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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1931-09-01 · 11 (1.9.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VIII (1931-1932)
Issue
11 (1.9.1931)
Date
1931-09-01
Page
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— iio — LVbrr/eugiing. daß clor jüdische Bruder helfen i, ii r (I e. wenn er dazu in der Lage wäre, diese -i eminent bedeutsamen seelischen und körperlichen h raflsfiendcr sind vielen tausenden nnserei um ihre leisten/ .ringenden Glanbens- :rnisM‘M \ ei Inreu gegangen. Man darf anch lieht glauben, dal? der Gro-chen. den man dem . - mell Manne"* '» iclit dann eine Mi/widt ist. wenn mau ihn nicht auch in i t d e m 11 e r / e n .!a lind dem ii.iih-ten Bittsteller Überhaupt nicht e.iiei. „weil heute schon so \ iele da waren*. I; ukon wir dt-cii’ daran, dal: wir am Abend im :;: <• V i, II, ichl ein > j, If.icli« ' von ih'in aii'- l-en. w<i' dem anderen am Nachmittag «las in:/ erlenhf.-rie lind neue Hoffnung brachte. Mil c- ii -• ui Wnii: \\ i r ' o I I I e n u n d m ii ß - e ii ii n ' w i e d e r in i t mehr I i e I» e b e - --in. überall. im I’ I i v a I - wie . I III - ■ e s eil ,i f t s | e Ii e n. Wie oft wurde i i i) -n die-en lagen /enge •■in < ä-'prächcii. die oll jüdischer W irt'ih« ftsiiot und gar von verzweifelten >elli'lmi'idt ii handelten. Mit w, Ich e: sihiitteriiiier Gleichgültigkeit. mit weither *• lh~i v ei-laiidiiih keit wurde von diesen sihwe- ■n lallen v icl fach ge'pr-.Mien! Ist denn der (.e;.ieinsihafl'geis| in uns s>> sehr erstorben, «lall •> ir d< ii /ii'ammeulirudi eines jiidisiiien t>» - sili.ifis lediglich als zwangsläufige Zeitkatasiiuehc nüchtern konstatieren und v jelleichl mit . n Worten „es kommen noch mehr »Iran!" dann; :.]gesi11dniiiig übergelien? W ir leben »loch ul: in der L ngew ißheit! Was heute den i - e II i. k III ni'-rgi II dem anderen /I,Stollen. I a si me! - gilt es', diese Zusammenbrüche als :,i> zi i i kennen wa> sie sind, als traurige /e.-äen 'einer riesigen w irtschaftskata-trophe. :: dl in jndjschc II \olk'leil furchtbare W linden .! und seine (.esamtexistenz täglich mehr I rage stellt. I rage darum jeder von sich aus :. -u In j. dall jüdischer Not nach Kräften gesi- .i ert wird. \ erkenne niemand den Krnst der /• o die von jedem Würde. Tatkraft und llilfsrtsihaft des llerzeus und der Hände fordert I i: st heu wir uii' niclvt! \ ielltiiht ist für die l . ,/• > olksgc in» inschaft der Tiefpunkt der Krise , - '■ hiihl - ri-eicht. X jelleichl müssen noch von dein einzelnen Opfer gebracht werden, deren Vii'iiUi!! wir heute noch nicht zu erahnen verneigen. Hierfür, für diese durchaus im Bereich Möglichkeit liegende Situation, müssen wir all' wappnen. Aber nicht nur mit unserer natürlichen \rbeitsamkeit allein, sondern auch mit ■!i ui. was unserer (•cmciii'chuft ebenso natürlich i-t. aber nur durch die Umstände der Zeit verihiittct zu werden droht: mit dem guten indischen Herzen. Dieses ..lew tow“ Wertteil wir bitter nötig haben, wenn uns am Bestand»- des Judentums noch etwas liegt, wenn wir* wollen, dal! unsere Kinder in so Gott will bald besseren lagen sagen sollen: unsere \ ä t e r ii n d Mütter h a b e II n i th t vers gl. 