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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1931-06-01 · 5 (1.6.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VIII (1931-1932)
Issue
5 (1.6.1931)
Date
1931-06-01
Page
[Seite] (sequence 5)
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57 jüdischer Lebenskraft, der Familiensinn war von jeher der Judenheit kostbarstes Gut; und wenn im jüdischen Schrifttum die Rede von irgend einem ganz besonders innigen Kontakt ist, dann wird auch meistens ein Bild aus dem Familienleben herangezogen. Die heutige Zeit nun. in der jedermann irgendwie unzufrieden ist, hat besonders der Jugend eine starke individualistische Prägung gegeben. Diese so tatbereite und selbständig handelnde Jugend läuft aber Gefahr, im Liebereifer den Blick für das reale Leben zu verlieren und ihr Leben auf einer Grundlage zu gestalten, der das Entscheidende naturnotwendig Fehlt; die Erfahrung. Das Regulativ für den jungen Menschen ist nun die Familie, die ihn verpflichtet, sich ihrer würdig zu erweisen: sic sorgt weiter mit um sein eigenes Schicksal, belehrt ihn, stellt ihm ihre Erfahrung zur Verfügung und — erhebt auch Einspruch. Und wenn die familiäre Zugehörigkeit hier und da auch als Hemmung empfunden werden mag. so wirft die Familie doch ihre Erfahrung in die Wagschale, und sie ist es. die vor dem Persönlichkeitsrecht des Jugendlichen den Ausschlag geben soll. Das Recht der Jugend, sich „auszuleben", wird durchaus anerkannt — aber, hat es nicht immer schon eine im lebendigen Aufstieg befindliche Jugend gegeben? Betrachtet man die Jugend der vergangenen Jahrhunderte, so kann man sagen, daß es keine Weltanschauung bisher gegeben hat, in der die Jugend so „rechtlos" lebte. Der Patriarchalismus des jüdischen Familienlebens ließ einen jugendlichen Einspruch nicht zu. Und dennoch: in der jüdischen Literatur dreier Jahrtausende findet sich kein Wort von der Unfreiheit der Jugend. Diese Jugend wußte trotz allem, daß ihre Eltern ihre beste Interessenvertretung waren. Daß die alten Zeiten die besseren waren — dieser Beweis ist erbracht. Ob die neue Zeit die bessere ist — dieser Beweis fehlt zumindest noch. Deshalb soll die Jugend von heute auch nie den Rat der Familie entbehren wollen; wer sich von ihr sondert und allein steht, dem fehlt die Vollkommenheit des Daseins, der weiß nichts von einzigartiger selbstloser Vater- und Muttertreue; wer sich von der Familie trennt, entwurzelt sich seelisch. Es mag besonders gelagerte Fülle geben — aber auch dann vergibt sich die Jugend nichts, wenn sie Kompromisse schließt und in der Erkenntnis ihres Werdens sich in Bescheidenheit bemüht, ein mitverantwortliches Glied ihrer ureigensten Wesensgruppe, ihrer Faniilie, zu sein. — Die sowohl inhaltlich als auch rhetorisch hervorragenden Ausführungen Dr. Tänzers weckten stürmischen Beifall und eine sehr lebendige Diskussion. ln ihr kamen die verschiedensten Meinungen zu Wort, zu denen der Referent in sachlicher und verständnisvoller Weise Stellung nahm. Im Schlußwort brachte Dr. Tänzer zum Ausdruck, daß zwischen Jugend und Familie wohl eine Gegensätzlichkeit bestehen könne, daß diese Gegensätzlichkeit aber nie eine Verschiedenheit der seelischen Grundhaltung sein dürfe Stuttgart. Der Ausspracheabend des Berthold Auerbach -Vereins vom 19. Mai über das Thema „D er K o m m u n i s in u s u n d w i r“ stand unter der geschickten Leitung von Leo H i r s ch - Cannstutt, der eingangs ein ausführliches Referat über die Problemstellung des Sozialismus und Kommunismus einerseits und des Kapitalismus andererseits erstattete. In diesem Zusammenhang zeigte der Redner, wie Karl Marx auf dem Wege reiner philosophischer Spekulation zum Sozialismus kam. wie seine Grundthesen durch