ließ lief, zum Kinderlehrer, um nur der einmal übernommenen Verpflichtung »achkomme» zu können.“ ..Meyer Anisdiel!“ rief der Xuddik. von den schlichten Worten des „Diebes“ auf das tiefste* erschüttert, „Meyer Amschel! Du bist ein frommer Jude, ein Xuddik! Deshalb möge der Segen Gottes über dich kommen: deine Unternehmungen sollen von Glück begleitet sein, und der Reichtum soll von dir und deinen Nachkommen nach dir niemals weichen!“ . . . Der Segen des berühmten Kabbalisten ging in Erfüllung: Mever Amschel Rothschild und seine Nachkommen häuften Reichtiimer auf Reicht Urner, bis auf den heutigen Tag. Das alte C'hronikbuch. dem diese Aufzeichnungen entnommen sind, befindet sich im Besitz der jüdischen Gemeinde in (Jzortkow. Aus einem Marlitt > Roman Unter der Ueberschrift „Ein Marlitt- Roman“ erschien in der Nummer vom 23. Juni 1931 der „W e 11 b ü h n e“ ein kleiner Artikel, zu dem wir von geschätzter Seite die folgende Zuschrift erhalten. Die Schriftleitung. We r liest heute noch die Romane von Eugenie John, der unter dem Namen E. Marlitt bekannten Romanschriftstellerin? — ln der,.Roidisgräfiu Gisela", erschienen 1870, proklamierte Marlitt das unantastbare Recht aller Menschen auf .Nahrung, Liebe. Licht und Freude, ln diesem Roman findet sich eine Stelle, in welcher ein moderner Unternehmer mit Damen des Adels diskutiert. Dieser Unternehmer hat in seinem, von ihm erbauten humanitären Hort vier Kinder eines verunglückten Arbeiters aufgenommen und da es sich dabei um „jüdische Waisenkinder“ handelt, so klingt erstaunt von den schönen Lippen die Frage: „Wie, Juden nehmen Sie auf?" Darauf folgt die sarkastische Antwort: „Halten Sie denn den Juden für so bevorzugt vom Himmel, daß er den Hunger weniger fühlt, als der Christ?“ — Vor mehr als 60 Jahren ist ..Reichsgräfin Gisela" erschienen. Damals war die „Gartenlaube" noch ein rechtschaffen tapferes Blatt, das auch philosemitischen Aeußerungen seine Spalten öffnete. Entwicklungen sind seitdem in die Brüche gegangen. Die apokalyptischen Reiter haben im Weltkrieg Vorurteile und Werte zu Gerümpel zerstampft, aber wenn man schärfer hinhört, das Echo der Zeit zu erlauschen, klingt „Juda verrecke!“ an ein bestürztes Ohr. Die Liebe ist Steppenkraut, einsame Blume der Wildnis geblieben, heute wie ehedem. — 60 Jahre Marlitt haben daran nichts geändert. 6 Jahrzehnte hat es gedauert, damit der Ungeist sich wieder den alten Vokabeln verschwistert. Die vielbelästerte Sentimentalität mit dem Fähnchen Marlitt’scher Empfindungen bewimpelt, scheint besser und lebenstüchtiger zu sein als das Programm einer haßentwickelten Jugend. Eine Kriegserinnerung. Es war in der Frühjahrsschlacht 1917 vor Arras. Wir. die Württ. 26. Infanterie-Division, wurden am Ostermontag bei heftigem Schneetreiben (deshalb Parole „Osterlämmer“) eingesetzt. da der Tommy die Stellung durchbrochen und auf unsere Reservestellung vorgerückt wär. Wir trieben den Feind wieder zurück und hielten die Stellung. Ende Mai, bei furchtbarem Trommelfeuer, wurde ich verwundet. Ich kam über Aachen nach Deutschland, und zwar bis Mors (linkes Rheinland). Dort wurde ich mit noch mehr Kameraden ausgeladen. Ich kam in ein Kasino der Salzsaline Borth. Kreis Mors. Die Wunde heilte zuerst ganz gut