Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VIII (1931-1932)
- Issue
- 14 (16.10.1931)
- Date
- 1931-10-16
- Page
- [Seite] (sequence 7)
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r Jfice üiifie gehören zur Behandlung ins JUudiüeH&ad! v Modern eingerichtetes Fußpflegeinstitut Heilbronn. Der „R.j.F.“ eröffnet«- seine «liesjühripe Winterarbeit mit einem Referat seines Vorsitzenden Fügen Victor. Der Kellner be leuchtete die Wirtschaftskutustroplien der letzten Zeit iinil vertrat die Ueberzeugung. daß der seitherige Lebensstandard zu liodi sei und den wirklichen Einkommens- und Vermögens verhält» iss« n angepaßt werden müsse. Dies gelte uu«h für die jüdische» Kreise. Dr. Oskar Mayer erstattete sodann in seiner klaren und eindringliche» Art das politische Referat. Kr führte aus. daß man zu spät erkannt lialx-. wie eng Politik und Wirtschaft verkettet seien und zeigte weiter die Situation der deutschen extremen Parteien auf. Besondt*re Aufmerksamkeit widmete er der Frage des Antisemitismus und forderte dringend Aufklärung von Mund zu Mund und energische Abwehr. An beide Referate schloß sich eine rege Aussprache an. Lieber die aus ihr resultierende» Kutsch lüsse werden wir noch berichten. Heilbronn. Die „A r b e i t s g e in e i n s ch u f t «I «• r g e s e t z e s t r e ii e n Jugend Heilb ron ns“ eröffnet«! am 9. Oktober w jeder «li«* Reihe ihrer Winterveranstaltungeil. Im vergangenen Sommerhalbjahr bestand die .Arbeit vornehmlich in Aussprachen über die von den Mitgliedern gehaltenen Referate. Hiervon seien Vorträge genannt über „Bar K o ch b a" (Siegfrie«l Ihipfer), ,.J u d e n i n S p u n i e n“ (Samuel). ..J u «I e und Ni ch t j u d e“ (Unikower). ..Di e Stellung der Frau im J u d e n t u m“ (Flamm) usw. Ein hebräischer Sprachkurs wurde ins Leben gerufen. — Wie im Vorjahre, so sollen auch weiterhin die Freitagabende cornehmlich denjenigen jungen Leuten dienen, die kein eigenes Heim haben. In der kommenden Arbeit soll den Anschauungen anderer Richtungen innerhalb des Judentums besondere Aufmerksamkeit gewidmet und ihre Probleme zum Gegenstand der Diskussionen gemacht werden. Trotz, oder gerade, wegen der schlechten Wirtschaftslage hat sich die Arbeitsgemeinschaft entschlossen. im Dezember eine größere Chanuka-Feier zu veranstalten, um der schweren Zeit auch einige frohe 8tunden abzugewinnen. Heilbronn. Am 17. September wurden auf Veranlassung des I s r. U n t e r s t ii t z u n g s v e r - eins die Churitusverbände in Heilbronn zu einer Besprechung in die Adlerbrauerei geladen. Kinstimmig wurde darüber geklagt, daß infolge der schlechten Wirtschaftslage die Ansprüche an die einzelnen Vereine sich anhäuften, dagegen die Einnahmen sich aus gleichen Gründen verringerten. Aus diesem Grunde wurde dem im Jahre 1925 von Dr. Sch euer ins Leben gerufenen Wohlfahrtsring durch neue Abmachungen ein festes Gefüge gegeben. Alle Gesuche sollen nur noch vom Wohlfahrtsring behandelt werden, gleich, an welchen Verein sie gelangen. Ausdrücklich wurde erklärt, «laß dieser Wohlfuhrtsring nur für Heilbrunner, die in Not geraten, in Tätigkeit treten soll. In Anbetracht der Wirtschaftslage ist es unmöglich, daß den Durchw anderem größere Zuwendungen wie seither gemacht werden können. Allgemein wurde gewünscht. daß dem Wohlfahrtsring bei fre udigen und ernsten Anlässen Spenden zugeleitet werden. welche vom Vorsitzenden. Dentist S t e ck e Im u ch e r . entgegengenommen werden. Heilbronn. Eine wohlverdiente Ehrung wurde kürzlich unserem Geineindemitgliede Dr. A. Würzburger durch die Verleihung des G h o w e r - Titels anläßlich seines 65. Geburtstages zuteil. Sein zum größten Teil durch aufopferndes Selbststudium erworbenes jüdisches W issen vermittelt Dr. Würzburger jung und alt in hervorragender Weise. Die Teilnehmer seiner durch ihre Aktualität besonders anregenden Schiurim zollen dem Jubilar innigen Dank und wünschen ihm noch ein recht langes und gesegnetes Wirken im Dienste und zum Wolde der jüdischen Gemeinschaft. Heilbronn. Anläßlich des Simchas Thorafestes verunstaltete der Tischtennisclub ,.B 1 a u-W e i ß“ am 4. Oktober einen Vergnügungsabend, dessen Programm in mustergültiger Weise vom Vorsitzenden Sigmund Stobrzki <<»»- feriert wurde. Die Rezitationen, dargeboten von zum Teil jugendlichen Mitgliedern, waren vorzüglich und fanden den dankbaren Beifall der