'ie habe II II User e (> e III einschaft geleitet! I ' ist nicht der Gedanke der Mizwoh. allein, der im „Neuen Jahr" -uh aufs neue liewähren muH. es ist auch die Idee der allgemeinen Hilfsbereitschaft und religiösen Würde, die wir retten mü"eii. l-nd auch liier kann ich aus dem einfachen Alltagsleben Beispiele genug anführen, die meine Toiderung verdeutlichen. Jeder weiß, dal! lausende von jüdischen Menschen heute im härtesten T.rwerh'kuinpfe versuchen, sich und ihr- Familie über Wasser zu halten. Nun kann man gerade von die-en Glaubensgenossen immer wieder Worte hören, die eine fatale Aehnlichkeit mit der antisemitischen Terminologie haben. Worte, in denen ein tiefer Groll schwingt. Es ist nicht meine Aufgabe, hier den tieferen Ursachen dieses ..jüdischen Selbsthasses“ nach- /ugeheii. Aber - - man kann ihn oft verstehen! Und auch hier stelle ich die Forderung: Mehr Verständnis, mehr Liebe, mehr Bereite» i I I i g ke i t! Sollten wir. so gut es geht, nicht versuchen, uns untereinander die schwere Zeit erträglicher zu machen, sollten wir nicht du fördern und unterstützen, wo wir einem Bruder das Dasein ein klein wenig erleichtern können, sollten wir nicht der brennendsten Forderung der Stunde, die Einsteh e n heißt — einer für den andern nach besten Kräften genügen? Ich deute nur an — jeder weiß, um was es geht! Und die Wurzel aller dieser Nöte, die Ursachen dieser innerjiidischen Entfremdung, die. gepaart mit den zahlenmäßigen Einbußen, den \ erfüll des Judentums mit Biesenschritten steigen? Der tiefste Grund liegt im .'schwinden unseres religiösen Selbstgefühls. Wo früher tiefe Gläubigkeit oft nicht weniger schwere Zeiten überstellen ließ, wo aus innigem Gottvortrauen gWxirenor Optimismus neue Kraft und Zuversicht gab da gähnt heute in ach so vielen jüdischen Hausern furchtbare Leere. Jeder richtet den Blick auf die Erde- und auf seinen e igenen Lebenskreis. jeder ..hat mit sich soviel zu tun", daß er weder Zeit noch Lust hat. die Grenzen dieses viel zu engen-jüdischen Lc-bensraiinu-s zu sprengen. Die zwingende Folge davon ist. daß die jüdisiheu Gemeinschaftsinteressen heute nur novh von einigen wenigen getragen werden, daß mU r Egozontrieriing des jüdischen Menschen auch die verbindende Kraft seiner Religion er- Es war bei Bcaumoiit. im Bereich cler furchtbaren Sommekämpfe. Seit Wochen hatte der Engländer unseren Frontabschnitt mit einem Granathagel überschüttet und immer wieder versucht. durchzubrechen. Aber die tapferen Mannschaften des w ü r 11 e m b c* r g i s ch e n R e - serv e-I n fa uterie - II egiinonts Ith hielten unter ungeheueren Opfern seit 16 Monaten ununterbrochen ohne Ablösung aus, und es gelang dem Gegner nicht, die Stellungen zu nehmen. \ls das Regiment endlich am 9. September in die verdiente Ruhestellung gekommen war, mußte es einige Tage später aufs neue an die Front. Erbitterte Kampftage folgten — dann aber wurde das Regiment wieder abgelöst. Einige Tage brauchten wir nun dem Tode nicht stündlich ins Auge zu sehen. Nur die feindlichen Flieger und das unheimliche Grollen der Geschütze ließen uns fühlen, daß wir in nächster Nähe der Sommekämpfe waren. — Wie oft dachten wir in diesen Stunden an die bevorstehenden Herbstfeiertage! Zu Hause bangten unsere Lieben um uns — aber, so schwer es uns selbst ums Herz war — wir trösteten in unseren Feldpostbriefen so gut wir konnten. Auch meine Stuttgarter jüdischen Kameraden von einst werden in diesen Tagen an jene Zeit denken, da wir nicht wußten, ob das neue Jahr nicht unser