zu. weshalb ich nach 14 Tagen schon aufstehen durfte. Das war mir recht, denn es war ja die Zeit der ersten Kirschen reife, An einem schönen Tage legte ich mich ins Gras und schlief ein. Vielleicht nach zwei Stunden wuchte ich vor Schmerz auf. denn ich lag gerade auf der verwundeten Achsel, und mußte gleich zu Bett. Nach zwei Tagen hatte ich ein solches Wundfieber, daß mich der alte Herr Sanitätsrat aufgab. Als ich für einen Augenblick bei Sinnen war. saß unsere junge Schwester Esther an meinem Bett. Ich sah, wie ihr eine Träne an der Wange herunterkollerte: sie fragte mich: „Herr N„ was ist Ihr letzter Wunsch?“ Und du ich nicht mehr laut sprechen konnte, legte sie ihr Ohr an meinen Mund. Ich lispelte: „Kirschen!“ Als ich gegen 143 Uhr wieder einen Augenblick bei mir war, saß Schwester Esther wieder an meinem Bett. Sie zeigte mir Kirschen, entsteinte sie und labte mich mit den Früchten, mich, den armen Musketier, der schon von allen aufgegeben wurde. Von der Stunde an war ich gerettet. Die liebe Schwester war, als ich meinen letzten Wunsch äußerte, sofort aufgesprungen. So wie sie ging — 167 - und stand, hatte sie sich nicht gescheut, den langen, zweieinhalbstündigen Weg über den Rhein nach der Festung Wesel und zurück für mich zu gehen. Und das schönste noch, meine Lebensretterin war eine von den Anhängern des 3. Reiches so verpönte Jüdin. Gottloh Neuffer, Glasermeister, Eßlingen a. N. tRiifmmsdhau. Württ. Landestheater. Eine Schiilertragödie w ird immer ihr Publikum finden. So gefiel auch „Der Graue“. Schauspiel iu vier Akten von Friedrich Förster. Die durchuus gelungene Zeichnung der einzelnen Gestalte» konnte über die Willkürlichkeit der Fabel nicht hinwegtäuschen. Doch wurden auftuueheude Zweifel an der Folgerichtigkeit der Handlung vergessen gemacht durch eine bis ins letzte* abgerundete Wiedergabe* unter Herrn Junkers Leitung. Allen voran Herr Fmiaii als Hans. Herr Wist en als Klassenlehrer. Ferna» versetzte die Herzen der Zuschauer in Mitschwingung. Herr Wiste» gab de» schwankende» Churakter eines nicht einmal übelwollenden Pädagogen mit der ihm eigenen treffsicheren Gestaltung. Ganz ausgezeichnet auch die Damen Reinolt und Junker, die Herrn I) i 11 r i ch und Laub e »- t h a I. Der warme* Beifall galt wohl in erster Linie den Darstellern, doch darf auch der Verfasser. der einen Beweis wirklicher Begabung gegeben hat. einen Teil hiervon für sich in Anspruch nehmen. Württ. Landestheater. Ein Ereignis für jeden Freund wirklicher Theaterkunst war die Aufführung von Shaws „F rau W a r r c n s Gew c r b e“ mit Gertrud E y s o 1 d t als Trägerin der Titelrolle und ihrem Ensemble*, das sich neben dieser großen Künstlerin wohl sehen lassen kann. Die Eysoldt erfüllte diese „Frau Warren", die sogar einen Berufsstolz hat und mit mathematischer Sicherheit ihrer unständigen Tochter dartut, daß eben gerade ihr „Gewerbe“ sie vor dem „Elend der Anständigen“ bewahrt hat, mit einer furiosen, drastischen Lebendigkeit, die zu tiefster Bewunderung hinreißt. Hier offenbarte sich eine ganz große Tragödin, die aufs neue alle Bestrebungen rechtfertigt, die verantwortungsbewußte Kreise zur Rettung des deutschen Theaters unternehmen. Von den Darstellern nennen wir noch als hier immer gern gesehenen