Franz Oppenheim er uls Vertreter der sozialistischen Richtung ausgebaut und wissenschaftlich erläutert und durch S o m b u r t als Vertreter der kapitalistischen Schule kritisch beleuchtet wurden. Im Anschluß hieran stellte der Referent die Wirtschaftsformen und -ideale beider Schulen dar. wobei er die Extreme beider Richtungen sowohl an der kapitalistischen als auch kommunistischen Praxis darstellte. Im zweiten Teil seines Vortrags behandelte Leo Hirsch ausführlich den Fünfjahres- Plan der Sowjet-Union, ln eingehender Weise besprach er auf Grund neuester Veröffentlichungen die wirtschaftliche Situation Sowjet- Rußlands. zeigte die ‘Methodik der dortigen Industrialisierungsbestrebungen und ihre soziologische Auswirkung auf. um dann an die Hörerschaft die Frage zu stellen, ob es richtiger sei. sein eigenes individualistisches Dasein zu leben, oder — wie zurzeit in Rußland — im Gefühl, für die Gesamtheit und deren Wohl zu wirken, selbst größte Entbehrungen auf sich zu nehmen. An die mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen schloß sich eine sehr lebendige Diskussion an, die naturgemäß nicht zu einer Klärung der Frage führen konnte, aber den Eindruck vermittelte, daß man'auch in der Jugend das wirtschaftliche und geistige Problem „Sowjet- Rußland“ mit stärkstem Interesse verfolgt. Stuttgart. Der Berthold Auerbach- Verein beschließt sein Frühjahrsprogramm mit einem Ausspracheabend über „Das neue Atoll Blind, Hdttronn a.N. MALE II MI IST KR Schilleretraae 41a / WarfcsttMa KarlatraSa Sa jüdische Buch“ (Leitung: Redakteur Hans S t e r n h e i in) und einem „Gemütlichen Abend" mit Tanz. Näheres siehe Inserat Seite »4. Stuttgart. Palästinaliederabend des Oberkantors Dr. A. Amira aus Te 1 - A w i w a in I 6. M a i. Einen überaus interessanten und zugleich erheiternden Abend bereitete Oberkantor Amira seinen Zuhörern durch den Vortrag hebräischer und jiddischer Gesänge. Amira ist im Besitz einer gut geschulten Tenorstimme, ist der Tvpus des russischen Chasuns und persönlich ein fröhlicher Plauderer, der schon durch seine Erläuterungen -in unverfälschtem Odessuer Jargon seine Zuhörer für sich Sein Programm war gut gewählt. Es ve die Kenntnis der Lieder, die in dem Dichter Bialik geschaffenen Oneg-Schaba anstaltungen in Palästina gesungen Diese Lieder sind meist im Volkston g Amira hat selbst zu ihnen geschmackv gleitungen für Klavier und Geige kon VVeniger interessant waren die beider lieder, das eine von neuseeländischen, da von italienischen Soldaten nach Päläsl bracht und hier heimisch geworden, sehen Lieder sind meist auf einen russ Li gewann. > mittelte on dem tth-Verwerden. ehalten. olle Beponiert. Volksandere ina gee jüdiseh-sencJCeMccuw SÄE«- }fch.}&/chßnj‘(kLer STO. 11« 3NH- EUGEN ZIEQLER JUWELIER fTOTZ W Flelnerstr.33 Silber-Bestecke Möbelfabrik Strienz «S. 2»iVel Bausdilosserei / Elseakonstruktion ItofVrafcbränVe Kassetten, Transporte, Reparaturen fSUJS®5 ASnelseanfsüne «*Uf. SOS Hygienisch. WAscfae. Unterkleidung / Morgenkleider. Kleidsame Sportmoden Elegante Sie bitte dos Cafe Nagele Bahnhofstr. 16 / Telefon 1666 ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■»■■■■■■■■■■! FRITZ SEEL BSSSM.* \ ■ — . , - - — ■ » WB jmrmmmmrm m m I*dt\tmu4n ■ 5 JT—«Tgia». QepcnaiMada' | 1 SSmMdm Mra-ASM ■ nn—■■■■■■—■■■■■■■■■■■■■■■■■■ ... -... - SKhcrcr’sdie Apotheke LUDWIG SÜNDER Hdlkrau «.& HAUG'S Spezialhaus fOr Käse - Butter Eier und Aufschnittwaren SOImerstraOe 12 - Fernsprecher 1311 Gerüst- Bau Grupp £?££ MAX B DRXUNLING KalsarstraBa 21, Tal. 1»» Das Haus 1. schöne Blumen Kauft belaum Iiuratiei! Göppingen tssCingm j - Adolf Fischer & Sohn •tan NanUllitr. 28 nf 28 a. Hmyr. 788 KohlBii, Koks« Brlkotts Buchenu. 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