letztes sein würde. So weit mir noch in Erinnerung waren damals die Kameraden MaxHeumann. Alex Kahn. Ludwig Kahn, Alfred Messing, Adolf Müllers.A., Dr. Rudolf lahmt. So löst sich unsere Religionsgemeinschaft immer mehr in individualistische Bestandteile auf, die nicht mehr von der Gemeinsamkeit des religiösen Erlebnisses und der Verpflichtung zur Gesamtheit durchdrungen sind. Und von hier aus beginnt der eigentliche Abstieg. Hier entspringt die furchtbare Würdelosigkeit, mit der heute über die heiligsten Güter unserer Religion gesprochen wird, hier ist die Quelle unserer religiösen Unwissenheit, deren Gegenteil allein die W ege zum Guten anbahnt. Der Mensch lebt nicht vom Essen allein — die wahre Glückseligkeit strömt aus anderen Bezirken! Bestimmt geht es hier um das l^etzte im menschlichen Leben überhaupt. Religion und Nächstenliebe hängen aufs engste zusammen; sie sind es. die den moralischen Bestund des Lebens verbürgen. Handelt cler Mensch in diesem Sinne, dann handelt er auch für seine Gemeinschaft. Das ..Neue Jahr“ steht vor cler Tür. Es wird w iederum kein leichtes sein. Ein Jahr der mühevollsten Arbeit, ein Jahr der Opfer. Aber es sollte in Wahrheit für uns alle ein ..neues“ Jahr sein, ein Jahr gesteigerten Yerantwortungsbewußtseins und erhöhter Bereitschaft. Das Jahr *>692 sollte eine w ürdige und von religiöser Kruft Erfüllte Jiidenheit antreffen, eine Gemeinschaft. die wieder erkannt hat. daß es die Liebe allein ist. die „das böse Verhängnis“ abwendet. So manches sollte anders werden_! Aber ein strahlender Morgen zieht nur dann herauf, wenn der Himmel klar ist. Sorgen wir also für Klarheit des Geistes und der Seele! Dann wird das Jahr >692 trotz allem — ein ..sclio ii ii tauwo“ sein! Strauß. Oskar Weiß s. A., A. Weißbach c r und Salo W e r t h e i m-e r - Hall die noch überlebenden jüdischen Soldaten des Regiments. Wie oft dachten wir daran, daß in Kürze die uns von Kindheit an vertrauten Weisen der hohen Festtage in der Heimat erklingen würden, wie oft dachten wir zurück an jene Zeit, da wir selbst uns „in Zivil“ ins Gotteshaus begaben! Es war kein gutes Jahr, das jetzt seinen Abschied nahm, und ob das kommende den Frieden bringen würde — das war so ungewiß wie unser ganzes Frontdasein. Aber wenn wir auch jede Stunde wieder an die Front kommen konnten — denn nach wie vor stand unser Regiment unter Alarmbereitschaft — so hofften wir doch gläubigen Herzens. Da kam für uns jüdische Mannschaften der Armeebefehl zum Besuch des großen Rauschhas cho no- Gottesdienstes der Heeresgruppe Kronprinz Rupprccht von Bayern in St. Quentin. Schnell machten wir uns, so gut es eben gehen wollte, „feiertagsmäßig“. packten unsere Tornister und pilgerten zur nächsten Bahnstation. Die Heeresbahn brachte uns nach St. Quentin. Wir sammelten uns in den Anlagen der damals noch nicht verwüsteten Stadt. Gegen tausend jüdische Kameraden hatten sich dort eingefunden. Alle deutschen Dialekte tönten durcheinander. Das Wiedersehen mit so manchen Freunden und Bekannten war ergreifend und ist auch heute noch mein unauslöschlicher Eindruck. Dann ging es in die Quartiere und kurz darauf zum gemeinsamen Neujahr 1916 im Felde. Von Hugo Davidsolm, Stuttgart. RohrerMöbel das führende Haus der nur im eigenen Betrieb hergestellten Qualitäts-Möbel Stuttgart. Lindenstrasse 14

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