Gast Fräuiein C z a m s k a . die der von ihr verkörperten Vivie eine meisterliche Prägung verlieh. Alle Darsteller wurden mit Gertrud Eysoldt an der Spitze stürmisch gefeiert. . i I i Bankcommandlte Siegmund Well HECHINGEN / TÜBINGEN z S/QMARJNGEN inu. ausL Wertpapiere / Einlagen zu günst. Zinssätzen / Industrie-Kredite / Hypotheken jius dtf Qtsthoftmtttt .Neueröffnung. W ir machen unsere I auf aufmerksam, daß Konditorineiste Goppel vor kurzem in Stuttgart- Obere Weinsteige 23. sein konditc Degt ich eser d.ir- Georg erloch. rei - Cafe e ist mit en und ruße*. Es Be ste " in itorei zu ,re kleine r besonuch des hebe Iii- (S Dt .. W e i » s t e i g e“ eröffnet hat. Dasell den Linien 3 und 16 bequem zu erre liegt direkt bei der Haltestelle Karlsii ist des Inhabers Bestreben, nur das Kaffee und Gebäck aus eigener Kone bieten. Für Kaffeekränzchen und sonstig Zirkel sind zwei behagliche .Vebenzimmt tlers geeignet. Wir empfehlen den By neuen Cafes ..Weinsteige“ bestens, serat in dieser Nummer.) Besucht auch die jüdischen Gaststät^ machen heute ganz besonders auf die Gaststätten Hotel W e s t h e i m e r . I raut B I o ch , Pension A g u I n i k ii Hai mann aufmerksam, die weit Rühmen Stuttgarts hinaus als gute ii werte Etablissements bekannt sind erwartet hier ein gemütlicher Aufentl freundliche Bedienung und dazu eine zc Reduktion der Preise. Für Vereine. K »sw. bietet sich durch die genannten G beste Zusammenkunftsmöglichkeit. Wi unsere Leser auf das diesbezügliche I dieser Nummer besonders aufmerksam Herbst-Möbelschau bei Schüttle. Die >ekn»»to Stuttgarter Möbelfabrik Georg Schüttle Eberhardstr. 63. veranstaltete dieser Tage eine* ausgewählte Schau" ihrer Erzeugnisse, die. von einer außerordentlich großen Interessentenschar besucht, den Beweis für die überragende Lei stungsfähigkeit des Hauses Schüttle aufs brachte. Man sah über zwei Stockwerke verteilte* Speise*-, Herren- und W'ohnzimmereinriethtuugen. staunte immer wieder über die Harmonie der Möbelgestaltung im Sinne des Praktischen und der ästhetischen Wirkung, um so nicht, als bei aller aufgewandten W'erksorgfalt die P eise sich durchweg in normalen Grenzen bewegten. Ganz außerordentlich interessant war auch der Ueberblick, den man bei Schüttle über die! Einrichen : Wir üdische» c* s t a uid_A' a f c* her den (id preisn Gast alt. eine itgemäße riinzchcn <)ststättc*n machen lisc*rat in 'Utfka.^D. Pelzhaus Fritz Hilble Spezial- WerkstStie für feine Pelz-Bekleidung Aufbewahrung / Umarbeitung Anfertigung nadt Maß Albert Gramer Ulm a.D, Plaizfasae 25 - Telefon 2981 KnnslRtrberei i. dies. Wasä-itaäall Tadellose Arbeit! Ktrxeeta Lieferfrist! Fachkeedlge Bedleeaag 1 Abholung aed Lieferung auf Anruf kostenlos. Huber x_ Werkstatte für Innendekoration z Telefon 31Ö2 fchirme E. Friedmann Bohnhofstr. 1 Fabrik solider Tototon 2887 Qualitätsschirjme | Insarlaraii bringt Gnwlnn! | neuwasdierei „Soiuienfroh“ 11 GlOcklerstr. 23 u. ZInglerstr. 34 ALBERT WIELAND Zlanerei. Treneüu nl lusAreherei Lautengasse 9 z Ulm a. D. z Tel. SA. 2270 FERNSPRECHER Nr. S760 Annahme na Naß-, Trocken-, Mangnnd Bügelwäsche nach Gewicht bet 20 Pfd. aepar. Behandlung / Abholung u. ZnateUong frei Haua Herrenu. 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