zahlreich erschienenen Gäste. Tübingen. Am 2. Oktober durfte unser Gemeindemitglied Bankier S i e g m u n d Weil seinen 60. Geburtstag begehen. Zwar hatte sich der Jubilar durch eine Reise jeder Ehrung entzogen; die „Tübinger Chronik“ widmete ihm jedoch einen ehrenden Glückwunschartikel, in dem es u. a. heißt: „Als tüchtiger, hervorragender Geschäftsmann erfreut sich Siegmund Weil hohen Ansehens in weiten Kreisen, wo man ihm unbedingtes Vertrauen entgegenbringt, was sich — 157 - namentlich in der letzten Zeit der Geld- und Wirtschaftskrise gezeigt hat. Gewerbe und Handel nehmen freudigen Anteil an dem 60. Geburtstag Siegmund Weifs. dessen Bank für sie eine Lebensfrage ist. Trotz aller Vorsicht und Umsicht. die ein Bankie r bei seinen Geldaktionen walten lassen muß. läßt sich Siegm und Weil doch auch von soziul-mensthlicheu Gesichtspunkten leiten, wie überhaupt sein und seiner Gemahlin stets offenes Herz für Wohltätigkeit rühmlithst anerkannt werden muß.“ Mit vielen wünschen auch wir dem Jubilar noch viele Jahre in Gesundheit und Schaffensfreude zum Wohl«* seiner Familie* und der Gesamtheit! Ulm. Am 6. Oktober durfte Dr. Robert Hirsch I im Kreise seiner Familie das Fest seines 50jährigen I) o k t o r j u b i I ä u in s feiern. Der als Mensch und tüchtiger Jurist überall hochgeschätzte Jubilar wurde durch ein von Dekan Prof. Dr. S ch ö n f e I d gefertigtes Handschreiben der rechts- und Wirtschaftswissenschaft liehen Fakultät der Universität Tübingen, die auch den Doktorgrad erneuern wird, noch geehrt. Der Ulmer Anw altsv«*rein erfreute seinen Senior durch Uebersendung einer Blumenspende und durch von Rechtsanwalt Dr. Mann zum Ausdruck gebrachte Glückwünsche. Die jüdische Gemeinde wie der große Freundes- und Bekanntenkreis des Jubilars nahm an seinem Ehrentage freudigen Anteil. Mit ihnen wünschen auch wir, daß Dr. Robert Hirsch noch lange Jahre zum Wolde des Judentums und der Allgemeinheit wirken möge. Ulm. Am 26. September verschied nach schwerem Leiden Frau Frieda Hilb geb. Einstein, die Gattin unseres Gemeindemitgliedes Leopold Hilb. im Alter von 49 Jahren. Der allzu frühe Heimgang der ebenso bescheidenen w ie fleißigen Frau wird hier allgemein bedauert. Jeder hatte Frau Frieda Hilb gern, jeder schützte ihre Geschäftstüchtigkeit und ihr tiefes Verständnis für fremdes Leid. So verlieren ihre Kinder eine treubesorgte Mutter, der Gatte einen zuverlässigen und unermüdlich besorgten Lebenskumeraden. Ihr Andenken wird stets in hohen Ehren gehalten werden. Bankcoiunandite Siegmuid (Peil «■mar*. iMHir.moiMM / Taisss44/41 HECHINGEN , TÜBINGEN / SIGMAJUNGEN lnd. ausL Wertpapiere / Einlagen zu gfiui Zinssätzen / Induztrie-Kredite / Hypotheken Ulm. Wie im Vorjahr, so hat auch in diesem Jahre die Firma Konrad Saute|r. Kohlen hundlung in Ulm. wieder ein große reis Quantum Brennmaterialien der Armenkommission zur Verteil»ng au bedürftige israelitische Familien zur Verfügung gestellt. Heue!Bücfiec. Michael Gold: Julien ohne Ci eil d. Neuer Deutscher Verlag, Willi Münzenberg, Berlin. Geb. 6 Mk„ kart. 4 Mk. Mit tiefer Erschütterung legt man dieses Buch aus der Hand: es führt uns nach Kast-Side, New Yorks Jude »viertel, und in •die Kindheit des Verfassers, die sich zwischen hohen Zinshäusern mit all ihrer Artnut. ihrem Luster, ihrem Verbrechen und — ihrem jüdischproletarischen Solidaritätsgefühl abspielte. Michael Gold versteht es meisterhaft, die vielen sonderbaren Menschen zu zeichnen. Welche sich in der Kast-Side um ihr ach so kümmerliches Dasein mühen. Großartig, wie er seinen Vater, diesen armen, wirklichkeitsfremden Schlucker mit seiner ewigen Anwartschaft auf den „reichen Mann“ schildert, wundervoll, wie i er seine Mutter, diese unermüdliche Arbeiterin und im letzten immer jüdisch-optimistische Frau charakterisiert. — Dieses Buch ist eines der besten, diisrr wir in den letzten Jahren gelesen. [ Es ist ein zutiefst menschliches Buch, eine! Reportage aus der Schattenseite des Lebens: e^ne Million Juden leben in der Kast-Side. un*l Hunderttausende kämpfen hier einen Existenzkampf auf Leben und Tod. Was vermag der Nfcnsch nicht alles zu ertragen — und wieviel Freude he rrscht hier trotz allein! I Albert Cramer Ulm a.D. Pltlxguic 25 - Telefon 2981 HnnstHiterei n. dum. Vaub-Aniloll Tadeltos« Arbeit! KBrxeete Lieferfrist! 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